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Der Israelit · 1927-10-27 · Heft 43 (27.10.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 43 (27.10.1927)
Date
1927-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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^efte 2 9?t. 43 DerJsraelit 27 ’j weise, um rentaDel zu sein, aus Dsr Sphäre der rein manuellen Leistung und handwerklichen Ausübung in das Gebiet des denkenden und durch Wissen und Technik kombinierten Schaffe, ts steigen, und j o bietet sie auch für den regsamen Menschen eher ein abwechslungsreiches Arbeiten und Erzeugen als das auf Spezialisierung und Einseitigkeit eingestellte Berufsleben der Stadt.- gf ffiirö DDH allen Bitten MvllWWM, Dag die Ansiedlungsbewegung eine Sache des g e - samten Judentums ohne Unterschied von Partei und Richtung sei. Sie ist es in der Tat. Und dennoch wird das gläubige, nicht nur für Chrs und Fr-eihert der Judenl^ech sondern sür die gewissenhafte Wahrung des Gottesgesetzes eintretende Judentum, wenn es aktiv am großen Werke Mitarbeiten soll, von vornherein einige Gewähr für die Berücksichtigung dieses Religionsgefetzes bei den öffentlichen Unternehmungen, vora!r für hie Sicherung Des Sabbats, verlangen müssen. Nichts in den Aufsätzen, Vorträgen und Verhandlungen berechtigt zu einer gegenteiligen Deutung. Allein, das Schweigen über diesen Punkt genügt nicht, es muß deut- Illh llllkgösPkSch?!! Weröin. Ms ier Siek lungsplan unter jüdischen Auspizien gedacht ist. Die Berufung auf Ahlem als Vorschule und Urzelle des großgedachten Werkes kann uns hierin kaum großes Vertrauen einflößen. Der Zr^Hrecken^e öer m!t her Flucht vom Lande in die Großstadt eingesetzt Hat, ist anerkanntermaßen direkte Folge der durch den falschen Glanz der Stadt bedingten Verflachung des religiösen Lebens^ ein^ TefnndMZ Igllll llllk Mit der "Rückkehr Zur e r g e kt e n 1 ü d i s ch e n Scholle im anderen Sinne eintreten, zu einem Leben der altjüdischen, schlichten Frömmigkeit, die ihr Glück und ihren Halt in den Vorschriften der Religion sucht und findet. Unter diesen BgraUösStzllNgöN sind Im größer. Plan? Vff „Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten" auch unsere Sympathien sicher. Msch-nrundschsu. Kunst und religiöse Sittlichkeit. Im Judentum, soweit es seine geschichtliche Eigenart bewahrt hat, sind Religion und Sittlichkeit eine llttlrmnklm Eitttzsit. Die Ttzyxä anerkennt weder die Legitimität eines in Gefühlen der religiösen Inbrunst schwelgenden Gottesbervußtfeins, das nicht zugleich unmittelbares Motiv sittlicher Willensbestimmung ist, noch läßt sie die WglWM MUMM UND vlMMtm Michm Handelns ohne religiöse Motivation zu. Der Begriff „religiöse Srttttchke'lt" ist also im Sinne des Judentums eigentlich eine Tautologie: keine religiöse Regung ohne ethische Verflochtenheit, keine Ethik Dtjns rsligisss EmOlW, Siefer ©in- I) e it steht nun die Welt des A e st h e t i s ch e n zunächst in voller Selbständigkeit gegenüber, ganz aufs Schauen der Phantasie, auf Scheingefühle als Weckerinnen echter Gefühle aufgebcrsisi jedoH WMs gkttM: Den Mein für Das Sein, düs Tauchbad der Seele in schwingenden Tönen, Farben und Formen für eine religiöse, eine s i t t l i ch e Tat zu halten.' Das ist der Irrtum des antiken wie des modernen Heidentums, dem die absolut aus § j J] g % \ f ÖF811gende jüdische GotteSwährheil mit unerbittlicher Schärfe gegenübersteht. Sie ordnet d'as 3lesthetifche als zweckvolles Mittel dem System der religiös-ethischen Lebenseinheit ein, weist es aber in seine Schranken, sobald es nicht nur seine inneren Te^e, sondern auch die Grenzen seiner willen- und tatbestimmenden Macht aus sich selber schöpfen und setzen will. Wer diese Gedankengänge durchdenkt, wird die Maßstäüs unschrver getotrmer^ um gu Den Fragen Stellung zu nehmen, die n. a. im Gefolge des Habima-Gastspiels in Frankfurt vielfach lebhafter erörtert worden sind. Wir freuen uns, in einem uns sonst fern- MkMn Mf; Dem mir WlM manchmal mtW gentreten mußten, den „Blättern des Jüdischen Frauenbundes", einen hübschen Aufsatz von Elfriede Bergel-Gronemann zu finden, der ganz im Sinne der oben skizzierten überlieferten jüdischen Auffassung zu dem Problem „Kirnst und Ukjsg'wn" Stellung Nimmt, ohne allerdings dis Beziehung von Religion und Sittlichkeit mit genügender Klarheit und Vollständigkeit ins Auge zu fasten. Es heißt da u. a.: Das Kunstwerk ist in sich geschloffen, Selbstzweck, nur ganz absichtslos ist es Bote anderer Welten; ss mm nicht Nicht m Kunst, mm;; altern, als leinen eigenen Zwecken dienen wollte. Im Unbewußten liegt seine geheimnisvolle Tiefe. Der religiöse Trieb dagegen ist ganz bewußt hingerichtet auf die letzten Daseinsfragen. er entspringt der Sehnsucht nach Erkenntnis. der Sehnsucht nach absoluter Wahrheit — darum ist er in feiner Mm m sWn. Darum ist \m Mstn seibst Bewegung. Deshall» sind auch die jüdischen Religionsformen nichts anderes als Hinweise, als Deutungen, als Merkftein-e auf dem Wege. Wo Religionsformen mehr fein wollen, wo sie Selbstzweck werden, wie z. B. in der katholischen Kirche, sind sie zwar mächtige Mittel der DeelenbegwMMg, Ms feine MlWU mchl im Mischen Sinne. Auch der Natureindruck wird von den meisten Airitschen in der Art eines künstlerischen Gemeßens empfangen. Beweise dafür dürften in der Lyrik genug zu finden sein, wo die Landschaft als Gleichnis oder Gegensatz zürn eigenen Innern empfunden mirdl Auch die Erschütterung freim Anblick des Erhaben braucht noch nicht eine religiöse zu sein. Andererseits, können Natur und Kunst religiöse, religiöse Handlungen wiederum künstlerische Empfindungen auslösen -- letzten Endes ist der empfangende Mensch das Cntschsj. dende. Ein kü^liH erlebt^ Msxrki; Qmi irtunDe dlirichten üöer den gemeinsamen Anblick des abendliche,, Salzburg. Der eine: „Ich trank diese Schönheit in mich hinein. Es war ein Zustand vollkommenen Glücks." Der andere: „Ich fühlte eine unendliche Hingabe an die Güte und Schönheit des Daseins. In diesen Augenblickeil liebte ich das Gute und ich wünschte ganz tlsf. gut und rein zu fein", Ein uMM- Eins Dsrns *5$s$u gsistert von einem Jomkippurgottesdienst im Verhaust einer kleinen polnischen Stadt: „Es war ein unauslöschlicher Eindruck! Diese bärtigen Gesichter in Halbdunkel, eingehüllt in die Gebetmäntel — dieser herrliche Faltenwurf, wie adelte und erhöhte er die Gestalten! Ich werde dies ergreife rid-e Bild nie vergessen." Msk NkNiUii Beispiele lassen ganz charaktöriMsch den Unterschied plf scheu religiöser Empfindungsart und der künstlerischen erkennen: Die künstlerische erschüttert, genießt, bereiichert die Seele, erfüllt sie mit Glück — andere Folgen hat sie nicht. Die religiöse setzt die innere Ergriffenheit in Bewegung um. sie wird zur Aufgabe —sie kann also unoDlidjie DWn WM. Und hier liegt,' so glaube ich, die Bedeutung, die diese Zusammenhänge für uns haben. Vielleicht ist nichts verantwortlicher für die Verflachung unserer religiösen Kultur, die ja das eigentliche Genie der Juden war, vielleicht hat sie nickts mehr geschädigt als b i >s V s r «> c c£) s= Innn 11 H D- (B I •% t { % ij u n g von fi u n ft mf t l k g i o n s e r le b n i s . Man hat das schöpferische, aktivierende Wesen des Religiösen zu einem tröstenden, beruhigenden, Glück und „Erbauung" spendenden Mittel verkleinert, verwässert, dem Bequemlichkertskeitsbedürfnis des Menschen angepaßt. Man glaubt, die tiefe, ferrsHe ErjchäEerung her Seele, 'mie sie das reltgiöss Erlebnis ist, durch eine künstlerische Stimmung vollgültig ersetzen zu können. Jetzt, nachdem wir versucht haben, uns den Unterschied zwischen künstlerischem und religiösem Erleben in seiner Unverwechselbarkeit klarzumachen, wird erst die Frage gu ksxrffsg M, kMch MM Mittel man tt!!l Lillsr CiudrüM wlichrüsön und wacheMttsn kann — im Grunde die Frage, um die sich alles jüdische Zukunftsmühen bewegt. Denn es bedarf eines Anstoßes, die schlummernden religiösen Kräfte der Seele zu wecken. ... Es ist unsere Ausgabe, die religiösen Potenzen in unserer Gemeinschaft wachzurufen. Wie tun wir das am facfiett1? Die 23eantroortung b-iejer Frage würde im Nahmen dieser Ausführungen zu Mit führen. Nur andeutungsweise mag es hier ausgesprochen werden, daß wohl unbestreitbar die künstlerische Form, die die religiöse unterstützt, vor allem beim Gottesdienst eine erhöhte Bereitschaft für den religiösen Eindruck, eine über den Alltag erhobene Feierlichkeit schaffen lärm; daß S & % r in % in w«ila«s meisten Fällen Ö U 5 passive Glück de s K u n stg e n i e ß<e u s eine sehr ungünstige Vorbedingung schasst für das Entscheidende des religiösen Griebe ns, eben die Aktivierung der Seele. Vielleicht wäre es richtig — ich wage es auszusprschsn Wft auf Di dßfaij? fp. kunWM ml ö^ksianär zri scheinen — oi >elleicht wäre e s richtig, nach Am Anfang.'' Der erste Satz der Thora, der da kündet, daß am miam ©oft Simmel unD EM Ms, eine Aeberschrtst empfunden. denn erst der zweite Satz mit dem Akkord ^Einst war die Erde wüst und teer", leitet das Schöpfungswerk unserer Welt ein. Doch die Thora kennt keine Ueberschristen. Jedes ihrer Worte hat ap ffjltfj Slkök stM Bedklltlltta. Kein Work kann zn viel, kein Mail zu wemg sein. Wie läßt sich aber das Geheimnis des ersten Satzes enthüllen, was will er lehren? Wer diesen Schleier lüstet, erblickt sein Bild so gewaltig, wie nie ein Menschenauge schauen wird. Dieser erste Satz enthüllt schon die ganze Thora, schon jBsg M »WM GM ÜÜiI <Sou und SzWß. zu MassM vdrmog. Ein Wort nnsetec Weisen sagt: ..Gott schonte in seine Thora und schuf di^ Welt*. Die Naturgesetze sind die Gedanken Gottes; — daß aber auch der Mensch die Gedanken Gottes zu seinen Gedanken mache, dazu ward die Welt erschaffen. , Am Allsüllü D0£ iLchaffSM — IzW Am Anfang des Bd}a^mü durch die arammat'ckalisch ungewöhnliche Form des ersten Wortes *) Aus Raummangel um eine Woche verspätet. ans — ist Gott Er hat die Welt aus dem Nichts erschaffen. Er ist nicht, wie der Pantheismus lehrt, in einer ewigen Welt und durch diese aebunden, vielmehr ist die durch seinen Willen geschaffene endliche Welt gewissetma|en M jM Mtz M WkM Augenblicke ihres Geschickes von seinem Willen getragen. Der ganze Weltenplan. Himmel und Erde, stand beim Schaffen vor Gott, und Gott schuf alle Bausteine sür das Werk. Das ist die nicht auszuschöpfende Bedeutung des ersten Satzes. Dlk Qüamte fflaMiQ für KiNMl uns war ülso erschaffen und lag vorbereitet da Doch die Materie befand sich noch ungesondert in einem Ruhezustand, sie war noch flüssig, in ihr herrschte das Chaos, der über ihr schwebende Geist Gottes hatte noch keine Beziehungen zu ihr genommen. Da sogt-. Gott: Eo wem LitM", MID Mlefch Drachte die Energie in die ruhende ckaalische Matsrie Form und Zielqebung, oesialtende Bewegung gemäß dem^ Weltenplan des Weltenschöpfers. Die Energie, die Kraft, die in der Weltmafchinerie jedem Atom Zweck setzt, war in die Erscheinung getreten. Jahrtausends sind heuts seit jsnsrn ersten Tag llörffllffükl. hat rnsnfcklrcstkr Morscherdrang gestrebt, aus eigenem Erkennen der Wührbeit näher zu kommen, kraft feines Geistes den Sinn des Weltalls, der sichtbar im Sinn des menschlichen Dasems gipfelt, zu erfassen. In jeder Generation versuchten die Gelehrten von neuem den Berg zu erklirnrncn. Ansaups waren es wevtgx, tzfx 8kl?kfkD und nur inlnMoes. VraÜNttschW GchauM brachte Erkennen, denn noch mangelte es an den Hilfsmitteln, um in die sichtbare Welt einzudringen. Heute ist die Zahl der Forscher unzählig, und immer zahlreicher und gebrauchsfähigerffind die Hilfsmittel geworden, die Geheimnis auf Geheimnis der Natur ablocken. Doch die Summe all dessen, was erreicht ist, bedeutet, soweit es Tatsächliches und nicht Hupothese gibt, nichts anderes als das. was vor 3500 Mlkll afelDora tti Dßtt NMiM, MfglArr WMM ihrer ersten zwei Sätze sagte. Die Einheitlichkeit der Materie — enthalten doch auch die anderen Gestirne nur Elemente, die es auch auf unserer Erde gibt —, das zeitliche Vorausgehen der Entstehung der Materie vor der wmtWM Der Mkrgikr Dlk MDlilMtt Der mit, M NottvendidKeit einer höchsten Kosmischen Intelligenz, die das Weltall bis ins Kleinste feiner Teile in Bewegung gefetzt hat, das alles ist heute nicht nur Offenbarung der Religion der Bibel, sondern auch ein grundlegender Ausbau empirischer Wissenschatt. Wir missen ^eute^ daß der MenfH pjjk Dlk Wr?ktut in ihren Wirkungen zu erkeuueu linD gemäß ihren Wirkungen für seine Zwecke zu benutzen vermag, daß es ihm aber unmöglich ist und stets sein wird, in ihre Ursache, in ihre Entstehung, in das Schöpserdenken Gottes zu schauen, geschweige denn, selber schaffen zu können. 9Haterie rmd Energie sind l Gott sie geschaffen HÄ' des MeuschW Tun abrr iff hinfällig und nur dann ewig, wenn er mit dem ihm von Gott verliehenen freien Willen Gottes Willen, dem sich die übrige Schöpfung nach ihrer Bestimmung unterstellt, in freier Entschließung dient. Das ist der Sinn der gesamten Thora. Diese TDara zu vßrmttkttcßM. ist dük Smn DeestidMM BollröS vsm zxsten Augenblick feines ßö' schichtlicken Ganges. Doch sckon Abraham wurde die Verheißung, da^ im Lande Kanaan, nun Erez-Iisrael, zum Segen für seine Nachkommen und durch ihr Beispiel zuru

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