Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1927)
- Date
- 1927-11-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450487--74456-2531929- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elbląg 1× ep/1047890
OCR text
. 1' MWV-Wll enre rzieguna ein zum Organ ries Sundes gesttzrstreuer jüdischer Kehrer Deutschlands. Aktuelle Schulfragen. Aus einem von Lyzealoberlehrer Karl Ochsenmann, j^rant^urt a. 31t., am 5. -September tu Berlin gehaltenen Referate. 11. Das Gedeihen unb Leben der Volksschule ist wesentlich abhängig von dem Bildungsgänge, der Bildungshöhe und dem Berufsethos der an ihr wirkenden Lehrer. 3>a& uns gu einern^ kurzen Eingehen auf dis Frage der Lehrerbildung. In Diesem ^un^te UNS ni^! lU Gleichberechtigung 'geworden, die wir anerkennend in dem Keudell'schen Entwurf erfahren, nicht etwa aus bösem Willen, wohl mehr aus finanziellen Gründen. Die Vergünstigung für das Kölner Lehrerseminar bis zum iÖ8|)F? ioaol binstweilen fernen Betrieb rveiterführen zu dürfen, können wir nur als einen vorübergehenden Notbehelf anfehen. Während für die moderne Ausbildung evangelischer Lehrer zwei Akademien, die zu Elbing und Kiel, sorgen, für die kath. Lehrer Die Bonner Akademie zur Berfüsung steht, fehlt für UNS eine gleichwertige MltzungLstüM. und mir finö trofi Mfkkkk niii «ffr?i" tenden Gewrssensbedenken NUf die simultane Akademie tN Frankfurt a. M. angewiesen. Für uns ist Neutralität niemals pädagogische Leistung. Die Gemeinschaft, auch die religiöse, ist als Erziehungsgröße das Ursprünglichste in der Erziehung, und sie erzieht am stärksten durch ihr Sein^ tpenn sie einheitlich geformt, innerliify glsichgsyttmmt ist. Da nun aber grun^ätsfi^s ©ejMIUSg der Gemeinschaftsschule mit ihrer starken' christlichen Betonung abfärben muß aus die Struktur der simultanen, in der Sprache des Schulgefetzentwurfes Gemeinschaftsakademie, müssen wir diese Art aufs schärfste ablehnen. Daß sie insbesondere der Ausbildung jüdischer Lehrer, dafür sprechen die tatsächlichen Verhältnisse. Ebenso stark wie die Ausbildung der jüdischen Volksfchullehrer verlangt die Heranbildung des Nachwuchses für den Religionskehrerberuf und den Kultusbeamtenbevuf bringend noch.einer Lösung, unb es ist keine Zeit g» üeriUrlm, WUU Wik UM BQU Ml UWflkü MllkklltsM nicht den berechtigten Vorwurf Mächen lüffm wollen, zur gebotenen Stund« die Gelegenheit versäumt zu haben. Der jüdischen höheren Schule ist durch die neuen Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens insofern Hell roiderfcchren. als den einzelnen Schulen WWit im Mauna Wm ümm Mi s?$rer= Persönlichkeit mehr ^preitäUM gWllM wtlllle. Wir handeln ganz im Sinne der Lehrpläne, die den - Gedanken derr Konzentration mit aller Entschiedenheit vertreten, wenn wir im Geiste von S. R. Hirsch religiöses Wissen und religiöses Streben mit echter, wahrhaft sozialer Bildung in innigen Zusammenhang brinz:«, Mi msm MW mit ötm MMW das speziell Jüdische mit bm atiQmm Menschlichen als einheitliches Bildungsetement pflegen, wenn wir das allgemeine Wissenschaftliche vom Standpunkte jüdischer Wahrheit tradieren oder in seinen Ergebnissen für helleres und volleres Verständnis jüdischer Wahrheiten ver- MW mul Mer 9kr Mm mH .*«» uni> feinem Verständnis ZU WM gSM, UM UNtkr llMMnLen nicht mehr zu verderben, als er gut macht. In entscheidender Weise y>irkt der Lehrer in dieser Beziehung . wie in jeder andern nicht durch das, was er kann, lehrt und tut, sondern durch das, was er ist. Mir vem Dchla^roort der Hebrötsierung allein ist es ntdjt Mstm» Mr beste MüUschöU bedient, versagt. Am 1. Febr. 1926 besuchten 1700 Schüler und 351 Schülerinnen staatliche höhere Schulen, 8441 Schüler und 6290 Schülerinnen nichtstaatliche öffentliche höhere Schulen. Unter diesem Schülermaterial, sind nur 489 UB& M MMrilMll, M iS&pt iSfäff ffT* len besuchen. Der größte Teil der jüdischen Schüler Preußens besucht nichtjüdische Schulen. Auf >einige diese Schüler berührende M. E. sei kurz hingewiesen. " Am 2. Avril 1926 erschienen Richtlinien für einen Lehrplan im jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen Preußens. Mit diesem vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden veranlaßten Einheitslehrplan war dem gesetzestreuen Teil nicht gedient. Ml» st PM M SSPtSfKUÄ _8?]e!ntreuep.biJ^r Synagogengememden besondere Richtlinien auf, die am 1. Oktober 1926 veröffentlicht wurden. Einem dritten, noch weitgehenderen Lehrplan für jüdischen Religionsunterricht, eingeveicht von den Unberrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., mürbe otn 6. Nov. 1926 die Genehmijung Mi«» W;ÄuzA.WMsz>Mr IN «fl erteilt. Auch die am 22. Juli 1926 erlassene Ordnung der Reifeprüfung an den höheren Schulen Preußens enthält einige Abschnitte, die für uns von Interesse find. W MM L.Äk.^8 föf Schulart, «»Her ben iit der Prüfungsordnung numenMch anfgrfühnen, «ljo auch in Religion wird der Prüfling nur dann geprüft, wenn er bei feiner Meldung das beantragt hat. Er hat das Fach anzugeben, in dem er bei der mündlichen Prüfung seine besondere Leistungsfähigkeit Nachweisen Will. Dir müRDttdöß MslM kam sich i« MllSsiU?^ auf alle Unterrichtsfächer erstreckM, Üü deNM der Prüst trug in der Primg, teilgenommen hat. Der Prüfling darf sich ein Fach auswählen (also auch Religion), in dem er feine besondere Leistungsfähigkeit Nachweisen will.- Auf jeden Fall ist diese Bestimmung! geeignet, dem Religionsunterricht eine 'höhere Wertschätzung zu verleihen, va durch in« Bete ln blellgm« die gegeben ist, das Prüfungsergebnis zu verbessern. Und nun zum Schlüsse noch ein kurzes Wort über die Erziehungskrise der Gegenwart, die auch unser religiöses Leben in seinen Grundfesten erschüttert. , Der Tatbestand unseres heutigen Bildungslebens ist Übt WMtllkl «F MMWll 3?it: M der Mutigen Erziehung wollet ein verhängnisvvMr Mangel an Ehrfurcht vor dem Gehalt historischer Objektivität, wie Epranger es ausdrückt, was dem Sinne nach dasselbe wie o'»2n tui»K ist. 7>"rr gehört aber zu den hervorragendsten Mitteln, um die Thora zu erwerben, die Treue der Trabition zu erreichen. ÜÜsr keine Achtung vor den Eitern, P9* bem Lehrer öefitzk, Jem fällst ülö wichtigste Verbindung für das Vertrauen zu den großen Männern der Neuzeit und des Mittelalters, den Gaonim, den Amauroim und Tanoim, dem fehlt die erste Voraussetzung für den Glauben an die Wahrheit unserer heiligen Ueberlieseruug. Die deutsche Moderne hat Nach einem Iritifc @2«{2g Ml idt heworgebracht. Wenn wir Juden in dieser E?- ziehungskrise uns passiv verholtem wenn wir nach dem Satze laisser faire, laisser aller verfahren, dann versündigen wir uns, indem wir Gewehr bei Fuß zusehen, wie die Wurzeln jüdischer Kraft zerstört merbert. 3n feiner Abhandlung ..HellenisMUS UNd Duvrnmm" kai br. zll mim Ml8 MUM Urublem Stellung genommen: „Wenn wiederum ein fälschet' Geist hellenischen Schimmers dem alten 'Geiste des jüdischen Gesetzes die Herrschaft über Judas Hütten und Herzen streitig machen möchte, wenn Judas Söhne und Töchter im Begriffe stehen, die Wahrheit und' Tiefe, 4«rmouie SchällM WM MlH UUkr llUFch UM Gott getragenen und in Gottes Gesetz vollendelell LsbML gegen die gedanken- und gehaltlose Oberslächlrchkert und das sinnlose Wohlgefallen einer hellenisch-ästhetischen Tünche fahren zu lassen, dann lasset uns Gott und fernem Gesetze geloben, unsere Hütten dem Lichte seines Gesetzes SU Igröato; 8Uf W jeöe5 unserer Häuser zu öi»sm Bollwerk lleo MskUh sich vollkntze," ÄN tmst^br Zeit der heidnischen Vergöttlichungdes Körperlichen gilt es, die schwer bekannte Festung zu verteidigen gegen von außen eindringende, trübende und zerstörende Einflüsse. Wir müssen heute mehr als je den Mut haben, Uns Über den Zeitgeist zu erheben. Inder katholischen Kirche, die infufem unserer tBlöfaffUUII Ql()Hf}t, Qt§ fl? eine Gemeinschaft von einheitlichem Geiste ist, hal tttütt die Entschlossenheit, der sortschr-eitenden Individualisierung der Erziehung sich entgogenzustemmen. Stanislaus von Dunin Borkowski, wohl der geistvollste unter den Jesuitenpädagogen der Jetztzeit, fordert mit Nachdruck die Losläsung vonder Welt der ungezügelten Phantasie und des undisziplinierten Gefühles, erst Erhebung des Individuellen zum Objektiven, dann aber auch Rückkehr vom Objöktiven zum Individuellen. Binfcmj üiiS »if! M M . I UDonf® IN moderner Fassung, den wir nicht bloß theoretisch durch Lehren und Predigen vertreten, den wir auch in der praktischen Erziehungsarbeit durchsetzen wollen, indem wir in innigem Zusammenwirken von Haus und Schule der Autoritätslosigkeit, der altklugen- Lebenssouveränität MMWMj G^thernart. „ So ists mit aller Bildung auch beschossen. Vergebens werden ungebundene Geister nach der Vollendung reiner Höhe streben. Wer Großes will, muß sich zusammenraffen. Jn^der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, |Jpeüpit get>en. uns m mm hhf fsnn shi Der Schiurvortrag und seine Bedeutung für die Gemeinde. Mn Wlkl 501188 in Bi£F86äJ8 (SSKüI: Israel verdankt seinen Bestand nach sv vielen wur senden Jahren, nach so vielen Prüfungen einzig und allein seiner mw seiner hl. Lehre. Sie war das feste Band, das sie alle zusammenhielt, sie das Banner, um welches sich Israel in schlechten und guten Zeiten scharte. Sie mirb n-»a mit Gottes Hilfe nach heute gelehrt und gelernt; je mehr «Wr m -hr studiert Mllibök sind Lehrer und Schüler mit unserer heiligen nrin«' mit ihrem Glauben verbunden. Denn das religiöse Wort führt zur religiösen Tat. So besteht heute noch in den meisten Groß- und Kleingemeinden der sogenannte Schiurvortrag; er wird in der Regel vom Rabbiner, und in mbbinerlssen Gerneinben aom Lehrer norgetragrv. D«NN Nicht j?h?r kann lernen; er hat afcer doch Anteil an der hl. Lehre, wenn er das Wort Gottes aus dem Munde seines Lehrers vernimmt. -na o'p'mvi» xbx xb n'>'tr>'bb Nicht heißt es, die Thora ist ein Fels, für jene allein, welche sie selbst studieren können, sondern auch für die, Nr au!8l lMMlli 88 isssn AZkFka öfe{ eile», um sie aus dem Munde der Gelehrten zu vernehmen. So dient der Schiurvortrag der Erbauung, der geistigen Erfrischung und der religiösen Hebung. In Großgemeinden finden sich solche Thoraoorträge zu allen Tagesstunden, in mittleren und Kleingemeinökll Ul£ffl Weil Ver leit>er *zm Werktag die Zuhoiöl MM'und «uch" m Thora im grvtzLn'nnd ganzen ihre Zugkraft vsrlorru hat. Ich meine in der Hauptsache die Landgemeinden ohne Rabbiner, wo nur der Lehrer als geistiger Führer gegen den Abfall zu kämpfeü hat; und hier fällt das Thorawort doppelt in die Wagschale, es muß aber eifrig studiert, geprüft und OTflgFtt KkkMli?!f 3“>ed'mä|i9 auseeftreuie gukö Früchte zgittgeu soll und nicht"rrsolglvs an^' gesprochen wird, nicht wie Spreu im Winde verfliegt, ohne je Früchte reisen zu können. Am naD versammeln sich auf dem Lande die avw unsere Gemeindemitglieder zur festgesetzten Stunde, um gehört zu den ungleich schweren Pflichten des Landlehrers, welcher meist selbst nicht mit zuviel mw Thora überhäuft ist. Bor einer „sachverständigen" Kritik hat er sich aber nicht zu fürchten/, höchstens jedoch vor dem Spott des ’»*' des Unwissenden, der seiner Frage Der Mi ssfe — 88« u>t aas W nun =s MUchtzagaga anfügt, welches jeder ysn Roscho sernök Zöik gsbküucht, um über die heiligsten Pflichten zu spotten. Deshalb müssen wir Lehrer jene Waffen besitzen, um die Zähne der Sünder stumpf zu machen, in erster Reihe aber jenes intensive Wissen, welches von selbst sich Bahn bricht 889 k!8k Btyims H oerJ‘Hf*- 2b5i b« vM pr H’«n’n enai Worte aus der Urtiefe des Herzens gehen auch zu Herzen. Schon längst ist nämlich unsere mm auf dem Lande leider kein gesuchtes Objekt mehr; das Land ist schon