Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1927)
- Date
- 1927-11-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Zkllk 0 DIL U Jsmar Freund über die Staatsbeihilfen. Für den Religionsunterricht sei von den in den Etat eingestellten Mk. 400.000 bereits ein Teilbetrag von Mk. 225.000 ausbezahlt worden. Infolgedessen könne den vollbeschäftigten WiWn Miöionslolprn, somit fit [mmr-Wch $ebildet seien, eine Mindestbesoldung nach Gruppe VH gesichert werden. Den Bemühungen des Verbandes um Befreiung der Dienstwohnungen auch der jüdischen Kultusbeamten von ber chauszinsfteuer rverde voraussichtlich Erfolg DcTöjteDcu sein. Wettere Dösprechungen galten der Sonntagsarbeit von jüdischen Organisationen und der Schächtfrage. Hinsichtlich der Vorbereitungsanstalt für Lehrer und Lehrerinnen wurde von konservativer Seite eine Teilung der Anstalt in eine liberale und eine konimm mm om«. ikiMlh rourDß ein Nllliküst: figer Ausschuß ernannt, der das Zustandekommen des „Reichsverbandes", der immer noch nicht weiter gediehen ist, fördern soll. Der Landesverband beabsichtigt, sich an der jüdischen Abteilung der Presse-Ausstellung in Köln im Jahre 1928 kktMM, e x s srae! It von v-r lltu&avn. Die Thmmiz LlMsus-tzeh? Abgeordnetenhaus. Budapest, 25. Oktober. Der demokratische Abgeordnete Pakots brachte im Abgeordnetenhaus eine Interpellation ein, in der die stttfMfLsSktt Mst- MW M Mü8kL ÖÖJUs legen, und gegen die verhetzte Jugend, die von dem Schöpfer des Numerus Clausus-Gefetzes, dem seinerzeitigen Unterrichtsminister Stefan Haller, gegen die öffentliche Ordnung organisiert wird, Stellung zu nehmen. Unterrichtsmtnister Graf klüÖiU'kdie Ordnung an den Hochschulen mtbc mit allen Mitteln hergestellt werden, selbst um den Preis einer Schließung der Universität, betreffs der Revision des Numerus Clausus möge man die angekündigte Gesetzesoorlage abwarten. Ministerpräsident Graf Bethlen billigle Vas Borges Ns PMk! UM Hit NllMöM. Die Unruhen an den Hochschulen dauerten heute an. Auch aus der Provinz treffen besorgniserregende Nachrichten ein. In Debreczin fanden Ausschreitungen gegen die Juden statt. Die Ausschreitungen in Ungarn. Budapest, 26. Oktober. An den Hochschulen herrschte heute relativ Ruhe, doch wurden jüdische Studenten, dis dis Lehrsäle besuchen wollten, ausgesvr^rt, die Gebäude zu verlassen. An den Einlaßpforten wurde ihnen bedeutet, daß man ihnen so lange den Zutritt zu den Gebäuden verwehren werde, bis die ungarische Regierung ihre Absicht aufgegvben habe, das Gesetz über den Numerus Clausus abzuändern- Der Rsktor der SSutxtpefier Universität^ warnt heute in einer Aufforderung die Studenten vor weiteren Ausschreitungen und droht mit schärfften Maßnahmen. Unterrichtsminister Graf Klebelsberg hat heute eine Abordnung der christlichen Studenten empfangen und ihgxg rnr ökk MtMle Dtmirnn im Mumms Clausus-Gefetzes Auklärungen gegeben, die jedoch streng geheim gehalten werden. Auch aus Debreczin und Szegedin kommen Meldungen, wonach sich die Studenten der dortigen Unioersillllöll stör SllöÖJJöffcM* es chloss en hoben und keine männlichen jüdischen Hörer emlassen, mit den weiblichen, werden Ausnahmen gemacht. Kommunalwahlen in der Slowakei. *Brof tslama, 28. Okt. Slfl ilHH Wählen zu ^en Eommunalen Körperschaften haben sich die jüdischen Parteien überall lebhaft beteiligt. In Bratislawa ist der erste Präsident der orthodoxen Gemeinde, David Krauß, gewählt worden, während der Biz-e-Prösident der GerneiNve, § f 0 1) I £ f Der an vierter Etölls -Sk jüdischen Einheitsliste stanb^ leider nicht durchdrang. In der vorigen Wahlperiode war das Mandat von Oberrabbiner Hirschler besetzt. Der Verlust des Mandates ist auf eine kleine Sonderliste zurückzuführen, die von einer Gruppe orthodoxer Juden llllUsM MIM. 3R 9Uüf?Ä erhell feit von orthodoxer Seite begünstigte Wirtschastspartei drei Mandate, die zionistische .Richtung ebenfalls drei. Eine Spende des Hauses Rothschild. Karlsruhe, 27. Okt. Aus Anlaß ihrer goldenen Hochzeit überwies Frau Baronin Sbmonb non Rothschild, Paris her Lungenheilstätte Nord rach eine Spende in Höhe ]A Million Goldmark. Mt Woche. Berlin. Nachdem die Benennung einer Straße nach dem Schöpfer der deutschen Verfassung. Hugo Preuß, von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt morden ist^ syst llßsj° wehr tzas Friedrich Karl-Ufer mit der reuen Brücke zum Lehrter Bahnhof den Namen Hugo Preuß-Ufer und Hugo Preuß-Brücke erhalten, wozu die Behörden bereits ihre Genehmigung gegeben haben. Der Innenminister Grzesinsky hat einen fchllkfÜll Liffsß gegen $>ie r i 9 {) 9 f H f ft) Ö ft* Zungen bekannt gegeben. An die Polizei ergeht die dringende Mahnung, mit aller Kraft unter Aussetzung angemessener Belohnungen in jedem Fall die Uebeltäter ausfindig zu machen. — Herr vonKeudell erklärt öffentlich. daß nach neuerer Prüfung der DsslH^ Ministerialrat Dr. Badt r e i n e'n V e rtrauensbruch mehr vorwerfen kan n. Er wolle der neuen Sachlage „Rechnung tragen". Das ist so viel wie eine Entschuldigung. — Anläßlich des zehnten Jahrestages der Balfourdeklaration veranlllMkik viß IMlstischg LsMntzuttZ Sonntag -ött 6. November eine feierliche Kundgebung. — Die Gesellschaft zur. Förderung der Wissenschaft des Judentums veranstaltet am Mittwoch, den 16. November ds. Js, (Bußtag), nachmittags 6 Uhr im Logenhaus zu Berlin, Kleiststraße 10, eine Festsitzung. Die Begrüßungsrede wfxß ük BöMllkM öer MW schafl, Herr Prof. Dr. M. Eobernherm, halten. Prof. Dr. C l b o g e n wird über „Aufgabe und Leistung der Gesellschaft" sprechen. Paris. Im Alter von 75 Jahren verstarb Obercabbiner David £j a g e n ct u. Er wurde 1878 Utaööiftßi» bbh MslmimuU' 1881 ner in Luneoille und wurde 1882 als Großrabbiner nach Paris berufen. England. Sitzung des Jewifh Board of D^uties. London, 24. Okt. Der Englisch-Jüdische De^utiertenrat hielt unter dem Vorsitz seines Präsidenten O. E. d'Avigdor Goldsmid eine Sißuug at^ vre sich mss 3?&TTI ÄÜ3wärtrgsn Komitee unterbreiteten Bericht über Lucien Wolfs Mission in Gens befaßte. Während der 8. Sitzung des Völkerbundes und der 46. Tagung des Völkerbundsrates bemühte sich Herr Wolf insbesondere um die Regelung der Fragen der Staatenlosen und des ungarischen Timms ßlauius. Dis §mm ZtsststtissM mrte durch die verschiedenen Petitionen und Vorschläge kompliziert. In der ungarischen Frage wurde der Völkerbund darauf hmgewiesen, daß Ungarn das im Dezember 1925 gegebene Versprechen noch nicht erfüllt hat. — Jn- Mkschsn, f4$U{U der Bericht, hs? UNMtische Negier rung eine Gesetzesnovelle betreffend die Aenderung des Paragraph 3 des Gesetzes vorbereitet. Jtolctit. 3ubcn in der VerwalMg pW MMMN SKdkeverbsudös. Warschau, 27. Okt. In die Verwaltung des polnischen Städteverbandes, die von dem in Posen abgehaltenen Städte-Tag eingesetzt worden ist, wurden drei Juden hineingewählt: Die Atonistöll dsiRStsa Kärner-Alärschau unV <§stchtrat ^vel°Lodg, sowie der Bundist Stadtrat Ehrlich-Warschau. Ln SlWormrkiiwM. Paris, 27. Okt. Schwarzbart ist, wie schon gemeldet, freigespro - ch e n. lieber den Gang der letzten Verhandlungen ist noch zu berichten: Nachdem sich das Gericht in den ersten Tagen fast ausschließlich mit der Ehren re t iairtg Petljiiväs. aus tam Munbe feiner Freunde und der früheren Pogromgeneräle besaßt hatte, kommen am sechsten Tage die jüdischen Zeugen zu Worte, zumeist führende _3. November 1927 Persönlichkeiten des früheren russischen Judentums und auch Augenzeugen der entsetzlichen Metzeleien in der Ukraine. Herr Grünberg weilte kurz nach den Pogromen im Auftrag« ves frangöfif^en „Noten in den Pogromgebieten. Es zweifelte dort keiner daran, daß Petljura die Pogrome anbesohlen hatte. Der Petersburger Advokat Mofes Goldstein weilte an der Spitze einer Untersuchungskommission von 24 Rechtsanwalten 1813 unn 1910 in Mr lltmim. M ergab, daß alle Pogrome von e i n e r e i n z i g e n Z e ntralstelle inspiriert oder geleitet wurden, und als solche konnte nur der Generalstab Petljuras in Betracht kommen. Die Zahl der von seinen Armeen getöteten Juden beläuft sich auf mindestens 50 000. Proklamationen gegen die Pogrome, auf M sich die Zivilkläger berufen, seien ihm vollkommen neu, keiner in der Ukraine wußte etwas davon. Von Schwarzbart wisse er nur so viel, daß er sich seinerzeit um ein Pogromw-aisenkind bewarb, sanft Lenne er ihn nicht. Die tar PetUuraarnwe lautete: „Schlagt Die Juden und rettet die Ukraine!" Erschütternd sind die Mitteilungen einer Studentin aus Proskurow, Frl. Grünberg. Sie hält bei der Schilderung der entsetzlichen Vorgänge tnne, weil es „fliRßM 9BäM)4U Unmöglich [ei, tve Sin-g« «nsgu[prechcn." Als Me Erinnerungen an Prosch(urow auf sie einstürmen, bricht sie in krampfhaftes Schluchzen aus. Auch im Zuschauerraum wischen sich viele die Tränen aus den Augen. Diesen entsetzlichsten aller Pogrome leitete mit SiSHtiü Hau- Cemajenfo, Ilnt?rsühver Prttjuras, bst dem Petljura auch wohnte, als er zwei Tage später in Proskurow einzog. Eine Deputation von am Leben gebliebenen Juden wies er von der Türe. Am ersten Pogromtage wurden dort 1600 Tote ge- IMM ALM» ößiunttr MM. üraum ltnD Kinder. Vor dem Massenmorde zog er von den Juden 300.000 Rubel ein. Die Peinigungen, denen man die Opfer aussetzte, lassen sich nicht schildern. — Der Zivilkläger sucht den gewaltigen Eindruck dieser Schilderung daburch abzuschmächen, ixijj er all Die je EfN^eshejfM gibt, aber bestrswet. Laß sie Petlsuka verschuldet hatte. Es wird dann der bekannte Rechtsanwalt Schloßb e r g vernommen, der frühere Vorsitzende der Petersburger Jüdischen Gemeinde. Er hat die Gewißheit, daß jede Regierung bei einigem guten Willens Pogrome rhmdern kunnj er songk kksWöktn^ m MMlOllN Nicht als Agent der Tfcheka gehandelt hat. Von gleicher Bedeutung sind die Aussagen des folgenden Zeugen, Wladimir T i o m k i n. Er sagt: „Ich habe alles in der Ukraine miterlebt, bin in der Ukraine gebaren und erzäßen und Wfj Petljura für Dit Pbg r o m e v e r a. n t w o r t l i ch i st." Der Name Petljura war gleichbedeutend mit Pogrom. Er, Tiomkin, selber, habe ihn als Vertreter der Judenheit bei seinem Einzüge in Mew begrüßt. Er führte auch die Deputationen an. ütö nach üön in Isträssüröm unh bei Petljura vorstellig waren und wisse, wie leicht es Petljura in der Hand gehabt hatte, die Schrecken zu verhindern, aber er tat nichts. Die Militärmacht verhinderte alle Untersuchungsarbeit. „Ich stehe schon nahe am Grabe", schließt Tiomkin. ..und m&rb>& «uf keinen ltt[HüIdißeü einen Äe!n werden, kd) plädiere auch nicht irgendwie für Schwarzbart, aber die Tatsache, daß Petljura die Judenmassenmorde aus dem Gewissen hatte, läßt sich nicht wegleugnen." Die Verhandlung von Dienstag abend brachte eine Sensation, SN MsSM SerlrlMfltr. Erle nach Vernehmung Leo M o tz k t n s und Jakob S ä f r a s, auf die weitere Zeugenreihe verzichten zu wollen für den Fall, daß auch die Gegenpartei die wertere Zeugenliste streicht. Damit erklärt sich die Petljura-Partei ein- Dtrftßnüm. Ls wurLsn nut» «sch mmmmm U* Historiker Elias Tscherikr> w,e r, Verwalter des histori- 'chen jüdischen Archivs, der mit Zahlen und Daten die unbegrenzte Machtsphäre Petljuras nachwerst, ferner Leo M o tz k i n, der ebenfalls das Resultat seines Studiums der Pogromgefchrchte mitteilt, und zuletzt Jakob Saf ra, DßF fflit 'fliilJflHÄH 2Ü10'ltt £li{ehest mu^ie, xolf man Sohn abschlachtete. Er ist de>r einzige von den Zeugen, der sich nicht auf eine Anklage gegen Petljura beschränkt, andern sich mit der Tat Schwarzbarts in allen Teilen ölidarifch erklärt. Damit ist die Zeugenvernehmung abgeschlossen. Am Mittwoch Morgen wird der Abschluß der Zeugenvernehmung mitgeteilt und den Geschworenen die Schuldfragen vorgelegt. Darauf beginnen die Plaidoyers.