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Der Israelit · 1927-12-15 · Heft 50 (15.12.1927) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 50 (15.12.1927)
Date
1927-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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s Id Dezember 1927 Der S « i ö 1111 9*t PO ren mit der Zionistischen Organisation in den Londoner und Wiener Konferenzen hinsichtlich des Gernsrndsgssetzes führte, ein ganz anderes Gesicht. §er RvrEag, Ben Ägü!§! S!?f88[ D$ inals machte, völlig selbständige Gemeinden zu bilden und sie alsdann für politische Zwecke zur Vertretung nach außen in einheitlichen Komitees ^ufarnrnenzujassen, mürbe zu jener Zelt von (5eiten der Machthaber des SWb Seumi mü föüöeräner Verachtung beiseite geschoben. Wir glauben, daß angesichts der neuen Sachlage die Wiederaufnahme dieser alten Vorschläge recht angebracht wäre, j^ctlbert aber unsererseits kein Interesse daran, in dieser Einsicht einen besonderen Srwf auszuüben. Das Interesse an der Verwirklichung dieser Vorschläge liegt vorwiegend auf der Gegenjeite. Unrichtig sind aber aus alle Fälle bie Nach- **«» die Jüdijl^e Telegraphen-Agentur in der vorigen Woche aus Jerusalem veröffentlichte, und die dahin gingen, daß eine Einigung zwischen Waad Leumi und Agudas Jisroel wegen Bildung einer einheitlichen G e m e i n d e mit IWWI SulBiE im mmm ö^n*?g?fommen sei. Aus dieser Grundlage kann Agudas Jisroel niemals Frieden schließen. . Was die bedauerlichen, nach der Struktur der jüdischen Bevölkerung durchaus natürlichen innem KWpfZ zkviM Der alten wntrilM Bkr Orthodoxie, die im Waad Hair Afchkenasi zusammengeschlossen ist, und der neu gegründeten, vorwiegend polnischen Adaß Jisroel Hacharedis betrijjt^ Jo Jd^eint es nac^ den uns vorliegenden Nachrichten zu einer Einigung gekommen zu sein. Man ringt nur noch um die Zusammensetzung der einheitlichen Vertretungskörper, bezw. um die Beteiligung der einzelnen Gruppen daran. Man Darf Tiäj afigröiw '8iüeifet barüber *?ingeben, daß es noch einer starken Erziehungsarbeit bedarf, um in der Tat aus den nach Herkunft, politischem Temperament und seelischer Beschaffenheit recht verschiedenen einzelnen Gruppen eine faltbare innere Gemeindeeinheit zu fchrnieden. Die Schwierigkeiten Vieser Aufgabe dürfen aber ebensowenig schrecken wie die gleichartigen Widerstände, die sich ja. auch der Einheit der Orthodoxie im großen, dem Aufbau einer innerlich Men MlMuL« namrgkmäst entgegenstellen. Was das Golus an Entfremdung und Lieblosigkeit in Jahrtausenden geschaffen, kann nicht in wenigem Jahren aus der Welt geschafft roerden. J , Das Ergieyun 8 s 8 n s.fjy j« mit seinen tiefen, keineswegs bloß .administrativen und formalen Eingriffen in-den Chmuch'den Lebensnerv des religiösen. Judentums, berührt, ist vorläufig ein erster Entwurf. Die Regierung selber bfechUt %te\m .„feit«' lgMIlich als AnsMöZ rung an die Oeffentlichkeit zur Kritik und zur Auseinandersetzung über das, was den einzelnen Interessentenkreisen der verschiedenen Religionsgemeinschaften frommt. Unmöglich ist es natürtidjy in (Sreß Jisroel ein .OErgiefjurtgsgejeij in Krajt zu fötzm, das über das natürliche Recht der Ellern zur MrFehung der Kinder in ihrem Gerste hinweggeht, die Gesamtheit zu Steuerleistungen für allgemeine Erziehungszwecke zwingt und es dadki in dllZ Belieben der kbmmunnlm kBer staatlichen Organe stellt, ob sie diese Erziehungssteuern den einzelnen'Schulverwaltungskörpern zur Aufrechterhaltupg ihrer Institute wieder herauszahlen wollen. In dieser Hinsicht dürfte der ganze Jischuw einig sem-.Für öle LrlkjMxie bleikl %i sars^cr Maus van.entscheidendst' Bedeutung, daß nicht die K o n g r e g a t i o neu gegenüber den offiziell anerkannten Gemeinden benachteiligt werden, daß ferner keinerlei Eingriffe in den Lehrplan und in den inneren Betrieb der Schulen ppap MMll, DiffiBEF kill S?H SftSp **“- hältnifsen entsprechendes Maß von hygienischen Anforderungen hinausgehen. Wir hegen die Zuversicht, daß die englische Regierung sich der Tatsache bewußt bleiben wird, daß Palästina der Ju- -rnW M solnngs teuer Ist null bleibt) m Bi? Möglichkeit besteht, ein wahrhaft religiöses jüdisches Leben zu führen und die Heranwachsende Generation im Geiste der Ueberlieferung zu erziehen. Rabb. Dr. Emanuel Earlebach Wiederum ist das deutsche Judentum V0N einem furchtbaren Schlage gelroffeii ÄBlft. Unsre führerarme, im Wirtschaftskampf blutig ringende Gegenwart, die des Geistes mehr bedarf als je, deren Seele nach Erhebung und Be- Jreiung burcf^ bie S^ora emporschreit. hol von neuem einen Mi Thoralehrer zü bewemeu, Uv grade ihr so viel, so unendlich viel bedeutete, weil er ihr das Gold des Gotteswortes zur Kleinmünze des Kinderunterrichts, der Volksbelehrung ^^Nge^vä^t i^atte. Ser Rabbiner uni Setttttt<irdirekter Dr. Emanuel Carledach ist im verhältnismäßig frühen Atter von 53 Jahren plötzlich abberufen worden. Mitten aus dem vollsten Schaffen, am Wendepunkt der neuen Bestrebungen fiv Z!e Qtfmmung, ihm Mst unD uns allen unerwartet, ist dieser unermüdlich Tätige, Hochbegabte jäh in die Ewigkeit hinübergeschlummert. Wir stehen noch fassungslos gegenüber diesem tragischen Tode, der UNS UNgähilge Aroökemc und lllöle «üsßtbt, NUN dök Tote selbst zu lösen berufen schien, von denen wir uns gewöhnt hatten, sie in seiner Hand gesichert und geborgen zu wissen. Dieser Verlust schreckt UNS von neuem zu der bitteren Erkenntnis aust PPie arm urt& stUh. Möllll UNS die Männer fehlen, die allein die aktuellen, täglichen Aufgaben jüdischer Geistespflege für die Gesamtheit durchführen können. i; Wer Cmannel Earlebach kannte, B?n wird es noch besonders schmerzlich durchzucken, „über soviel Schönheit, daß sie im Staube vergehen muß", über diesen weichen, edlen, liebenswürdigen, geistvollen Menschen, der schon mit ..einem seiner bie gewann. Alles an ihm emvn süßen Charme, einen holden Zauber, war von . jüdischer Anmut umflossen; sein vornehmes Aeußere, feine schöne klangvolle Stimme, die ebenso zu singen wie zu sagen wußte, sein ge- WinnMdM Anströten im Dbttbbr mit Groß unö Klein. Das war der geborene E r z! e h e r und Lehrer, dem jedes Kind entgegenjubelte, dem jeder Jüngling sich so ganz anvertraute, um sich durch ihn für das.Leben bestimmen und beein- JinJJen gxx tajjen. Das war der gegebene Fürf p 7 ech 11 Tür unsere jüdischen gaben vor Behörden Und Mächtigen, daß der Wille der Thora bei ihnen Gehör finde, die Sonderstellung des Judentums von ihnen anerkannt nnB gkfgsdert werde. Das war der beredte Künde r seines pädagogischen Ideals in Ost und West, in der Öffentlichkeit der Volksversammlung wie in der Intimität des Beratungszimmers, um auch die Widerstrebenden und -tsäSkFMkn m NkMllg?" rmd mit Krajt und Mut ZU erfüllen. Das war derrelhle Vertreter des vielverkannten „Austritt s", der selbst dem Gegner das Bekenntnis abzuringen verstand: hier gibt es nur und »lediglich ein sachliches Prinzip, ohne Gehässigkeit und persönlichen Dünkel, hier spricht jemand für eine glühende Glaubensüberzeugung, W aUr alle SiiSen tB feinem Herzen als Brüder und Schwestern liebt und für alle zu dienen und zu leisten bereit ist. Emanuel Carlebach war innerlich und äußer- ÜlB rna~i' bas geireue Abbild feine/Vaters s. A., des Lübecker Raws, Bes Mannes voll Frömmigkeit und Menschenliebe, dessen gütiges Auge auch aus seinem zweiten Sohne leuchtete, als Künder eines gütigen Wersens. Die Thoraliebe des Vaters war auch Erbe des Sohnes, sie führte ihn zur Wahl des gleichen Peruses, führte ihn ans Rabbinerseminar nach Berlin und dann UN die UiOO tlörf) FMflift, 11)6 Sk llögSlDNSk SWlkl SrEMErs m wurde und das Feuer und den Scharfsinn des ungarischen Lernens mit Inbrunst und Entzücken auf sich wirken ließ. Er wurde der erste deutsche Rabbiner, den die Frankfurter Jeschiwa ausge- UfUi halte, unä gbmtzl 2?fl BksiunvManziajährig hat er die schwere Kraftprobe seines Könnens mit dem Einrtitt in seinen Beruf bestanden. Denn Memel, seine erste Wirkungsstätte. dis. Grenzstadt gegen Litauen, war ein echtes n~nn mp»- wo allja^rliH Bllkl^ gelernt wurde. Hier, vor einem Parterre litauischer Talmide Chachomim wußte er sich als Lamdan die höchste Achtung zu erringen, die ihm Mb MkMklcr EkMkinBk gklk skinkk ^fbens bewahrte. Alljährlich kehrte er zum Sijum Haggodaul wieder als Gast in seine erste Kehilla zurück. Aber ein höheres Amt hatte die Vorsehung für ihn bestimmt. Dr. Hirsch Plato, der Schwie- Fersohü S. N. hirschs, ZZr bsmhmts £aitor Dß§ Kölner Lehrerseminars, hatte die Augen geschlossen. Da richtete sich der Blick auf den dreißigjährigen Rabbiner an der Nordostgrenze Deutschlands, daß er die jüdische Wacht am Rhein übAWAhms. Krinz ZlüSliTökL Wahl konntg man treffen. Sein Thorawissen verbürgte, daß er den religiös-geistigen Standard des Seminars, den Hirschischen Geist seiner modern-alten Erziehungsweise, werde erhalten und mehren können. und sein natürliches angeöorenes ^ehvgefch!^ versprach eine reiche pädagogische Ernte, neue Antriebe zur Weiterentwicklung. Gleichzeitig war die Kölner „Adaß Jeschurun"-Gemeinde gewiß mm mtm TMlMleMen. kine starke Mlkrm llchkert als- Nabbruer für sich ZU gewtttttett. Emaneük Carlebach hat die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht enttäuscht. Mit einer beispiellosen Energie ergriff er das Larmelamt: to auf seine jungen Müllern gr legt ward. Während er alle nötigen Examina im Eilschritt ablegte, welche die Behörden voni ihm verlangten, setzte er es sich zunächst zum Ziel, für die Anstalt die staatliche Vollanerkennung und das Recht der Abnahme der Lehrer- Q« ^wftken. Sie ftif-kse 8(ri Lr Sfrbeit am Seminar fand ihren Lohn. Es war ein großer Freudentag in der Geschichte des ehrwürdigen Instituts, als sich Lehrer und Zöglinge mit Vertretern aller orthodoxen Institutionen Iusammenfanven, um aus dem Munde des Negierungsvertreters den Glückwunsch zur staatlichen Anerkennung entgegenzunehmen. Es war das der äußere' Ausdruck für die tüchtige, gesunde Qeijtung im Innern. Ein hohes Streben beherrschte alle, das DeraMwortungsdewußtsem des fromEn jüdischen Lehrers für unsere Zu- Rostlid}/hegehA, uncL herufymk E-

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