Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1927)
- Date
- 1927-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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24. November 192? Herren Rabbiner auf, bei der Annahme der sogen „Mustersatzungen" des Verbandes bayerischer israe- IUiflljür SßmSinifH die ©ememben schriftlich oder mündlich belehrend mitzuwirken. Bei diesen Verjüngen soll das Frauenwahlrecht besondere Rücksicht finden. Die General-Versammlung hält es für gut, wenn, dieim Bunde, vereinigten Rabbinersich darüber einigen, rvolche Richtlinien an die Gemeinden hinausgegeben werden sollen.^ ° Dem Vorsitzenden, dem Kassier und dem Schriftführer wurden Entlastung erteilt. Am Nachmittag des gleichen Tages fand im vollbejx^ten Saale des Gasthofes zürn Stern ein Bundestag statt. Rach-einer begeisternden Erossnung fcw4) Vorsitzenden und einer warmen Begrüßung durch den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen, Herrn Ullmann, ergriff der Ortsrabbiner, Herr Dr. W o I g e m u't tf , das Wart zu seinem Referate: „DllS köligiöse Leben M Ü8N Aerne'nben". Ö4r zeichnete mit treffenden Worten das Bild der kleinen Gemeinden mit seinem Licht und seinem Schatten und zeigte den Weg, wie das religiöse Leben dort vertieft und gehoben werden kann. Er verglich in geistvoller Weise die abgelaufene Periode mit dem1 Zeitalter des unk Mß mit W Wsnung. Ddi wie Damals auch jetzt ein Zeitalter des,Chiskija folgen werde. Der Redner hat es verstanden, mit seinen von Thoraworten gewürzten Ausführungen alle Anwesenden von Anfang bis Ende zu fesseln und veranlaßte eine fruchtbare Diskussion, cm Der sich üit Herren A«m, Pstri^er-WÜVHtzllkß. Rabb. Dr. Bamberger-Kissingen, Dr. Nathanfen-Würzburg, Lehrer Brückheimer-Marktbreit, Landau-Fürth und Lehrer Bamberger-Kitzingen beteiligten. Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: l Der Bund gesetzesireuer Eemern^tt Bayerns möge dafür Sorge tragen, daß in verschiedenen Zentren stärkerer jüdischer Landsiedlung Kurse für stimmlich begabte, mit einigen Vorkenntnissen ausgestattete Privatleute eingerichtet werden, m benwt diese im korrekten. herkömmlichen Vortrag der Gebete, im Bvrlestn aus ker 21?öra ünk Iffl Schofarblasen ausgebildet werden. Den Teilnehmern dürfen keine Kosten erwachsen. II. Der Bund möge mit den in Betracht kommenden JllaenDargMisansmsi «n* A. Fühlung nehmen, daß diese 1. in Fortsetzung und weiterem Ausbau ihres bisherigen Wirkens ihre dazu befähigten Mitglieder veranlassen^ auf den, Lande an Sonntagen Borträge zu halten und Kurse zu veranstalten-, 2. junge Leute, besonders solche, die nicht in Familie leben, bewegen, über Schabbos in Gemeinden, die keinen Lehrer oder kein Minjan haben, die Funktionen dein,- Gottesdienst zu übernehmen und das Minjan zu ergänzen. Einer köstlichen-Nachspeise vergleichbar folgte der Vortrag des Herrn Distr-Rabb. Dr. S t e i n - Schwein - furt: „Die Volksseele in der hebräischen Sprache". Die Neve Zeugte von einem tiefen Eindringen und feinem Einfühlen in Geist und Wesen der heiligen Sprache, wie sie nur jemandem möglich sein, kann, der sich mit besonderer Liebe in sie versenkt. Wie es der Redner verstand, zu zeigen, daß 8ie hohen und reinen Ideen und Anfchauan§fn SSS jüdischen Volkes in feiner Sprache zürn Ausdruck kommen, wie die hebräische Sprache wahrlich „bas reinste Gefäß für die reinsten Gedanken" darstellt, war jeüem Zuhörer ein Erlebnis. Begeisterter Dank wurde den beiden Hauptrednern des Taß4s zMl. Alz 6kl W öü« nkiHstßn iimDestüQ murDt Schwemsurl bestimmt. Das Hauptreferat wird auf Antrag von Herrn Rabb. Dr. Bamberger- Kisfmgen „Das religiöse Wirken der jüdischen Frau" behandeln. De r Ö 9 r o e I H Schwere Wahlniederlage der AnksöMNen. D a n z i g, 14. Nov. Bei den heute hier stattgefundenen Wahlen zum Danziger Bvlkstag haben dis Antisemiten eine schwere VikderlUM erlitten, ^st Perl-n-er- AnltppÄ-Nlltz^Z seinerzeit in Danzig begründete Deutschsoziale Partei erhielt nur 2116 Stimmen und 1 Mandat, während sie bei den Wahlen im Jahve 1923 10 301 Stimmen und? Mandate errungen hatte. Die Deutschnationale Volkschat von i^ren bisherigen 33 SBianbaten nur 25 behattsp hörr-nen, dagegen verfügt die Sozialdemokratische Partei' über 42 (bisher 30) Sitze im Volkstag. Im Allgemeinen haben alle Fortschrittsparteien Erfolge errungen, während die Stimmen der Rechtsparteien stark zurü^gegang^n Imk. ' Die Woche. Berlin. Unter starker Beteiligung hält diese la LciitkälSrtti« it3tfffrfjHT Staatsbürger jüdischen Glaubens hier feine große Hauptversammlung ab, verbunden mit einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Titel „Großberliner E. V.-Woche". Näherer Bericht folgt noch. Aus Der MuMileralvkWmmlrmg s?? Lletchöbännsks Berlin r Brnnmnvnrg wurde beschlossen, unter Beteiligung der Parteien und Gewerkschaften ein E b e r t-R a t h e - nau-Erzberger-Denkmal in Berlin zu errichten. —- Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde genehmigte Mk. 6000.— für >te Opfer des Erdbebens in Palästina, m W Msts Dom alt«n auiOiiiD zugute kommen soll. — Der verdiente Vizepräsident des Verbandes russischer Juden in Deutschland, Herr Dr. A. Goldenberg, früher Führer der Odessaer und Kiewer Judenl-eit, feierte in Berlin seinen achtzigsten OebürlzläZ. — DSS ChlMkigM ßök Berliner jüdischen Gemeinde, Musikdirektor Dr. Albert Kellermann, wurde in Charlottenburg von einem Auto so unglücklich ersaßt, daß er an den erlittenen Verletzungen sofort starb. München. L u d e n d o r f f strengt einen Prozeß gegen DkN TchNMtter «ns erftein an, Sk als Dsrfasiör Der parodisttsVeu! Broschüre „Die Vollendung des künstlichen Juden durch Zwangsbeschneidung". bezeichnet. Königsberg. Burschen mit dem Zeichen des Hakenkreuzes schlugen in der Nacht zum Samstag in der Synagoge der Adaß Jisroel die Fensterscheiben ein. Es gelang den Burschen, zu entfliehen. Es ist £>U in einem kllkzgKMkSllNI WUM Schändung jüdischer Heiligtümer in Ostpreußen, tiüch den Friedhofsschändungen in Rosenburg und E y d t k u h n e n. Lünebürg. Die hiesige Synagoge ist in der Nacht zum Samstag in gemeinster Weife beschädigt Und beschmutzt Alls äii EkMttlnng Der Täter ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Frankfurt a. d. 0. Als Nachfolger des nach Danzig berufenen Rabbiner Dr? Grün wurde Herr Dr. Bluhin zum Rabbiner der jüdislßkn EkwkwDk lS82il?lveuburg. Vor ber großen Strafkammer zu Oldenburg hatte sich der frühere Pfarrer auf Borkum, Münch - meyer, wegen Verfehlung gegen das Republikgesetz zu verantworten. Er hatte mit Bezug auf den ermordeten Reichsmmistere Walter Rathenau kaum miederzugebende Worte gebmuH. to WuM!« er, nidit mm thenau, sondern Kutisker gemeint zu haben. Cr wurde freigesprochen. Vien. In der Versammlung des österreichischen Ski-Vereines wurde endlich eine Bestimmung durchgesetzt, wonach nur Personen arischer Abstammung aiWNMNW ffiMD m Ski- Verein hat nun den großen Vorzug, „judenrein" zu sein. — Bei den Empfängen zu Ehren des deutschen Reichskanzlers und Außenministers waren apch mehrere jüdifche Persön- ' li'chkeiten, u. aMäbb. Dr. Gru newald, zu- 8§Ull« Alter Jahren ist der hervorragende jüdische Dichter und'^uölizist Hirsch David N o m b e r g gestorben. Patis^ Herr Eduard Ounger, einer der Direktoren der Jcä und anderer Grohorganisattonen, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ßüflöflftti neugeroä^Ite Oberrabbiner von" Alexandrien, David Prato, wurde in feierlicher Weise in, sein Amt eingeführt. Bukarest. Neue Uebersälle auf jüdische Studenten ereigneten sich in den Straßen der rumänischen Hauptstadt. Sie wurden auf dem asm mm MMkkkM m $m MMsendelegation, die Och dorthin begab, um ihre „wirtschaftliche Not" zu schildern, ausgeführt. London. Auch hier und in ganz England macht sich ich jüdischen! und gutgesinnten christlichen Kreisen eine Pt^teststimmung gegen die Auf- MrUM DES MMsKRS MwgKönig«" bemerkbar, in dem wie vor kurzem von Berlin aus im „Israelit^ gemeldet, Schildkraut eine jüdische Karrikatür mimt, die sehr dazu angetan ist, Haß gegen die Juden zu schüren. 9k.ii saus ltn$avn. Um den Numerus clausus. - B ll d a p « st. 10. Nov. „Pester Lloyd" wwmet feinen heutigen der Abwehr der Hetze, di« gewisse ungarische Politiker für die Beibehaltung des Numerus claufüs eingeleitet haben. Bei einem Festessen zu Ehren des Abgeordneten Karl Wolfs wurde in leidenschaftlicher Weise gegen & LSttt E?chn itofUH Mtym anotfiinDiotE m\]m des Gesetzes über den Numerus clausus scharfgemacht, eine Kundgebung, an der man nicht stillschweigend oorübergehen kann, weil in ihr Politiker das große Wort führten, die bisher zu der Anhängerschaft des Ministenunis Mtjltn zähttkw Lik Zkistisig rnnn diese Haltung als Beginn einer allerdings nur von einigen wenigen Meuterern geplanten Palastrevolution zu deuten habe: Der Abg. Stefan V i c z i a n. Mitglied-der Regierungspartei, verkündete bei diesem FeslesM Daß uDi'8 llllgiiNM G^seUfchnst fick, rnie ein Mann zur Verie'ld'igüng -öS Rumbus elausüs-GöseMs erheben wird", weil sie entschlossen ist, „den Angriff der destruktiven Kräfte und ihrer ausländischen Verbindungen" unter allen Umständen abzuschlagen. Nach ihm erklärte der Abgeordnete Karl Wolfs, er und seine Gesinnungsgenossen roür-den nicht dulben, bajj ..die behaarten Finger der Alliance Jsraeltte ln den Folianten des Corpus juris herumstöbern". „Pester Lloyd" glaubt, daß Ministerpräsident Bethlen über diese Drohungen mit stummer Verachtung zur TaaesaiMmr iiBerÄn m sit Zkstung aber auch noch einen Maueranschlag gegen die Revision dSS Numerus clausus, der feit gestern an allen Straßenecken von Budapest zu sehen ist. Er ist von den Studentenverbindungen unterzeichnet und vertritt den Standpunkt, Döß Dkl WlllksllS clausus ein ^uncrntclsibures Gut" bleiben müsst. Di^sts Plükat trägt auch, die Unwrschrlsl von vier Hochschullehrern, an ihrer Spitze Gras Paul Teleki, der in der chaotischen Epoche der Nachkriegszeit eine Zeitlang Außenminister und sogar auch Ministerpräsident gewesen ist. Budapest, 17. Nov. Von zuständiger Regierungsstelle wird der Presse mitgeteilt: 2>ie Regierung soroohl rvie ber Kultusminister rvaren stets für eine PvlMk der Mäßigung. Im In-- und Auslände wurde bei jedem Anlaß betont, daß der Numerus clausus als eine sozialpolitische Maßregel zu betrachten sei. der keine wie immer geartete aggressiv-antisemitische §en!ieng g«ge^rieö?n flfißF Wß. Begebenheit anläßlich der Genfer Tagung des Völkerbundes anbelangt, ist es bekannt, daß der Kultusminister beauftragt war, dort den Standpunkt der ungarischen Regierung darzulegen. Diese Verhandlung murM Dar Mi glMn vksskNlliUkit ßkWtt M ty Stoff wörtlich in das Protokoll der Ratssitzung ausgenommen. Der Kultusminister hat auch in Genf dasselbe gesagt, was er im ungarischen Parlament wiederholt betont hat: daß der Numerus clausus eine sozial- MWk Mßlkgkl skhW mm MMn?;? ungoris^e Regierung sich befassen werde, sobald ihr die Zeit dazu gekommen scheint. Der Kultusminister hat mit der Darlegung seines Standpunktes in Genf die Annahme eines Beschlußantrages zu verhüten vermocht, mit dem aus- NMachW mnrDen märi. Dal Das MMWk WW m* den Numerus clausus gegen den Trianoner Friedensvertrag verstößt. Der Völkerbundrat hat vielmehr gerade infolge der Ausführungen des Kultusministers einen anderen Beschlußantrag - angenommen, in dem der Bericht b;r v'NJcirl^ctzen Regkernng zur Kenntnis llllÄ der Wüllsch geäußert wurde, daß die ungarische Regierung sich mit der Abänderung des Numerus clausus befassen möge. — Von anderer Seite niirb in der Numerus elausus- Novellö Sine Aerfchlechterung des gegenwäMgen Zür standes gesehen. Ihre weitgehende Auslegungsmöglichkeit hat/unter/der Judenschaft Ungarns die Besorgnis erweckt, daß dtzr Willkür der jeweiligen UniversitätsbeßökDKN Llls W8 Sorvo^l in oj»|>osilionellen als auch in Kreistti dök NsziökUNgSpaktei wikd diese „Lösung" der Frage des Numerus clausus als grotesk bezeichnet und ablehnend kritisiert. Dem Abgeordnetenhaus wird die Novelle noch in der heutigen Sitzung zugehen. Auch der regierungstreue HP. ich!« Ssx pap w in: