Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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21. Oktober 1927 Der Israelit Nr. 42 Seite 7 dem Verdacht, -eine antisemitische Politik zu treiben, ge- MW M> D?s MM Wis Silll MM süs ferne freundschaftliche -Gesinnung gegenüber der Türkei und versprach, die Botschaft der palästinensischen Judenheit seiner Regierung telegraphisch zu übermitteln. No Thermen von Jiöcim Jerusalem, 7; Oktober. Eine Beschwerde der Gemeinde von Liberias betreffend die Eigentumsrechte an den heißen Quellen von Liberias hat der Oberkommissar Feldmarschall Lord 35iumtr Win ßeaniiDoncr, Daß Die sueifcn Mt @t meindeeigentum, sondern Staatseigentum seien. Demgemäß hat der Oberkommissar die Niederreißung der jetzt bestehenden Gebäude angeordnet, damit Platz für moderne Bauten und Einrichtungen fei werde. Die Regierung mtrb beinnächst über die Vergebung einer Konzession zur Ausnutzung der Quellen nach modernen Gesichtspunkten der Therapie eine Entscheidung treffen. (J.T.A.) Personalien. Jacques Meyer V'jst* Mülhausen, 20. Okt. Am ersten Tage Sukkoth verstarb im Alter von 82 Jahren Jacques Meyer, genannt „Mohe'l Meyer". m WS SSllMsSlllgi rPllstDMM, MM sehr zahlreicher BetMigung statt. Unter den Anwesenden waren die Rabbiner der i ganzen Gegend. In Rücksicht aus rrn-in wurde keine Trauerrede gehalten und keine Gebete verrichtet, sowohl im Sterbehause als auch auf dem Friedhofe.. Der Verblichene war aus Gebweiler gebürtig und war feit 40 Jahren ungefähr in Mülhausen ansässig. TölllNM kr in WMkiler Ml) DM tr M MiMlpuntt der Gemeinde. Jeden Echabvos waren die Baale-batttm um ihn gruppiert, da er ihnen die Sidro und Dinim erklärte. Ihm hat es Gebweiler zu verdanken, daß es eine der frömmsten und blühendsten Gemeinden der ganzen Gegend war. Nachdem er nach Mülhausen übergesiedelt toar^ bildete er fpier nrtt Jacob Me^er^ genarrnt ^Jekile Meyer oder der fromme Meyer", ein Zentrum von Thora, Arvaudoh und Gemiluth Chesed. Nach dem Tode von Jekel Meyer war der Verstorbene die Seele dieses Minjan von Mülhausen, das von Jekel Meyer gegründet worden war und welches heute noch der Mittelpunkt derjenigen Familien von Mülhausen bildet, welche die SynügogcMt NiMrimg Der Orgel Ml Dtlutgei; Solange er rüstig war, wohnte er morgens und abends jedem Gottesdienste bei. Dank seinem Fleihe und seiner Kenntnisse und seiner Frömmigkeit gelang es ihm, den Namen eines Talmud-Chochom zu erlangen und als solcher von denjenigen betrachtet zu werden, die ihn gekannt haben und die hohen Eigenschaften dieses verdienstvollen Mannes zu schätzen wußten. R WW ~v mm w looWir ianp Jahren als Mohel von Mülhaufen und der ganzen Gegend. Wegen seiner persönlichen Eigenschaften wurde er seit Jahren in die Gemeindeverwaltung gewählt, wo er längere Zeit Präsident der Armenkasse war. So hat ihn auch die Bevölkerung des Oberelsasses ins Konsistorium 8«uit. So jjnt er gram für alle Wen. Sein Sro denken fei gesegnet! ..T'axjn Regensburg, 7. Oktober. Die Israelitische Kultusgemeinde Reamsburg und di^ Gemeinden des Rabbinatsbezirkes Regensburg begingen am Sonntag, den iS: SeotemBer; Die felerllA CioWruM Des am 16. Mal d. I. gewählten'Herrn Vezirksrabbiners Harry Levy. Das Gotteshaus prangte im festlichen Schmuck und erschien durch zahlreiche Palmen, Oleander- und Lorbeerbäume in einen Garten verwandelt. Die staatlichen und städtischen Behörden, sowie die Geistlichkeit gaben durch Entsendung von Vertretern ihrer Anteilnahme an dem MW älipli IliSOFUff. MW« MG INI M meindesitzungssaal Herr Kommerzienrat David Rosenblatt als erster Vorstand der Kultusgemeinde in Gegenwart des Verwaltungsausschusses und der Vertreter der Bezirksgemeinden. Herrn Rabbiner Levy begrüßt hattet, wurde Rabbiner Levy von dem bisherigen Vermehr des Rabbinats und Näl^barkollegen j^errn Distrmsravömer Dr. Welnverg ln NeumarN unv ven Mitgliedern der Kultusverwaltüng unter Fanfärenklängen in die hellerleuchtete Synagoge geleitet. Dort empfing ihn der von Herrn Oberlehrer Vehr geleitete vierstimmige Synagogenchor mit einem feierlichen „Boruch habo". Hierauf ergriff Distrikstrabbiner Dr, loinööFg das Work zu sinex iiOuWWM WsiPpredigt, in der er rückblickend auf die Vergangenheit die Bedeutung des Tages würdigte und den neuen Amtsbruder sowohl im eigenen Namen, wie im Namen der bayerischen Rabbinerkonferenz willkommen hieß. Nunmehr übergab Herr Kommerzienrat David Rosenblatt $mm MhMz? Asy mit um IßspvzA Ui Iß. stellungsdiplom. Nach einem Pfalmgefange des Herrn Kantor Winter bestieg Herr Rabbiner Levy die Kanzel und hielt eine groß angelegte Festrede. Pietätvoll gedachte er des langen, gesegneten Wirkens seines Stunde und gelobte der Gemeinde, seine ganze Kraft zu weihen, wozu «t bcit Segen des 2IIImäd^ttgen erflehte. &{e von Rolfen §eUmlen getragene Nelle llmterlle^j h anren getragene allen Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck Hieraus wurde unter den Gesängen des Synagogenchors und des Kantors die Heilige Lade geöffnet und die Thora ausgehoben. Bezirksrabbiner Levy verrichtete auf bem Sllmemor ein (Bebet' für bas Wohl ber ©e» memlle, her *tabt unll des gesamten Äutcrlaneds. Das Einheben erfolgte gleichfalls unter vierstimmigen Chorgesängen von Japhet und Lewandowski. Mögen sich alle Wünsche, die von seiten» des Herrn Rabbiners, wie von seiten der Gemeinde an diesem Tage zum Ausdruck gebracht wurden, n"i zum Wohle der mmm MMWt erfaasm Eschwege, 20. Oft. Nach kurzer, schwerer Krankheit hauchte am zweiten Tage mvn vrri Frau Flora V a ch - rach, geb. Hes, die Gattin des hiesigen Arztes und Gemeindeältesten Dr. Moritz Vachrach, ihre niinv n»w aus. Die Kunde von dem Hinscheiden der erst 37 jährigen nem wirkte überall erschütternd. Bei der an, na-7 : N2iv swttgesundenen rnvp gab Herr Rabbiner Dr. B a tzfreund dem allgemeinen Schmerz in ergreifender Weise unter Anlehnung an den qpn n,mi Ausdruck und zeichnete das Lebensbild der so früh Vollendeten, die als Gattin, Tochter und Mutter ihre Pflichten mit seltenem Verständnisse aufs Gewissenhafteste erfüllte. Ganz bösMM hob Mt ROM Ihp mm unö ihrssstMM b->»e> nrri' hervor, sowie ihr eifriges Bemühen, mit gleichstrebenden hiesigen Frauen in den Geist der Gotteslehre einzduringen. Möchte '"s> dem tiefgebeugten Gatten, und den schwer getroffenen Eltern Trost spenden. Vermischtes. Breslau. 7. Okt. Die Breslauer „Jüdische Zeitung" berichtet: Ein Breslauer Kaufmann bekam für den zweiten Tag des Rofchhaschonoh eine Ladung als Zeuge vor die Strafkammer des Breslauer Landgerichtes. Auf seine ^ittei^u^g^ bajj er an diesem ^age «m Erscheinen aus religiösen Gründen verhindert sei, erging an ihn die Anordnung des Landgerichtsrates K i ck h e s e l, daß er erscheinen müsse. Eine Beschwerde beim Oberlandesgericht wurde als unzulässig verworfen mit der Begründung, daß eine Beschwerde erst gerechtfertigt sei, wenn der Zeuge megne Nichterscheinens bestraft morben ist. Der Qeu-ge erftUtn zur!8erhanll!ung unll wurlle vom mit einer Ordnungsstrafe von 40 Mark belegt. Die „Jüdische Zeitung" schreibt dazu: „Man muß agen, daß die Schläge, die das Ansehen der Breslauer Justiz in schneller Aufeinanderfolge erleidet, die Vertrauenskrise im Volke immer nur verstärken können." Jem Ät Frankfurter Berichte. verewigten Amtsoorgängers Dr. Seligmann Meyer V"xtwürVigie in Ergriffenheit die (reifee sjefreatäug iree Das Gastspiel der „habima" im frankfurter Schauspielhaus. MMWWZ: Ob mit dem hebräischen Theater „Habima" das höchste jüdische Kunstideal. erreicht ist, darüber laßt sich streiten und wird gestritten — in nationalen und anderen Kreisen. Für uns kann es nicht das Höchste und das Schönste bedeuten, im Rampenlicht der Bühne in hebräischem Allr DHÖ WWIN NW WllWil llW WM ß künden. Gewiß galt die Bühne — es ist lange her — einmal zur Klassikerzeit als moralische Erziehungsstätte, als Vertreterin und Dienerin von Geist und Schönheit. W i r indes haben schon dem antiken Theater der alten, durch Schönheit zur Wahrheit strebenden Griechen das zmm intöiQinQiHit M WM Da Die UllMislW Ausdrucksformen für die Lebensideale in Judäa hinübergriffen, ist die Zeit des geistigen und sittlichen Verfalles, die Aera des Hellenismus. Wir hatten auch in der guten alten Zeit, da die Bühne mit Lessing, Kleist und Schiller noch wirkliche Erzieherin war, andere Erziöhungsinlttel. andere Wege zur Wahrheit und Liebe llflil liM [0 Ü8B8F MFjlpt, SA litM M |SSl, den Weg für das Ziel zu nehmen. Das nationale Judentum, das „Gymnasium" und „Universität" für mittlere und höhere Bildung braucht, um den traditionellen Bezeichnungen für Pflanzstätten jüdischer Reinkultur aus dem Wege zu gehen, kann auch des jüd^c^en Theaters als g=u^rers jjur ändert un&j n>fe sie sagen unv wohl auch ehrlich' wö'Üen/ llbe'r' me"Schönheit zur Wahrheit und Geistigkeit nicht entbehren. Bedürfte es noch eines Beweises für die von uns wiederholt gemachte Feststellung, daß im Gegensätze zur individuellen Assimilation des Reformjudentums der Zionisrnus sine national« Assimilation anstrsbt, in hm Mm. Sgß Mp mu M uw,'Ml jüMschz Whttl sammele, diese Fahne aber nicht aus der Reihe der Fahnen anderer Völker hinausrage, die „Habima" würde ihn geliefert haben. Etwas Nationaleres, in sich Geschlosseneres als dieses hebräische Ensemble kann man sich schlechthin nicht benben, aber her Gebanke, ber U-ßi. Mts ^tel tibi hüthste 8Mas eines Thealers, sie sind so wenig jüdisch, wie die „Universität", die man an Stelle der Jeschiwa als Bezeichnung der höchsten jüdischen Bildungsstätte setzt. Ein Mitglied der Truppe erklärte im Privatgespräche aus die Vorhaltung, warum sie, zumal in einer so durch und durch jüdischen Stadt wie Frankfurt, auch an Freitag- und Äonttoroadenden spielen: die jüdischen Feiertage seien rein nationalen Charakters, könnten daher ohne Bedenken, ja mühten sogar m[ TMechlil MM mM. Na MUm lmM, das Spiel sei für sie Andacht, Gottesdienst. Wer das Spiel der „Habima" mit angesehen hat, wird anerkennen, daß dieser Mann subjektiv die Wahrheit gesagt hat. Sie spielen auch nur Stücke jüdischen Inhaltes und verschmähen es, etwa wie andere „jüdische Theater" in London, sisechhörk üüll älläj tll PLlästtüü, ihre Riiü^ und das hebräische Wort dem modernen Operetten- oder Revuenunfug zu leihen. Das ändert aber nichts an der objektiven Tatsache, daß wir der Bühne als Mitfaktor bei der Erziehung zu Kraft, Wahrheit und Weisheit des Judentums mit starker Reserve gegenüberstehn müssen, weil sie die Kunst gum Seldstwest ergebt, Das Spiel und das Reperwire der „Habima". Nach dieser grundsätzlichen Vorausschickung können wir um so objektiver den K ü n st l e r n und ihrer Kunst gerecht werden. Sie haben, wie seinerzeit in Berlin und später in Amerika und England, auch hier im kunstimmm Uranniirt m gut? MM o&fimDtn M Lobreden in den Zeitungsreferaten sind keineswegs übertrieben. Einen solchen „Dybuk" und einen solchen „Golem" hat Frankfurt noch nicht gesehen. Das lückenlose durch keinen disharmonischen Hauch gestörte Zusammenspiel erregt Bewunderung. Die Realisttk der Einzelbilber unb scheinbarer nebensächlicher Szenen, nrit denen der Grund für die im Nebel der Mystik sich verlierende Fabel gefestigt wird, ist einzigartig. Und eine Musik durchzieht das Spiel, auch da, wo es trocken und grau und düster ist, die einem bis an die Seele ergreift. Rein, klar und kräftig ertönt das klassische hebräische Wort im sefardischen Dialekte, so daß mit Hilse einer unüberttossmM auch Dos WMschm MUMM Der Sinn in die Seele eingebrannt wird. Der „Dybuk" von Ansky ist für unsere Begriffe kein glückliches Stück, sein Erfolg auf den Bühnen Europas wurzelt in dem mystischen Verlangen einer von vier Kriegsjahren und den Nachwehen derselben gepeinigten Völkerseele. „Dybuk" ist übrigens ein jübisches Wort für allwen schlichen unb allzeitlichen @{«uMn oller Allergluullen, „Besessen war ller Wahnsinnskranke im Mittelaltex und noch später, lange bevor man noch in einigen entlegenen Bezirken der chassidischen Welt den „Dybuk" kannte. Es kommt nun hier nicht auf die Idee, auch nicht einmal auf die Fabel des Stückes an, sondern darauf, mos die „Habima" daraus ft. Dil ZÄUsuiM m M Hl, wirklicher als die heutige Wirklichkeit. Da stürzt eine Frau ins Gotteshaus, wirft sich in die geöffnete heilige Lade und weint um ihr Kind, das daheim mit dem Tode ringt. Wie sie in Tränen singt und im Singen schluchzt, hören wir das Schluchzen der jüdischen Volksseele aus zweitansenbjähriAent ©otnsfeibe. Da fmb bte Bettler unb Aruppel, rote Inreft aus etmm (iiau{|t{)en „Ifeb desch" oder aus dem Gorki'schen „Nachtasyl" auf die Bühne getreten. H e n o ch, der Bachur, klärt den unglücklichen Chanan, — der nach einem kurzen düsteren Leben im ersten Akte in den folgenden zwei Akten als „Dybuk" nur noch aus dem Munde der von ihm „beeffenen" Lea spricht — über das Wesen der Geheimlehre |j warnt i^n vor ber Beschäftigung mit ber praktischen Kabbala unter Hinweis «ns'die "„Vier" im Talmud', die in den „Pardes" eindringen wollten, und nur Rabbi Akiba gelang dies ohne Schaden für Leib und Geist. W i e er diese Stelle vortrug und sang, wird keiner, der der Seelenmusik teilhaftig geworden, im Leben mehr vergessen. Vor biesen Szenen verblaßt fast ber „Höhepunkt^, läßt UNS bei ll8em genialen Spiele üeas ll!e „aufregende" Beschwörung des „Dybuk" im letzten Akte ast kalt, wiewohl die Kunsthöhe des Spieles auch hier noch unvermmdett bleibt. Der „Golem" ist in feiner Aufmachung und ijtit eine weit |c^Iimmere &atS^e. Eine Der|c^rt>omTnene geschichMche Üeberlieserung, deutbar nach allen Rtchtun-;en, wird in „packender" Verbrämung, eine Attraktion für Auge und Ohr, fürs Kino verarbeitet. Man wird ein Gefühl des Mitleids mit den Künstlern nicht los, die o viel Können, so viel feinsinnige Darstellungskunst an üner so verlorenen Sache verwenden müssen. Aber auch Wr im W Mk MW 880 m ffgf[ 808!W0 sr kitschig dick aufgetragenen Farben nicht verdrängen. Szenen, die ihnen liegen, wie letwa das Lied in Erwartung des Messias und ähnliches — werden von den Künstlern so gespielt, ja gelebt, daß man, hingerissen und überwältigt von der Pracht des Einzelteiles, ba. rüber bre unmögliche unb unhaltbare Zusammenftettüng llcs langen uevg{|l. Vor der schwersten Ausgabe stand die hebräische Schauspielertruppe mit der Aufführung des Beer Hoffmannifchen „Jakobs Traum". Hier handelt es sich darum, ein Dichterwerk, das nur im Pathos und im herrlichen Dichterrvorte lebt, ohne Handlung, ohne Aufmachung, ohne Gelizißhijt zu Dski» MgiLkünflsn. Ms« zum mm größten Teile des Hebräischen unkundigen Publikum in einer Uebersetzung vor die Seele zu führen, die das Schönste und das Letzte des Originalwortes doch nicht festhalten kann. Die Aufgabe kann auch in der Tat nicht als gelöst angesehen werden. Die starken unmittelbareä m.WMMkMU IjÜSl tzliSM aus. Es kam hinzui daß die Darsteller, insbesondere die Frauen Cdoms im ersten Akte auch für die 'guten Hebräer ziemlich unverständlich blieben. Aber immerhin: Dieser Edom, wie er sprach und wütete, lachte und weinte, groß, gigantisch, tierisch auch -in seinen menschlichen An- »«ndräng^n, war eine -Leistung, die wr dem Hvlsernes ^65485