Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1927)
- Date
- 1927-12-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I 8 Dezember iM... heiligen Arierparagraphen bedrohe. Die AiMichnng an Das MtO unter ökw gkichm Judenhasses schreitet rascher vorwärts als die Rechtsangleichung, von der man in letzterer Zeit so manches zu hören bekam. Doch nicht das ist das Schlimmste, daß EMdMlkN pknwllstrMkn Md protestieren. Das haben Studenten schon in der guten alten Zeit von Lessing, Heine und Kleist getan. Freilich waren sie damals Bannerträger derFreiheit, Schrittmacher der neuen Zeit, Frühgeborene, Dia iürer ©cnenffiBn LLrstmMn nn? ^ren Idealen Opfer zu bringen wußten. Heute schleppen diese junge Greise das Kreuz durch das Leben, das H a k e n k r e u z und schreien im Chore: „Zurück!", zurück zur Enge und RechtS- Um MittslaltskL. MndMWßr Kow8geist ist heute gleichbedeutend mit dem Geiste der Unduldsamkeit, des Haffes um des Haffes wegen. Das alles darf im Wandel der Zeiten nicht so sehr überraschen und so tief erregen. Schlimm isi es. kratz ein Mann m ösr spM?n des Reiches wie der deutsche Reichsinneu-- minister von K e u d e l l es für gut .und vereinbarlich mit seiner hohen Stellung hält, sich mit einer so gearteten Studentenschaft solidarisch erführen und ihrer Protestversarnrnlung gegen seinen Kollegen von Preußen hinüöer gn daß er „im Geiste unter ihnen weile und sich in innerer Verbundenheit erneut zu ihren Bestrebungen bekenne." Das Preußische Kabinett hat darnns mit einem MMöm pr§ Ministerpr Brcitn an den Reichskanzler reagiert. Damit ist aber der Geist, aus dem solche ganz unglaubliche Zustände geboren sind, nicht ausgewischt. Ob es den rechten Uünnern am rechten Ptäße ill PvSUtzlschöN Regierung gelingen wird, die Herren Studenten, bei der moralischen Autorität, die ihnen vom höchster Reichsstelle verliehen wird, aus die Dauer im Zaume zu halten und der Hochschul- »mpr wir Der itrogo Sjenen, wie man sie in Bukarest und Budapest erlebt, zu ersparen, ist recht fraglich. Ein Mmderheitsülock in Polen. Angesichts der kommenden Wahlen für Sejm und Senat in Polen wird der frü- Wahlblock der nationalen M i n b e r heiten wieder ins Leben gerufen. Cr besteht aus Deutschen, Ukrainern, Litauern und Weißrussen, ihm schlossen sich natürlich auch die Zionisten und jüdischen V o l k i st e n an, während die Orthodo^ie^ foroeit sie in der Äguda organisiert ist, dem Blocke sern- Der Israelit bleibt. Von Galizien ist die Absage e i n-- mütig von allen ^übi|c^en ©ruppett ergangen. Die Bedenken und Befürchtungen, die wir aus Anlaß der früheren Wahlen gegen eine jüdische Beteiligung an dem Oppositionsblock der nationalen Minderheiten geltend machten, treffen heute in erhöhten, SOfcajje qu- Wenn Litauer, Ukrainer und Weißrussen, bis gum gewissen Grade von ihren Heimatländern moralisch gedeckt, die Interessen einer Jrredenta bis ans Aeuherste zu vertreten und zu verteidigen suchen, s8 ist nisisi ^MsMfbhen^ roarnrn die Duden, die bisher nur 'm i't der Regierung und Nie gegen sie etwas ausrichten konnten, sich in 3as Schlepptau von Interessengruppen ziehen lassen, deren Stellung zum Judentum mit dem Mischnawort troffonD fleiaiümat ift nmm kM ],3ij?a, r«? -ipm r>jnp3 f'iAiV f'rri Wollen Zionisten und Volkisten damit nur grundsätzlich für den nationalen Charakter der jüdischen Minderheit d e m o n str i e r e n, so kann es unter Umstgnöen fine tewre 2>emonj’trai:iort werden, und die Kosten hätten alle anderen unschuldig mitzutragen. Eine unverkennbare Besserung der Beziehungen zwischen Polen und Juden, zwischen Regierung und den jüdischen Parteien ist in legerer Zeit eingetreten. Roch sind, wie wir in jüngster Nummer berichten konnten, nicht der Hoffnungen und Wünsche alle erfüllt. Aber man muß gerechter Weise sagen, daß eine solche Umwandlung nicht daß Werk eine8 TllgeZ sein kann, und daß der Wille zur Erfüllung tatsächlich vorhanden ist. Man darf nur wünschen, daß der Wille auch das Tempo beschleunige. Die Blockpolitik wäre aber gerade dazu angetan, hie Frucht tangjährsger, mühevoller Ärdeit ist! letzieik Stadium des Ausreisens zu vernich- 1 e n. Wollen und können dieses die Nationalen verantworten? Man darf begierig sein, wie sich M i S r a ch i ^ozu verhallen wrr^. Bei jrühe^ll SlitlÜfjltt verhandelte er mit der Äguda und blieb schließlich im Mutterschoße der zionistischen Organisation. Er hat die blinde Mitfolgschaft bereut unb aus seinen schmerzlichen Enttäuschungen kein Hehl gemocht. Cs wird sich zeigen, ob jetzt Misrachi, durch die Erfahrung gewitzigt, die Kraft besitzt, inneren Erkenntnissen Rücksichten aus die Parteidisziplin zu opfern. Kleines Feuilleton. Die Zefchiwa in Montreux. In Montreux, in der Mitte der Schweizer Riviera, von der Außenwelt gänzlich isoliert, wirkt die einzige ßkUimllh in m ümtift: Likst MtiMM in MlMM, obwohl sie noch im zarten Alter flöht, erreichte schon jetzt bedeutende Resultate. Ihr Name „Ez-Chaijim" ist das Symbol, das Sinnbild der Unverwüstlichkeit des jüdischen Lebensbaumes. Aus allen Gebieten der Schweiz, Ungarns und Deutschlands kommen die thoraburjti^en Jünglinge unb nub men ihre Zeit mit hernor- | ragendem Weiße Dem Studium Wr schon ein schönes Ergebnis, wenn wir bedenken, daß sozusagen auf Wüstenland diese Edelfrüchte tragende Oase entstanden ist. Und dies alles ist das Verdienst des Herrn B o t s ch k o in Montreux, der mit aufopfernder Hingebung und edlem Eifer die Jeschima gegründet hat upsh ggsh shr ncilsrlrch-er ßetier sZwZhl itt fl[S auch in materieller Hinsicht ist. Zur Befestigung der Jeschiwoh wurden Dozenten aus der Elite der berühmten Telscher Jeschiwoh (Litauen) berufen, die mit musterhaftem Eifer und' hoher Intelligenz die ihnen übertragene heilige Aufgabe ausfühven und den anderen Mchurm Lin gutes MID gebend. m Wchiws «rmt ttn strengsten Citttiö döv Tradition und ist der litauische Derech Halimud eingeführt, der sich dadurch auszeichnet, daß er stets bestrebt ist, durch Logik und Klarheit über manche Stelle im Talmud aufzuklären. Wollte Gott, daß dieses schöne Beispiel auch in anderen Städten des Auslandes nach geahmt merde. (Der Esra und das junge Deutschland.) Man schreibt UNS aus Leipzig: Die jüdischen Jugenübünde werden auf der Ausstellung „Das junge Deutschland", die im Januar 1928 in Leipzig eröffnet mirö-, mit einer eigenen größeren Aoje verlreleii still. idäi? ÜAipIiIKg bittet alle Esra-Gruppen Deutschlands, verwandte Organisationen sowie alle jüdischen Persönlichkeiten, in deren Besitz sich geeignetes Material befindet, dieses der Ausstellung leihweise zur Verfügung zu stellen. In Frage kommen Bilder, statistische Literatur, jüdische Ju- Mm M und sonstiges Wtatmai Das Mt Arbeit der ge setz es treuen Jugend Deutschlands zu illustrieren vermag. Sofortige Mitteilungen an den Leipziger „Esra" erbeten. Anschrift: Robert Kosiner, Leipzig C 1. Frankfurter Straße 1. Wocheukaleader. o. 10. — 17. Tez. 1927. o. 16 - 23. Ktslew 5688. Samstag Dez 10 iVos 16 niw'i Sonntag ii 17 Hlotttog 12 18 Dienstag 13 19 Mittwoch 14 20 Donnerstag 15 21 16 22 wtnn j’anan SWauteb samstag 17 23 Hirn QffttSB 18,87,1? Vrrantwoitttch für den allgemeine« Teil und oa» ^peutnero. S. Schachnowttz, Frankfurt a. M.; Inserate Schach nowttz, ebenda. — Für die pädagogische BeUage: Lehrer L Kaufmann in -Sprendlingen l«r. Offenbach). — Berla, .Israelit", G.m.b.H., Froukfnrt a. M. — Druck Sermon Verlag» WttntAefeHfÄafi Snüdfuti a. M. Nr. 49 Seite 3 Die Areud'sche Psychoanalyse. Von San. RU Dr. A. Slern kn IrankfllN a. M. Eine neue Theorie steht wieder in Blüte und hat sich die Anerkennung der Wissenschaft erworben: die Freudsche Psychoanalyse. Die WlkRllnalyse sucht pik Mundelernente des Seelenlebens aufzuspüren wie der Chemiker die Stoffe zerlegt, um ihre Grundelemente aufzuweisen. Sie baut auf ihrer Erkenntnis eine wirksame Methode der Behandlung von SeelenftönmoenimD nervösen Leisen mh .?!k j*öische Anschauung vom Wesen und Leben der Seele wird der Lehre Freuds und seiner Schüler mit Interesse und Verständnis begegnen und sich in manchen Punkten im Einklang mit ihr finden. MMuftZ Mkd bis PsychomwM ffrgnDi noch heftig umkämpft, und wer dieselbe nicht bis in ihre letzten Konsequenzen anerkennt, befindet sich in bester und gelehrtester Gesellschaft und braucht sich nicht den Vorwurf der Rückständigkeit zu wmm. ' Freuds unbestrittenes Verdienst ist LS, den Urnfang und die Bedeutung des Unbewußten im Seelenleben und seinen Einfluß auf die Gesundheit und Krankheit von Seele und Nerven erkannt und genmrbigt zu. haben. Es isi eins nsU6 und kiese Erkenntnis, daß b«s jeiüe eigne Gesetzlichkeit hat, die durchaus verschieden ist von derjenigen, welche im Bezirk des bewußten Seelenlebens herrscht, wo das Gesetz der Logik waltet. Unbkwnßtkn MrsG Vernünftigem vieles, was im Lichte unseres logischen Denkens betrachtet, als unvernünftig, ja sinnwidrig und unsrem ethischen Empfinden widersprechend beurteilt werden muß. Wenn man in Hhtzllösä KisiAlll Möklschön sugeriert, er werde eine halbe Stunde nach dem Erwachen das Fenster öffnen, so wird er dies pünktlich tun, obwohl jede Erinnerung an die Vorgänge während des^ hypnotischen Zustandes Mgölöschl ist, will Das nach \mt Uesen Armvsk der Fall ist. Der Vorstellungskomplex ruhte in der halbstündigen Zwischenzeit im Unbewußten, wie jeder Vorstellungskomplex in der Zeit zwischen Vergessen und Wiederauftauchen der Ermn?rung- Steuer HhffUöUsiAVtö ln den meisten Fällen nicht das Fenster öffnen ohne eine Begründung hinzuzusetzen. Er wird etwa sagen: „Es ist so schlechte Luft im Zimmer, ich wordll bas fünfter öffnen." Zier gal glfö das Unbewußte sein Denken und Vorgehen durch vernünftige Scheingründe richtig und zweckentsprechend dirigiert. So steht es nach Freuds Änschauung überhaupt mit uns Menschen: Wir glaubm logisch, oernünfslg nnö glemreblg, ou handeln und merken und wissen es gar nicht, daß das Bewußtseinsfähige unsrer Seele und damit unser ganzes Leben vielfach unter Lenkung und Leitung des Unbewußten steht. Das, waZ wir Wesen nnp Eigknort des em^tnen nennen, sein Charakter, sein Gebahren, wie er sich hält, geht, gestikuliert, seine Mimik, seine Handschrift, seine Malweise, wie er denkt, fühlt und strebt, wie er auf äußere und innere Reize reagiert, kurz seine Persönlichkeil wirp kkw Unbewußten her gestaltet und gerichtet. Uttd wenn der Mensch einer plötzlichen Lebensgefahr blitzschnell ausweicht, so sind viele höchst zweckmäßige Einzelaktionen berechnet, die meisten aber erfolgen vinmnktmößis", vm Unbkn>nWn gelenkt. Sind wir nun rm Leben wie jener Hypnotisierte oder wie jener von plötzlicher Gefahr Bedrohte vom Unbewußten her getrieben und gerichtet unö ist Pie kkrnünstigk Ukberlegun^ nach der wir handeln, mtv scheinbar? Oder steht unser bewußter Wille frei und selbstherrlich über den Strebungen unsrer Seele? Das alte große Problem der Willensfreiheit taucht auf! Für Tllpkn??!n Problem: Schon im Schö^ffunHsbericht der Thora wird Der erdgeslyaffene Mensch zu einer lebendigen Persönlichkeit und einem freien Wesen dadurch, daß ihm Gott seinen Odem der Freiheit und des Lebens ins Antlitz haucht (II, 7 n'VN-12). Und zu Kain spricht Gott: