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Der Israelit · 1927-11-24 · Heft 47 (24.11.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 47 (24.11.1927)
Date
1927-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 47 Der Israelit es eben mit den Psalmen, in denen Gott im Himmel thront und solcher Himmelsstürmer wie GoldböVg tnU Ölriülja, ber bie ganze Götterlehre o^an noin eine Lehre des Nichts nennt und dagegen sein Donnerwort in die Welt geschleudert: -ahiv i1?»! ö^n 'wfcK sin n»» 'piV» -ni „HäscheA Ejöhim ist Warbest, — einzige Realität — Er allein ist ein lebendiger Gott, ist Köng der Ewigkeit." Dem Verfasser, der die Propheten und Psalmen nicht als maßgebend erachten will, empfehlen wir aber das Wart der Thpr«; „Wissen sollst du heule und dir es klar machen, daß der Ewige Gott ist, im Himmel droben und auf der Erde drunten, sonst nicht s." Oscar AxMklg höt MM geMÜlhl. Elll Schüler, llnger, will sein System verständlich machen und hat eine Schrift geschrieben: „Das Probtem d er mythischen Realität "; soll heißen von der realen Mythologie, von dem Wahrheitskern des MWkNhjltzUlMll. MWkM fein Meister alle Religion zum Mythos und zur Magie verdunkelt hat, will der Schüler den Mythos destillieren und verst'andesgerecht machen. Im Mythos erkenne sich ein Volk in seiner wunderbaren Massenwirkungsfähigkeit. Ist des Eingklnen LeWilgMmlh vögrsW, ft ist ösx um Volkes unbegrenzt, übernatürlich, mythisch. Daher die Gleichung Völker — Götter. Dies aber sind die Elohim seines Meisters. Auch diese Gleichung ist für uns nur eine lÄptKlsVSi Mil Shmbalen und Worten! Sehr große Zahlen sind nicht unendlich groß. Götter sind nicht Gott; Götter bleiben begrenzte' Gewalten (selbst in dtzr Auffassung des Heidentums). Wenn also die Gleichung auch einen Sinn haste, so rechtfertigt sie nie und nimmer den uebergang und eine Parallele zu dem jüdischen Gott, von dem es heißt: „Alle Volker sind wie ein Nichts gegen Ihn, wie Null und Nichtig gelten sie Ihm. (Jes. 40.)" fßfgt.) Wochenrundschau. Tt»atr«lös. Die Tragödie eines Staatenlosen spielt wieder aus den Brettern, die das jüdische Golusleben bedeuten. Oskar Slater, ein deutscher Die Jagd. Zum Wochenabschnitte. mn mmm* D?. W^k-Kl, Israels Geschichte, geschrieben mit Tränen und Blut, hat auf schmerzensreichem Leidensweg erfüllt, was vor Jahrtausenden ein Vater seinen Kindern hat gekündet. Den Judenhaß, der Israel begleitet hat durch alle Laude, hat schon des MM IMZ LlWk Um feinem Sohne Csan semen Segen zu erteilen, hat Isak ihn zu sich beschieden. Er. der zur wilden Jagd die Meute sonst nur treibt, soll durch ein Wildpret feinen Vater laben, durch Liebe und Gehorsam sich den Segen selbst erwirken. ..Und nun, nimm doch deine Geräte, dem T?Wll88> öklllkll Pygen unb geh' aufs Feld und jage mir ein Jagd-- tter(I. b. M. 27, 3). In diesen schlichten Worten steht unserer Welsen scharfer Blick den Leidensweg von Israel gezeichnet. „Nimm die Geräte dir", dies deutet auf Babylon, so bemerkt der Midrasch,') denn es bsltzt: die Geräte hat er ins Schatzhggs fsinsZ GHen ,Dsin Gehänge"» dies deutet aus Medien, da man den Ham an auf den Galgen hat gehängt. „Deinen Bögen", dies deutet 0 Bereschis rabboh 1, 63. - Jude aus einer inzwischen; polnisch gewordenen Stadt irr Oberschlesien, jajj> seit 1909, also beinahe : i§ Sabre, in einem schottischen Zllchlhaüs, gei wiflermaßen als „Begnadigter". Er war der Ermordung einer alten Dame angeklagt, auf Grund brüchiger Indizien zum Tode verurteilt und dann ZU Iebenslättgltcf>em ^u^i^ous : „begnadigt" worden. Er ist nun aus dem Zucht- : Haus entlassen worden, nachdem seine Unschuld, die er immer beteuert hat, durch letzte Geständnisse der einzigen Belastungszeugin klar an den Ta^ ^eko.mmen ist. Nicht Äsß Slater das Opfer eines Justizirrtums geworden ist, ist es, was uns so tief bewegt. Das kann bei der Unzulänglichkeit menschlichen Rechtsprechens jedem und überall passieren. Die SkgSllS distör Tragvble stegi in ber Äaatenlosigkeit ihres Helden, und damit wird sie zur Tragödie Vieler, zur Tragödie der jüduschen Wanderung. Slater war Jud e und Emigrant, und hatte, äls er i>öm UngsüF ksfgsti Ivurbe» die deutsche Staatsangehörigkeit bereits ein gebüßt. Er war st a a t e n l o s, und keine Negierung, keine Botschaft und kein Konsulat nahm sich seiner an'. Er gehörte auch keiner Partei an, die aus seinem Falle einen Sacco-Van^etti-ssall hästs fttgst/ktt können. Die Richter, die scheinbar selber der Sache nicht recht trauten, schickten den dem Henker Verfallenen für sein L e b e n l a n g ins Zuchthaus. „Lebenslänglich" heißt in England und ZchvttlgM öei guter Führung, höchstens fünfzehn I a h r e. Die Frist war längst verstrichen, Slaters Führung war musterhaft. Aber entlassen konnte er nicht werden, weil er' st a a t e n l o s war. ist jetzt in Fskihkst gesetzt, und in den Fremdenämtern zerbrach man sich eine Weile darüber öen Kopf, ob Slater des Landes verwiesen und wohin er geschickt werden soll. Das Parlament hat nun durch die rasche ' Annahme eines Gesetzes die Jllöglilhkeit für eine Wiebe raufnahme des Verfahrens, Rehabilitierung und Entschädigung Slaters geschaffen. In Genf hat man sich im Völkerbunde und in den Komitees und DelegattdWll gfff ßföfSI} herum schon so oft mit der Frage der Staatenlosen befaßt. Wie die Dinge stehen, ist diese Frage vornehmlich eine jüdische Frage. Der Staatenlosigkeit sind mit der Umwälzung und Neuordnung der geogrüMschsn Karts unzähligs Juden m der Fremde ohne Zutun und Verschulden, oft ohne es selber zu wissen, verfallen. Sollen sie es in kritischen Momenten, bei Mißgeschicken, vor denen kein Mensch sicher ist, wie Ms den Dogen (ygt' Sech. 0. t ) „und geh' aufs Feld hinaus", dies deutet aus Edom, von dem der Ausdruck gebraucht wird „in das Land Seir auf das Feld Edoms (I. B. M. 32,4). Wie ein Wild gejagt und gehetzt, vom Jäger verfolgt, vorn Bogen bedroht, irrt Israel durch die Länder, Mdsm öS durch Me Bünden seines Landes verlustig gegangen. Die erste Jagd führt sie nach Babel, als Menschen werden sie behandelt, doch in den Seelen brennt der Schmerz, der Tempel ist entweiht, des Tempels heilige Geräte hat der Eroberer entführt ins Schatzhaus seines Götzen. Rach WÜdö? ist J>ie es nach Äiebiea führv dem ganzen Volke droht der Untergang an einem Tage» dem Tod ist es geweiht, der Galgen ist errichtet, doch Gottes Hilfe bringt die Rettung ihm und nicht der Jude, Haman wird gehängt. Aufs Herz des Volkes richtet Syrien seinen Voaen, ins Innerste soll treffen es fein Mil, bm Glauben «nb die Lehre will dem Volk es rauben, vergessen soll es seines Gottes, soll dem Götzen dienen, der Bogen in der Hand des Feindes hält' sein Ziel erreicht, wenn Mattatias ihm nicht Brüst und Stirn geboten. Noch steht der wilde Jäger mit Gehäncre llllü mtt Bogen. ödöD mm floßt m dz« Fuß, sr gchi hinaus aufs Feld, zum blut'gen Schlachtfeld wird es unter seinen Tritten, getränkt vom Blute Israels, das da fließt im Lande Seir, auf dem Felde Edoms, das Esaus Schwert und Esaus Macht geerbt. Bon Seir tönt verzweifelt dann die Frage: „Wächter. reis rastt m s in der MM?" (Jes. 21411 RöMchs Fällst dillckl Israel zu Bodm, des Wortes eingedenk, das einst fein Ahn vernommen, »auf Deinem Schwerte sollst du leben!" »Und Deinem Brüder wirst dü dienen", dies ZukuNstswört das Isak spricht zu Efau, steht wie ein Schreckgespenst vor 24. November ) 927 Slater erfahren, wie völlig schutzlos sie in der Welt dMWf. Die VMeWundsMühla Mahlt langsach. Der Fall Slater sollte aber' für alle ist AetöaD kommenden Instanzen ein Ansporn sein, Msö Angelegenheit ohne Verzüg nach ÄtzyMn- und Völkfsfkchl gtt mtiiu auf öagi nt! ferner auch in kultiviertest Rechtsstaaten „staatenlos" gleichbedeutend fei mit rechtlos. Unglaublich, aber wahr! Ein eigentümlicher Vorfall ereignete sich anläßlich der V r e s l a u e r Tagnug des Re i ch sbundes Jüd is cher Frontsoldaten. Zu der Tagung waren sämtliche Behörden ein- ZkMkll unü liegen M auäf mrlmtQn, Mr Mök- Präsident von Breslau schickte als seinen Vertreter einen hohen Beamten, der selbst J u d e ist. Diese Tatsache hat in den Breslauer Kreisen des Frontbundes Unwillen heryorgeritfen, «ad Pröstökill ller^ BMSlauer OtMrüWo. Herr Dr. Frankel, söll sich ungehalten geäußert haben; es sei nicht angenehm, daß. der Oberpräsident gerade eisten Juden geschickt Labe. Bei den offiziellen Begrüßungen würde Hastn „vergessen", dem Vertreter des OberpräsideMn das Wort zu örlsllöll, gMstzl Mi- IU höchste anwesende Staatsbehörde repräsentierte. Diese Brüskierung seines in amtlicher Eigenschaft erschienenen Vertreters veranlaßte den Oberpräsidenten, einen Brief an die Ortsgruppe BreMsi des Reichsbunbes Sutzifcher FronifoDMen zu schreiben, worin er erklärte, daß er wegen dieses Verhaltens es ablehnt, an künftigen Veranstaltungen des R. I. F. teilzunehmen. Diese fast unglaubliche MechststZ Wird nun von -der in Breslau erscheinenden „Jüdischsn Zeitung für Ostdeutschland" bestätigt. Das Blatt teilt noch mit, daß Sie allerdings sehr gering besuchte Montagsversammlung der Breslauer Ortsgruppe des R. I. F. sich hinter ihren Vorsitzenden stellte. Was würde der R. I. F. gesagt haben, wenn sich eine nichtjüdische Körperschaft dergestalt gegenüber einem Juden in Vertretung hoher amtlicher Stelle benommen hätte? Wir denken von dew jüdischen gu gui, um sein Einverständnis mit dem Vor-- gehen der Breslauer Kameraden -für möglich zu halten. Zu den Obliegenheiten des R. I. F. gehört die Ä b w e h r, nicht die Uebernahme antisemsiMkr Mtthvden. Äömerangen. Es zu entkräften, dringe» ste das Gegenteil im Bilde. Einmal in 70 Jahren, so erzählt der Talmud2) setzen sie in Rom einen Gesunden, das Abbild Esaus, auf den Rücken eines Lühmen, der Jakob darstellt, der durch dest Kampf mit Claus Cir^el latfm gWEfl, M SÜWlMlr tzütz Efau Über Jakov ist gefetzt. Efau, mtt kostdörften Gewändern angetan, die noch von Adam her. dort aufbewahrt, und auf dem Haupt die Haut des Märtyrers Rabbi Jischmoel, die ihres Glanzes wegen man ihm abgezogen, einen gar seltenen Schmuck am HM llMMd, wird kr MICH Dti Qif schmückten Straßen Roms geführt, und ausgemie» wird: ..Die Berechnung des Endes ist Trug — Jsaks Zukunftswort ist Trug — der Brüder unseres Herrn ist ein Bettüger, wer sich dies nicht ansieht, sieht es nicht wieder, was nützt dem Betrüger der Bettug und dem Fälscher die MlfMng, rvxtzx dlKskMi wkNN sich bteser erhevt". WUN W Ein Schausviel ist's gewesen, das in Wort und Bild in einer Hetzschrift der völkischen Bewegung unserer Tage sich zeigen kann. Seit Esau's Tagen Kommt das gehetzte Wild nicht zur Ruh, bis ©ttt ein <£nbe fegt der wilden Jggp. -- : ' ■ 'Z'kNVI 2) Tr. Awaudoh foroh p. 11b.

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