Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1927)
- Date
- 1927-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IS Dezember 1927 V .7? 1 J; f; J | I (• -'i- „Jch habe nie aufgehört und werde nie aufhören, alles zu studieren, was irgendwelches Interesse für das Judentum hat. In meinem Glauben an das Judentum habe ich. seit meiner innem MMMM me @it aus münsm MA kennen, nie geschwankt. Ich darf Ihnen jedüch hin zufugen, daß für mich persönlich die „jüdische Aeligiyn" von deM „jüdischen Volk" untrennbar ist, bi h., daß mir eine jüdische Nation ohne jüdW AWW üWMM ist mi andererseits all hie in „mein Judentum" hineinziehe, welche auf die eine oder die andere Weise irgendwie und wenn auch nach so flau, jüdisch denken/ wenn sie nur von jüdischer Herkunft.sind. Ich Will Ihnen nicht verhehlen». &afs ich. eine große Enttäuschung erlist-. Ks ich aus einem kleinen gläubigen Kreise in Rice am Ende meiner religiösen Entwicklung angelangt, in die große Pariser jüdische Gesellschaft eintrat. Die Juden, die ich vorfanö, M Bl? UöDßsi MößkHM mit dem Judentum, das ich. erfaßt hatte, nicht viel mehr gemein. Meiner Entwicklung konnte dieser Zustand jedoch keinen Abbruch tün. Und ganA natürlich karn mir der Gedanke, mein Möglichstes. SN tun, um h«^ Wölld im Pariser Judentum zu mildern. Anstatt bei der Orthüdoxie> die einekleine Minderheit darstellt, zu wirken — was kann ich AWäjAk orthodoxen Juden von Nutzen fein — habe ich meine Schritte dorthin gelenkt, wo die Not. schnellste Hilfe erheischte. Ich bin. überzeugt, daß ich infolge meines Werdeganges berufen bin, auf. Elemente, die an der äußersten WlW &?’ ZMllUW «n^lanA sind, günstig. einzuwirken. Deswegen, obgleich memo eigene Gesinnung durchaus nicht in Einklang mit irgend einem „reformierten" Judentum zu bringen ist. habe ich den Vorschlag ausgenommen, in Mrn K«jsW W MW«. Was den Zionismus betrifft, war ich schon von Kindheit ein „Zionist" voll Liebe für das gelobte Land, so daß ich heute ganz an meiner Statt Din in 8kl gMWAn „Finden Sie Befriedigung in Ihren Beziehungen zu der Pariser liberalen Reformgenossenschaft, und finden Ihre eigenen Ideen jetzt in diesem Kreise irgendwelchen Anklang?" .MW WkN Ms Sille ykM ST!*T??Ttef lassen Sie mich Folgendes vorausschicken. Es. wäre falsch, die Pariser liberalen Juden mit den deutschen Reformern in einen Sack zu werfen. In Deutschland, so viel ich von Hörensagen wisset i&m( hst Bis Rsfürrn amen saMagm wWm schastlichen Charakter. Sie hat ihre Seminare, wo sie ihre Rabbiner ausbildet, sie hat Glaubensnormen und Richtlinien, sie ist rationell auf- und Der Israelit "■"■in."'!. ■»:!' i T : r ausgebaut, und das gläubige Judentum betrachtet sie als aufs radikalste von der fleberlieferung abgetrennt. — Hier ist dies ganz anders. Der französische liberale Jude ist ein Mann, der unfern im »slrug-g^le lor life« dis rsllglöfsn SchrSNken vor den Anforderungen des modernen Lebens niederwarf. Rur so war es ihm möglich, in einer von Judenhaß freien Gesellschaft, die ihn als ebenbürtigen »citoyen« aufnahm, den feinen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechenden Rang einzunehmen. 8r manchmai efe flauer Jude, aber.zuweilen auch eist sehr gottesfürchtiger Mann, der das Gebet und den Gottesdienst liebt, in jedem Falle ein Jude, dem es nie ainfattt, seinen lirfnrung MulkuglM, der dem orthodoxen Juden die größte Achtung entgegenbrkngt und dem nie der Gedanke gekommen wäre, ein philoföphisch-wistenschaftliches System für „fein Eröentum" üufzubauen. Er ist Mitjüdischen Gemeinde, die von erstem Vürstandiossocistion cc>N8i8torjsie isrseitte de Paris» geleitet wird, in welchem Vertreter seiner Richtung neben dein Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in bester Eintracht zusammen arMM: Meine Bestrebungen in jenem Kreise könsten Sie übrigensohne Mühe vermuten. Große Veränderungen sind eingetreten. Vor einigen Jahren gab es dort lediglich einen Gottesdienst, ber Sonnlag srüh WkBß. Jetzt wird dort regelmäßig ein feierlicher Gottesdienst Freitag; Atzend und Samstag Morgen abgehalten. Der Rabbiner las nur französische Gebete, jetzt haben sie einen Chafan, der das hebräische Geöet singt unh vörirägi. NR ÄKlljahrstag hielt man nur einen Gottesdienst, jetzt feiert man die zwei Tage. Am Versöhnungstage war Gottesdienst von 10.30 bis Mittag und MM nm Ö M Zktzßl W dje Verstorbenen^ jetzt ist die Synagoge von morgens bis abends drückend besetzt. Wenn ich noch hinzufüge, daß keine andere Hochzeitsfeier zugelaffen ist, als in den großen Synagogen der Pariser Gemeinde und daß die RestgtvnsAun^en von einer jäsjsreichen Jugend regelmäßig besucht werden, ergibt sich die Antwort auf Ihre Frage von selbst." „Hätten Sie nicht das Bedürfnis, einmal andere jüdische Gemeinschaften, in denen sich das tra!)!t!vne8e 3uhen!um besser f$f, fÜR* nenzulernen?" „Lassen Sie mich vorausschicken, daß ich das traditionelle Judentum kenne. Elie Benamozegh war ein ttsölttenkM Dude. Simon Levy in Nice, den ich wiö Möinan Vater verehre ----- feine Photographie nimmt hier den Ehrenplatz ein — mit dem ich lange Jahre zusammen lebte, war Nr. 50 Sette 3 ein orthodoxer Sube. 3(f* siehe auch hölliö ll-H mit Vertretern des orthodoxen Judentums in Paris in engster Fühlung, und längere Zeit habe ich regelmäßig dem Gottesdienst der »rue caäet« beigewohnt. Äwohl rnir «Is» l»* {SSäiti8HIÜ4 F»k>g»I»III nicht fremd ist, würde es mich gewiß interessieren, größere Zentren, in denen sich die jüdische Tradition vollkommen erhalten hat, zu besuchen. Ich will Ihnen gern gestatten, mein Interview mit mAiikB Umschr zu Ipüipn, geEegontticO mau ner Reise nach Deutschland mit den Lesern Ihrer Zeitung in persönliche Beziehungen einzutreten." Wöchenrundschau. Jiddisch. Dieser Tage wurde die jüdische Welt von m# Nschvicht SUL Amsnka üdarmW, daß Mf Initiative des Herrn M a g n e s ein Fond zusammengebrächt wurde zur Errichtung eines L ehrstuhles für IiÄdifch an der Jeruf a l q,m e r universit ä t. Schon regnet es in Jerusalem^roiesie. §er der zur Zeit auch noch andere Sorgen hat, beschloß, seine ganze Autorität gegen den Versuch der jiddischen. Magd, sich neben der hebräischen Herrin breitzumachen, einzusetzen. Der „Doar J)a|ümJ1 {pnäjl von einem g w e U1$ STIffl2 ch u s, der ins Heiligtum eindringt, um das geweihte Oel zu entheiligen. Zu solchen scharfen Tönen ist>für uns wenigstens, kein Munö LLlhMden. Es ist eine Spielerei, wie vieles andere, etwa wie das Experiment grade des Herausgebers des „Doar Hajom", die hebräischen Typen mit lateinischen zu ersetzen. Um eine Nuance unsympathischer ist uns diese 8bbstcherei, west es stch hier stiäst um jüdische Volkskunde handelt, sondern um einen Jiddischismus, d. h. einen Sieg der Jiddischisten. die tatsächlich darauf aus sind, Hebräisch zu verdrängen, die heilige Sprache der Alten sowohl Bis M WWW öer Wim in feinen legten Entwicklungsformen. Daß mit der heiligen Sprache die alten heiligen Werte abgelegt werden, ist nur eine natürliche Konsequenz der Einstellung und Ziele der Jiddischisten, die beispielswelse in jö elrväs Wie &U PüU turhüter der jüdischen Abteilung des religionsfeindlichen Bolschewismus sind. und dar nicht gleichttülttg, wie sich im ere Kinder der Bundeslade gegenüber verhallen, wie sie sich zur Thora, die in der Bundeslade ruht, stellen. Sie dürfen nicht künstlich und nur lose mit dem Allerheiligsten in Verbindung stehen, sondern sie müssen mst IW am llmigslk ökköllnöm, gleichsam aut ihm verwachsen fein, aus ihm hervorgehen und mit ihm allzeit organisch verbunden bleiben. Denn die Aufgabe der Thexubin besteht ja darin, VNS222 mit ihren Flügeln das maa schützend zu oeöecfi n," und dieser Schutz kann durch eine künstliche Verbindung nicht erMt werdkll. Was uns löse Mg?- heftet ist, kann leicht obdröckeln Md Mw gü tlich absallen. Daher na Ivvn nnöba p» Die Bestimmung der niLLN. der silbernen Trompeten. bestand darin, Fürsten und Volk zusammen- MUfkN ödsr öm Msvrucy des Lagers zu ve.Mndm. Die TromMrn fallen eäenmlls getamue Arbeit fein, aus einem Stück bestehen und hervorgehem Wer das Instrument, das eine Gesamtheit führen soll, handhabt, mutz etwas von dem vorgkschriebsneu Werdegänge des Jnstiumentes in stcb bnüsn« Dis einbeiMche DkrröülichkM, rm in sich geschloffenen Charakter, nichts Fremdes Md FlttschL'», aber auch nichts Gemachtes und Gekünsteltee. Der Ton macht die Musik und ein falscher Ton, ein faischrs Pathos kann bei denen, die berufen sind, Filhesr und Leiter großer Volksmassen zu sein, oie! llntzttl änstist«. ©tag otlt wßbMMre von rsn Führern und Leitern religiöser GöMStnschaftöN in Israel. Wie die Trompeten tadellos, forgfälüg gehäinmert ünd aus einem Stücke bestehen müssen, ebenso müssen diejenigen, die als religiöses Sprachrohr dienen, in jeder Beziehung tadellos und voll- Rleines Feuilleton. vom römischen Ghetto. V g r D i nt t r f u n s i 2is sßis Zkniigrett unv putge* fältelte Jttnerlichkeit des alten Frankfurter Tyett o s wird den Lesern des „Israelit" gegenwärtig in den fein abgestuften, kulturgeschichtlich bedeutenden und reick» ausgeschmückten Bildern des Romans „F e u e r z e i ch «.n von S. Schachnowitz vorgeführt. ßi rmxh mm WAl fein, auit) ein Wenig sims «np?- ren Ghettos zu gedsnksn, das in mancher Bezirhung feine besondere Artung hatte. Veranlassung dazu gibt das jüngst erschienene Werk: R o ma Jsraelitica. Wanderungen eines Iuden durch die K u n ststätten Norns von (Ermanno Loevinson (§. Vsslsg, Fxankfllrt a. MX dessen Bedeutung als unentbehrliches Reisehandbuch und trefflicher Kunstsührer in diesen Blättern bereits von berufener Seite gewürdigt wurde. Davon abgesehen, erhält es durch einen fesselnden, von gesunder Anschauung diktierten^ klar und kräftig geschriebenen Abschnitt über das römische Ghetto ein hvh^ «llgen-s'nes ZnlerSfss. Sttijsi Kapitel sowie die nicht genug zu rühmende „Geschichte der Juden in Rom" von Dr. A. Berliner, die hoffentlich bald ihre notwendige Neuauflage erlebt, bilden die Grundlage nachstehender Skizze. lleberschaui man Me drei Vahrhunv^rte be$ römischen Ghettos mit einem großen Blick, so muh man seststellen: blinder, ins Zügellose und Abnorme gesteigerter Glaubenssanatismus hat es gebaut und hat -es erhalten. Sie ___Heiden vorher waren doch bessere Menschen, die meisten Hstchrü, «ffl iöißh öBorten Dan liöflaen rsmisHM Külstk übten ein« milde, meitgehevde Dvldsam- '' keif, üchMsn MV «hrten vic Mtfchc Nrilgien mk gmg«« Nachdruck zu verleihen. in DiEfem Mvrkt sö »sUi ft?!9fen ®etjnnem weilen sogar bssondHre Privilegien erieillen. So wurden sie z .B. sogar zeitweise vom Kriegsdienst befreit, um sie nicht in Gewissenskonflikte zu bringen. Einige Päpste schafften hier gründlich und unheimlich Wandel, an ihrer Spitz« Paul IV. (1555—1559). Am NLusHpMnshtggz tzm Mras 1883 Atte er als Grgft? mguisttor Carafa bereits ein VucheraUtüdüse veranstaltet, indem er alle Drucksachen talmudischen Inhaltes, deren er in Rom habhaft werden konnte, verbrannte. Bei Regierungsantritt war eine seiner ersten Handlungen der Erlaß einer Vnlle, die eine unerhört« Menschenknechtung r>ersÜgt« unk üereMZtS. MStzchSk sMM WM hlll 1)1(9 oder jenes daraus vorübergehend gemildert, mancher auch Unheilvolles hinzugefügt. Aber für Jahrhunderte blieb die Bulle Paul IV. die eiserne Basis. Was sie im Wesentlichen enthielt? Was nicht? -6!k 8ü^kn, §!k ftch bisher frei und ungehemmt in jRom bewegen und überall dort mederlasien tonnen, wurden nun mit unverkennbar bewußter Absicht aus der 'großen Masse als Parias ausgesondert. Ihr Wohnrecht ward streng aus das rasch errichtete und mit dicken Mauern umg-ebene Ghetto beschränkt, über dem das Wappen des PanstW DKMßte. JlNMllbiliMbksjtz WUM Ongttch untersagt, was davon vorhanden war, mußte bmmn kurzer Frist veräußert, will sagen verschleudert werden. Auf engen Raum zusammengedrängt, dem sie nicht entrinnen durften, nutzte man ihre Notlage aus und steigerte den Mistzcns für die Häuser, bei denen ein Stockwerk auf' te* ss\lm MilW ffluröi in§ nngkMWM: m Zgssen des Ghettos lagen fast alle sö itöf, daß sitz vielfach Üm Ueberschwemmungen des Tiber ausgesetzt waren, die Krankheiten in die Wohnungen brachten. Wasserleitung gab es innerhalb dieses Viertels nicht, das schmutzige Tib^rrvasssr rvar ihr Trank. Handel erlaubte man ihnen _ js«8tzl Handel mit Trödel Md LuniMk Nkchf