Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1927)
- Date
- 1927-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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10. November 1927 Der Israelit Nr. 48 Seite 8 die Sache leicht macht und einfach kraft elterlicher GöMll ip Gehorsam erpingt, so mag m«n wohl erreichen, daß das Heranwachsende: Kind schweigend sich fügt, und es sich äußerlich so ausnimmt, als ob alles in bester Ordnung sei. In Wirküchkeit jedoch rächt sich das. Zwangssystem 6sl Sobald der Vogel flügge geworden, wirft er das, was ihm bisher als Üaft erschien, ab, und das Kind braver jüdischer Eltern, deren Vorfahren alle ehrliche, thoratreue Juden waren, durchbricht die Kette, indem es Sabbat- und S^eifegefehe über Bord wirft und nichts wehr von der Thora wissen will. Niemand Eann hegreifen, wie es kann Man hatte ihm doch eine jüdische Erziehung angedeihen lassen'. Es kam ganz, naturgemäß und.man hat ein gut Teil der Eünüen feines Kindes selbst verschuldet, Manchmal auch ist es nicht der einzelne allein, der Schuld daran trägt, daß die Jugend sich uns entfremdet, sondern ist es die Schuld der ganzen Gemeinde. Viele Gemeinden glaubest ihre Pflicht gklan zu WM MkNN U m besitzen^ in welchem morgens und äbettds mit' p» (je* betet wird. Und ganz gewiß wähnt man alles in bester Ordnung, wenn die NVd'Metzgerei und nipv nichts zu wünschen übrig lassen. Auch die Saften aber glauben, den höchsten GWel des Möglichen erklommen zu haben, wenn die Gemeinde einvnion ir»3 ihr eigen nennt, in weltyem Tag und Nacht gelernt wird. Daß aber eine jüdische Gemeinde heute noch ganz andere Pflichten Hut- MllkN iii[i Wer E Begreifen. Eine jüdische Gemeinde hat die Pflicht, eist sauberesiV2" Restaurant zu besitzen. (S. S. R. Hirsch, Jeschurun Ul „Aus der Mappe eines wandernden Juden"). Die jüdische Gemeinde, zumal der GrvMllU) hm Stk WWi SM Mengen ein angenehmes Heim zu bieten, damit ein Gegengewicht geschaffen sei, damit er nicht, wenn er, wie die Motte vom Licht angezogen wird, in den brausenden Flutwellen des wissenschaftlichen, tÜNsllkrislhbll Wirk pöli'tijifjen Lebens der Großstadt verloren gehe, sondern ein guter Jude bleibe. Als wesentliches Merkmal mußten wir erkennen, daß, wenn auch die Jugend an der Entfremdung zwischen Eltern und Kindern nicht öhllk isst boch die ältere Generation der heutigen Zeit aus BölMmlichrm und Nachlässigkeit nicht gerecht wird. Man ist stehen geblieben und so ist man alt geworden statt mit der Jugend vorwärts zu schreiten und sich so seine eigene Jugend zu erhalten. Wissend, daß „wer die Jugenß 1)81; ßlE gukittlsk Jisfi SSJE'M« *“**” ”aio genug, die Jugend in ihre Parterkämpfe hineinzuziehen. Natürlich merkt die Jugend bald, daß die Alten die individuelle Wesensart der Jungen zu unterjochen suchen und daß man von ihr ein Opfer äes MSllM bWhkt und so zioht bis Jugend die entsprechenden Konsequenzen. Es ist da kaum Grund, sich über etwas zu wundern, denn alles geht natürlich zu. Haben mir so einen wesentlichen Teil der Ursachen her Entsremönng zwischen llttd Eltern aufgedeckt, so bleibt uns übrig, nun die Wege der Heilung des Riffes anzugeben, in. ' Die Heilung. MW Werl Erinnerst Du Dich noch der Zeit, als Du jung gewesen und in hellster Begeisterung Weltreformierungspläne geschmiedet?! Und Jahre hindurch dauerte die Begeisterung an und lieh sich kaum im Zaume halten. Doch dann kam Erfahrung. über Erfahrung, Enttäu- Wochenkalender. v. 12. — 19. Nov. 1927. i o. 17. — 24. Marchefchw. 5888 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnersia^ Jtötag < SamStag 12 17 'm’T -p=->a» - , 13 18 14 19 Nov 15 20 16 21 17 22 i. ' IS l!! i :!? - winn 'j-'sirtM . - MMlKd Donnrrstag trorrn. 11,43,10 1.9| 24 " ,3-'' * fchung über Enttäuschung, Ernüchterung über Ernüchterung bis die Erkenntnis dämmerte, daß der Hund an der Brücke nur so gro^ fei wie alle Hunde sind und daß die Ansicht der alten Eltern doch noch immer die richtige war. Und nun hast Du, lieber Alter, schon selber große Kinder, die rvieder die Welt stürmen wollen! Da ist es durchaus natürlrctj, däst Mst [liHÖ Kinder vor bösen Erfahrungen bewahren möchte und ernstlich böse wird, sobald man wahrnimmt, daß die Jugend Dummheiten ähnlicher Art machen möchte, wie'' man selber in der Jugend Jahren gemacht hat. Un& Me Ältöst hällött döll ZMWN das Uebel klar vor Augen und wollen nicht begreifen, wie die Jungen so dumm sein können, dem Uebel gewaltsam entgegenzueilen, ohne das Uebel als lledkl zu kMNMN- Arme Eltern^ ihr solltet wissen, daß die Jugend die Welt sich neu erkämpfen will. Der Begriff des Jungseins besteht zum Teil sogar darin, selbst alles zu erproben und über Hindernisse erst zu stolpern, öllllll «Umählich gu üBertmnben lernen. Gerade das, was Papa und Mama als das Unreife und Tollkühne erscheint, ist in den Augen der Jugend oft das Schöne und Erstrebenswerte. Eltern! Stellt Euch Eure eigene Jugend vor Ingen, dann ÄkMt m khn gksW werden! Erziehen ist schwerer, als tttütt glaubt. Die Jungen können nicht gut alt fein, denn sie haben das Alter noch.nicht erlebt. Die Alten aber können jung sein, wenn sie sich ihre Jugend erhalsfldem sie ni^t vergessen wollen die Tage, die sie selbst erlebt. Wehret getrost, damit nicht eine allzugroße Dummheit geschehe! Doch beachtet wohl, daß es selbst dem kleinen Kinde nicht guttut, gleich helfend herbeizuspringen, wenn es lllligksiillkN isst Mag es lernen, allein aufzustehen, damit es lerne, den Fall nicht mehr zu fürchten! Es ist nur naturgemäß, daß man anfangs über das Ziel hinausschießt. Es wird immer et- WZ kjäljkk MM, mW di? Kugel im Fluge von selbst sich senkt. Wenn sie sich die Hörner abgelaufen hat, wird auch die Jugend erkennen, daß sie zu weit gegangen ist und sie wird sich von solchen Alten, deren selbstlose Liebe und unbe- Mnglk WkljMMMl stk gern leiten lüsten. Sie wird unfehlbar errennen, was die reifen Alten für die Jungen gearbeitet haben und daß sie, die Jungen, wie Zwerge auf den Köpfen von Riesen stehen und daß wahrhaft seelische Vertiefung nur aus großer Lebenserfahrung, aus .dBamarttm mw M Ssssn Bf™«* gegeben werden kann. Freilich haben die Alten bei Erziehung der Kinder heute mehr denn je die heilige Pflicht, deri fugend zu zeigen, daß unsre tt*rm allen Verhältnissen, allen Anforderungen der SSlffeii' schaft vollauf genügt und daß die Thora allein das bleibende Gut ist inmitten der irdischen vergänglichen Freuden der Erde. Es liegt in der Natur der ewig unveränderlichen absoluten Wahrheit, daß sie in allen Aesten m Weise das Höchste und Heiligste darstellt. Dis Wahrheit kann an Macht dadurch nur gewinnen, wenn sie nicht nur geglaubt, sondern auch erkannt wird. Wo wir vor etwas Unbegreiflichem stehen, haben wir davon überzeugt ZU fein, daß nur unsre Erkenntnis zu schwach ist, Sinn und erhabenen Zweck zu erfassen. Nur ein Hochmutsnarr ist blöde genug, negative Kritik zu treiben. Um aber zeigen zu können, daß die moderne Wissenschaft dem idealen Inhalte des JuöenluM NIM niMbkn tarnt rmd 2ntz der wahre Jude, dessen Denken und Handeln von den Forderungen der Thora geleitet wird, weder mit der Wissenschaft noch mit dem Leben in Widerspruch gerät, muß der jüdische Lehrer ständig wsitäv an ssinsv Ausbildung arbeiten. Viele unsrer Alten, ehrfürchtige Lehrer mit langen, weißen Bärten, bleiben statt weiter zu lernen, auf derselben Stufe stehen, auf der sie vor zwanzig Jahren standen. Der Bart ist ehrfurchtgebietend, aber der- Bart gibt nicht schon das Wissen. BK qsixn , Du MH siNLN Tag, so werde ich Dich zwei Tage verlassen!" Än Bezug auf das geistige Leben der Thora bedeutet jeder Stillstand Rückschritt. Es gibt keine Kluft ätöWn -sw Mischen Lebensgesetz und Dem* jentgen, das der uns umflutenden Welt zugrunde liegt. Jede Disharmonie liegt stets nur in der Lebensanschauung desjenigen, der kein Gesetz und keinen Gesetzgeber über sich anerkennen möHlkt Tvbalö dn TssiWwmkel verhoben und verschroben ist, sieht natürlich alles schief und verkehrt aus. Es ist klar, daß unsre Thoralehrer heute auf der Höhe der Zeit zu stehen haben. Sie müssen es verstehen, die Verschrobenheit als 83Lisltztk^sNh?if 0« bemeisen und den Schülern zu zeigen, daß die Thora ewig neu ist und jeder Zivilisation erst die eigentliche Richtung, den Wert und Maßstab gibt, “paV dmwv Mehr denn je hat heute angesichts der UnwiffenfcU IN Mischsrr Dingen auch die Gemeinde die Pflicht, den Kindern ihrer Mitglieder einen Ersatz für das zu schaffen, was ihnen im Elternhause abgeht. Was nützen wohl alle guten Lehren der Schule, wenn das Hacks in häufigem UMWuch sich pr ©tfjule tefinMT! Wik ksnsi ein Kind wohl dauernd für das Leben die Lehren der Thora beherzigen, wenn zu Hause die Eltern praktisch sich in Gegensatz zu diesen Lehren stellen. In vielen vornehmen Kreisen zumal herrscht Uv Wähn W daß moderne Bildung und gesetzestreues Judentum zwei Gegensätze seien. Da ist es die Gemeinde, die dafür zu sorgen hat, daß alle Kinder ihrer Mitglieder in wahrhaft jüdischem Geist erzogen werden und M ZkksNM, daß alles piffige WM nur NM werk sei, die Thora allein aber allumfassend ist und das ganze Universum sich in ihr abspiegelt. X? ’nnn n*?Dn hsh (Ps. 119) ikö mm. „Für jedes Streben habe ich eine Grenze gesehen; Dsw Wot aber m überaus weil ninsaMö." (Schluß folgt.) HorrerponSe«re>» « ßacbricbten. »et«». Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 3. Nov. Fortbildungskurse für geprüfte jüdische Lehrerinnen sirkd s-ert Beginn des Winterhalbjahres am Rabibiner- Seminar zu Berlin eingerichtet. Vorläufig werden Kurst von Herrn Doz. Dr. S. Grünberg in Vibelexegefe und von Herrn Doz. Dr. Moses Auerbach in jüdischer Geschichte abgehalten. In einigen Wochen beabsichtigt auch #err Dßi Dr. Ms WeijUkMUilj mikiLWn Uber tenlehre und Religionsphilosophie zu beginnen. Meldungen sind zu richten an den letzteren (Berlin N. 24, Linienstraße 147). Zinmänien, Judendebatte im rumänischen Senat. SS ufa re ft, 3. Nov. In der letzten Sitzung des rumänischen Senats ergriff der jüdische Senator Horea Carp das Wort zur Diskussion über bis Antwort-Adresse an die Regentschaft und Betonte in löngtrer Ncdc dir der Juden gegenüber der Staatsidee, die während aller großen Ereignisse, besonders während der Kriegszeit, sichtbar zum Ausdruck gekommen fei. Der Redner widerlegte an Hand statistischer Daten die gegen die Juden ßdjDta AnslWWiW: sik satten m 8trbi?ss Teil der Schankkonzessionen inne. Metropolit P i m e n unterbrach den Redner und beir