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Der Israelit · 1927-12-08 · Heft 49 (8.12.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 49 (8.12.1927)
Date
1927-12-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der Israelit sxmu Feuerzeichen. Hin Hyetto-ILoman von S. Schachnowitz. (Fortsetzung^) Atzenh für 'Äörnö wur^e In Wöchs 6M Fest zu Ehren Der Brautleute /gefeiert. Zuletzt im Steinhaus -des Ahron Oppenheim, in dem hundert Kerzen brannten. Hier sah man an der Tafel einise Gesichter, die nicht zur Gasse gehörten wrtb Irre woh! Ire! eüiiAMäiWÄS Hagen erweckten, aber im Hause des Hosjuden nicht weiter überraschten. Fürst von Lankwitz war .von Heidelberg eigens gekommen, um mit Oppenheim ein Geld- (;gefci)äft zu hefprechen. Es langte HäMlÜjj für das heistersehnie Pferd,, auch .drückten noch -fällige Schulden. Aber von Lockwitz bot mancherlei Slcherungen, die der Jude wohl zu schätzen Wußte. Er UW gm W rm M?nd Offen- Heims Gast. Nur wollte-er ffür diesen Kreis den .„Fürsten" daheim gelassen Haben. -Er wollte Hier aus bestimmten Gründen nur -auf den Namen Witzlack Horen. NM Mafem Jag M Mann non iräftiQtL gedrungener Gestalt, mit vollem breitem Gesichte, dem ein Backenbart,, zu beiden Seiten sauber und gut abgezirkelt, ein Scharfes Gepräge gab. Er nahm sich, dieser angegraute Backen- Dart, im jnußti gkMgttn MMk wif (eine gutgehaltene herbstliche Baumanlage in einem gepflegten Parke aus. Gut -gekleidet, im braunen, gutsitzenden Fracke über schwarzer Atlashose, die in Glanzstiefeln mit braungelben MllWN \M\mt KlltzM der Gast auch dnr^ die Ruhe -und' Gemessenheit seiner Rede vornehme Haltung. Sein Äuge blickte sehr scharf, wenn im Raume etwas Besonderes zu sehen war und seine breite Gelehrtenstirn legte sich in Falten, '«als orbn.eten sich die ttrt-ßeto-ofyrttett 'jQrrlefmiffe in die einzelnen Fächer seines Gehirns ein. Dieser Herr Jakob Schudt, stadtbekannt, gelobt und gefürchtet als Mann der scharfen Feder. war in früher Abendstunde zum Hosjuden, .Zs« sv MN stühsxsn lSoldgoschöston Hör formte, gekommen, um sich bei Nathan, dem Sohne, ein neues Buch auszuleihen. Nebenher wollte er über den Gang der Audienz in Heidelberg etwas erfahren urrd aitt Ende über den plötzlichen Tod L l {4 um Ltt Zsv m. Dppmfam msr ja Qöraßfl in HeVeMerg, als Eisenmenger starb, und Schudt nahm wohlweislich Interesse an der Sache, obwohl er, wie er gleich bemerkte, Eisenmenger nicht sonderlich liebte. Er, Schudt, habe wohl offenes Auge flfc m% Fkhlkr mH Mwächen der Juden und habe Pe m seinen Büchern, die er bereits geschrieben und noch zu schreiben gedenke, nie beschönigt oder verheimlicht. Aber wie Wagenseil, dem er folgte, wolle er nur ihr Bestes mW ihr Seelenheil: Cr sei 8 k 8 en Lik Zlurlüge scharf aufgetretött, verlange auch nicht, daß die Juden schlecht behandelt, dem Mob ausgeliefert öder gar ausgetrieben werden. Allwo sie keine Schliche und Diebereien begehen und ehrbare, rechtschaffene Leute sind, achte und schätze er sie sehr hoch, und er glaube, daß zwischen ihm und einem Juden, wie es Ahron Oppenheim sei, nichts stehen könne, was eine friedfame Aussprache verhindere. . Ahron OpMhM siähttt dätt viMsgäNdSN Monn freundlich aus und hörte seine glatten Worte ohne äußeren Widerspruch an. Als Schudt die Tische festlich gedeckt sah und die schweren silbernen dreiröhrigen Sabbatleuchter mitsamt den mim silbgxnsn Rgchgrn darauf. gxkMülgtö sr sich, was. heute für ein Fest fei. Er kenne ja sonst den jüdischen Kalender so genau wie ein Oberrabbi. Wie er nun horte, daß 'der Ausklang der Hochzeitswoche Arje Lobs hier gefeiert werden sollte, zeigte er so viel lebhaftes Interesse für die Feier, daß Ahron Oppenheim höflicherweise nicht umhin konnte, ihn zu bitten, gleich dazufiißlDßn. Zchntzi MM an, nur lim diese -Merke Würdigkeit" noch den andern emzureihen. Während Lakwitz - Witzlack, der vor Tisch schon das Geschäft mit Oppenheim zur vollsten Zufriedenheit abgeschlossen hatte, nun frohgemut In seinem derben Reiterdretz dasatz, sich mehr für Speis und Trank als für die jüdischen Typen und Bräuche interessierte und endlich in Meier Neumarkt, seines Zeichens Pferde- und Viehhändler, einen Mann fand, mit dem er sich sehr angeregt über Pferderassen und ihre eillen Passionen unterhalten konnte, saß Schudt groß und breit neben dem Hausherrn und ließ sich von ihm Einzelheiten aus Heidelberg berichten. Oppenheim erzählte kurz und einfach, ohne jegliche Aufbauschung und 'ohne die' errungenen Rechte in ein besonderes Farbenlicht zu rücken. Von der neuen Judenstättigkeit hatte übrigens Schudt längst erfahren und für sein Werk gebührliche Notiz genommßn. Ahron Djpngßim nermißD m peinlich, den Tod Eisenmengers zu unterstreichen, oder ihn irgendwie in Verbindung mit der Mission im Schlosse zu bringen. Aber Schudt fragte unvermittelt: „Aalst Ihr nistst In Uesem seltsamen Aööe einen Finger des Herrn gesehen und Euch nicht darüber gebührlich gefreut?" Oppenheim antwortete mit einem Zitate: „Samuel Hakatan pflegte zu sagen: Wenn Dein Fsinö fällt. Ms Dich nicht, nnö wßlm sr strauchelt, so frohlocke Dein Herz nicht. Es könnte Gott ansonst Mißfallen daran finden und seinen Zorn von ihm auf Dich lenken." „Wo steht das?", fragte Schudt interessiert. OMWim kjoltß nom Renale ein UM Mischnabuch herab und schlug die Stelle auf. „Hier, Mischna, Traktat Aboth, vierter Abschnitt, neunzehnte Mischna. Und was hier Samuel Hakatan sagt, steht eigentlich wortwörtlich lm MG Ul MIM Mllsl, un$ W«l Im vierundzwanzigsten Kapitel der „Sprüche Salomos". Schudt, der sich für einen vortrefflichen Bibelkenner ausgab, schämte sich ein wenig, den Satz nicht {jtfami zu Ms«. Etwas mh um diese Blöße zu verdecken, sagte er: „Es ist doch schade, daß uns nur die anderen Sätze, aus denen grimmige Feindschaft gegen uns spricht, zugetragen werden. Bon diesen versöhnlichen Lehren Emss Tälmuds UÜt' „Das macht," erwiderte Oppenheim ohne Groll, „weil Ihr bloß jene Sätze, die bei einigem bösen Willen der Zuträger andere Deutung zulassen, sucht. Man-findet wohl immer, was man suchh Wem MelrietfjenDes nnvllsten der wird überall Uebles riechen, auch wenn er sich an die reinste Stätte begibt." Schudt überhörte das harte, strafende Wort und zog fern Notizbuch heraus. Er wollte den Satz notieren. Dann besann er sich nnb sinn an, das Auge auf das Original geheftet, von rechts nach links zu schreiben. Er mühte sich, die Worte, in der hebräischen Quadratschrift nachmalen, was nicht in allen Teilen glücken wollte. Cm yochgewachssner Mann neben ihm in einfacher, bürgerlicher Gewandung, mit den treuen Augen und dem runden Vollbart der Zunftmeister, erbot sich, ihm zu helfen, nahm den Kiel aus Schudts Hand und malte den Satz in hübschen, säuberen ^üäörätlkttern!n fern Aotlgöurh hinein. Auch dieser Mann war kein Bewohner der Gasse, aber eine in der Gasse wohlbekannte, geachtete und beliebte Persönlichkeit. Johann K s l l h g ¥, Ö8i* Dr-Ukks-Msistsv. Ms in dsi» Stadt nannten ihn spöttisch „Jona im Haifisch", er sei „mit Haut und Haaren von den Juden verschluckt." Das kümmert ihn wenig. In seiner Aru^ere!, bxe mit tarn Aaupteingang an ims westliche Ghettotor grenzte, lagen viele Kästen mit jüdischen Holzlettern, und hier wurden auch alle jüdischen Schriften für Frankfurt und die WüenWen Laube nebrnsit. Diele Wische Ee; lehrte verkehrten in seinem Hause und auch eine große Anzahl von Jeschiwajüngern verdienten bei ihm als Setzer, Korrektoren und Abschreiber ihren Unterhalt. Der biedere Mann, ganz seiner Kunst ergeben, liebte und schätzte die Juden als Volk des Buches und unterstützte sie in geistiger und materieller Hinsicht auf jegliche Art und Weise. Große Dinge waren in Vorbereitung. Die verstorbenen Oberrabbiner Keidnomer und Krakauer hatten hie ganze Talmudausgabe, gesichtet, geordnet, von Druckfehlern gereinigt und in ihren Lesarten richtiggestellt, für den Druck vorbereitet. Rabbi Schmuel Schotten setzte nach dem Tode dieser Männer die Arbeit fort. Eine komplette Talmudausgabe für Deutschland und die ganze Welt sollte bei Johann Kellner erscheinen. Rabbi Schotten und sein Schwiegersohn Arie Löb, der Sohn Rabbi Krakauers, verwalteten Mifi Mmmteit Dar großen Rabbis. @ie tnu gen die geistigen Kosten der Ausgabe, indeß Oppenheim die Aufgabe zufiel, die nötigen Gelder für den großen Plan zu beschaffen. Johann Kellner war zu einer Besprechung im Hause des Aösjüöen, rvö heute alle Halloren beisammen waren, gekommen und blieb gleich für den Abend Oppenheims Gast. Schudt mußte seine Niederlage wieder wettmachen und er vertiefte sich in den Text. Da lsnchißio plötzlich fein lLßsicht aus, unä bis 0Un Falte seiner Stirn glättete sich. „Es ist doch aber einmal so," sagte er, „daß ein „Denn" und „Wenn" dabei mitspielt." „Freut Euch nicht, denn ..." „Es würde Gott sehen. Die Strafe non chm aömenDßn ... " m ift m mit <£ud) allen, verzeiht das offene Wort, überall seid Ihr zu haben, überall ist Eure helfende Hand, aber hinterher lauert doch immer und überall der Gewinn, der Profit — oder die Angst, es gehe Bnwt kM Ms. Wr rnkitzkt bik Mabenfreude bei der Niederlage des Feindes — aber nicht aus Liebe zum Feinde, sondern aus Angst vor dem „Wenn" und „Vielleicht" ... Es ist doch nicht wie bei uns die Liebe um der Liebe wsgs« . . Ahron Oppenheim wies auf die Erklärungen am linken Rande, die aber Schudt in ihren krausen, kleinen Zeichen vollends wie dunkle Zauberrätsel anstarrten. Oppmhsitti läs überfehie nnb „Cs wird hier die Sache so gedeutet, daß es eine Anmaßung vom Menschen sei, zu glauben, um seiner Verdienste wegen habe Gott den Gegner zu Fall gebracht, dieses müßte Gott mißfallen." «Wer ist ber Deuter?" „Rabbenu Obadja aus Vartenora, der maßgebendste Mischnakommentator." „Rabbinische Tüfteleien," warf Schudt leichthin ein, „sie ändern am Geiste der Sache nichts." Onnentzeirn mit m nicht Der Michß mrt Aadbr Schmuel, der mit Johann Kellner den Plan neuer Drucklegungen besprach, heranzuziehen und antwortete selber: unsere Rabbinen aus degi Noxtß tzxx Schrift herausgeMftett, lag darin, 'denn sis haben seit Moses mit dem Worte den Gei st und den tieferen Sinn der Lehre übernommen. Andere waren es, die Fremdes hineintrugen, weil sie die Schrift wie uns selber nicht verstehen, noch mögen. angknommkn, es spräche auch etwas Ejgcm nutz bei obiger These mit, etwas wie Erwartung späteren Lohnes und Furcht vor Strafe; was machts, wenn die Söhne einig gehen, weil es ihr Vater unter Verheißung oder Drohung so Habs» willd Und nützt man lm **»eU man glaubt, damit sich selber zu nützen, so hat man dem anderen richtig genützt. Unsere

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