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Der Israelit · 1927-12-01 · Heft 48 (1.12.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 48 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 Seite 3 1 Dezember 182? auf beiden Seiten nicht wert ist. Ties bedauerlich wäre es, wenndie jüdischen und rechtdenkenden liöerfllsn iii de» AbWäls^stölllllly, lll döl stö sich zur Zeit gegen die Straße befinden, den Blick für die Gefahren, die in noch höherem Maße aus dem neuen Entwurf drohen, verlieren würden. ®mmm. Wir referierten jüngsthin in Anknüpfung an den Fall Slater in England über die Tragik, der Staatenlosen und die unbegrenzten Möglichkeiten ihrer Schicksalsgestältung, wenn sie irgendwo draußen fld) fjüflos, ohne Papiere lllld behördlichen Schutz, einer feindlichen Welt gegenübersehen. Wir sprachen von den ersten Anläufen in Genf zur Regelung der Rechtsverhältnisse dieser ok^ne chr Verschulden Entwurzelten, Noch wichtiger ist die moralische Ausgabe, tue!iabei den Ländern zufällt, Bewohner ihres Territoriums, die, sich um das Bürgerrecht bewerben und allen Voraussetzungen für die Aufiahme entsprechen, ohne Rücksicht auf ihre konfeffionetto AWMgkkit in Den ZMlltsvLyüM aufnehmen. In Deutschland machte sich in dieser Beziehung in den letzten Jahren der Parttkulärismus der einzelnen Staaten sehr unangenehm bemerkbar. In Würdigung der Tatsache, iäß Mcp liHBS ©aatoa zuglsilh Bürger der Deutschen Reiches ist, hat man den Einzelländern ein gewisses Vetorecht bei Einbürgerungen durch einen der deutschen Staaten zugefpirochen. Es ist l)och erfreulich, daß neuerdings die Sache so gehandhabt wird, daß bxcfer Einspruch nur als Einzelmeinung gewertet wird, die von der Mehrheit der Länder überstimmt werden kann. Mil einem ronrmen FM vm?? */atte sich dieser Tage der Deutsche R e i ch s r a t zu befassen. Die Einbürgerung eines jüdischen Diplomingenieurs war von der Preußischen Regierung beschlossen. Im letzten Momente legte aber Bayern (MeiHneniU) Mölkst Kill. §?r einzige, unausgesprochene Grund für die Ablehnung var natürlich die jüdische Konses.sion des Bewerbers. Der bayrische Antrag wurde mit den Stimmen aller Länder, mit Ausnahme Baysrns, ab gelöhnt nnd der WWe Herr als preußischer Staatsbürger ausgenommen. Die Welt geht vorwärts trotz Bayern, hoffentlich recht bald wieder mit Bayern! Rabbi Chajim Brisker wurde einmal in einem Eisenbahnabteil von jungen jüdischen Burschen, die den Rabbi von Angesicht nicht kannten, verhöhnt und stark drangsaliert. Auf der nächsten Station kam eine Deputation, um den großen Rabbi zu begrüßen. Wie er- MMn w Re mrlßm «lZ sie imMkly wm p? zum Opfer ihres Spottes ausgesucht hatten. Zerknirscht traten sie, als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, an ihn heran und baten ihn flehentlich um Verzeihung. Sie wußten nicht, entschuldigten sie sich, daß sie Rabbi Chajim Brisker vor sich hatten. „Und rvsnn es nur Chajim Schuster gewesen wäre?" iif Rabbi mit strasMöM Blick. Sie schwiegen verlegen. Da sagte Rabbi Chajim: „Ich will Euch verzeihen, soweit Ihr „Chajim Brisker" beleidigt habt. Für die Differenz zwischen „Chajim Brisker" und irgend einem „Chajim Schuster" bin i ch nicht zuständig. Das möge Euch Gott ver^ei^en." * * * Ein bedeutender litauischer Rabbi erzählte mir vorigen Sommer in Klssingen folgende amüsante Geschichte: Li» Dsvsiudg bsi Wilna wollls naüj DDeffa üben siedeln. Er spannte feinen Wagen än UUd suhk Tuge und Nächte gegen Osten. Wie er einmal sehr müde war, streckte er sich im Wagen aus und schlief fest ein. Da kamen lustige Burschen des Weges, sahenden Wagen auf der Straße und den schlafenden Mann und wollten ihm ehren Schabernack spielen. So spannten sie die Pferds aus und brachten ist rm bi? «nbere WätzettstilT 2 8 k Fuhrmann hatte nichts gemerkt, wachte auf und trabte weiter. „Wohin?" fragten Passanten. „Nach Odessa!" lautete die Antwort. „Da fährst Du ja verkehrt", sagten sie. „Lächerlich!" brummte der Fuhrmann und fuhr Der Israelit Slgudistische Tagungen in Berlin. Der GeschllslsMrcndc Ausschuß im 3( s vt i a * I i s roel beruft im Einvernehmen mit dem Präsidium des Zentralrates eine Plenarsitzung dieser Körperschaft auf Ende Dezember nach Berlin ein. Die Beratungen beginnen Dienstag, den 27. Deoernber unt> jotten am Nachmittag des 29. Dezember zu Ende gehen. Die Tagesordnung ist unter Vorbehalt von Aenderungen wie folgt festgesetzt: Dienstag, den 27. Dezember, nachtj r : 1. Eröffnung durch den Vorsitzenden des Zentralrates und Konstituierung des Büros. 2. Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses. a) Organisation und Finanzen, b) Politische Arbeit, c) Erez Jisroel-Arbeit, d) Keren Haihararmmn 3, TjWntkMM der politischen Kommission, insbesondere über die Innenpolitik der Länder. 4. Die Lage in Sowjetrußland. 5. Allgemeine Aussprache. 6. Wahl einer Organisations-Kommission und einer Finanz-Kommission. M!tiw°ch, U» 88^ BegamBer, Dors mittags 9.30 Uhr. 1. Antrag des G. A., betr. Einberufung der Kenefsio Gedaulo. 2. Die Organisation der Jugend und der Poale Agudas Jisroel. 3. Die Aulim-Frags. Mittwochs nac^mliiags 1. Die politischen Erez Jisroel-Fragen. 2. Bericht der Finanzkommission und der Organisationskommission, Beratung und Beschlußfassung. Donnerstag, öen s?. £?g vormittags 9.30 Uhr. 1. Endgültige Beschlußfassung über die Einberufung der Kenefsio Gedaulo. 2. Die Organisation des Rabbinischen Rates . 3. Bericht über die Ergebnisse der Paläslinmlagnng unD enentL MMlWWlig. Oer Tagung geht eine Vertrauensmänner- Konferenz der Palästina-Zentrale voraus, die Montag Früh beginnt und Dienstag Mittag endet. Dis TagMardnnna lautet: 1. TätigMMrW und Berichte der einzelnen Landesorgamsationen. 2. Ausbau des Talmud Thora-Schulwesens der Agudas Jisroel in Erez Jisroel und dessen Sicherung durch den Keren Erez Jisroel. 3. Wirtschaftliche Apböit m Erez 3ißroaf. Ferner veranstaltet der Keren Hathora eine geschlossene pädagogische Konferenz. Die Mitglieder des Zentralrates und der verschisösnsn an Der Tagung beteiligten Aguba-Vr? ganisationen wollen sich wegen Unterkunstsmöglichkeit und aller sonstigen mit dem Berliner Aufenthalt in Verbindung stehenden Angelegennmter. Er giaubie, immer rto^ gen Ofleü D 1IWÄ wußte nicht, daß die Jungen unvermerkt die Fahrtrichtung seines Wagens geändert hatten. Der Rabbi erzählte mir dieses, als wir vom Verhältnis des Misrachi zum großen Zionismus sprachen - . * * * Ein Chassidimrabbi deutete mir das Wortv'a-ovvoi» nvnn by n-onan -p rniön by Frage ich meinen Chassid, wie es geht und er sagt: „Boruch Haschem, dann ist es schon gut nawn by r>3~an "ovo", sagt er aber: „So, so!" hgpN weist ich Bescheidnir-in by j’a-ian —p~- Ein armer Thoragelehrter, dem man oorhielt, es sei doch entehrend für einen gelehrten Mann, mit seinen eigenen Büchern hausieren zu gehen, antwortete: „Warum soll ich nicht machen dürfen, was der liebe Gott selber trid 8öt m fiöö) leim Thora Mm Mb Mab unö Mibjan und altert anderen Völkern üN." In einer litauischen Gemeinde, die das Glück hatte. einen schköskfälligsn Naübinox zu haben, auf Den man überall lange warten mußte, sagte e'ttt Witzbold'. „Der Weisenspruch im Perek wir aViyn o-nn bs paßt recht gut für uns. Dreifach muß hier der Olam (Gemeinde) stehen und warten rPvn tyi pn nnsn by> nämlich bis der Rabbi nach Schemah „Emmes" gesagt, bis er den „Din" entschieden und bis er endlich nach dem Achtzehngebet das „Schvlaum^ gesagt ha!. heilen an Herrn Generalsekretär Albert Leopold, Agudas Jisroel, Berlin R. 54, Gormannstr. 27, wenden. Rabbiner Dr. Esra Munk '"5- Zu seinem sechzigsten Geburtslage. Berlin, 27. Nov. Dem Grundsätze . 17122 xi.i nr tnx Viy uisp folgend, haben wir es unterlassen, Herrn Rabbiner Dr. Munk '"2 anläßlich seines 60. Geburtstages öffentlich zu gratulieren, da es sein aushxüslichsk Wunsch war, öiefßn Tag in aller Stille zu begehen. Da aber sowohl in der Tagespresse als auch in anderen jüdischen Blättern dieses Tages gedacht wurde, so wird der Jubilar es nicht übelnehmen, wenn ihm auch aus dem Kreise des Me, in ihm öiNM höre vorragenden Führer verehrt und dem in erster Reihe seine unermüdliche Wirksamkeit gilt, ein Wort des innigen Dankes und der Verehrung gewidmet wird. Gibt es doch keine einzige ges^bstl:eae Vereinistunst in Deutfl^land, der Herr Rabbiner Dr. Munk nicht in führender Stellung angehören würde. Freie Vereinigung, Bund gesetzestreuerGemeinden, tr a d i t i 0 n e l l - g e f e tz e s t r e u e ütaDDtnerb6fginighngf ^unb jü bischer Akademiker, sie alle zählen ihn zu ihrem Vorstandsmitgliede und es fei gleich hinzugefügt, daß er für all diese Vereinigungen mit einer geradezu beispiellosen Hingabe arbeitet. Soch unser Gkllß Kitt IN S»st«k Röth» t>M Raw der Adaß Jisroel-Gemeinde in Berlin. Vor 21 Jahren ward er als Nachfolger seines großen Meisters und Oheims Rabbi E s r i e l Hildesheimer an die Adaß Jisroel in Berlin örru^en. Äer gro^ze Ärün^er Jisroel hat in der Zei/der größten geistigen Not des deutschenJudentums gleich seinem großenZeitgenossen Rabbi Samson Raphael Hirsch h>"xr erkannt, daß es für das geseßestreue Judentum in Äeuifchfanö hlnz anööre gebe, als daß es sich selbständig und unabhängig organisiere und so schuf er seine Gemeinde als Bollwerk gegen den überhand nehmenden Abfall. Es war keine leichte Erbschaft, die der junge Königsberger Raw antrat. Es galt nicht nur, Ererbte zu erhalten, sondern es auch auszubauen und den immer sich ändernden Zeitverhältnissen entsprechend auszugestalten. Die ganz eigenartigen Berliner Verhältnisse erforderten viel Geschick und Takt und eine geradezu ühermen^chüche kraft, um all der Schwierigkeiten Herr zu werden, die sich dem jungen Führer in den Weg stellten. Wir können es heute mit berechtigtem Stolz auf unseren Raw sagen, naß es ihm Ulungkn Mn? Aufgabe voll und ganz zu lösen. Die Adaß Jisroel mit ihren drei Synagogen, ihren nach Dutzenden zählenden mustergültigen Kaschruthinstitutionen, ihrem —erst jüngst in diesen Blättern gewürdigten — AchutwerE mit 700 M$ tzüll ÖßF Opferfreudigkeit ihrer Mitglieder so beredtes Zeugnis ablegt, hat sich als uneinnehmbares Bollwerk der Gesetzestreue bewährt, wie es von ihrem großen Gründer geplant war. Und wenn auch in an^kren Kreisen manLeg dem g?Ksrp?n ist, so ist dies mit ein Verdienst der Adaß JiSküel UNd ihres großen Führers, der es dank der Vornehmheit seiner Gesinnung und des hohen sittlichen Adels, den feine ganze Persönlichkeit ausstrahlt, verstanden hast sich und seiner Gemeinde die Achtung aller Kreise zu erwerben. Und es ist ew geradezu ideales Verhältnis zwischen dem Raw und seiner Gemeinde. Kenner der inneren Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Deutschland heben es immss wisdsr hörvor, daß man nirnenös eine saM Verehrung dem Raw gegenüber kennt als in her Adaß Jisroel. Man müßte geradezu nach dem Osten gehen, um ein solches 27.7 7122 anzutreffen. Diese Verehrung vergilt der Raw mit einer rUFirenfisn Si?£?J ststl auf aüe Mitglieder der Kehiloh erstreckt. Es ist ein Verhältnis, das sowohl den Führer als die Gemeinde ehrt. Daß dieses Verhältnis noch lange fo bleibe und immer

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