Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1927)
- Date
- 1927-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m Ü L T •i'-yin.: 24 UMWM LSN Von A. Mannheimer in Dettelbach. ilßi 'SufiinöDijf Den Sggsn wff blauen Brille und diese wiederum mit Politik und Feder vertauschte, hat er Pech, entschieden Pech. In München wollte er 1923 mit den Novomberverürechern Generalabrechnung halten „nd MiLd sMst zum ülonmümm. Sn Aayern, ausgerechnet in Bayern, wettert er gegett Rom und den Klerikalismus und verdirbt es mit dem Lande, in dessen Hochgebirgen er sich während der Äera Hitler-Kahr in Gebirgstracht als Urbayer gerierte und den „reinen Eaüerstöff Lupen" als Symptom von Deutschlands Gesundung pries. Kurze Zeit, bevor Benjamin Segel die Protokolle der Weisen von Zion gründlich und schonungslos als gemeinen, aufgelegten Schwindel ertedigie, hatte sich dse GsNökal schützend mit breitem Rücken vor dieses Machwert gestellt. Er schreibt ein Werk über Freimaurerei und wie ein Sturm braust die scharfe Kritik durch den deutschen Blätterwald, sogar in Kreisen, die spnst nicht jerne stehen. An der Feldherrnhalle in München sieht sein Bileamsauge deutlich, wie der jüdische Kubus den deutschen Stahlhelm erdrückt. Das gleiche Bild in Tannenberg, wo der Reichspräsident ein „jüdisch-freimanxorisllW" Denkmal seierlich kWMr ®?*8ev und Verdruß und Enttäuschung überall. Juden und jüdischer Geist und Einfluß überall. Was tun? Rom und Juda gilt sein hundertprozentiger Haß. Sollte nicht auch der evangelische Glaube jüdisch versucht still? Er hat in schon seit Lahr? zehnten gesehen und gehört, wie man tobt und rasselt an den Ketten, durch die das Christentum unlösbar an das Judentum gebunden ist. Und, er zieht die Konsequenz: Heraus auch aus. dem Protestantismus! Hin zur deutsch-völkischen Religion, zur asten WoianverehöllttZ! Was wir Juden dazu zu sagen haben? Wir könnten es uns auch so leicht machen wie manch kirchlich-konservatives Blatt: Ludendorffs Geist ^ei^e Spuren der Zermürbung infolge der übermenschlichen vierjährigen Anstrengung stlld Aufreibung im Weltkriege. Das erkläre den letzten Schritt des Generals und so manches andere, das vorausging. Nun, es mag ja sonst menschlich schön fein. Den Mantel der NO? über Fehltritte und Jrrgänge zü breiten. Im Falle Lützendorfs ist die nüchterne, nackte Wahrheit die einzig mögliche Betrachtungsweise. Eine Kette von Vorgängen, die Jahrzehnte zurückliegen, führt zu der heutigen Verfassung des Mannes, dem im Welt- Kleines Feuilleton. Aabbmlfche Geschichten. Rabbi Samuel Galant, der Vorgänger von Rabbi Chaim Sonnenfeld in Jerusalem, hatte ein wachsames Auge über den Lehrbetrieb in der von ihm gegründeten Talmud-Thoraschule in unmittelbarer MM öd -LWktzS" MS fM?r bescheidenen^Woh- NUNtz. Er übte die AufsilM tu der unauffälligsten Weise, indem er jeden Morgen auf dem Wege vom Gotteshause in sein Heim durch sämtliche Schulräume ging und' den Lehrern „guten Morgen!' wünschte, dabei konnte er seststellen, ob sämtliche Lehrer pünktiiö) iQCSn DlWst angetreten und den Schulbetrieb insgesamt kontrollieren. Mnes Äivrgen^ traf er einen der Klassenlehrer nicht zur rechten Zeit bei der Arbeit. Rabbi Galant sah nach einigen Stunden noch einmal nach, der Lehrer war immer noch nicht da. Erst um die Mittag-zeit war der Säumige endlich .stÄlgllgül D^r Navdi trat nun in bie Klaffe und grützle sehr freundlich: „Guten Morgen, Reb . . .? Drr Lehrer hatte sich diesen Gruß wohl gemerkt und ließ sich keine Versäumnisse mehr zuschulden kommen. r Rabbi fioDi Mcbok aus mrüitmw xflkgtt gn lügen' FrühöL hielten SS lMMö DlltSI UUf der Straße stets mit der Wahrheit, im Gotteshause aber sagten sie die Unwahrheit. Heute aber ist es umgekehrt. Wahr und ehrlich find sie nur im Gotteshause, draußen aber ist es um die Wahrheit und Wahrhaftigkeit fdjlltnm bestellt. D er, I s r a e l i t kriege 10 Millionen deutscher Soldaten anvertrailt Wwesen LnDenDvrff NN VMd du*?” unb Judentum und mußte so mit der Tochter? eligion brechen. Schon vör'30 Jahren wurden vereinzelt Wotanfeiern abtzehalten und der deutschvölkische Glaube fortwährend propagiert. Das jünggW MMA kennt jene grolkSlkn Ding?, geboren "aus dem Judenhasse, viel zu wenig. Man braucht nur ein paar Beispiele anzuführen, um in die Ideologie jener Wirrtöpfe Einblick zu erlangen, der auch Ludendorff erlag. So schrieb her „Hämmsr" 1011, 72: „Wotan ans Den Thron! Um ihn sich scharend hat die arische Nasse endlich zurückgefunden von der in fremden Köpfen ausgedachten Religion, die die germanische Rasse sich zur einigen Schmach und Schande aufnötigen ließ". Derselbe „Hammer" schrieb schon Oktober 1908: „Was tun wir mit einem Ehr . . ., dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Einen Blücher, einen Gneisenau, einen Körner und Arndt kann Deutschland «llsgeit Hennen, Dem«m (EfjP- Gebt die Bibel den Elenden und Kranken, den Stubenhockern und Gelehrten." In der Staatsbürgerzeitung vom 1. Dezember 1910 war gegen die Päpste zu lesen: „Die ünskhltklkklt§ffnn'«ß^g ber Subenafclömmltttge m Rom ist Nichts als ein ultramontanes Feuerwerk, welches die Augen der germanischen Welt abzieht von der drohenden Gefahr usw. Was glauben die Katholiken noch? Sie glauben an die Uttfühlbaxksit Des MMes W aus Pm WW?n Hause Feretti." (O. Beta.) Wotans Mondesauge, schwebe Ueber meiner Seele Nacht! Löse meine Zweifel, hebe Mich empor Mit sffnstkr Macht! Und Artur v. Wallpach schreibt in der Zeitschrift „Deutscher Glaube" wie folgt: „Moses und den Papst zu Rom, überwinde beide. Bahno Dir üm TSm ffl Gnu als kin rmsthk" Heide." Braucht man sich da zu wundern, daß L. endgültig dem verjudeten Christentum den Rücken kehrte? Jakobs schlichte Gottesidee und Esaus TlWMWlll tönnen nie neben? und mistchauder wirken und walten.' Sie sind von Mutterleib an verschieden und getrennt. mD1 Amaleks Hand ist stets und in letzter Linie gegen Gottes Thron gerichtet /'■> 05 bv r> '2- Göttliches und Estiu-ÄmvskdiUjchss befittdstt sich in üwigsm Widerstreit, *vh *vnü 'nb narrta* Ludenborff nebst seinem ganzen Geisterstab gehören zu den entschiedenen Militaristen, den unentwegten Schwertmenschen. Auch wenn Deutschland terri- Wie metTit™s derNabM? v Die Alten übten Ehrlichkeit und Redlichkeit im Handel und Wandel, es war daher eine krasse Unwahrheit. wenn sie in der Synagoge von sich sagten: „Oschamnu, bogadnu usw." Die Heutigen sprechen Illkk tztgsglü Hgffdeslbekenntnis Nr der Synagoge die volle Wahrheit, weil ffc aü bav im „Osedamnu" und ..kieket" Enthallene - wirklich im Leben betätigen. Wtl MMSM DkUüfser des „Megale amukotk“ weilte in Krakau au den heiligen tzeintagsn, n« w sich um die Stelle des Oberrabbiners bewarb. In Krakau herrschte der Brauch, daß am Kolnidre- Abend nach Schluß des Gottesdienstes einer der angesehensten Männer „Adon Olam“ singend vortlÜBi Mal trat der erste Vorsteher an den Gast heran Und sagte'. „Kahai! dem Räbbi „Adon Olam!" „Und der Zweck meines Hierseins", sagte der Rabbi, „ist eigentlich umgekehrt, nämlich daß der „Adon Olam".mich mit diesem Kahal beehrt . jAlsassi im Jerusalemer „Hathor". (Eine Münzsammlung in Palästina). Im Zusammenhang mit der Bezalel-Kunstschule ist eine Münzsammlung in Jerusalem eröffnet worden. Der Saal, in dem die Münzsammlung ausgestellt wurde, ist nach dem ersten indischen Nnmisnratiker Raffaell bculluut wvrd«n, sich UM LtztS MSNvls lung von zunächst etwa lOOO Stücken. unter denen stch sehr viel seltene und besonders schöne Exemplare befinden. Es wird davon gesprochen, daß es wün. schenswert wäre, auch eine Über Palästina hinaus gehende Organifatton von Münzsammlern zu schas- _Nr. 47 Seite 3 torial wieder das alte wäre, müßte die Schwert- ^e^orrronie rvioderurn .aufgerichtet sein. Völkerverständigung und LZölkerverjohnung ist ihnLtt jüdischer Geist, Genf eine jüdische Sache, der Völkerbund eine jüdische Mache. Sie zeterten gegen Locarno und beschworen Hindenburg, nicht m bie Falle zu gehen. Sie pöbelten den Neichsprästdenten an, weil er ü!e von tew Juden ' Hugo Preuß entworfene Reichsverfafsung nicht nur unterschrieb, sondern auch hielt. Ueberall jüdischer Geist und Einfluß. So ist kaum zu ver- ®Hn$?JT!j hllst Ludendorss und seine Getreuen den Skandal bei Tannenberg aufsühneu uiid das Denkmal selbst als jüdffch-frelmaurerisch schmähten. Nun hat Ludendorff tabula rasa gemacht; er ist aus der evantzelischen Kirche ausgetreten, um msglichsk strnö zu fei» allen Deziktzungkn ginn jüdischen Geist und Gott, äßir haben eine Zwangsläufige Entwicklung der Dinge hier vor uns. Schwertverhimmelung und jüdische Weltanschauung stehen sich wie Feuer und Wasser gegenüber. &ü Wen wir Die Sache: Eine ZkrrriMmg *?* Geistes und der Nervesi ünzunchmen, ist ein ebenso billiger Trost als eine ganz an der Oberfläche haftende Erklärungsart. Der Vorgang ist psychologisch zu bewerten. Ja, wir finden bei dem General noch einen löblichen Charakterzug. Wie de! all MWH VöMtSIl DDH JosWtz Brüdern betont wird, daß sie Offenheit zeigten und mit „Ihrem Bruder nicht friedlich reden konnten", so bei Ludendorff. Er ist nicht hinterhältig; er deckt seine Karten auf und gefällt UNS bester als Tausende, die verstellt und verschlagen ihr Gift gegen uns spritzen und ihren klar erwiesenen Judenhaß christlich zu verbrämen suchen. Solches Doppelspiel treibt Ludendorff nicht. Ek gßhk V\S gffs letzten Konse^uen^; rvir rvollen such ihm in dieser Beziehung Görelhligkeit widerfahren lassen. Wie oft haben prominente Vertreter der Kirche, der Wissenschaft, des Staates, der Politik erklärt, ein wahrer Christ könne nicht Antisemit sein. Und doch sehen wir soviel Juden- M MM unter lUjsMÄr N«M sMl"' Jahre 1922 haben Hitleratzenten überall in Bayern erklärt, das christliche Kreuz könne nur im Lichte des Hakenkreuzes neu erstarken und blühen. In staatlichen Schulkommissionen suchte man bei Psspatung von Lehrplänen des Religionsunterrichtes das AMöflamentllche stofflich möglichst gu beschränken und qualitativ möglichst hinabzudrücken, unter für uns wenig schmeichelhafter Begründung. Der Wellenschlag antijüdischen Geistes dringt in nllö Mntznnlimen nnd LrgsnisMionen ein. Vielleicht gibt Ludendorffs Nöligivnswechsel doch Anlaß zu prüfen, ob man mit Judenhaß echt christlichen Geist züchten und gewinnen kann. Hakenkreuz und Kubus sind neuere Götzen, die sin, AeüM Zirstr MWiMlisHM mmmi lung dafür sorgen, daß die Sammlung tunlichste Vermehrung erfährt. Gewünscht werden 1. jüdische Münzen, 2. Münzen und Medaillen jüdischer Künstler. 3. solche Medaillen, die zwar von nichtjüdischen Künstlern stanrmen, aber anläßlich jüdischer besonderer AriZttisst MMgk wordsn sind. Wochenkalender. V. 26. Nov. Bis 3. Tez. 1937. / o. 3. _ 9. Sislet» 5888. Samstag Nov 26 2 3 3 Sonntag 27 3 \r Ä Montag 28 4 pitnstag 29 4.« 5 Mittwoch Dez. 30 6 Donnerstag 1 7 Freitag 2 8 Samstag 3 9 SS’V!5„«niroorifU, kÜL litt ÄlSMIW« TM USD DOS jHitBltfil S. Schachnowitz, Fratcksurt &. M.; Inserate t.B.: «.Tchach» nowttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen («r. Offenbach). — Verlag .Israelit", G.m.b.S., Fraukfurt a. M. — Druck Hermo« Verlags» Slkttenaefellfchaft. Fraukfurt a. M. Ms MllkmMlmer EhMuttsgmutz lichte MölöSiä Mv mm« äbti3 von Oberwmor Sricslünutr Frankfurt a. M., Verlag I. Rarver, Frankfurt a. M., Battonnstraße 9, erscheinen. Bei deutlichstem Druck auf hellstem Untergrund ist der Anschaffungspreis von Mk. 0.60 als minimal zu bezeichnen.