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Der Israelit · 1927-11-03 · Heft 44 (3.11.1927) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 44 (3.11.1927)
Date
1927-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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___ 3 November 1927 ä» vitt 6. Rlr 44= Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet non Dr_ Lehrnann In SRotm. Ja Abonnement ab Januar ISA: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausl and: Vierteltahrpreife (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berfonbes) ®ejzifc^=Öftetrci^ t SchUU«s 6.—; 1 DQllLL; Sttfildttb 4 ffi.J dB 1. Suli MM rSI^.N.SSlMk; SßlllM 1 L ihlllllM llü1:T: IT: 10 fitfB s 8888: flawlen 88 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ad 1. 7. 37.150 Lei; Polen i deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz ö Fr- Tschecho-Slowalet 88 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab I.Jutt 1827; Dänemark 3.80 Krön.;Norwegen 3.60 Krön.; Schweden 3.80 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Doldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80 Pf. Die 76 mm breite Rellamezetle r letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.: ttt Höüe etne$ bOff* ^ernbrie^ortos. SHafcatt nag Savtf. SB ei laufenbctt SnsnatäustrSMÜ isnsm, M'ttsvkqytzvss Verlag des Äsraelit <Snt. b. H., Franks, a. M., iSr. Eschenheimer Straße 33, Tel. Aäitsü 8843 Sw. durch sämtl. Annoncen-Dcped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks, eschäftsanz.: Jul. Schmidt. Üangestr. 7, ll, Tel. Hansa 4841. Platzvor,chr^ohne Verbindlich^ Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Kr. 19803. — Außerdem an:' aBar!4au 3h;. 190767. — Postscheck»»»! Zürich Sl«. VIII 7i£i — SnlaiTosSiftttl 3?ottccbattt — Postscheckamt - Flltrir ßrr üBimag LsstküMws w Aamm. ■ Du lüerMtiftanD Tür alle M8 ' rostsparkasse Wien Nr. 78805. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto ~ ■ ~1r. 24839 — Böhmische Nnionbanr in Prag — LellCL Ll-rrn-u-oscri Llsnk & Co. in lmsterdam Nr. mi SLS Ns?m?n __ __ ianca Marmarosch ] ergevenben ^ö^üragsveipfli^timgen ifi <t. $DI. Schuld und Sühne. Zum Pari s e r Urte i l. THlllLNi ist freige s p r och e n. Die Pariser Geschworenen haben menschlich gedacht und' gefühlt und menschlich Recht gesprochen. Der kleine jüdische Uhrmacher, der da vor ihnen stand, war kein Mörder, es KKV kiN fiNANWHfsl den die surl^tbare Tragödie des jüdischen Volkes in der Ukraine, dem er sich auf Leben und Tod verbunden fühlt, zur wahnsinnigen Tat geführt hat. Nicht zu v e r - z e i Heu, aber wohl zu verstehe n. Und wo be^rissen und verstanden rvird, spricht, das £) e v 3 mit, es spricht frei von subjett'wer Schuld un^ damit auch von Strafe. Wir wollen nicht so viel von Schwarzbart reden, wollen ihn nicht in die Galerie der Unsterblichen versetzen. Schwarzbart ist kein Held and kein Mäi-che^ iv ist sin Opfsr, gsnau so wie die Hunderttausende jüdischer Opfer, die uns die Pogrome in der Ukraine gekostet haben. Die wurden getötet, er tötete, das eine so tragisch wie das andere. Jakob in ErwarsstüZ ^sM§ und ban^t 15-n fürchtet", so erklären unsere Weisen und treffen damit, den Kern jüdischer Denkart, vor dem Erschlagenwerden, und „es bangt ihm" vor der Möglichkeit, in Kampf und Erregung und Not- Whx ü x s ch l a g o n i u' m ii f f e il Sprechen wir also nicht mehr von Schwarzbart, um so mehr aber von dem entsetz! ich e n D r a m a, das sich in achttägiger Verhandlung vor den Pariser Geschworenen abgeryllt hat; es geht uns, es geht Europa, es geht die Welt an. Welt über h un ö e rttf auf e n b Menschen, deren einzige Schuld ihr Judentum war, wurden in wenigen Monaten auf verhältnism ä ß i g beschränktem Ra um e.. unter I) a id t ft r a ii ö d n ö io n M i n i o u n.o ß n ß vm 8 emetze l t, Greise, Frauen und Kinder, ohne Schonung und Erbarmen. Nach acht Jahren schreit das Blut aus der Erde, und der Schrei findet seinen erschütternden Widerhall im Ge- ^chi?fllÄk &?y Lichtstadt jrn Zentrum Westeuropas. Als Ä MediZtnstubentm WM« 3mer dürfen im Gewöhnlichen ihren Nerven schon etwas zumuten —, aus dem düsteren Schatze ihrer Erlebnisse nur m großen Zügen Hl# SHöMküNtzKMksse mw§ Vik-kWkst weis sie als Mges Mädchen düSs Letzte und Grau^ nicht nennen darf, bricht sie zusammen, weinen die Richter, schluchzen die Zuhörer und der Raum ist von Schauern durchzittert. Dunkelstes Mittelalter spukt durch den Saal, die Kreuzfahrer am Rhein, und Chmelnitzki an Weichsel .und Dne^r leben aus. Und es sind doch Vorgänge, die sich in unserem Jahrhundert, unserem Jahrzehnt, zwei Tagesreisen von uns entfernt abspielten! Auch die Vertreter der Zivilklage, -die ihre Sache ganz forsch anstn^en und leiteten, werden merklich kleinlaut unter dem Eindruck dieser Schreckensbilder unb begnügen sich mit dem Nachweis, daß Petljura für all das, was sie nicht bestreiten können und möchten, nicht verantwortlich zu machen war. Aber er rv a r der Verantwortliche und der Schuldige! Vor einem!jW{{er Eer'chf fiel) die Wahrheit nicht verschleiern. Männer, wie Dr. G r ü n b e r g und Dr. G o l d st e i n , die im Aufträge von großen Organisationen die Untersuchungen an Ort und Stelle geleitet habsn.. Psrsönllchkßitßn miß SHlotzberg. der frühere Vorsitzende der Petersburger Gemeinde, und T i o m k i n , der Führer der Kiewer Judenheit, verdienen und fanden Gehör und Glauben. Sie haben alle Petljura persönlil^ gekannt, haben ihn an der Spitze von Deputationen beim Einzuge in die ukrainischen Städte begrüßt, waren nach den ersten Pogromen bei ihm vorstellig, kannten seine Machtgrenzen, i n n e r h a l b d e r e n sich die Schrecken abfiMten kannten fein lwvMleZ MM EWn, daß asse Pogrome von e! n e r Zentvcrlstelle inspiriert oder geleitet wurden, daß es nur einen Mann gab, der es in der Macht hatte, mit einer Handbewegung, der wilden Soldateska Syati zu Heien, und von dieser Macht kein.en Gebrauch machte, wiewoh! der ^sssschre! der Tapsende durch alle Türen und Fenster zu ihm drang, dieser Mann war Petljura. Keiner von ihnen billigt die Tat Schwarzbarts, aber all^ wissen sie: Petljura war der Judenmörükri Man hat rn Paris nicht über den kleinen Uhrmacher Schwarzbart zu Gericht gesessen, sondern über die traurigen Helden in der unglücklichen jüdischen Ukraine. Aber für die Rechtsprechung gegen diese toar das Tribunal u n Z u st a n d> i g. Wirb nicht dem Drama ein zweiter Akt folgen, bei dem die eigentlichen Schuldträger, im ersten Akte Kläger, auf der Anklagebank sitzen?' Wie direkt aus der ukrainischem Hölle gegen, traten in den Saal die dunklen Geister und zeugten für ihren Meister, umerfüyrer, an deren Händen das jüdische Blut klebte, die in eigener Person unter Billigung Petljuras die Schlachten gegen die wehrlosen Juden führten, standen da, hörten gleichgültig die Aufrollung ihrer bestialischen Schandtaten an, keine andere Regung im vertierten Herzen, . keinen anderen Wunsch, a!s den nach dem Eöp^e vom Wahnsinn getrieben, nach der Waffe griff. Wann und wo werden diese Massenmörder nunmehr vor aller Welt entlarvt, ihre gerechten Richter finden? Gibt es nicht so etwas wie eine ^nkernaUonale ist (Sßllf? Herrscht nicht zur Zeit in der Ukraine, der zuständigen Heimat dieser Herren, konsolidiertes republikanisches Recht unter der Oberhoheit Moskaus, danach ein Auslieferungsverfahren einge- UtM Man wird sich hinter den Schutzwall des „politischen Vergehens" verschanzen wollen. Nein, und tausendmal nein! Es waren keine politischen Vergehen, es waren gemeine Verbrechen, Massenmvrök «»s SkstMWn Instinkten und sadlstlsch^ti G^iüstsn, für die mtw nationales Gaftrecht keine Deckung bietet. Die Juden in der Ukraine, die alten wie.Me jungen, hatten nichts mit der Politik zu tun. Die Greise und Kinder, die in den Synagogen mit den Thorarv8en ^>en A!ammen!oö erwarten iini eült&IH, wußten nicht die Spur von den politischen Wandlungen in ihrer nächsten Nähe, die Frauen und Mädchen, die im Dunkel der Keller und Dach- H?^LN NM ihr? Ehre zitterten und diese heldenhAft mit, ihrem Leben erwusten, sie konnlsn lm Würfelspiele der politischen Mächte nicht zwischen Weiß und Rot unterscheiden, sie kannten nur ihr zitterndes, kleines Leben, bedroht und bedrängt von wildgewordenen Menschenbestien, ohne zu wifstn^ wLsum und rvosür. Nein, sis mawn alle samt und sonders unpolitisch, so unpolitisch wie ihre Tränen, ihre Todesschreie, ihr Anrecht auf Leben, das man ihnen mit Schwert und Dolch abschnitt. Nichts haben die Massenmorde derer,?öi> h?n ^chr^nk^ fres sparijer Gerichtes ställdM, mit Politik ZU tun. Gemeine Mordbuben sind es, die auf Grund eines internationalen Gesetzes irgendwo und irgendwie ihre zuständigen Richter finden müssen. Das Mittel, dessen sich Schwarzbart bediente, war unkaugfish. gang wn& gär rinjüdisch. Nicht Gewalt, aber Recht nehme seinen Gang, um schwere Schuld, die das ganze Jahrhundert trifft, solange sie nicht gesühnt ist, zu tilgen und dem geschändeten Menschhei>tsgevllNlkN Genugtuung gu verschaffen.

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