Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1927)
- Date
- 1927-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3 November 1927, Leute, die Religion im Herzen tragen und die sich nach Befriedigung ihrer religiösen AspiratiojKft |e^nenj jeboc^ leibcr.fein Mittel, diese Sehnsucht zu stillen. Da die Eltern?!e ln völliPk Unwissenheit in den jüdischen Disziplinen aufwachsen ließen, so geht ihnen oft genug selbst die Kenntnis der hebräischen Sprache ab und aller ZyWWOW WS stk Wtz?. "?? mc1öttlsches Geplapper. Hat man bei einer Anstandsvisite im Trauerhaus zufällig einmal Thoraworte vernommen, so erhält man oft den Eindruck, daß jbl Lehrer dort sein Pensum nur absitzt und man Milö fött!)öNN llö ötll intelligenter junger Mensch eme Ahnung!avon ^WMeN, wellh Wyergleichlily hoher Kulturgehalt dem schriftlichen untz münt>liljen Söfetüöfi innewohnt, wie soll er da Verständnis für die Eigenart des Talmud, des SchullHaN AlUch UNd der religions-phüofophifchen stWW nen?! Wundere man sich unter solchen Umständen nicht, wenn man sich dem Sonntagsgottesdienst zuwendet, der z.> B. in Amerika von vielen Tausenden besucht wird. Die Predigt eines gefei-ÄR Mmu, Drp[ unß üomcnöjBF mn ms Anziehungskraft, zumal geschäftlich der Sonntagsgottesdienst viel bequemer M und übrigens zugleich'ein Konzert oder gar eine Schaustellung ersetzt. Auf die Dauer hält jedoch die Stimmung NW lllf UW Dkl Ml!! erfennt nur allzubald, daß bloße Phrasen den Hunger der Seele nicht stillen und daß eine Form ohne Inhalt keinen wahren Wert darstellt. Statt nun aber zu erstreben, die Kenntnis wahrer jüdischer Geistes- Mt ZU BÜffiCil; MM MS MistfN ba* geuer ber Seele verglimmen, paffen sich immer mehr der Umgebung an, bis der Gifthauch der großstädtischen Atmosphäre das Gemüt des jungen Menschen schließlich' ganz gefangen nimmt. Auch wenn man äußerlich sich noch Jude nennt, entjudöt MÜN innerlich' immer mehr das GssHlscht ist zur Taufe reif. Was nützen unsren Kindern die besten Anlagen, wenn sie aus Mangel an Wissen diese Anlagen falsch anwenden?! Es ist die' Unwissenheit, die an allem Schuld trägt. Wie traurig, daß unsre KlMH s?nen rvir den Inhalt der urewigen Thorawährheit vererben sollten^ in des Judentums Lehre keine oder doch nicht genügend Ausbildung erhalten, und so nur allzuleicht dem sogenannten Zeitgeist zum Opfer fallMl Ute Jugend [treOit gum Fgngkn nnh vermag sich nicht glücklich zu fühlen, wenn nicht das Bewußtsein der Lebenseinheit ihr Tun durchdringt und beflügelt. In unsrer Zeit der äußeren Umwälzungen und seelischen Erschütterungen wird die Iugmü natürlich aufZ llkMk Missen Ms wofern nicht die Thora den Lebensweg Meuchtöt, vermag sie nicht die scheinbaren! Widersprüche zu einen. Wo nicht die Thora den Weg weist, da fühlt man sich bald zwischen Extremen hin- und hergeworfen. Wo hingegen die Prinzipien W S^ora jungen Menschen leiten, da hat er es mit einer Einheit zu tun, mit unerschütterlicher urewiger Wahrheit. Wo die Thora des jungen Menschen Wesi beleuc^te-t, da gibt es eigentlich gar kernen Gegensatz zwischen Alt und ^ung. Ile Men selber werden zu Jungen und heißen w»2N •»Tö^rv und v'22 und nehmen Belehrung selbst aus dem Munde der Jugend an, achten die Ehre der Schülkr fß höH L?tk dik eigene und ^estek»en ein, daß sie zuweilen mehr von den> Schülern als von den Lehrern lernten. Jeder Gedanke wird nur auf seinen Ewigkeitswert hin geprüft und die Wahrheit wird angenommen, auch wenn sie vom Der Htt rur 9tx. 44 Steile 5 Feinde stammt. In solcher Atmosphäre suchen natürlich auch die Jungen an den Erfahrungen der Alten reif zu werden und die Ehrfurcht vor Dem Lehm ist |o pjj bk sie Himmel. Der Empfangende wird dann wieder zum Gebenden und alles beugt sich vor der ewigwahren Thora. Befehlen und Gehorchen — sie spielen auch im Bereiche der Thorawahrheit ihre Rolle, 8ist nch 82! MM Au Dir» kür und des Zwanges: Es ist das freie Unterordnen unter den Willen des Allwissenden; es ist die Freude des Schiffers darüber, daß der Leuchtda » m W« i#»'(• **s *3* """1 Oft WkM mit bs ®,H* die Hand des Vaters faßt. In inniger Freude ^.I Der W H M, mit jtton Tage neu aus der Thora die tausendfältigen. Sfbfottllllflßtt des göttlichen Willens zu erschließen. Und BeskM M '»[«« sich in höherer ©m heit auf und werden zum höchsten Akte Mnryer Freiheit. Viele Eltern allerdings glauben ihre Kinder im Geiste der Thora zu erziehen, während dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist. »h N11NN ''VSN1 ■»3157T** In Rachläff!g?eil uiii steht man oft nicht auf der Höhe der Zeit, unsrer Generation die Thora richtig zu interpretieren. Unsre Religion bedarf sicher nicht erst der wissenschaftlichen Stütze, um dennoch als absolute Wahrheit zu geltet?. (Fortsetzung folgt.) wichtiges Arbeitsgebiet der Fuxenunterricht, der die jungen Akademiker mit den Grundfragen der jüdischen Welt- und Lebensanschauung vertraut machen soll. In einzelnen Bereinigungen wurden auch spezielle Arbeitsiurjt „Mjalicli; j* mm itt UM Hl ®EMli®tf su reUgwjen Reform im neunzehnten Jahrhundert eingehend behandelt, in Hamburg die Geschichte der jüdischen Pädagogik und Erziehung. , . > Dn berr Schiurirn wurden zudem dis Bundesbrüder an die Quellen des jüdischen Geisteslebens unmitfelfö herangeführt. Hierbei stand das Talmudstudrum im Vordergrund. Seiner Förderung dienen auch die vor wenigen Wochen in der Sonderschristenreihe des Bundes ämm .Mräi wr IlllltildP von Dr. Simon Schlesinger-Mttst MRH Kl JÜJlJIlffiB der Methoden talmudrschen Denkens und Lehrens vertot {'tflit’ii ei« üorrezponäenre» « nacftricbten. ^CUtidbc» Aus der Tätigkeit des Bundes jüdischer Akademiker (B. I. A.). Berlin, 31. Okt. Die Aktivität des Bundes hat irr der letzten Zeit eine merkliche Belebung erfahren. Die Arb^tssteube, & döL Leipziger Bundestag von neuem geweckt hat, hat die meisten Bundesvereinigungen zu intensiver Tätigkeit angespornt und erfreuliche Erfolge gezeitigt. Dabei ruht ^l^wer^eroic^t rtat^> mie vor uuf ber Pflege der jüdtschött Wissenschaft. Die Drnchte, W einzelnen Orten vorliegen, enthalten eine stattliche Zahl interessanter Vorträge, die zu anregenden Diskussionen führten. Die folgende Auswahl mag zeigen, welche ProllUlll? tzg? des jungen Afabemi fe r s itn öergaugenen SöttiMk »ÖP allem WeMUI Religionsphilosophische Themen: Ueber Breuers „Die Welt als Schöpfung und Natur" (Marburg und Erlangen); Von der Philosophie Hermann Cohens (Berlin) Die Philosophie Jehuda Halevys (Marburg): Die 19 Briefe 88« (§. U. Birfdi (WlW: Religwnsverglerchöttde ThSMSN.' ChNftMiUM UNb Judentum; Islam und Judentum, Buddhismus und Judentum (Erlangen, Berlin und Frankfurt). Historische Themen: Das Judentum im Schotten des Öfefcft. MMMM MlMWji FTW M«nksurt); Wahrheit über Emden-EtbSttschltz (FranksMi); Ueber Moses Mendelssohn (Hamburg). Allgemeine Themen: Die Führerkrise (Frankfurt); Derech Erez (Köln): Das Wesen der jüdischen Aesthetik MusikällschsL unö mMöfiis Mßtni Du KE mann von Venedig im Spiegel der Kulturgeschichte (Berlin und Erlangen). Zu den Vorträgen trat als zweites und nicht minder mg geben. Mediziner und Chemiker des Bundes leisteten zu- Ilm 8t MMMNIWIM L W!Wß wertvolle Dienste, indem sie in Fühlungnahme mit der Nahrungsmittelkommission der „Vereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" halachischen Stellen die naturwissenschaftlichen Unterlagen bereit stellten, Kk für imflf erprberfi^ roaren. Doch neben der wisfenschastlichen Arbeit wurde die Pflege der Bundesürüderlichkeit nicht vergessen; denn nur durch die Schaffung eines gesetzestreuen Milieus vermag der Bund feine hohe erzieherische Ausgabe zu erjnlten. Aus ber grofjen Reiche geselliger DekanstaltUNgen sei nur das zwanzigjährige Ms'tungsfefl Rarburger Vereinigung erwähnt, das im Juni ds. Js. im größeren Rahmen gefeiert wurde. Daneben gewinnen die wirtschaftlichen Fragen immer ine^r an Bebeutung. Um ber Not ber Studentenschaft wirksamer als zuvor zu begegnen, wurde aus Leipziger Bundestag das Zentralwirtschaftsamt mit dem Sitz in Frankfurt a. M. begründet, das auch einen akademischen Stellenmarkt unterhält. Der Bund hatte im Sommer eine beträchtliche Zahl von $U«nmeßrni3i8 zu BOFiitöMi. U Ms »r ten, daß der Zuwachs auch im Winter nicht ausbkeiben wird. Deutsche Stimmen zum Schwarzbartprozesse. 25 e r I i n , 27. Qkt. Die Berliner Presse äußert sich vAfach zu dem ifrtsU. „Berliner Tageblatt" hält jeden Mord für ein Verbrechen, der Fall Schwarzbart macht davon keine Ausnahme. Aber hier wie überall ist nicht allein die Tat zu werten, fOnÖErrt 8UE 8ff ^‘eroegg^anbr aus bem sie wuchs. Der Prozeß gegen SchMrMN erinmn m den gegen den Mörder Talaat Paschas, den Armenier T a i {i r i a n : wie damals in Berlin, so haben jetzt in Paris die Geschworenen die Schuldfrage verneint. Ihr MUsvrultz faim IlW 8fü lllüskffch^ bnn Huben, buh Schwarzbart unschuldig föl! Sk ist Mp AUSMUlt drs menschlichen ^Empfindens, daß hier sterbliche Menschen nicht Richter sein können. Racheakte, die sich von dem düsteren Hintergrund so furchtbarer Erlebnisse abheben, wie sie die Armeniermetzeleien und die Petljura-Pogvome Mä, mm. naß rimmm DiMtr m M«sv bb- Mörders wie des Gemordeten hie Schuld idi ZMaltökS steht." — „Voss. Zeitung" stellt fest, daß sich in den letzten Tagen der Prozeß immer mehr zu einem Prozeß gegen den ermordeten Petljura auswuchs. — Die übrigen Heilte» Mm m Mt öas urteil Mt kMNMllM.- Die alldeutsche „Deutsche Zeitung" nennt Schwarzbart „eine der gemeingefährlichen Kreaturen des Judentums". Von» ‘Rat des Preußischen Landesverbandes. Berlin, 31, Kkt- In der gestern stattgehabten Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes berichtete Dr.