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Der Israelit · 1927-12-15 · Heft 50 (15.12.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 50 (15.12.1927)
Date
1927-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Nr. 80 Mes MWH mir an Das Man dis Mim den Blattes anknüpfend, fragen: Äst der Jiddischismus, der sich anfchickt, die Skopushöhe zu nehmen, der einzige Feind und die einzige Gefahr für das geweihte Oel? Beginnt die EntffiEitJHng; D: y: DIE MjtlDlMg Erft Mil DM jIDDli fchen Worte und nicht schon mit der Vibelkritik und Verkündung unjüdischer Weltanschauung in klassischem Hebräisch? Sind wir schon einmal dabei. Entheiligtes wieder zu weihen, so ist es nicht Damil ptan, Dsm ZiDDisHirmuZ DU Mw zu sperren, sondern man mühte schon ans Räumen gehen. So manches abt hätte noch aus hem Tempel der Wissenschaft zu schwinden, bevor man davon reden dürfte, ein „heiliges Oel" vor Entins Großwardein. Wertalisenii Studenten aus Bukarest >md DiiDEtkil IkliM WDW tkl EkStz: wardein und Klausenburg, den Großstädten Neurumäniens mit starker jüdischer Bevölkerung, Gastvorstellungen. Die Städte sind mit dem Friedensvertrag von Trianon von Ungarn und so gilt es, ihnen „rumänische Kultur" beizubringen. Dieser rumänische Anschauungsunterricht unter der Leitung des Hetzprofessors C uz a bestand in einem gemütlichen Pogrom, der, nach Denken, e!Ii^e jü!i^e Menschenleben kostete. Die Zahl der Verwundeten ist groß, neben unzähligen jüdischen Häusern sind in Großwardein sechs Synagogen geplündert und mefjj odxs wxflfgxx Lkmelim K6röklll Thorarollen wurden zerrissen und geschändet. Das alles erfahren unsere Leser im Einzelnen aus der Tagespresse wie aus dem Nachrichtenteil unseres Blattes. Hier soll nur mit einem Worte auf die likfkkkll ZusaiNMiMiM Dieter AorklmmiiM hingewiesen werden. Während in Budapest selbst die Straßen vom Rufe nach dem Numerus clausus wider-- hallen, Gerechtigkeitssinn, Freiheitstradition und von der Regierung etzMWMM LMFtMst tälspolilik schwer im Kampfs mit Engherzigkeit und nationalem Dünkel um den Judenpunkt liegen, zur gleichen Zeit rumänische Studenten schlagen in den von Ungarn abgetrennten Gebieten ßfme UfllMlMD, Me WliA auf Ungarn und Juden ein. Man verwechselt gewiß nicht die Magyaren mit Juden, aber man hält die Juden für gute Ungarn und man kühlt an ihnen, den Wehrlosen, denen die Monges fetten getttZ ftWV tvMMt, . fein Mütchen Md seine wilde Wut gegen Un-i g a r n. In der Jrredenta halten die Juden als ' Dpf ar für unflar n W. irr.8« WMIN Heimat sind sie die „Fremden", die aus Hochschule, Gesellschaft.-und Erwerbsleben verdrängt werden müssen^ So stehen heute die Dinge. Die Tragik des jüdischen Golus hat noch nie auf der aMM Mö vök NM MW. M SW sich nicht einmal wundern, wenn zur Revanche nun ungarische Student'en in rumänisches Gebiet eindrängen und dort Juden — ass echten Rumänen— den Schädel einschlügen. Doch wollen wir bei allen Erfahrungen doch nicht Ungarn mit Rumänien verwechseln. Zw!- scheu Budapest und Bukarest war immer noch eine scharfe Kulturgrenze. Die Vorgänge in Gro^rvardein, Klausenburg und anderswo landen " . — - , , o . , , . j........ ihren Widerhall im ungarischen Parlame-nte. Ungarn, in der Zwangsjacke des Friedensvertrages von Trianon, kann auf die Exzesse nicht anders als mit moralischen Abwehrmitteln reagietnrrskifß M Mich von schneidender Schärfe wäre das Mittel des Jnfichgehens, das zu einer Liquidierung der Judenfrage in der Hochschulpolitik führt, zum Entschlüsse, die von den rumänischen Mwdies SUZSMDM MiM: „Ungarn und NDMi" U akzsptisren und diesen Entschluß in der Gesetzgebung lücken- und rückhaltlos durchzuführen und damit der Welt den Beweis zu erbringen, wie well in der Höhenlinie der Kultur Budapest von Marcff rnlfrrnf ist. Die Lage in Jerusalem Der Vorsitzende des Wiener Geschäftsführenden Ausschusses der A g u d a s I i s r ü e l hat sich bekanntlich gleich nach den Herbstfeiertagen nach Jerusalem begeben, um im Auftrag der Aguda- Lkitimg die rsichlich mrworMm innssp^lit i s ch e L a g e im heiligen Lande zu studieren und gleichzeitig auf Grund der von der Plenarsitzung in Krakau, gegebenen Richtlinien auf eine Klärung der Beziehungen unter den verföm.Dtntn DTtöDöDiin' Oruppon des hsrlrgen Landes hinzuwirksn. Auch die Verhandlungen über das nach jahrelangen Geburtswehen noch immer zwischen Tod und Leben schwebende Gemeindegesetz, erforderten dringMll ein (fiiiQroifsn fiß? höchftzn AZu^-Znflänzen, und schließlich wurde die Lage noch dadurch kompliziert, daß während des Aufenthaltes Dr. Kohns die Regierung plötzlich den Entwurf eines Erziehnngsgese^es üeröj^eirrtlicäjtej Öer neue innere 0<5t§piengteiten für vas MiM Schulwesen und für die Beziehung der einzelnen Gruppen untereinander schasst. ÜHMH Derr!8r. $oi)n ferne Saügieit in Erez Jisroel noch nicht abgeschlossen hat, dürfte es doch richtig sein, einstweilen einen kürzen Ueberblick über die Lage zw geben, wie sie sich in den letzten Wochen gestaltet hat. Aas Gemeind eg es etz hüt interessanter Weise in dem Augenblick, in dem es binnen, einer Frist von vier Wochen endgültig in Kraft treten sollte, bei der guten Hälfte der palästinensischen jüdrf^en BevölrerrvnA den f j? fi f j | fl] plötzlich ein Maß von entschiedenster Kritik ausgelöst, wiesie währen- -er langen Lauer der Vorverhandlungen niemals zutage getreten und offenbar auch von niemandem 'mehr erwartet daß sie es nicht nur ablehnen, auf ihre alten Vorrechte hinsichtlich des Rifchon le Zion-Titels und auf ihre paritätische Beteiligung an allen rabbinischen und weltlichen Behörden zu vergiHtEtii' jaiiDkm sie faiDfflra iiiifiifoiipi Dis Auf r e chte r h a l t u n g ihrer Gemeind ea u t o n o m i e, die f r e i e V e r f ü g u n g> über ihr Gemeindevermögen und wirksamen Schutz gegen die B e st d u e r u n g s a b s i ch - rin Dis WllllD Msimil UöDök Disft eines fo wefenttichen Teiles der alteingesessenen Bevölkerung konnte die Regierung natürlich nicht hinweggehen, und sie hat. denn auch in ihrem soeben veröffentlichten Antwortschreiben die AnllllP Dkl VkpPlDiM W WZM AWzW sätzlich genehmigt. Damit aber ist der g a n z e Rahm e n des G e m e i n d e g e s e tz e s gesprengt. Die Autonomie der S e p H a r d i m innerhalb der Gefanrt^erneinden kann ilnrnö^- lich eine isolierte bleiben' sie erzeugt vielmehr automatisch die Autonomie der übrigen Bestandteile und führt somit zwangsweise zu einer ganz neuen juristischen Konstruktion der Gesamtgerneinde. Damit aber gMMflkfl 8HÖJ W »f Handlungen, die Agudas Jisroel vor zwei Iah- Wochenkalender. v. 17. - Qi Dso. 1927. ' D. SS — SO. ÄIsTetr? 8688. Samstag Dez 17 23 vinn Mauled Sonntag 18 24 Freitag nachts 12,27,13 Montag 19 25 f Dienstag 20 26 I Ncirtrpsrh 21 27 i " vonnersrag 22 28 vnsiin Freitag 23 29 i 24 30 7t?»! nsun nat? cnn vnni rr doch — auch bankmäßige Geschäfte durften sie treiben, aber unter t>er erfrfjtDerenöen 23eöingung, Öag pe ^er «r|i Monate nach Fälligkeit verlaufen durften. Aber ihr Pariatum, ihre „Auserlesenheit", sollte nicht nur durch Absonderung ihrer Behausungen, sollte auch durch kennzeichnende Abscheidung innerhalb der Oeffentlichkeit dekretiert werden. Gelbe Kappen bei den Männern, ein gelbes Stück im Sjaav öer |Jraue{] fff] «llsn gvH f?°hy tzas ist dsr gedranvmarttc Sude! Wirlfomk Helfershelfer des Pöbels, der die so Gezeichneten naturgemäß nicht schonte, waren die Renegaten, die Ueberläufer, die hochgeehrt wurden. Auf ihren Rat wurde späterhin eine vielleicht einzigartige Einrichtung geschaffen: die der 3mangsbeE«^rungspreMgtej]( Ngpdll di? Äuden in Frankfurt innerhalb ihres engen Bezirks wenigstens an Sabbaten und Feiertagen Könige, die man nicht behelligte, so ließ man die Juden in Rom auch in diesen Zeiten ihr Knechttum hart und unbarmherzig fühlen. Häscher der Polizei trieben eine erkleckliche Anzahl — anfangs 60, später über 300 — Männer unb Frauen mii Peiis^enhieben aus ihrer jn die Kirche, um schallende, salbungsvolle Predigten von Apostaten mitanzuhören, die mit verführerisch lauter Rühmung des Judentums begannen und mit derb zurechtweisender Schmähung der verstockten Judengläubigen endeten. Unauimerkfame oder VVW JlS§S]r wwitigft wurden von ötn SlheiMN * Duitff Hiebe mit eisernen Ruten aufgerüttelt. Diesem versuchten Seelenfang gesellte sich ein anderer. Zeigte jemand an, irgend ein Jude oder eine Jüdin habe den Wunsch geäußert, zum Christentum überzutreten, so wurde die betreffende Persönlichkeit «US dem Ghetto, menn es sich um ein $ml> |pg«V Mit EltkrN UNd Geschwistern entführt und in das Haus der Katechumenen (Kloster) oder ins Haus der Neophiten (bereits Bef kehrten) gebracht. Vierzig Tage lang hielt man sie dort ipfr i:?ü sHi MiflM 8kl HfBeffeDuiiq; SdimFicOiCitin, .schließlich auch Drohungen spielen, um sie der „ülle'rnselrgimachenden" Kirche in die Arme zu führen. Half das ^alles nicht, so wurden sie grollend wieder heimgeschickt, mit der Auslage allerdings, entweder selbst die 40tägigen! Verpflegungskosten zu zahlen oder sie durch die Gemeinde! zahlen zu lassen. Wie demoralisierend die Veranlassung gBFggflgB; clllk Dloic MM k!M ÜM6W gö: jschehenen AeuMung, auf die Msngs wirkö» mußte,!was für ein feiles und feiges Denunziantentum damit 'großgezüchtet wurde — gewisse Päpste hatten ja sogar leinen Preis für jede zugeführte Seele ausgesetzt — kann ■ man sich vorstellen. Zwei Bkifsiiele großen HeMnmuts feien in öiafcm Zusammenhänge erwähnt. Eins aus Manu, Frau und zwei Kindern bestehende Familie wurde in eins der Bekehrungshäuser gebracht. Mann und Kinder erlagen der Versuchung, die Frau riß die Menschenliebe aus ihrem Herzen um der Gottesliebe willen und kehrte allein ins Ghetto zurü<£{ im Ho^bewuMin lkin uns WMkrgkNZk r?tch rrfüttwr Pflichte Zwei Männern, einer in der Blüte der Mannesjahre, der andere ein Greis, wurde auf dem Weg zur Richtstätte die Begnadigung angeboten, falls sie sich taufen ließen. Stolz gingen sie weiter. Steuern über Steuern, an die apostolische Kammer, SN ögI HllllS dkl MophlMn, Das Mm Mr bsküWM Nonnen, fllf die ZwüNZSMdjztM, den Pförtner am Ghettotor, für die Osterbrote ufw., führten zeitweise gänzliche Verarmung herbei. Je stärker der Drang von außen, um so höher entwickelte sich das Leben innerhalb des Ghettos. Elemente HflS FttMMk " SBtittÜjttit wurden warmherzig und weife in ' Betracht gezogen. Vier berühmte Rabbiner sorgten für das ununterbrochene und tiefe Studium des Gottesgesetzes. Eine MatiüULlM I31L M s. DihüTnvDttz, A'^nMrr o. M.; Jufsrate t. B.r s F^aLsöep.oo. -- Für die pädagogische Beilage: Lehrer 8. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Vertat .Israelit'. G.m b.H., Frc n't^rt u.sP-, — Druck Hormon Berlaasi 60g!l6^vrgs ÜBertöalirtmg unb orbnefc bie 2tngg[gflenßELtßn Dük MllstrrMg Art, in der das Gemiluth Ehefed in allen feinen fit&eigen ieingerichtet war und ausgeübt wurde. Ein Gisbor leitete idas Armenwesen. Ein Verein „Matir asurim" sorgte für die Befreiung der Gefangenen, er war bei den religionsfeindlichen Umtrieben besonders notwendig. Ein Armenarzt aus Kasten des Vereins Gemiluth Chasadim - jßatFJflliß M g^ii^tigen iränfeü. Zme! Vereine, Kädlscha und Ehewras Nechigo regelten das Begräbnis- , wesen. Die erlassenen und von Zeit zu Zeit erneuerten! offiziellen „Pragmatica" (wir würden heute pragmatische Bestimmungen sagen), wandten sich mit. Schärfe gegen jeden Prunk und Aufrvand. D8£ ffi B i f t Bes Papstes Pius VI uam §«fjre 177^ erneuerte und verstärkte alle drakonischen Maßregeln. Man untersagte u. a. bei einer Gefängnisstrafe von sieben , Jahren den Erwerb oder Verkauf irgend eines hebräischen j Buches, das nicht zuvor in Rom dem Pater Maestro des j Papstes, in den anderen Städten ben ßofaltngutftioren WMkgl murDt Hiß MilAung gg» üsiÄnsttimk rU? Aufschriften an Un ®Mbm wurde verboten. Mein Jude durfte ohne besondere geistliche Erlaubnis die Messen besuchen, keiner ohne eine solche außerhalb des Ghettos nur übernachten, keiner mit Christen verkehren oder sich tar non ihnen Dienstleistungen tun lassen. — Dem Papst t t U s IX. Qe&iiljrl ler er sst hep ßachnacht des Wahres 1848 die Mauern des Ghettos niederreißen ließ. Es war eine Befreiung, für die man in tiefster Inbrunst, dem Löfer der Ketten, Gott, .dankte. Das Jahr 1870 erst krönte das Befreiüngswerk endgültig. Ob die äußere Freiheit, so notmendig und beglückend M mar, auch maWastg inriM MW4 mit sich.bLächtt, ob dem Judentuch in Nom zum Vorteil gereichte, was für die Judenschaft unendlich segensreich war, dürste nur ein Kenner der Gegenwart beurteilen. 674329

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