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Der Israelit · 1927-11-03 · Heft 44 (3.11.1927) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 44 (3.11.1927)
Date
1927-11-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ein Hanauer Äaon und sein Werk. An der Schwelle unseres Jahrhunderts, in den Jahren bis 1830, lebte und lehrte in der Geineinde Hanau ein Meister und ein Führer von einem m Bild d-r H-it, gekennzeichnet von Rabbi Mosche Sofer und Rabbi A k i b a E g e r, sich ganz harmonisch einreihte. Daß die jüdische Welt -den Namen des Rabbi Mosche Tuwje aus Sunt heim yn *) noch nicht [o rennt; mie Die Der genannte Großen, liegt wohl am zurückhaltenden Wesen dieses Mannes, der im stillen Hintergründe arbeitete, für eine spätere Zukunft. Von seiner in umfangreichen Manuskripten halachischen und PMeMkn Ms, «NS überkommenen reichen Lebensarbeit zeugt ein jetzt im „Hermon"- Verlag Frankfurt a. M. erschienenes Werk, das die rabbinifche Welt in Staunen setzen und alle Thorabeflissenen den Tag wird ersehnen lassen, 68 öer g 81] 9? MÄk groben und aus Licht gefördert ist.**) Rabbi Mosche Tuwje hat im württembergischen Städtchen Sontheim bei Heilbronn am 28. Tewet 5513 (1753) .das Licht ösr Wktt fsH lickt. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof zu H a n a u, wo er am 4. Tischri 5591 (1830) als Provinzialrabbiner sein gesegnetes, tatenreiches Leben, bald 78 Jahre alt, beendete. Knapp vier Jahrzehnte wirkte er in Ha- Itllll unB MW Dii (BcmnnDt mit einer den Jefchiwah und einer weit über die Grenzen der Provinz hinausgehenden Lehrtätigkeit zu einem Brennpunkte des Thoralebens. Rach Hanau kam er im Jahre 5555 aus Leimen Dei AeiöeiDerg, wö er eille binat seines ersten Lehrers und Erziehers, Rabbi Naftali Hirsch Katzenellenbogen b"XT inne hatte. Er verließ die Gemeinde, die ihn in E^rssn hielt^ emgtg aus bem Grunde, weil dort m Gemeindemitglied am Sabbat sein Geschäft öffnete. Sein eigentlicher Lehrer, dem er die ersten Grundlagen und die unerschöpfliche Liebe zur Lehre verdankte, war der bekannte Rabbi Joses Steinhardt b"XT in Fürth, sein Freund und NMengenasse MM MvköeHsi Zen et Von Fürth aus ergossen sich zwei Strahlen nach Südost und Norden. Rabbi Mordechai Benet ging nach Nikolsburg, Rabbi Mosche Tuwje nach Hanau. Lik ZlWliHk BMidenheiz Ra-Hs Mosche Tuwjes konnte es nicht verhindern, daß feine großen Zeitgenossen einen Ebenbürtigen in ihm sahen, ihn mit Lob und Anerkennung überhäuften und seine Meinung in hochbedeutsamm Wischsn Fragen MslhMM in Die Wagr schale legten. Der „ Chatam Sofer" druckt seine Entscheidungen in seinem Responsenwerke zu „Eben haeser" (Hl, 15) und an vielen anderen Stellen ab. Ebenso zitieren ihn und berufen sich in chren Wetten Ms UW Meinung MM Wolf Hamburg, Rabbi Hirsch Hurwitz, der Sohn *) Er unterzeichnet sich d”«iüji72 "aiD nvamin nsm bran Twana ni8 nsv (** ÄHil hM tzM mmm HM M8 '»"L V-NLj?r«NL2 V7S-72 Ntb8V 8"N ösZ Baal yaaslah. Ml, Ferner üi. ösrael ßtyr schütz, der bsw auch Wolf Heidenheim. Rabbi Mosche Sofer b"XT nennt ihn •b8nw’ mbib 28 b8inb Q’abab ^81^' 8^ In der Gutachtensammlung man naa nb8' ^]rn ersten Ansturm der Reform irr. Hamburg gegen die Orgel und die deutschen Gebete in der Synagoge erschienen ist, finden wir Rabbi Mosche Tuwje neben Chatam Sofer, Rabbi Akiba Eger, Rabbi Mordechai Benet und Rabbi SaroD Lissa rsr nnö feine AWanplung geilet sich durch besondere Geistesschärfe UNd Klarheit in der Formulierung aus. Was aber bis jetzt aus der geistigen Werkstätte dieses großen Meisters im Drucke aus Wkitkl ifmn£ ber Welt girr Kenntnis kam, mutet wie ein Tropfen aus dem Meere an, wenn man Gelegenheit hatte, den im Besitze der Nachkommen befindlichen Handschriftennachlaß zu sehen und einen Einblick in diese von einem abgeklärten deis.b m vielen stillen nachdenklichen Tages- •! 4;- 3 “l i!Ä- MMN Raööt m. i: sonMtmkr Rabbiner in Hanau» und Nachtstunden geschaffene Welt zu tun. Die nachgelassenen Werke umfassen alle Gebiete der mündlichen und schriftlichen Lehre, vom Texte des E^umifrh bis gur entlegensten &ugja des Talmuds. Und wenn Rabbi Mosche Tuwje einen Bibelvers erklärt, so tut sich ihm wie im Felsen der Quell auf, aus dem sich in herrlichem Strahlenfpiele alles ergießt, was die ältesten und fpäteTten Erilärer au§ diesem Grunde dergushvlien. Und wenn Rabbi Mosche Tuwje eine h ül a ch i s ch e Abhandlung über einen Gegenstand im Talmud oder eine Frage der praktischen Halacha schreibt, dann strömen ihm die Lichtsluten von Men Zeiten; MZ den entfegenften Mitten zu, ein Ganzes und Umfassendes ergebend, dergestalt, daß man durch die Lichtfülle den Blick frei behält bis auf den letzten Grund, auf den Bibeltext als Ausgangspunkt. LMi ist tei&er m MHlM n!M finrnm vollkommen erhalten. So fehlt ein großes hand- MWAS WM gM Sifri, das in einem Hesped seines Schülers, Rabbi Jakob Koppel Löwenstem b"XT' Rabbiner in Gailingen, als das Meisterwerk des Hanauer Gaon gepriesen wird. Vielleicht trägt der jetzt erschienene erste Teil der Nesponsen und Abhandlungen dazu bei. Daß Das vermiete tostDare Äanuj?r!pt von Kellnern und Freunden der jüdischen Lehre im Privatbesitz oder in Bibliotheken aufgefunden wird. Auch sonst sollten Erbbesitzer von Gutachten, Entscheidungen und sonstigen Schriftstücken aus der Feder des Rabbi nicht versäumen. m maiV ü'ain Abschriften derselben dem Verlage für die Ausgabe der weiteren Teile zuzustellen. Das jetzt im Hermon-Verlage Frankfurt m Ml erschienene erste Wtts (lln«nsgegeben von den Urenkeln des Rabbi) *) ist schon in ferner äußeren Aufmachung, im lichten Drucke, in Buchform und Einbanddecke ein Denkmal der Liebe und Pietät. Der Inhalt wird Segen Sllsmmen tm Mite Kreise und segenoerheihend wirken mit Hinblick auf die Fortsetzung der Ausgabe. Dem rund hundert Seiten starken Buche voraus geht eine "eingehende Biographie des stillen Rabbi, der bald hundert Jahre nach seinern Tode ^u uns zu sprechen beginnt. An erster Stelle der Responsen finden wir das bereits genannte klargeistige und von zwingender Logik getragene Gutachten gegen die Orgel und Reform der Gebete. In bunter Folge wechseln dann die Entscheidungen, Zulstztm ML °ük s° unb übersichtlich in der Diktion wie üef durchdacht und erschöpfend in ihrer Zusammenstellung. Der Vorbeter und Schächter einer Gemeinde ist m üblen Ruf gekommen. Rabbi Mosche Tnmje. um EntscheiDung angerufen; stellt Die gesamte einschlägige Literatur über den Fall zusammen und schließt bescheidentlich mit den Worten: „All dieses rein theoretisch nmnb 8bi nabnb» denn wie sollte ich von der Ferne die Sachlage im Tingelnen prüfen?öllnell?^' sHSll aktuell gewordene Frage der Sabbatumgehung durch Teilhaberschaft eines R i ch t j u d e n wird von allen Seiten behandelt und beleuchtet und erschwerend entschieden. Es folgen Fragen über die Konstruktion einer Mt km ah und verwandte Dinge auf Dem Äce biete des n 't 2 - G e f e tz e s. In einer kleinen Gemeinde hatte in ausgelassener Gesellschaft ein Jüngling einem Mädchen im Scherz einen Ring überreicht und dabei dieTrauungsformel sr?Zsuzsn ruzzssxe8chs^ MAmekennung der Ehe schien den Ettern des Mädchens unmöglich und sie wandten sich an den Meister in Hanau. Nichts läßt Rabbi Mosche Tuwje in den Dezisoren, von Maimonides bis zu den jüngsten, bei Prüfung Der Glttigkett Der KlDlls ch i n außer Acht und er kommt zu einem e r - schwerenden Resultat. Freilich fei der Jüngling zur Ausfertigung und Ueberreichung eines Getzu zwingen. Dem strengen Rabbi folgt Der Ä^enscstenfreunD- Der nach einem Ausweg sucht, um Unheil von Fa- *) Erhältlich beim Verlag und im Buchhandel zum Ladenpreise von Mk. 3.50. Unbemittelte Thoragelehrte. Dia iM Hart MMMlich zu ituöianjmaffen klMMli tu ollen, wenden sich wegen Ermäßigung an den Verlag.

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