Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1927)
- Date
- 1927-12-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 49 Der Israelit 8 Dezember 192? daß noch heutzutage bei den semitischen Völkern Asiens das Schächten der Schlachttiere ritueller Brauch tjt, und aus dein Vorhandensein von bildlichen Darstellungen des Schächtens auf altägyptischen Denkmälern aus der Zeit Moses mit Sicherheit gefolgert werden, daß mit dem im 3. und 5. Buch Moses in der Lutherschen Ueberseßung an Verschiedenen Stellen erwähnten Schlachten bas Schächten gemeint ist, von dem es heißt, „wie ich dir geboten habe". Eine bildliche Darstellung im Grabe des Nevotyph gibt die Schlachtung eines Ochsen wieder, dessen Kopf auf die Hörner gestellt ist, wie es beim GSd^äd^ten üblich {ft. Auch ist in dem berühmten Gemälde im Grabe Ramses ni. zu Theben u. a. eine Schlachtszene dargestellt, wie ein Ochse zerteilt wird und von einem geschachteten Tier das Blut aufgefangen wird. DemgegerMxx WUMn irn alten Nom bie großen Schlacht- und Opfertiere durch Schlag mit der Axt auf das Genick (Hinterhauptsbein) zunächst gefällt — was bekanntlich leichter ist als durch Stirnschlag —, wobei der Kopf durch zwei Gehilfen nredergehalten wird, und alsdann der ^a!s{chn!tt ausgefuhrt, wie die Darstellung eines römischen Opfers erkennen läßt (Bilderatlas z. Weltgeschichte v. Weißer). Dem rituellen Schächten der Juden liegt bekanntlich das mosaische Dogma zugrunde, daß das Nlllt dsk ^er Seele [e{ rmö bemgnfolge einerseits der Blutgenuß streng verboten ist und andererseits das zur menschlichen Nahrung bestimmte Fleisch frei von Blut sein muß, das man durch das Schächten der Opfer- Mtz MlSHMkrk und durch ein mehrstündiges Ausziehen des Neftblutes durch Einreiben des Fleisches mit Salz vor der Zubereitung mit späterem Abwaschen herbeizuführen bestrebt ist. „denn das Blut ist die Seele, darum sollst du die Sööls nicht mit Im Fleisch essen (5. Mose, XII, 23)". Bon Schächtgegnern ist in der neuerdings entbrannten Polemik an dieser altjüdischen Glaubenslehre Kritik geübt worden mit dem Hinweis, Satz ffe nach Bim hSUtM QanSe bet naturwllsenschaftlichen Erkenntnis falsch sei. Dabei ist dieses jüdische Dogma, „das Blut ist die Seele", als so ganz unzutreffend nicht zu bezeichnen. Denn wenn auch die Großhirnrinde die seelisch? (£mp stnbnng vermittelt, so ist doch zunächst die Hirnc tätigkeit von der Blutversorgung abhängig, wie eingangs dargelegt ist. Das Verhältnis des zirkulierenden Blutes zum Gehirn ist zu deuten wie Ursllchs und Wirkung. Mse christlichen Schächtgegner bedenken nicht den erheblich größeren Zwiespalt zwischen der heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnis und ihrem Glaubensbekenntnis. Glaubenssachen sind Gewisse n s s a ch e n und als ein „Noli me tangere" zu achten und nicht zu kritisieren, wie geschehen ist, Lik ttkik NkllgionMbung ist ein Erfolg Der Aufklärung der Neuzeit gegenüber dem finsteren, unduldsamen Mittelalter mit der Verfolgung und Verbrennung derer, die anderen Glaubens waren, als Ketzer auf dem Scheiterhaufen. In allen Kulturstaaten ist dst NkliMNSÜbUNg gestaltet, was bekanntlich Friedrich der Große m die Worte kleidete: „Es kann jeder nach seiner Fasson selig werden". Neben dem Toleranzgebot spricht aber gegen das in Bayern in Aussicht genomg?MW VkkM ökZ ZWlksteNZ Der in Uevereinstimmung mit dem Gutachten der bedeutendsten in- und ausländischen Physiologen geführte direkte Beweis, daß das Verhalten der Schlachttiere nach ordnungsmäßig ausgeführtem SchüchWuitt, D!o sog. „OimlsymMms", nicht ZlZ Ausdruck ungestörter Hirnfunktion und des Bewußtseins zu deuten ist, sondern ihm rein reflektorische Vorgänge zugrunde liegen. Das Schlachten ist, wie v. Ostertag mit Recht ägi, nach welcher Wethobe es auch immer geschieht, ein widerwärtiges Schauspiel, das aber nicht zu einem öffentlichen gemacht werden darf, wie von Schächtgegnern durch Vorführen des Schächtens mit unrichtiger Deutung zur Ueberzeugung von Llmrn büß Dos Tchöchisn SMS TlSVhuÄerei sei, an mehreren Schlachthöfen geschehen sein soll. Und wenn in dem großen Schlachthof von Köln a. Rh. bis vor kurzem angeblich noch bis ZU 80 Prozent sämtlicher Schlachttiere gepachtet wurden, so ist das ein Unfug, gegen den der dortige Schlachthofdirektor als langjähriger Tierfchützler längst hätte einfchreiten müssen. Und wenn weiterhin der größte Teil der Schlachthofrierärgtx y;x jrngg Meinung vertritt. Dal in Dem rituellen Schächten eine Tierquälerei zu erblicken ist und die sog. „Qualsymptome", die auf reflektorischem Wege Zustandekommen, als Beweis hierfür /inführt, so wird man diese falsche Vorstellung beim Laienpublikum kaum beseitigen können. Da Laien an dem Verhalten der Schlachttiere nach ausgeführtem Schächtschnitt Anstoß nehmen können, wird es sich empfehlen, auf den Schlachthöfen das rituelle Schächten von GroßvUl} p Mstaljsjkrku lluö an einer abgelegenen Stelle, zu der nur die Interessenten Zutritt haben, vornehmen zu lassen. Für Kleinvieh erübrigt sich diese Maßnahme, da Kälber, Schafe und Ziegen allgemein durch Halsschnitt be^io. Schächtschnitt ober Halsstich geschlachtet werden. Grundsätzlich wäre aber zu verbieten das Aufhängen der Kälber vor oder unmittelbar nach dem Halsschnitt, das auf jeden Beschauer einen widerwärtigen Eindruck macht, besonders dann, wenn die vorher nicht betäubten Kälber mit durchschnittenem Hal§ infolge der anämischen Krämpfe von den Haken „börnnierspringsn", m WiMMst aber heruu. terfallen. Um das häufige rohe Niederwerfen der zu schachtenden Rinder unter Anwendung einer Winde für immer zu beseitigen, wäre die einfach llUMslibrenbe. fiöm und schonenbs Msthsds des Niederlegens der rituell zu schachtenden Rinder durch das schmerzlose Niederschnüren amtlich vorzuschreiben, wie es in Rußland seit langem gesetzliche Vorschrift ist. Das Festziehen der urn Hörner. Brust unD MuH gslsMn LHlmzöü anjiaii buvd) Ziehen von zwei Personen an dem nach hinten geführten Seilende auch durch die Schlachthauswinde geschehen. Nach dem freiwilligen, selbständigen, in der gewohnten Weise ersol- Zellden bkS UmbeS sind dUNN Beine zu fesseln. Mit der Zentralisierung des Schächtens auf den Schlachthöfen an einer bestimmten, weniger leicht zugänglichen Stelle und durch die Vorschrift Des NisösrschnnrsnL Znv V-rmshme Schächtens wären alle Einwände beseitigt, die man vom ethischen Standpunkt und von dem des Tierschützlers als berechtigt zu stellen ansehen muß." Wochenrundschau. Ministkrirüer ömjföjulantifemitilmui Der Bazillus des akademischen Antisemitismus verbreitet sich in schnellem Laufe so ziemlich durch ganz Europa. Während in Rumänien und in Ungarn um den Numerus Clausus m m WM MiurQui Der Mion mii Messer und Knüppel gerungen wird, sammelt sich die deutsche Studentenschaft in Berlin zu einer Kundgebung gegen den preußischen Kultusminister Dr. Becker — weil er Der StnDMsnschsst m m*v Verordnung untersagt fyat, eine Koalition mit aus arisch völkischer Grundlage stehenden Studentenverbindungen in Oesterreich einzugehen. Daß dabei ein? « D l D 6 r m t a d r 11 e mit Milliärmärschen die erbaulichen Reden einrahmte, sei nur so nebenbei verzeichnet. Selbstverständlich protestierten zu gleicher Zeit auch die österreichischen Verbindungen in Wien gegen Berliner Vetter. Der ihrM •Vd Vdö VD2 Döv Qv, M. in Kttmburg, So oft wir im frommen Ausblick zu Gott mit den jiran msia die Mahlzeit' die wir beendet, weihen und damit unfern Tisch als n •»ag*? -»nbw als von Gott geheiligt erfassen, sprechen wir: ÄS ÄS SPM p&Si SMMH «WS« S&Sähafr i»- noVi? nsi22 im 12Ä um« *pi’ p »wie unsere Väter Abraham, Isaak und Jakob »in allem" „von allem" „ganz und gar" gesegnet wurden, so möge Er auch uns alle mit vollkommenem Segen bedenken". Es ist etwas Großes. was wir da von dö8i l8ötts unfäksi? Däler erflehen. werden wir uns bewußt, wenn wir unsere Alten hören. nVbv pnr Dn-DX p i^x X2N f'vv n*apn pwon 3P5H- Drei ließ der Heilige — gepriesen sei Er — hienieden bereits die Herrlichkeit des Jenseits 96* niesen, nörnlich die Staminoäter 3’’fl27 Dn73it Vs h’ä a’nsi aj?y’ Vaa iTa jtidi pni-» Aviayam. von dem es Hecht: „in allem", Isaak, bei dem das Wort von allem' gesagt ist und Jakob, der das Worr bo „alles" gebraucht hat ... . Was ist das nun für ein Segen, mit dem unsere Stammväter begnadet wurden? Offenbar wird durch einen jeden von ihnen eine Seite dieses Sepens besonders veranschaulicht. Abrabam. der am meisten Geprüfte unter den Vätern, ist am Ende doch der Glücklichste unter ihnen. Er hat die Prüfmrnra als öl lllß Dochraomdos Banns* dss Opförwillens und Opfermutes dis zu ihrem lebten Ausmaß alücklich überwunden. Er ist auch reichlich mit Anerkennung und Würde bedacht worden, daß er von seiner Umgebung als h’wj. als Fürst Gottes verehrt wurde. Es erweist sich der Patriarch als Das oollkammöNL Md sins« härw-^fch schlaffenen Persönlichkeit, und wir verstehen es. wenn beim Neigen seiner Lebenssonne es von ihm heißt: Ä2 VN73X rix 712 '*71 Gott segnete Abraham.„ftt allem" . . Von dem Augenblicke an, da er den Weltenschöpser erkannte, sah er in allen arotzr-n und frleisien uiiD VfiDinillisien fiines Sofiona Sttohien Der göttlichen Liebe seinen Lebensweg erlauchten. Das machte Abraham, wie immer sich fein Leben gestattete, zufrieden und glücklich und gab ihm Kraft zur Bewährung. Das hiniediae Leben mit seinen Kämpfen und Widersprüchen focht ihn an, ward itjm die W tt M0Ü Dkl Abglanz der Ewigbett. Solche Hingove. wie sie den ersten Patriarchen zierte, erstehen wir als unfern Teil, um würdig zu bleiben der Anrede des Propheten : *»arnu nmnx snt Samen meines Lieblings Abrabam. — Am Lsbensbiwmel unseres zweiten Starnrrroaters söhöll wt* btölsAch tküßä nDöllrkrc h^rsns^e^gIn, Er bleibt aber unverzagt gegenwärtig der Liebe des. der auch ibm S»oen und Beistand verheißen, und darum ist das Wort, das er gesprochen hg» ÄX1 und ich aß von ollem, wie ein Hinweis auf seine Lebenskunst, die er besessen, auch aus dem Bitteren noch das Segensreiche zu gewinnen. Diese Fähigkeit ersehnen wir, damit auch wir die Ansprüche ans Leben nicht überspannen und im Glauben an die Ewigkeit mutig und unverdrossen das Dasein tragen als eine uns von ©oit verliehene Gabe , , Der Ahn, von bem wir den Namen ererbt haben, der Meister und Vorbild im Ringen und Kämpfen gewesen, steht uns am nächsten. Jakob hat das bedeutsame Wort gesprochen: hg •>*? M,gi 'i^X '22N '2- Mich hat Gott begnadet, und so habe ich alles. btts MnttsrWk Wott Des orttttn Pattiortten. Bisher kannte ei nur Entbehr» ung und Entsagung. — Haß und Nachstellung, - und doch wähnte er sich von Gott begnadet und gesegnet, in dem. was ihm geworden. Er fühlte sich in Gott geborgen. Das gewährte ihm die Beiriediaung und ließ ihn das Leben vielnrehr als eine ® l Gskistzsns, als Anrüs der Ärbetten und Pflichten erfassen, so daß er nichts verlangen, sondern nur leisten, schaffen, wttken wollte. Diese Einstellung sichert Segen und läßt einen jeden genügsam und zufrieden sein und mit Jakob sprechen: Ich habe alles . . . Dorum erstehen wir zum dritten als Das HöMß DisrMigs Sinstsnuns zu ksü Ml-W und Werten des irdischen Lebens. Abrahams Glaubensstärke, Jsaks Hoffnungsseligkeit und Iakovs Tatendrang - diese drei Lichtstrahlen aus dem Leben unserer Patriarchen — vermögen auch unser Leben mit Hoffnung und Zuversicht erfüllen, daß auch wir i"ii¥ yas eisifsi PLMiSmM non Der ewigen Selige Reit genügen und üls Kinder der Ewigkeit das Leben weise nützen und werten.