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Der Israelit · 1927-10-21 · Heft 42 (21.10.1927) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 42 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Btilant iw Feuerzeichen. jfflf gj^effg-gtomaw pon d' ^^««^worottj. (Fortsetzung.) Unten von der Pfarrkirche und der Krämergasse her zog sich über den Römerberg bis zu den neuen Krämen und dem Liebfrauenberge Mutes öaBrmarffieBen W, sie ß s B m? H? war morgens, just zur Zeit, als in der Gasse die Posaune ertönte von den Kirchtürmen herab eingeläutet und. danach von ziehenden Musikbanden eingespielt, worden. Run wogte am sonnigen Ncu^mittcr^ des ersten Messetages ein festlich XreiDen, Das sich vor Den vielen Acltbudcn am Mainuser staute. Unter heimische Bürger, Frauen mit Körben und Landvolk mischten sich fremde Gestalten, in fremder Gewandung und von fremder Zunge: Kaufherren und Händler, von ausruär>ts und Bern Auslands imMomrneu. um im Saalhof und im Gewandhause, in „Brüssel" und „Brabant" und wie sonst die großen Kaufhäuser hießen, sich mit Tuchwaren und sonst aller- ' Hand für den Winter einzudecken. Endlos zog sich die Kette der bunten Auslagen-, darauf alles W WM Mir,??!ü ÄSkrsE «* r* St-ckn-d«l. Kramladen reihte sich an Kramläden. Bänder in allen Farben flatterten in der Luft, Kinder tummelten sich im Gewimmel, spielten mit ihren Ballen und pfiffen auf ihren neugekauften Holzuni df? mit lDudälsä^öll und Drehorgeln, die vor der Schaubuden spielten. Spaßmacher zogen, von Kmderscharen gefolgt, in bunter Narrenkappe von Ecke zu Ecke und belustigten das Volk. Komödianten vollführten mitten Äs in Stkzßs Wischrn Dffl MW ROM Der Tonkrüge und der Krambuden auf verschlissenem rotem Teppich Turner- und Athletenstückchen, und mancheiner suchte rasch das Weite, da das Weib in buntem Trikot mit dem Sammelteller vor den (Bajjertt au|tou<^ie! Korbflechter. Zigeuner und Kesselflicker MendeNen daher. Von her Ostseite her kamen immer neue Wagen, ganze Karawanen, die an ihrem Stande still hielten und, von Neugierigen umringt, ihre bunten Schätze auszupacken begannen. Makler und Händler liefen geschäftig hin unh her unh reöelen gesirEuIIerend auf Käufer und Verkäufer ein. Vor kleinen umrandeten Tischchen saßen Geldwechsler, die mit kleinen Münzen aushalfen und ausländi- Geld urn frankfurter Münze elntaufchten. Neben Lebküchler- und Zuckerbäckerständen schöpfte der Metzger in weißer Schürze aus dampfenden Kesseln die dicken braunen Würste für die Kunden, und der Tisch, auf dem aus großem FW Der mm AMweiu gegam Wllkdk, war dicht dabei. Vor einer Bude mit malerischer Leinwandtüre kündete ein butbemalter Mensch mit großer Glocke in der Hand den Beginn der Vorstellung hinter der Leinwand. Junge Mädchen mit Ihren Burschen Drängten sich gum EjrWNZ und stolperten über Felle, Pelztv^kk, LödSv, TUch- und Leinwandballen, die in Hausen auf der Erde auslagen. Uhrmacher und Goldschmiede hatten ihre Werkstätten mit dem Zunftwappen im Freren aufgestellt und arbeiteten vor aller Augen. als ginge sie das gange 8rcjöcn nichts «n, Spezereien in jedweder Art strömten auf den überdachten Verkaufstischen starke Düfte aus. Schuhmacher und Mützenmacher hingen ihre Ware an Ständer und in Regale ein. die sie an ble $Ulvfw«n£> öer ätt Wagen befestigten. Ein Messerschleiser ließ sein Rad, vom Wasser getrieben, in die Runde fahren und das erzeugte Geräusch lockte viele Leute an und reizte sie »ihre Klappmesser aus den Hosentaschen zu ziehen, um sie blankschleifen zu lassen. Hinauf wogte die Menge bis zum Domplatze, und weiter bis zur Stadtrvage und dsm Leinwandhaüs, allwo alle MehtsücEc unö alles Leinentuch von städtischen Beamten gewogen und gemessen wurde. Fahrende Leute schoben sich mit tanzenden Bären und Dromedaren. auf denen wie Kinder gekleidete Affen s-W, m -B« Jugend mit Mo gefolgt imrö) die Menge. Auf rauhen Holzbänken an ungehobelten Tischen tranken sich Leute zu und logen sich um die Wette Geschichten aus fernen Zeiten und Ländern vor. An einem anderen Tische ging der Würfelbecher von Hand zu Hand und jeder Wurf löste Freude, Trauer, grobe Reden ai«f> Streitworte aus. Vom Zollhof bis zu einem der gewölbeartigen Lagerräume lag ein Seil straff gespannt, darauf, wenn abends die Pechfackeln davor aufleuchten. herumziehende Komödianten tanzen rvoütsn, Esigkr im$ Harstes (B&lifllP UUd DUflffs falber zogen durch das Volk, blieben in gewissen Abständen stehen, um ihre Kunst gegen Bettelpfennige sehen und hören zu lassen. Eine Welle von Gewerbefleiß und frischer Lebensfreude flutete durch die gniW «ttk Mffdt und längs des klärest Strsmss, in dem nun der Sounmball vor seinem Abschiede noch rasch ein Tauchbad nahm. An einem Zuckerwagenstand hatte sich viel Jugend um Anton R e h b o ck, den „Ritter der schwarzen Gilde", so genannt wegen des von ihm Skhyrnft^infegerbevufe^ gejammelt. Meister Rehbock war als derber, lustiger Geselle von den einen nicht ungern gesehen, von den anderen aber ein wenig gefürchtet und gemieden. Er war jetzt sauber gewaschen und sein Wams zierte kiü WSißse MsZM mit schaxfsll Witzen, die bis zur breiten Brust gingen. Sein kürbisarttger Kopf saß fest und etwas tief im Nacken und die lederne Haut des Gesichtes zog sich in Falten, da er. breitbeinig, die Hände in die Hosentaschen NWM». Umschgu hich MD Ml» DrflpnDem Lachen der Umstehenden überall und für alles ein bösartiges Wort hatte. Seine Beschäftigung auf den Dächern der Stadt gab ihm etwas Ueberlegenes. Er war gewöhnt, auf alle und alles von ob«rt herabzufehen. Heute schien er aber nicht ganz fest auf den Deinen. Meister RchöocE» der auf dem Turm der Katharinenkirche keinen Schwindel verspürte, war weniger schwindelsicher dem „Reuen" gegenüber. Er hatte drüben im Gasthaus ..Zur großen Kanne" bis fünf Glas „gezahlt . . . 8er neue 8usie ging m öie Äein4 und verwandelte sich in Blei. Aber der widerstandsfähige Kopf blieb klar, der Mund -scharf und spitz. - ^Was cjudjt du da hinaus, Anton?" fragte der vme Mötzgermeifler Sebastian Kolb, in Erwqrtung einer fpaffigen Antwort. „Es gibt wieder schlecht Wetter", deutete der Schornsteinfeger mit komisch orakelhaftem Blicke nach dem klaren Nachmittagshimmel. ..Die Krähen sammeln sich dort am Maine. Sehr nur sim, wie die da stehen, gespickt voll und schwarz und krähen so in sich hinein." Ein Höllengelächter folgte diesen Worten. Alle wußten^ wo der ^Ritter der ^chwar^en Gilde" hinauswollte. Wenn man scharf durch die Hoyls gasse hinfchaute, konnte man dort an der Brücke bis zum Wollgraben die schwarzen beweglichen Punkte sehen die in dünnen Reihen sich bis zum Wasser emporwagten und sich .nach hinten immer vernichtetest. „Die Juden, zelebrieren am Maine", konstatierte Fridolin F a ß b i n d e rder Bierbrauer, sachlich, „haben heute Neujahr." Eine Gruppe junger Burschen bog schon in m Hghlßgsst Sin. um sich das seltene Schaussitel von der Nähe anzusehen. „Schade, daß sie es nicht hier machen," bedauerte der Zuckerbäcker, „es wäre eine wunderliche Augenschau, die nichts kostet, und die Meßfremden hätten ihren Spaß." „Redet nicht so lästerlich," mischte sich der schöne Mann mit dem Rundbart um das fette Kinn ist Uv ZMuds lut Backwaren. „Laßt die Juden beten und ihrem Gotte dienen. Es hatte jeder zu seinem Gotte. Es ist sündhaft, Menschen wegen ihrer Religion zu verspotten und zu stören." Mi Dtr «Wk DMIMS yillgss",?ntgegnete ein zappeliger Mischwürenkrämer von der anderen Seite, so laut, daß es alle hören konnten. „Wie immer, tut sehr kirchenfromm und hält es hinterher mit den Juden." Rehbock lallte: ..Er fürchtet am Ende, es könnte Ihm ergeben, wie siiilMälen föisiW kollegen, dem Lebküchler Vincenz Fettmilch, der sich gegen die Juden wagte und darum auf dem Roßmarkte geviertelt wurde." Dröhnendes Lachen begleitete diese geistreiche Feststellung. „Die Juden," nahm der Gemischtwarenhänbler die Sache wieder auf, um das Eisen zu schmieden, so lange er das Feuer auf seiner Seite glaubte, „feiern heute und beten, morgen oder übsrmorgsv, wenn Jie sich a«©gebetet Habers kommen sie her mit ihrem Scheine, ben sie sich vom hohen Rate erkauft haben, beschwindeln uns und nehmen uns das Brot vom Munde." Er wies auf zwei Zeltbuden hin, die mit herabgelasfenen, festzugenagelten Vorhängen sich wie blinde Passagiere scheu in der Ecke hielten. Alle wußten, es waren Me SramfaMn von Uor^e Beer und Perez Muren, den jüdischen Händlern, die heute geschlossen hielten. Man sah hie und da in den langen Zeltrechen noch manche festmmUMH Bildein aöwarknteh faft dergnZ? fordernder Teitncchmslosigkeit. „Sie beten und lassen sich von ihrem Gotte Ablaß erteilen für alle Sünden und Schandtaten, die sie gegen die Christenmenschen begehen. Auch ihre schrntixe und Gelübde nor (Berief sind null und nichtig. Habt Ihr das gelehrte Buch von Johannes Eisenmenger gelesen? Es ist verboten, aber in der Buchgasse am Kornmarkte doch zu sehen . . . Auch unser Herr Johann Jacob Schudt weiß manches davon zu erzählen". So sprach gewählt und etwas blasiert ein dünner Kanglisi, der mit seinem Aktenbündel vom Rathause her hinzukam. „Und dann gehen sie an den Main und werfen die Pestilenz ins Wasser, daß wir alle verre^en,^ gad 2I!e!sier wa^esig und msi fremder Zunge dazu. „Schand und Fluch über die vermaledeiten Lästerer, di^ Gott und seine Menschen, und das Volk, von dem der Erlöser und feine Jünger abftllmmen, schmähen!" enlrüsielö sich Johannes Finger, der Bäckermeister, von seinem Stande aus. Vom Ausgange der hohlen Gaffe kam wüstes Gejohle und tierisches Lachen. Dort übte sich ein Trupp junger Burfr^en!m Tieinwerjen. Die spitzen Steine sollten in den Main fallen und einen weißen Schaumkreis in großem Rade bilden. Aber wie von ungefähr fielen sie immer so. daß jedesmal die dunklen Gestalten am Wasser wie eiii äUsßssHireFtsii BisttsttsHwävM LitsAittanderstoben, und der eine oder der andere sich das Blut vom Kopfe oder der Nase wischte. Darüber lachte der dicke Metzgermeister, daß er sich am Bauch halten mußte und wie in krampfhaftkll WillöllllSkN tSNistk, „So ists recht, Burschen! Geht, Kinder, verjagt die Krähen, daß sie uns Wetter und Wasser nicht verderben. Was haben sie auch an unserem Main verloren?" ermutigte Meister Rehbock und dielt sich die Knie fest daß sie nicht vornk über umknickten wie in der Kirche. „Noch ist nicht der Rat allein Herr in der Stadt, das Volk hat auch noch was zu sagen,"

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