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Der Israelit · 1927-12-01 · Heft 48 (1.12.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 48 (1.12.1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 48 Der Israelit 1. Dezember 1927 Ilm nun km Diksktsn Bswüs zu sühbesi, dah eine von vielen Tierärzten im Gegensatz zu der wissenschaftlich begründeten Ansicht der bedeutendsten Physiologen des In - und Auslanden angenommene und behauptete kompensatorische Blutversorgung des Gehirns bei geschachteten Tieren nicht stattfindet, und daß die erwähnten „Qualsymptome" nicht durch eine solche erklärt werden können ,habe ich mit Unterstützung meiner Assistenten, Herrn ^Zrir>atdr>oent Dr. Hoch, Dr. Muchlmsky und Dr. Schellner bei zwei Kälbern unter lokaler Anästhesie die tiefe Nackenarterie und Vertebralarterie beiderseits dicht an der 1. Rippe in Höhe des Querfortsatzes des 7. Halswirbels freigelegt und unterbunden. Die am Abend zuvor zum letztenmal getränkten Versuchskälber erholten sich nach der verhältnismäßig schwierigen Operation auffallend rasch, erhoben sich mit Unterstützung und zeigten deutliches Durstgesühl. Alsdann wushx mit einem Schachtmefser m der bekannten Weise der Schächtschnitt ausgeführt. Die losgelassenen Kälber versuchten sich aufzurichten, zeigten bis kurz vor dem Tode deutlichen Kornealreflex und bei Drehen des Schwanzes heftige Abwehrbewegungen und Muchs, ansMöhM. WsonDm bsschMMM ist, daß das zuerst operierte Kalb beim Eintauchen des Maules in die vorgehaltene Mehltränke deutliche Schluckbewegungen machte und auch die Tränke abschluckte, die aus dem durchschnittenen ltzchlunkls Wlsdsk ähstöst. Äei öem zweien Rerfuchskalb, das im übrigen ganz die gleichen „Qualsymptome" zeigte, war ein Abschlucken der vorgehaltenen Mehltränke nicht möglich, da der Schächtfchnitt qu hoch angelegt wgs, Die beiden Versuchskälber haben nach Beseitigung jeder Möglichkeit der Blutversorgung des Gehirns, womit unbedingt Bewußtsein und 6chmörzemp^!n^ung ausgeschaltet wurden, koordinierte Beinbewegungen, Abwehrbewegungen, Heben des Kopfes und Schwanzes, Kornealreflex und selbst Abschlucken vorgehaltener Mehltränke genau so wre enchirnle Rauhen gezeigt, die zur freiwilligen Futteraufnahme bekanntlich nicht mehr befähigt sind, aber in die Schnabelhöhle eingeführte Erbsen abschlucken, weil hierdurch auf reflektorischem Wege der Schluckakt ausgelöst wird. § omir können auch nicht längermehr die bei ordnungsmäßig geschächteten Tieren gelegentlich zur Beobachtung gelangenden A b - wehrbervegungen als Ausdruck des Bewußtseins unh her Schmerzempsinhung geheutek werden, und weiterhin kann in der Anwendung der rituellenSchächtmethodeeineTierguälerei, wie immer noch b'efyaü'p* tet wird,nicht eyylisit werden- (Schluß folgt.) tVochenrrmdschau. Wäs die polnische Negierung den Juden noch schuldet. In einem Schreiben an Marschall Pils u d s k i zählt der Jüdische Nationalrat in Polen llll dllL LkllZSltt älls, lbas von öen Bersprelßungen zur Abschaffung aller Begrenzungen des jüdischen Rechtes aus der Zarenzeit noch der Einlösung harrt. Es sind dies folgende Postulate: 1. Auf Grund eines Gesetzes aus der Zarenzeit um» gern sich die Staatsbe^sM, gM HCDtTtTitt eines Christen zum jüdischen Glauben Kenntnis zu nehmen. 2. Die Zwangssonntagsruhe, die aus Gründen des wirtschaftlichen Antisemitismus eingeführt wurde und die Juden wirtschaftlich ruiniert, ist noch immer nicht abgeschafft. 3. In Widerspruch zu den Artikeln 9 und 10 des Berslmll^ MWW DÜ hebräis ch e n und j i dd i s ch e n Schulen keine Staatszuschüsse und kein Oeffentlichkeitsrecht. 4. die Wahlen zu den jüdischen Gemeindeverwaltungen in den Grenzprovinzen (außerhalb Kongreß-Polens) sind noch immer nicht ausgeschrieben. 5. Die Regierung verhindert noch immer nicht,Die Anwendung Der Proizsntns-m bsi Aufnahme jüdischer Hörer an Hochschulen. 6. Der Wojwode von Posen weist die Registrierung von Juden erworbener Immobilien grundsätzlich ab. 7. Die Wochenmärkte in den Städten werden in nur von Christen bewohnte Viertel verlegt. 8. Grundsätzlich werden Huven w 9OT MMN S ln ll i 8 n k r D ll n D nicht mehr ausgenommen. 9. In Widerspruch mit der in der Verfassung verankerten Gleichberechtigung der Juden wird für die Bedürfnisse der jüdischen Religion ein Staatszuschuß von drei Groschen pro Kopf bewilligt, während für die Bedürfnisse der katholischen Religion 1 Zloch 30 Großen pro Kops hMllM MMN; dabei sind die Juden die Hauptsteuerträger. In einigen Punkten nur konstatiert das Schreiben, wurde das Abkommen verwirklicht und es wird auch des Dekrets über die B i l d u n g lLlöischer SemeinDen erwähnt, Dae in seiner Formulierung dem Geiste der jüdischen Forderungen widerspreche. Man muß den letzten Satz dahin korrigieren, daß die Verordnung „dem Geiste der zionistischnationalen MrSkrungM lvMrlrrrichl." Ilittir s ch e n Forderungen, die aus der Sorge um den — |i ■■ i religiösen Charakter der Gemeinde gebmen sind, entspricht das Dekret im Ganzen, von einigen Schönheitsfehlern — wie der „Oberrat", mit dem sich in seiner gedachten Zusammensetzung auch der MnWe MMnerimöantz nicht glatt mag —- abgesehen Ist es nur eine Komödie? Der Rumerusclausus wird nachgerade zum Schiboleth im Partsikanzpfe, der fast überall h.s gum gewissen Trübe um hie Austen geht. In Ungarns Hauptstadt ist ein förmlicher Kleinkrieg gegen jedes leise Zeichen einer Abstellung der Bildungssperre arrangiert, und man hat guten Grund, zu fürchten, daß die leitenden Stellen, so fern ihnen überhaupt um die Sache ernst war, vor der Straße kapitulieren werden. Der nun bekannt gewordene Wortlaut des neuen Entwurfes ist schon beinahe eine Kapitulation, oywghl Mstö EMlenren noch nichl aus: reicht, den Krawallen in der Aula und auf der Straße wie dem Hin und Her im Parlamente ein Ende zu machen. Sieht man sich den Entwurf an, so stehen in seinem Lichte die nationalen Protestler noch bornierter da. als wir sie sonst schon Imm. ®UI Mll-w fl? eiHenlstch noch mehr^ Der Entwurf geht seinem Geiste und seiner Auswirkung nach noch weit über ihre Wünsche hinaus und kann bei geschickter Handhabung, an der es in Ungarn noch nie gefehlt hat, sogar die Universtlär vvüüonnnen juhenrem gestalten. Die Ausnahme folf fortan nach Berufszweigen vor sich gehen, nationale Gesinnung und moralische Qualitäten bestimmen die Verteilung der Hochschule flatze. Hop ykMöerer Mststchtnahmk aus na: ttonale oder religiöse Minderheiten kein Wort. Wer die Studenten bezüglich ihrer nationalen Gesinnung auf Herz und Nieren prüfen soll, nach welchen Maßstäben ihre moralischen Qualitäten sdsttllt mxm sollen, ist nicht gesagt. ZnW kann auch „ V e r u f s t i a u f e l " als Riegel dienen, unerwünschten Leuten hie Türe zu sperren. Es muß ja keine Prozentnorm für Juden, es kann auch eine solche fürKaufleute-Händl k r s ö h n e sein. Man wirD schon immer dsn Pfeil so abschießen, daß er den Juden trifft. Im ungarischen Parlamente verspricht Vethlen andauernd den Interpellanten die Ergreifung energischer Maßnahmen gegen die Unruhestifter, Die DtlkchsÜhkUttg der neuen Reform usw. Inzwischen gehen die Unruhen in verstärktem Maße weites und was die Reformen betrifft, so ist der neue Entwurf erschienen. Es kann nicht wundernehmen, daß bei Zusammenwirken all dieser Um- WM in kW BSkspkSchUNM eine iomobit gesehen wird, die soviel Aufregung und Kämpfe kleines Feuilleton. Die drei Gehilfen. Der bekannte Kenner und Gönner des jüdischen Lc^rifttuTns, Dr. W s; g s, MM UM Lnr einiger Zeit kam ich gelegentlich meiner Studien über das Judentum unter anderem mit einem jüdischen Kaufmann Jehuda F. zusammen. Er hat in einer mittleren Stadt ein Geschäft von mittlerem Umfang mit Ladenverkauf an direkte Kunden und ländliche Kleinhändler. Wir sprachen über wirtschaftliche Fragen im Allgemeinen. über dik heulU Lllgk Der klmsmämttschm Geschäfte im Rösonderen, über die moderne Hetzjagd in allen Betrieben, nicht nur in den Großstädten, sondern auch in den mehr ländlichen Umgebungen. Da frug ich ihn, wie denn ein Jude noch zurecht käme, wenn er die von seinem Gesetz oorgeschriebenen Ruhetage einhalte; wie sich insbesondere neben der gesetzlichen Sonntagsruhe di« spezielle jüdische Tätzhätruhe von Arettag ah«nhs ötS T«MSt«g llbeNdS in ihrer Auswirkung auf das Geschästsleben geltend mache. Mit freundlichem Lächeln erwiderte mir der Befragte: „Herr Doktor! Wir Juden haben vom Ewigen jelbst — gepriesen sei der Name! — drei Gehilfen bekommen. Wenn wir diese vre; ggf hnltril, k«nn kZ uns nicht fehlgehcn; Sie kennen das Judentum', wissen Sie auch die drei Gehilfen?" Ich antwortete: „Einen glaube ich zu kennen: das ist der Sabbat! Aber die anderen zwei sind?" „Jomtow und Maaser. Sehen Sie, der Jomkow, an dem ich mein Geschäft geschlossen halte, ist für mich nicht verloren: meine Kundschaft richtet sich darauf ein. sogar mmn kin Oomiom auf einen Markttag fönt Vielleicht springt der eine oder andere Käufer ab, die Mehrzahl jedoch sagt: Heute hat der F. geschlossen, der hat Feiertag, kaufen wir ein andermal, wir kommen ja doch mieber herein (in die „Gut," sgg^ jjfj( ««(»er den Zehnt abschewen, Gehl denn das auch so einfach, bei dieser Konkurrenz, ohne Preisausichlag?" „Gerade dieser dritte Gehilfe ist mir auch wertvoll. Manchmal ist es mir ja schwer gefallen, mit ihm zu arbeiten, besonders wie meine vier Kinder auf den Schulen waren. Aber xs gjjjg fmmxx VikDer. Meim KiaDer wurden groß und haben sich brav gehalten. So habe ich — dem Ewigen sei Dank! — Kriegszeit und Inflation überstanden: nie haben die drei Gehilfen mir versagt, wie oft anderswo ein Mensch als Gehilfe versagt." Mit wertvoller Bereicherung der Lebenserkenntnisse nahm ich von Herrn F. Abschied, zugleich aber aud) mit aufrichtiger ■Dotfjaöjtuno vor.Der LMnslmisbsit und Ensr-giö fcUfis Mannes, der, wie ich nachher erfuhr, ob der Reellität seiner Waren und seiner sorgfältig kalkulierten Preise allgemein beliebt ist. Herr F. hat wirklich drei zuverlässige Gehilfen, von denen manche anderen Geschäftsleute keine Ahnung haben. Sein Haus ist wohlgeordnet, und eine brave Hausfrau, besorgte Mutter Ver vier Hinter heute noch ugh zugleich ttichttge TeschÜstSstUU, bietet ihm ein Heim nach der Tageslast, über dem die Schechina ihre Fittiche breitet. Dort möchte ich einmal im Kreise wirklich froher Menschen einest Sabbatabend mit seinen Lichtern und einen Sukkohtag verleben! Rabbinische Geschichten. Der Historiker Gr ätz traf einmal mit einem bedeutenden Rabbiner zusammen, der ihn fragte, woher er all die Zitate aus der rabbinischen Literatur in seinen Noten hätte. Es sei doch allbeknnnt und er nsiffe es doch stltzeö besten, taß er lein großer EaimuDgelehrter sei. „Aber auch Ihr habt in Euren Werken großen Literaturnachweis". gab der Hifwriker gekränkt zurück. uWeaa man iuchi. finDet man ' „Es kommt darauf an, wie und was man sucht," meinte der Rabbi lakonisch. „Wir suchen,- um wieder zufinden, was aus dem Gedächtnis kommt. Ihr sucht, um Funde zu machen." * . * ' ' Rabbi Elie aus Ragola verabschiedete sich vorr seinem Lehrer, Rabbi Chajim Woloschiner, und bat ihn um einige Anweisungen für die Führung des von ihm anzutretenden Rabbinates. Rabbi Chajim preßte ihm ein Büchlein in die Hand und sprach: ..Dieses WiMM Werk mutz Mr IM. mMfanüm Löst- Xsk Rdbbmsr, beherrschen und p e i n l I ch st beachten!" Später packte Rabbi Elie das Geschenk aus und sah zu seinem größten Erstaunen, daß es nichts anderes als ein L u a ch, ein kleiner jüdijcher Kalender, war. Als Rabbi Elie in seiner Gemeinde am ersten Sabbat die Synagoge betrat, — es mar ein Sabbat der Neutnöntmeihe, — lr«t einer von den untersten Bänken an ihn mit der Frage heran, wann der Moled sei. Es war die erste S ch a a l 0 , die an den neuen Rabbiner gerichtet war. Ein Rabbi charakterisierte einen Lügner, ohne das^ äßliche Wort „Lüge" zu gebrauchen: „Es gibt Leute; lit gutem Gedächtnis, die noch genau wissen, was vor;hn Jahren passiert ist; andere, die sogar noch wissen,! >as sich vor zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahren ergnete. Erstaunlich ijt aber das Gedächtnis des; r öehlllk E)inge, die überhaupt! nie passiert sind." (Hatbor in Jerusalem.)

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