Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1927)
- Date
- 1927-12-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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V N Dezelnkm W7 D « 9 s r a « 1 l t Nx. 51 Tei»e 3 Reb Iankew Schloime taucht d-en tiefen» durchdringenden Blick feiner Augen in das Gesicht Reb Joels, sieht den Gast forschend an und will etwas sagen. Mer MN setzt Reb Doel fort: „Pergament werde ich euch kaufen. Das Lehrgeld für Joffel braucht ihr mir von nun an nicht mehr zu schicken, den Rest werde ich euch in monatlichen Raten bezahlen." DW TKorasihreibkr Mk NW llninkr Reb Hnes aus fernen tiefen Höhlen an, in seinen Augenschlitzen zuckt es, sein Bart zittert etwas, er will etwas sagen; aber er. sagt es nicht. Er. nr«^t Reb Josl zustinirnond zu. " Die Timme Red Lvels yrbr sich wieder. Er nimmt aus einer Tasche Branntwein und Leckerbissen,. die er mitgebracht hat, und alle, Reb Jankew Schloime, Reb Joel, deren Frauen und Dosfele, trinken ^rd^ajirri": _ . Auf dem Heimwegs jubelt Reb Ivel ln ins brünstiger Freude. Er spürt, wie ein neues Leben ihm durch alle Adern strömt. Und er denkt in seinem Innern: Sechshundertsiebenundvierzigtausend'dreihundertnounzehn heilige Buchftllben wird nunmehr Neö £«r Thoraschreiber, für ihn» schreiben. Jeder Buchstabe ist ein guter Engel647.3.19 Schutzengel werden nunMichN 3WW>elMnö sein^GüstiN>V^' MtzM . . . v Mtt einem aufgeheüten Gesicht geht Joel von nun an einher, in seiner Stimme schwingt Freude, und Zuversicht rinnt durch srmr Essls. Seine Frau Gi-tele kann schon sticken. Sie stickte früher Talis- und Tefillinbeutel, dieman in der ganzen Stadt bewunderte. Oft dachte sie» wenn sie einen Sohn hätte, was für einen WM MM würbe sie für ihn sticken . . . Gitele stickt nun jetzt ' ein Mäntelchen aus- Samt und Seide für die Thorarolle, und ihr ist es, als sticke sie den Tefillinbeutel für ihren. Sohn... Atter Demb'itzer, ein Drechsler, Hessen Drechsler, dessen Sohn bei Reb Joel lernt, schnitzt die Hölzer — aus dem feinsten Holze — für die Thorarolle. Alls visr Wschsn,' an sinsm Sonntags, wenn alle Schüler heimgehen, überreicht Reb Joel Joffele ein Päckchen Pergamentblätter und 20 Kronen für seinen Vater. Üll8 iM LM jsi M Zuversicht umwallt, Freude begleitet thtt überallhin. 647 319 Schutzengel werden» ihn schützen. Zuden und Zudevwm in Hug-ent», die durch die hoehren Schulen gegangen ist, wirkt die Tradition fort. Es bilden sich Gesellschaften zur Kräftigung des Judentums. Die Jugend ist organisiert und der Wellunion der jüdischen Jugend angeschlossen. In -Algier, Oran urtb Konstantins besteht je ein NabHinersimmar, S«s ^nträlkösÜsiLSiUM fPäR: zöstfchen Juden verfolgt mit Interesse die Entwickluung in Algier. Die Beziehungen zwischen den Juden und den anderen Bevölkerungsteilen Algeriens sind gute/ Nur in einigen Strichen macht sich ein Antisemitismus bemerkbar. Im Departement. Oran gibt es z. B. einen Bur^«rm«ifter^ der «in antisemitisches Journal herausgibst Im Akgrmrmrn «her mvb der Werl ier jüdischen Bevölkerung hoch eintzeschätzt. Bei den Wahlen fällt das jüdische Element stark ins Gewicht. Die Zeremonie der Einweihung des jüdischen KriegerbcnJmafs in 9IIg!«r mar sehr imposant. Vertreter der NegleeaNZ' and des totalen iS Weiheceden die Gleichheit aller Konfessionen in Frankreich. Die algerischen Juden haben im Kriege an gefährdetsten Stellen gekämpft und demgemäß hohe Verluste. gehabte Sie waren ein Teil der 45.- marokkanischen Division, die sich in d-er Marne-Schlacht durch bewun- SttLMMM (jÖL Kl€ silUNstkikN Juden sind stolz auf ihre Leistungen!rn KklögS. Mb jüdische Bevölkerung Algeriens strebt nach einer engbren Verbindung mit dem Judentum in Frankreich und Paris.. Mein Besuch in Algerien hat sehr viel zur Befestigung der Bande zwischen dem französischen und dem älgeri- Jnd-entnrn beigetragen, - „Sie sind Lehrer, — Äfl ist AHNS» Biß MeMMM Allst (Ob es in der halb französisierten jüdischen^ Jugend- HlgKieNsMMch so schön aussieht, sch'Mt Ms'' zwelfeiyast. Red.) , Der Gr-oßrabbiner von Frankreich. Herr Israel Levi, lsisoeMn van eirHöi Bäsllch t« ÄltziSk £UrÜ(lQ(Ü4i)rt, wa -er der Einweihung eines Denkmals für dt« im Kriege gefallenen Juden von Algerien beigxwvhnk hat. In ernenr 0 ».sprach m». Lvm Der rerer -der' Jüdischen Telegraphen-Agentur äußerte. sich der Großrabbiner über die Judenheit in Algerien wie folgt: Äian empfängt im allgeiiiNllöii 4lN?kl sühk güidn llillr druck. Das algerische Judentum hat sich, seitdem ihm ein. Regierungsdekret die Naturalisation erleichtert-hat, sehr schnell der französischen Kultur angepatzt. Aus Algerien stammende Juden nehmen auch schon in Paris. Mchligs (Muneen ein. Auch Uik Mirttillr 888? der utgerifchen Juden ist mit Ausnahme einiger Gebiete wie etwa Konstantine, wo es noch viel Elend gibt, eine gute. Aber auch in den Elend-Gebieten bemühen sich die Gemeindebehörden durch Schaffung von Wohnungen usw. kim Besserung, ^erbei^usühren. Die Alliance Jsraelitö UniveiMe verhilft durch' ihr? und Fächschiilätt einer großen Zahl Juden zur. Ergreifung eines prvdutiven Berufes. Algerien ist ein reiches, fruchtbares Land. IN', der letzten Zeit haben sich zahlreiche Juden der Landwirtschaft zugemendot: sie bilden eine neue Indische B^rnklasst. DSL iHHIM ÜStzM Ak llleSNWN MAN zeugt von starker Intensität. Die kleinen Gemeinden isruppieren sich um die Großgemeinden, deren Tätigkeitseld sich stetig erweitert. Soziale Hilfsgesellschaften enttehen, in denen die Frauen einen großen Einfluß ausüben. -Dies hat «in« gute Wirkung auf die Jugend. tzrrilich, W* jüdis^e dLi» WölbUchöN IUgM steht noch im Argen, wenn auch hier Besserungen nicht zu verkennen sind. Die algerischen Juden sind tief religiös und hängen an ihrer Tradition. Die Synagogen sind stets voll. Die Sabbath.ruhe wird streng debdüchtLt. Mischehen sind äußerst Men. AM Ai Ar buch, die TvgesMung, bestenfalls eine populür wisirn» schaftliche Schrift. Es ist einsam um die geworden, di» der Fahne der Thora die Treue wahren." Der junge Mann unterbrach jetzt die Rede. „Si« sind Lehrer, — da ist ihnen segensreich« Aust Vk« g^el-en, ün\crer TtzSSL MMsifS? g« g& winnent" . „So dachte auch ich und wurde darum Lehrer. So dachte ich auch noch, als ich vor sechs Jahren frisch/Dvrn Seminar weg meine Stelle annahm. Eine konservälive Gemeinde von fünfzig Familien, die Geschäfte am Sab- 8?i«H?Ü?n — ffnö öas nit^r gönpige Vorbedingungen? MN dem EtühusiasmuHer JugLnd ging ich uns W?rc. Ich stieß aber aus Granit an Slelle empfänglicher Herzen. Erst, die Familie, dann der Beruf, dann das Judentum, hieß es'in meiner Gemeinde!" „Erklären Sie mir das, bitte, näher." „ffirft Die gomilii. Unter Milln Mkgr imn rm es einmal lelchtek haben als ihre Eltöknl Nach dresim Grundsatz wird die:unmustkaüsche Tochter an das Klavier gesetzt und der . unbegabte Sohn zum Gymnasiasten gemacht. Nach diesem Grundsaß schickt man die Kinder in die Großstadt, ohne besorgt zu sein, ob — fern der „elterllÄll ÄilfWl " ltzk siMlH Geboren dlöMUdöS Judsmum MsührLtzt Dirö. Mrs FrhSn ürr Karriere, und so schiebt auch das Lernen für die Karriere das Lernen für das Judentum in den Hintergrund." Der Lehrer schwieg gedankenschwer einige Augenblicke und fuhr dann fort: Joseph, zum BizekSnig von Aeaavten aurgcrusen. (Nach einem Gemälde von Js. Snwoman). - Kleine beschichten. Zwischen zwei Atationen. Der Zug hielt eine Minute an der. Station. In ein Abteil, in dem nur ein Passagier saß, stieg mit kurzem Nicken.als Gruß ein junger Mann ein, verstaute sein sst das Gestäkkneh und nahm Hann aus seiner Manteltasche ein DM. Dieses Buch m feinem schwarzen Einband könnte kein Roman sei, denn die Ausmerksamkeist. seines/. Besitzers blieb auf eirter Seite haften, und Romane werden Blatt auf Blatt gelesen. Der junge Mann mar einer von der Klasse der. feinfühligen Juden? Das find §uden, bk sich Mm Zusammentreffen mit Nichtjuden Reserve.auferlegen, weil ihr Stolz sich nicht der Möglichkeit,aussetzen will, auf kühle Abweisung zu stoßen. Doch diesmal hatte er sich geirrt. Der andere war gleichfalls ein Jude und nicht «US dss« SS »srstand auch,, ms Vas Smlnum MkZ Gegenübers besagte und wündte sich NUN NN ihn Mit dbN Worten: „Verzeihen Sie, wenn ich störe; — Sie haben wohl einen MischNahband in der Hand?" MwW." " , „Gestatten- Sie, mich Ihnen vorzustelleni Goldberg. Lehrer der jüdischen Gemeinde in D. Da ich noch unverheiratet bin, leiste ich mir jede Woche einmal die einstündige Bahnfahrt zu einem Rabbiner, um geistige Anregungen zu empfangen. Aus den meisten Fahrten Weem ich ®ümB&ns8sn»iTfnr Mn ^en finb M bewsgliches Aollchen. Doch noch nie hum ich dis Freude, einen jüdischen Reisenden „lernend" anzutressen. Der heutige Jude studiert meist nicht mehr die Bücher, die seinen Vätern Kraft gaben, das Martyrium des SKUMöftST!? gu uberstehen. Er studiert das Fahrxlan- Sö .LMkLMWWW eines Tages den Sabbat — und dann geht es unaufhaltsam bergab. Leider, leider erlitt ich das Kässandrage,chick, zu sehen und es nicht ...ßj . .'tj.''.1 “ 'r.'' & jfe.. änöem zu r tonnen in mein-er Gemeind« der ööööarm wenigen Lähren fast «nsMmergt Rur einige Händler mit Getreide, Metallen. Fellen, bei welchen Artikeln der Ausfall des Sab- ' bäts weniger fühlbar ist, beobachten noch den Sabbac." v - „Warum tarn diese ganze Entwicklung nicht schon früher?" „Als die Eisenbahn mich das erste Mal nach D. brachte, freute ich mich des gewaltigen Fabrikbaus, der. neben der Stadt emporwuchs. Diese Fabrik hatdas Bsrhängrris gebracht. Das ruhige MMtTT NUN ijan^rie von &U i^P8R Wochenlohn am Samstag zu Einkäufen benutzen wollten. Bald etablierte sich auch der erste Christ in der Manufakturwarenbränche. Das Weitere können Eie sich, denken." , „Es gibt aber doch noch,, zahlreich« fromm« Gemrmdrni" „In großen Städten stellen diese Gemeinden nur einen Teil der jüdischen Einwohnerschaft dar. In den anderen Orten finden sie sich nur unter gewissen günstigen Voraussetzungen, zu denen z. B. QUßJ mMh Mg pW L>l!k V9J\ pem Mruvel de» heutigen Üebesn nur wenig ergriffen worden find." Der Jüngling schütt-eite erstaunt ob des eben Gehörten, den Kopf. Dann sagte er: „Ueber diese Note habe ich nie nachgedacht. Ich leb« in «iner groß«ren orthodoxen G«m«inde. in iker-en 8nier-esi?n^i» .m«rüe jüdischen Bruder bisher sein Genüge gefunden hat. Unser Gespräch zwischen zwei Stationen hat mir aber di« Erkenntnis gegeben, daß diese Genügsamkeit ein schweres Unrecht bedeutet. Der ehriiÖ) fl9MMk ZM pars es nicht futalistifch ^innehmen, wenn sich öti lausenden seiner Drüver das materielle Leben stärker erweist als die Ideale des Judentums. Bis heute hatte ich mir Meine jüdischen Pflichten zu leicht gemacht, das war eine Sünde —- nun soll es anders rv«rden." Die Schulkaüegeu. „Bei welcher Arbeit sitzt du noch? Ich bin fertig." „Bei keiner!" ' „Du lernst doch ^aus einem Buch!" - „Ich müßt« «s nicht. Lesen bsdeutst freilich auch ein Lern«N. Äijä, li\iß „Was? Ein Märchenbuch! Ein Abiturient -liest ein Märchenbuch und überdies noch sechs Wochen vor dem Abiturium!" ' „Meine Aufgaben für morgen sind fertig. Des MöWnlLiikM jlVüMrigj MM IllStz SL«K 88!? $85$^ verbergen unter ihrem phantastischen Kleid Lebensweisheit. Auch ich bin noch zu. jung, mir fehlt noch die Erfahrung, um ihren tiefen Wnn ganz zu empfinden." „Junge, wie kann man diese Ruhe haben?" ,|9u bist nicht meniger Jung« als ich, vi«ll«icht sogar noch mehr ÄnnM, d?nn h« h«si h«ch und willst in deiner grundlosen unruhigen Stimmung noch andere unruhig machen!" „Wieß du, was für Laune morgen der Professor hat? Weißt du. ob er nicht Fragen stellt, auf die wir nicht Bigtaiiit sink?" „Ich weih es nicht... Die Situation wird aber Nicht anders, wenn ich mich mit solchen Gedanken quäle. Ich suche meine Pflicht zu tun, das andere übulaffe ich Gotr.' „Was hat Gott mit der Laune des Professors und mit seinen Fragen zu tun?" „Sn mLfi «kt llhMikt -E, ^Mn. Was siu nicht in deiner Retorte siehst, erkennstan. Trotzdem bist du mit Wenn und Aber gesps / „Du umgehst meine Frage!" l? ' „Ich kann deiner Nüchternheit nicht t,was klannachen. MS ¥i i