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Der Israelit · 1927-12-22 · Heft 51 (22.12.1927) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 51 (22.12.1927)
Date
1927-12-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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©rite 2 Nr. 51? - f ist bereits nahezu sechzig Jahre alt. Der langhängende Bart um Mund und Wangen ist grau, schlaffe Falten sind im streng verschlossenen Gesicht eingezackt, und die Augen unter der <je|a£= seien Siicn flnb im blassen Gesicht tief verborgen, wie aus tiefen Höhlen blickend. Seine geschrumpfte, gerunzelte Rechte, deren Haut wie altes, gelbes Pergamentpapier schimmert, haucht, formt Buchstaben zu heiligen Namen. Golde, Lik UM Nkkr LMkew §tf)loinm mMiit in Der Küche, still, sacht, ahne den Mann ZU stören. Neb ihm und Reb Jankew Schloime ein heißer talmudischer Streit ausgebrochen und einige Minuten später deuten die beiden Männer eine slhwere talrnudische Stelle auswendig, ^kffslk fitzt neben feinMl Vater und hört gespannt zu. Und als er m die Küche seine Mutter rufen geht, erzählt Reb Joel, daß er, Jossel, sehr gut lernt, lobt seines Geistes Schärfe und verspricht Reb Schloime Jankew, daß er noch einmal ein Großer in Israel merken Wirk. Nsch um Mlle fitzt aud) Solde, die Frau des Thoraschreibers, am n Dszomdo? iqot —rTT~^~ •-———-— geben? Fand ihn nicht - dann Hyrkanos drei Jahre später, als er ihn schon verschollen glaubte und ihn zugunsten seiner anderen Brüder entrtkm «vBk/saMj er M nicht in Jerusalem als einen großen Gelehrten? Erlebte er nicht noch nachher Freude an seinem Sohne? Oh, Reb Jankew Schloime, Ihr werdet noch an eurem Sohne Freude erleben!" . Reb Janiksw Schloime. denkt sich. Laß der Vergleich hier'nich^ und will rmsprecheub erwidern. Rabbi Elieser ben Hyrkanos. ist ein ■SX'.-ißtHÖlOIUmm Ml ßlMßU (tä Mt SfifJjS Mlßtft&t fiiu fiB). Ile S!4» «*m Vfs Aöraham an der Dohle Mathpela bei Hebron. Jankew Schloime hat drei Söhne. Sein ältester Sohn Alterl lebt in Amerika; was er dort macht, weiß man nicht. Reb Jankew Schloime fragt . auch niemals nach ihm. Man munkelt, daß er dort mit einer Christin verheiratet fei. Alljährlich zum Passahfest erhält der Thorafchreib^r aus . Amerika fünfzig Dollar . . .' Sein zweiter Sohn; Jekele ist vor einem Jahre aus . dem Haufe geflohen, wohin, weiß kein Mensch. Nur Jossele, der jüngste Sohn, ist zu Hause. Reb Jankew Schloime und Wölb halten Zgssels Wie m einziges Kind, hüten ihn wie ihren Augenstern und hoffen zuweilen zaghaft im Geheimen, daß er kwfl ein größer jüdischer m* lehrter werden wird. Jossel lernt bei Reb Joel und gehört zu den besten Talmudschülerm Seit dem Tage, wo Jekele das Elternhaus vöklassön hatte, geht .. Golde, die Frau des Thoraschreibers, düster umher, ihre Augen sind verhangen und ver- WkiMl ihr MS ist fern und abwesend. Auch Neb Jankew Schloime ist seither traurig, er fühlt, daß eine halbe Welt ihm untergegangen ist, und seine durchdringenden Äugen scheinen , einen Punkt zu starren, immer c Punkt, winzig wie ein Buchstabe. . sieht auch seitdem förmlich verlassen aus, alles ist in Ernst und TräüWell gehüllt. Die Tür kreischt und Reb Joel und seine Frau treten ein. „Gute Woche!" „Guts Woche!" Die Gäste nehmen am Tasche Platz. Kaum sitzt Reb Joel eine Viertelstunde, da ist zwischen Tisch. Sie klagt: „Heute ist es ein Jahr, feit unser Elieser uns fortgelaufen ist und wir haben bis jetzt von ihm noch kein LebensZeichen erhalten." Reb Jankew Schloiome seufzt hinzu: „Wer weiß, ob er noch Jude ist." „Verurteilt nicht gleich, Reb Jankew wm cgiwe curopfitfrfj.omerfrant^e Tourtslenffruxpe W?f|] ©TgfiS¥II btt Msllebülk MX ModtN: Mann gewesen, der dem Sinn der heiligen Thorck nachging, im Hause seines Vaters jedoch behindert wurde, da dieser ein Landwirt war unb seinen Sohn auch für den Ackerbau bestimmt hatte. Anders liege es doch hier mit feinem Sohne. Seit zwei Jahren hatte er sich mit der heiligen Lehre nicht mehr beschäftigt. Andere RÜHt?, MMche, ßrösane und gotteslästernde brachte er ins Haus. Tag und Nacht habe er unheilige Bücher gelesen, neue unjüYWx GkhgNlkll ÜkMst tigten ihn, seinem Vater gehorchte er nicht mehr und von jüdischen Dingen wollte er nichts wissen, und dieser-Ketzer sollte in eine Jeschiway gefahren sein? Dies und dergleichen möchte der Thoraschreiber dem Gaste sagen, die Worte liegen ihm auf der Zunge, sie schwebM ggf fkiNkll Lippen; aber er schweigt, da er merkt, daß die Augen seiner Frau einen feuchten Glanz bekommen hatten. West, die Frau Red Joels, wendet sich. an die Frau des Thoraschreibers: „Man sagt doch, daß euer IöMölo in Amerika Geld in unablässig auf nur auf einen Die Wohnung und Schloime", tröstet Reb Joel. Vielleicht lernt er irgendwo in einer großen Jeschiwah!" „Aber er ist doch von uns fortgelaufen, ohne uns bis jetzt irgendeine Nachricht gegeben HU haben. Handelt so ein Mischer Sohn, Neb Ivel?" „Ihr wißt doch nicht wohin. Vielleicht'ging sein Sinn nach höherem Talmudstudium und da fuhr er in eine große Jeschiwah. Ist nicht der Tanait Rubbs Tshn ÜkS HvrlllNHZ «UZ dem Haufe feines Vaters geflsheu, ohne dem Vater irgendwelche Kunde von feinem Leben zu Tonnen verdient." Nach einer Spanne Zeit hängt Reb Joel feine Augen an das Gesicht des Thoraschreibers, senkt [eine etwqg gsitz sptWN- „Nun will " 'ich euch sagen, Neb Jankew Schloime, was mich zu euch führt. Ihr wißt doch, daß ich noch keinen eigentlichen Kaddisch habe. Man ist doch nur ein Mensch, jung ist man auch nicht mehr, big Jahre vergehen schnell. Nun bin ich zu euch gekommen, ihr sollt uns eine Thorarolle schreiben, auf unseren Namen."

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