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Der Israelit · 1927-11-03 · Heft 44 (3.11.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 44 (3.11.1927)
Date
1927-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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r fi-r.r „yi-j* Sette 2 Nr. 44 Der Israelit j 3: ^WkS Ml Wochenrundschau. Im Widerstreit der Mächte in Ungarn Druck löst Gegendruck aus, Heißt es anders- WS. $rt U n g a'r n iöfie ber ^ßtile zur Gerechtigkeit, der erste Schritt der Regierung, ein jahrelanges himmelschreiendes Unrecht gut zu machen, einen Gegendruck aus, der schon beinahe an die Haßwellen in den ersten Jahren nach Niederwerfung der roten Herrschaft erinnert. Was ^aben öie jübifchen Ttubenten verbrochen, daß sie aus den Hallen der Wissenschaft hinausgeprügelt werden; was haben die jüdischen oder jüdisch aussehenden Schauspieler und Zuschauer im Nationaltheater Uebles begangen, tzgtz J]£ tzNkH Mdaufzenen am Spielen und Schauen verhindert und unter Beschimpfungen und tätlichen Angriffen durch die Straßen gejagt werden? Eine Gefahr sei im Anzuge, und diese wollen die jugendlichen VaterlandsrMH UMkk MWrUllg lMlMlMer Judenfeinde, abwenden: der Numerus clausus soll abgebaut werden. Noch ist in dieser Sache de facto nichts geschehen. Bethlen, der Ministerpräsident, und Klebelsberg, der Kul- '»EinM, Lkk zlklA RlcvklÄttg, Der fstnerpit in Senf manches versprach, was er in Budapest nicht hielt, haben eine Abschaffung dieser Bildungs - Tscherta in Aussicht gestellt, und dieses Versprechen auf lange Sicht genügte schon, die suf öik gftaie mm Die 3uDen zu drängen. Wer wird im Widerstreit der Mächte in Ungarn den Sieg davontragen? Es ist keine jüdische Frage, sondern im ersten und letzten Ende eine Schicksalsfragefür Ungarn. herrsch; \j\ ZUtzMsl MlD IN DkklMM Die Regierung oder die Straße? Abgeordneter Rass a y richtete diese Frage in anderer und schärferer Formulierung im Abgeordnetenhause an Volksvertreter und den Regierungstisch. Dort sah der Zuständige und VMiMMW, Der KÜttusmiNlster Klsbslsberg, Und er versprach die schärfsten Maßnahmen gegen die Rädelsführer und unentwegte Einlösung des von der Regierung gegebenen Wortes. Noch sind diesen Worten keine Taien gesoigi, es sei denn neue Ausschreitungen an der Universität und auf der Straße. Wie bei uns in Deutschland und anderswo sind es auch in Ungarn die dunklen Elemente aus der versunkenen alten Welt, die sich diese Hochkonjunktur ttiäji; eiligeren (affen unb aus ber „Volksbewegung", Kapital zu schlagen suchen. Der ungarische Ludendorff heißt Erzherzog Franz Jos e f, der an der Spitze der nationalistischen Förderation „Tesz" die Protestbewegungen gegen die gehanten NksvMW LMNlslM: Dtt MdR Der philosophischen Fakultät, Professor M e h e l y, sabotiert die Regierungsmaßnahmen in der Weise, daß er die Erlaubnis zur „Legitimierung — das ist das gebildete Fremdwort für die Feststellung> Verdrängung und Mißhandlung der jüdischsll ^Mütiistonen — gibt. Aas weiß Klebelsberg ganz genau, denn er beklagt sich darüber im Abgeordnetenhause. Von einer Maßregelung des sonderbaren Philosophen ist aber noch nichts zu hören. Das ist die Frucht des Hasses, ^ür die man in öä^reu bes Ausschlusses die Saaten fleißig in die Herzen des Volkes auf der Straße und den Bildungsstätten gesenkt hat. Wir wollen bei allem und allem hoffen, daß aus diesem verzweifelten Kampfe der Mächte dg§ sjWNö hervorgeht, was man in Europa, zu dem sich ja auch Ungarn zählen will. Recht, Moral und Sitte nennt. Abrahams Wanderung. Wandere fort, zu deinem Nutzen und Frommen. Nachdem Awrohom aus dem Glutofen seiner Verfolger durch Gott errettet worden war und nun gewiß unter allseitigor Achtung friedlich irn Lande Mühllöll KökMts, Rjm Gast, biefes Land zu verlassen und ein neues Volk in neuem Lande zu gründen. Nachdem Jahrtausende später im selben Lande Chananjo, Mischae! und Asarjo als erste jüdifche Märtyrer aus dem Glutofen ihrer Verfolger durch Gott errettet worden waren und nun gewiß unter grotzen Ehren WtzjiH im LlüM IDöDlM konnten, — wohin entschwanden sie, daß wir nichts mehr von ihnen hören? Raw antwortet p-nnjo) r'x): »Sie starben am bösen Blicke', nämlich der Feinde, die ihnen die wunderbare Errettung nicht gönnten und ihnen das Leben nachher noch mehr als vorher MSöSl IMMM- QßmuzlantmmM (tWi »Sie vrischwanven im Speichel*, d. h. entzogen sich der OesfrntNchkett jenes Landes, in welchem sie so oft die Worte hören mutzten: .Solch wunderwirkenden Gott haben die Juden und sind ihm nicht alle treu". Rabbi Jauchonon aber antwortet: „Sie zogen nach Erez Jisvoel und gründeten dort Familien" roetl, Der SuBauiitftfjer ReSöe. Ein Opfer der bolschewistischen Religionsverfolgungen in Rußland, sollte der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Schneurson, Nachkomme des bsn irann und selbst ein Führer von großem Aus- M? Un SJeirbrecljer in bie Verbannung gehen. Sein Verbrechen bestand darin, daß er in Rußland für Thoraschulen und Jeschiwoth gesorgt und gesammelt hat und seinen nach Zehntausenden zählenden Gläubigen von seiner Kraft (Jßf), sie Misten im roien Tolus stark blieben und ausharrten. Wie sein großer Ahn vor anderthalb Jahrhunderten konnte er endlich mit Hilfe Gottes und dank der Aufopferung seiner Freunde, vorab des verdienstvollen jüdischen De- MtMkSN in üsttlättö, D ü b \ n , betn Verhängnis entgehen. Aber in Rußland war seines Bleibens nicht mehr. Er kam nunmehr nach Riga, wo er, von der jüdischen Bevölkerung mit Jubel ausgenommen, vorerst dauernden Wohnsitz nehmen mtrö. In den Kelch der Freude über die Errettung mischt sich der Wermutstropfen der Trauer um die russische I u d e n h e i t, der die festeste steistige und nMAlisHk Mütze in Den Mm schwerster Not und bitterer Versuchung genommen ist. Wer wird den wegen ihres Glaubens und Treuhaltens zur Fahne der Thora hart Bedrängten ferner Mut und Kraft einflößen? Wer wird die Kinder samMsi UM sie Mtt Wmn zu« fuhren? Wer wird die Alten trösten und die eben ihr Streben nicht nach autzerjüdischer Anerkennung ging, sondern ausschließlich nach dem friedlichen, jüdischen Leben. Jugend anfeuern, nicht ihr Bestes dem lockenden oder drohenden Leben preiszugeben? Wer wird ferner den- Anstürmen der roten Flut gegen Bet-, Lehr- und Familienhaus sein mutiges „Und Munch l" mtgsgmsstzMl Riga und Lettland haben viel gewonnen, aber Moskau und Petersburg haben Unermeßliches verloren, den Führer am Steuer, just da das Schiff in größter Not ist. Die räumte EntftssiWg ist mx nicht llllzugroß, und man darf hoffen, daß er nach wie vor in Fühlung mit der russischen Judenhett bleibt und seine starke Hand sie weiter leitet, bis zur Stunde, da auch die Feinde rechts und links Vernunft annehmen und einsehen, daß ein Kampf gegen die fische UM MW LkrMrflU XXM MWblich ist. standen, in vielen Ländern Ruhe vor seinen Verfolgern und Anerkennung feiner Menschenrechte, ja stellenweise Achtung und freie Ausübung für das Gesetz seiner Väter gefunden hat, — wohin haben denn unsere Besten und Edelsten sich zurückgezogen. - TOaxnm steht so mancher MM Wische Koni nicht im Dienste des Landes, in welchem er geboren wurde? Alle drei Antworten finden in unseren Tagen Anwendung, die des 3*1, die des und die des um* 'i. 1. Sie vergehen unter Ui Mißzunft W Anderen. Wenn wir uns etwa die Frage vorlegen, weshalb die von frommen Juden verfaßten Widerlegungen atheistischer Schriften bei Nichtjuden nicht zur Anerkennung kommen, so ist auch hier Mißgunst im Spiele, Mißgunst vielfach darüber, daß nicht auch die Dogmen anderer Religionen eine lltterung erfahren haben. Oder wenn es uns.wun» dort, weshalb im innerjüdischen Kreise gar so wenig von der Wirkung jener großen Feuergeister zu verspüren ist. die uns mit dem Thoralichte das Dunkel der atheistischen Neuzeit erhellt haben, so ist auch hier Mißgunst im Spiele, die .Mißgunst jener, $>jg »on diesen Geschaffene Durch außerhalb des ThorasouveromNätskr elfes Erstelltes nachzuahmen suchten und vielfach nur Zerrbilder erreichten. 2. Sie versinken im Speichel. Wenn die Thoragelehrten der Gegenwart nicht mehr so herzliche Be- Iiehungen M MMSvifchm NllM DM GeiM Kennen Die Schulen der ZsrgMischen Synggogengemeinde Adatz- Zisroel zuWerlin. Von Dr. E. Biberfeld in Berlin. (Schluß.) Es galt nun, der fo überraschend ins Leben getretenen Schule die behördliche Genehmigung zu erwirken. Aber ehe es dazu kam, war dem gewählten und durch die derzeitige Gesetzgebung vorgefchriebenen Softem fcej ZKkWlk DM einen neuerlichen Akt der Gesetzgebung bereits ein Ende gemacht. Die Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 schuf in der Grundschule den obligatorischen, - gemeinschaftlichen Unterbau für a 11 e Schulsysteme, M tzik KsfkNttWeN Mrschulen aus und beließ es auch für die privaten bei einer nur kurzen Uebergangssrist. Alle nach dem 1. April 1921 schulpflichtig werdenden Kinder sind demnach einer Grundschule zuzuführen. An die Genehmigung gur UkNkkNMUNg einer Vorschule war daher überhaupt nicht zu denken. So blieb nichts weiter übrig, als, um zunächst erst einmal die bereits eröffnete Schule unter Dach und Fach zu bringen, die Genehmigung für eine private jüdische Grundsl^ule mit tzb^obeneg Boiksfälulklasien nachzusuchen, die dann auch nach langwierigen, schwierigen Verhandlungen am 7. März 1921 seitens des Provinzial-Schulkollegiums erteilt wurde. Und von da war es wiederum ein wsttsk itflb schwerer SBeg, ber nur burch die offenkundigen Sympathien, denen unser Schulwerk an vielen maßgebenden Stellen begegnete, da und dort erleichtert wurde, bis am 25. Juli 1925 dem Gemeindevorstand ein Anschreiben des Prüv!vZl8sichllI?)üe§iüms gugmg, bes Inhalts, „daß ihm der Herr Minister für Wissenschaft, wie Josef zu Echnaton, Rabbi zu Antoninus oder Rabbi Moses Jfferles zu den Astronomen Krakaus, so rührt dies von der BesLämuna ber. der ste aus Stift Mgk MM wollM. der FIW Dl» WHYursü.- „Wo sind denn eigentlich diejenigen eurer jüdischen Brüder, die euren erhabenen Lehren wirklich Folge leisten und den bewundernswerten jüdischen Charakter noch besitzen?" 3. Sie ziehen nach Erez Jisroel und gründen dort Familien. Gleichviel, ob sie im eigentlichen Qm 3terflßl W Dsmizil Sllsichlägeü, um tzistyrisch geweihtem Boden das Ideal der Thora zu verwirklichen, oder ob sie ein lüdisches Land des Golus aufsuchen, um in ihm Thora-Atmosphäre zu erleben. — sie betrachten sich zu allererst als Kinder des Gottesvolks und wygssi BMslMN nur «ts solche ooimuseit sein, als Menschhettspriester, zu denen Israels Söhne eingesetzt find. Die Mißgunst der Thoraseinde, — der schlechte Ruf der jüdischen Thorawächter und die Priesterschatt ganz Israels, — das sind zusammengenommen die Mottve unseres volklicherr Gonderdaseins. Die gell R MvU M immer WermuNtzW, i« «m die Hunde die Herde zusammentrieben, nur die Judenfeinde uns Gott treu erhielten. Auch die Zeit versinkt, in der nur der Anblick der völligen Haltlosigkeit unserer abtrünnigen Brüder uns vor dem Abirren vom Gottesweae bewahrte. Wir leben im Vkgmn Des von MM IauißlMün snzMittttm gettalterg. Wir brauchen und erstreben ein Thoraland, in welchem wir alle miteinander, die Starken und die Schwachen im Glauben, leben können. Wird es uns innerhalb von »*k beschert sein?

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