Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1927)
- Date
- 1927-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450486--74425-2531897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f o mmmtim Kunst und Volksbildung die Ermächtigung erteilt habe, die von dem Vorstand durch Eingabe vom 24. September 1924. nachgesuchte Genehmigung jjMf Erric^tun^ einer privaten höheren Lehranstalt für Knaben, sowie einer foMjen für 2Jlo$= chen auszusprechen." Seit diesem Tage ist das bis dahin nur tolerierte Schulwerk unserer Gemeinde zu einem konzessionierten, mit all dessen Rechten erhoben und ihr Realgymnasium sowie ihr ÜWUW sind bshörMch als private Merk Lehranstalten im Sinne der Verfassung anerkannt. Nun ist mit dem guten Ergebnis der Prüfung am 29. März ds. Js. auch noch die letzte Hemmung auf dem Wege zur Anerkennung als Rollanstalt ausgeräumt, und es wird nur an den Eltern unferer liZffW, ffllA jlQ Dtß WlMllll der Vollschule auch auszunützen wissen und ihre Kinder bis zum Abiturientenexamen die Schule besuchen lassend - > Ueber die durch die allgemeine Wohnungsnot der Schulentwicklung gesetzten Schwierigkeiten ist kurz bereits oben berichtet worden. Aber auch auf diesem Gebiet konnten wir die Erfahrung bzstätigt sthön, daß stetg, wenn Die Mt m graten, die Hilfe Gottes am nächsten war. So gelang es uns in der Sophienstraße 18-19 (Handwerkerverein) Schulräume zu erfassen, die zwar idealen Ansprüchen gewiß nicht genügten, aber MigfÄ für otntge Ahrs ein Hufatmen w. statteten. Im vorigen Jahre konnten wir diese Räume gegen geeignetere, in der Neuen Schönhauserstraße 13 eintauschen, die, von kleinen Unebenheiten abgesehen, doch unseren bescheidenen WimschM sallfländlg MIMN und llkll Nklll" gymnasiumklassen ein ausreichendes Asyl bieten, bis es m. G. H. recht bald uns gelingen wir-d, ihm auf unserem Grundstück Siegmundshof 11 die dauernde Stätte zu bereiten. Dieses Grundstück mit dön darauf dkfiudlichen BMlWkitm (Atelierhaus) hat die Gemeinde im Jahre 1924 in der ausgesprochenen Absicht erworben, dort ein Zentrum für das Gemeindeleben, das, wie überall in den Großstädten, unaufhaltsam in der Richtung nach dem Westen ikM MsEustsi in rechtzeitiger Vorsorge zu schaffen. Trotz großer Schwierigkeiten konnte inzwischen dort bereits ein würdiges noiDjr rpn und ein Lehrraum errichtet werden^ vor allem aber tonnte unser Lyzeum, nachdem durch! umsangretche Umbauten und Neuanlagen dort allen schulhygienischen und schultechnischen Anforderungen genügende und oollausreichende Schulräume geschaffen rvaren^ als erste unserer Schulanstalten dort seine dauernde Unterkunft finden. Am 18. 8ktober 1926 fand die Einweihungsfeier im Rah- Alrinrs AnMston. Die jüdische Stadl bei Samarkant. Im Hause von Herrn Dr. Mark Wifchnitzer und Frau Dr. Rahel Wischnitzer^Vsrnstsln zu Berlin-Grunewald berichtete der bekannte Änthryxolo^e W Leningrad« r Akademie der Wissenschaften, Professor Wischniewski, vor einer wissenschaftlich interessierten Gesellschaft über die mittelasiatischen jüdischen Gemeinschaften u*ö mMlmMw iifter einen llftUsonüM Mischen Stamm, der mehr als 10 000 Seelen zahlt und iv einer der Vorstädte von Samarkant eine geschlossene Gemeinde bildet. Prof. Wifchniewski. hat unter diesen Juden anthropologische Messungen vorgenommen, fand fjf sich rassisch nid^t viel omt ihrer Umgebung Unterscheiden; vorherrschend ist bei ihnen jedoch der armenoide (hetttische) Typ. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß dieser jüdische Stamm zu den ältesten Einwohnern des Gebietes gehört und wahrscheinlich seit mehr als 8000 ZMkN Akk lM, Für diese Annahme spricht insbesondere ihr Dialekt, TäLschjtlsch, Ä5 Sprache der llrs einwohner des Landes, während ihre nichtjüdssche Umgebung Usbekisch spricht. Diese Juden leben meist von Handwerk und Handel; ihre Verhältnisse sind sehr dürf- Ug. Jetzt macht sich unter ihnen das Bestreben bemerkbar. zur Landwirtschaft ädergugkhen, Gr-b ein Der Israelit men einer sehr schön.verlaufenen würdigen Schulfeier statt, die ihre besondere Note durch die vom Herzen kommenden und zum Herzen gehenden Vegrüßungsworte des Vertreters der Regierung, GshsMkllt Israel. W als ein liÄf haschem im wahren Sinne des Wortes gewertet werden dürfen, erhielt. Mit zwei Klassen und etwa 100 Schülern und Schülerinnen vollzog am 2. Mai 1919 unsere ÄÜllllk stzskss Eintritt ins Lebens arn Beginn des neuen Schuljahres wird die Gchulbeoölkerung ln 14 Grundschul-Volksschulklaffen, 7 Realgymnasialklassen und 6 Lyzealklassen auf das Sechsfache der Anfangszahl angewachsen sein. Das Lehrerkollegium, das damals aus 3 Köpfen (Sinasohn, WlelllllG MI8 yttr Vxüll) besinnd^ ist «ns 34 Lehrkräfte gestiegen. Diese Zahlen führen eine beredte Sprache; sie beweisen, daß unsere Schulen und die Gedanken, denen sie dienen, in Herz und Sinn unserer Gemeindemitglieder und über kftm KxM Waus, sich ginen Wen Matz gxworben haben, so sehr, daß heute schon keines von ihnen, sich unser Schulwerk aus dem Gemeindeleben wegzudenken vermöchte. Von diesen Sympathien getragen, wird es der Gemeindeverwaliung tottffl IMS? MM, Ölö Wßß UNkl schwere Aufgabe, die ihrer in dem Weiter- und Ausbau des Schulwerks noch harrt, zur glücklichen Lösung zu führen. Und der Stern, der über dem großen Werk vom ersten Tage des Beginnens ^is güR üfljjß MßllMßt fyQt* er wird mit seinem hellen und warmen Licht auch den Weiterweg begleiten: Das unerschütterliche in die Gnade Gottes, die ihre Hilfe nie versagt, wo reinen Herzens reine Tat unternommen wirö! Einiges aus der Entwicklung der Schulen. Von Schulleiter Jl. Schlesinger. Am 15. April 1921 trat der Schreiber dieser Zeilen AsNs des Schulleiters der Volksschulen der 2ld«ß JisroelgemÄnde an. Zu seinen wesentlichen Auszakrn gehörte es, die vorhandenen, verheißungsvollen Ansätze so weit zu entwickeln und auszubauen, daß der gesetzlichen Genehmigung zur Errichtung einer höheren Lehranstalt nichts mehr im Wege stand. Dank der hingebsndsten Mitarbeit eines schaffensfreudlMN Lehrerkollegiums «nk kr LzMMssK imfsrgr Patronatsgemeinde ist diese Aufgabe gelungen. Zwei staatlich anerkannte höhere Schulen — ein Realgymnasium für Knaben und ein Lyzeum für Mädchen — bilden heute neben den beiden achtstusigen Volksschulen W MllMMM m WUlMM ffi Jisroelgemeinde. Sinn und Bedeutung erhielt diese glückliche Entwicklung aber nur dadurch, daß der jüdisch-orthodox weltanschauliche Charakter dem gesamten Schulleben den Stempel aufdrückte. Ringen unsere jüdischen Lehrkräfte mit den Schwierigkeiten einer modernen Methodik der I88ss8stn um bei ber lieb erlafttmg ber Schüler mit anderen Unterrichtsstoffen ein mügliclist weües Gebiet der jüdischen Wissenschaften in 'Klarheit za erkulturell eigenartiges Leben, lassen ihre Kinder im „Cheder" erziehen. Jetzt gibt es auch einen Ansatz für' modernes Schulroesen. In ihrer Kleidung unterscheiden sie sich von den übrigen Einwohnern des Landes, die Männer tragen einen langen „Chalat" und statt des Turbans der übrigen Einwohner ein Käppchen. Die Frauen bevorzugen bunte wallende Gewänder. Die Zusammenpferchung in dem Vorstadt-Ghetto war bis zur Revolullbö siLWillW. Sann dis Stiften Mm öi§ ftttftm unter Ausnahmegesetzen. Rach der Revolution haben die Juden Freizügigkeit erlangt. ^w*on*ws wow Kcnke i« Ztegensvurg). Zum Tode des Dlfchofs Exzellenz Antonius oonE'enie in Regensburg erinnert die .Deutsche Israelitische Zeitung" daran, wie der Ktrchenfürst wiederholt dev Anlaß wahraenommen hatte, den Juden Liebe zu zeigen und Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Am 6. Februar 1907 fand die Inthronisation des Bischofs 8. gerne ln RMNsöurg All. llMkr m B8M«° tionen, welche damals im Dischofspalais ihre Glück» wünsche darbrachten, befand sich auch eine solche der israelitischen Kultusgemeinde, bestehend aus Herrn Distriktsrabbiner Dr. Meyer s. A. und Oberlehrer Max Behr. die vom Bischof mit besonderer HerzliMett emnfanaen ivllrllkN:?IUS M sinn anderen wichtigen Gslszenhbit zeigrs Bssrhvf AMüillus von Henle seine judenfreundliche Gesinnung. Es war anläßlich des Beillsprozesses im Jahre 1913, als er auf Veranlassung des seligen Rabbiners Dr. Meyer in einem Schreiben an den Lyzealrektor und Geistlichen Rat>Dr. Schonj in Regensburg sich auf das gegen dir QUiMlmßtblilm lllMmaG ___Rr. 44 Seite 3 schließen, suchen wir in die Vielheit aller Fächer unter dem Gesichtspunkt jüdischer Lebensbildung eine Einheit zu bringen, so lag uns auch vor allem die praktische jüdische Gesamterziehung am Herzen. Unsere Schüler sollen lernen, wie sie in dem Zeit- und Ortsmilieu unserer Sjeimat t^oratreu bertferx unb feben Cönrten, tot« sie alte Me Errungenschaften unserer olekgefialligkn Knsiür ltt diesem Sinne formen und in dieser Gestalt sich zu eigen machen können. Gott sei Dank, wir glauben auf dem rechten Wege zu sein. Jüdisches Leben pulsiert in unseren Schulen. Der Stimmungsgehalt unserer jüdischen Lehrstunden, der rege Besuch unserer freiwilligen jüditi)rn MWitlggZkUM Ar MsMM e*besb*ätigutt§ unserer Klassen zur Linderung jüdischer Not. die gelegentlichen intimen Feiern einzelner Klassengemeinschaften bei feierlichen Anlässen des Jahres, der andachtsvolle Verlauf unserer täglichen Morgengottesdienste für Schüler, das quellende jüdische Leben in unserem eigenen Ferienheim — sie alle sagen uns, unser Schülergeschlecht roill jüdisch ssirt und blsibsn. steht fest Ltuf dsm Urgrund unseres jüdischen §e!ns unk wirk iljm auH im ÜSftflll nicht untreu werden. Der Aufbau unserer Schulen war sehr gehemmt durch den Mangel an jüdisch-orthodoxen Lehrkräften. Vielfach mußten wir christliche Lehrpersonen emstellen, die sich aber dein Gesarutgeist der Anstalt Zut angepaßt haben. Zur Zelt dcsteht das k-p üshesefchast aus: 12 akademischen Lehrkräften, 10 Volksschullehrkräften, 12 nebenamtlich beschäftigten Hilfskräften. Die Schülerzahl verteilt sich auf die 4 Anstalten in folgender Weife: Realgymnasium 147, Lyzeum 129, Knabenvolksschule 203, Mädchenvolksschule 108. Aus Mangel an Unterrichtsräumen sind in den unteren zwei Jahrgängen die Knaben und Mädchen getnsinsarn unterrichtet morden 8fc Wilschütr WkWWwg, mW aus inneren Gründen im April 1926 aufgelöst wurde, konnte in diesem Jahve in einem besonderen Mietsraum in der Wullenweberstraße mit dem ersten Schuljahrgang wieder eröffnet werden. Die Veranstaltung gröberer Feiern, zu denen wir kU Merüschasi ««[isi? WnlWNINlM llMss Limiten, war durch das Fehlen einer eigenen Aul« sehr erschwert. Zweimal hielten wir vor breiterer Oeffentlichkeit größere Chanukkahfeiern im Lehreroereinshaus ab; bei Gelegenheit der Einweihung unserer neuen Lyzeumsrüume versammelten wir uns mit einem Teil unserer Eltexnschllst in fter TllmWk unskkkS. kigknm Mundstücks zu einer erhebenden Fe,>ek. Von Beginn der Schulgründung an lag uns das körperliche Wohl der uns anvertrauten Schuljugend warm am Herzen. Ein Schularzt, unterstützt von einer Schülpflegerin, steht dem Lehrkörper beratend in allen Fragen fter MlllgklllüSUiMWk zur Seite und beaufsichtigt die körperliche Entwicklung der Schüler. Wir find uns aber auch bewußt, daß die Schule, die das wirtschaftliche Elend großer jüdischer Kreise in ihren Kindern täglich vor Augen sieht, jüdisch-soziale Pflichten zu erfüllen hat und anregend und helfend das Problem der jüdischen GrotzstadtjUMNd seiner Lvsnng naher bsitzAL« Wüst. Konnten wir in den ersten Jahren der Nachkriegszeit dank des verständnisvollen Entgegenkommens unserer Glaubensgenossen auf dem Lande jährlich 70 erholungsbedürfttge Kinder in Hessen während der Ferienwochen Uttietbringen, so brachte UNS die allgemeine Not der Znslaiien^aPv Mi MM [ÄH KölW M WWkN Gastfreundschaft zu Gunsten unserer Schüler. Unter dem und sie als ..eine der traurigsten Erscheinungen von Aberglauben" bezeichnete. Das betreffende Schreiben lautet: Wol^garrg, 1. Nov. 1913. Hochwürdigster Herr Prölälj Ich darf Sie wohl bitten, mir den Gefallen erweisen zu wollen, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Meyer, mit dem Sie seit Jahren in den freundlichsten Beziehu gen stehen, meinen ganz ergebenen Dank für die gütige Zusendung von einigen Nummern der nDenlsrhrn Israeli lisch en HessüngE übe?mittslst imß ansiigen zu.wollen, daß ich in der Fsrage des sogenannten ,Ritualmordes' selbstverständlich aus dem Standpunkte der Päpste stehe. Ich glaube, daß man es bei dieser unwahren Beschuldigung mit einer der tiammm mmmwsn psn MeWauben zu hin hüt. Es baden ja auch auf christlicher Sette, und darunter namhafte katholische Gelehrte konstatiert, daß aus dem Talmud absolut nicht zu beweisen sei, daß den Juden der sogenannte.Ritualmord" gestattet oder gar geboten sei. Ich darf wohl erwarten, daß Herr Prälat dieser meiner ergebenen Süll §$9Hß URft ftfllftlUDQ 11(511 Süll sprechen werden. Mit hochachtungsvollem Gruße aufrichtig ergebener aez. Antonius. Bischof von Regensburg." Schttetzlich ijfti Autönlüs »5« Äusls ftß® im Jahre 1922, also zur Zeit der schlimmsten Judenhetze, gegen den Judenhaß Stellung genommen. In einem Werk »Deutscher Geist und Judenhaß", welches der Dolkskraftbund (Vorsitzender Dr. Bruno Wille. Friedrichshasen) 1922 herausgegeben hat und weWkS «AküMLstSk» MMUdifr^er Hettgenosten"