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Der Israelit · 1927-10-21 · Heft 42 (21.10.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 42 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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2i Oktober 1927 / Der Israelit Nr. 42 Seite 3 m ^[ßgfißtröUQn DraantfatiDnen Das ^agsverfahren, das zur Errichtung von Bekenntnisschulen nötig sein wird, in allen-seinen Modalitäten sehr genau ansehen und vor allem darauf hinwirken müssen, daß die Rechte der Nellgionsgesellschaften und (oder) die der Eltern hinsichtlich hu Jälipfsn fflslftoo, Der firn Bei kerntnisschule beherrschen soll, nicht gar zu sehr Ekkützt meröen. M öarf mohl erwamn, haß to3entrum in dieser BMung sich nicht an die Wand drücken lassen und sich auch nicht auf xM völligen Dllvwll Skk LMlillMMruen durch die geniale Idee grenzenloser „Schutzfristen" für die Simultanschule einlassen wird. Der Schwarzbartprozeß in Paris. Arn Dienstag begann in Paris unter größter Aufmerksamkeit Der ffieft Ser Prozeß UW den jüdischen Uhrmacher aus der Ukraine, Schalem Schwarzbart, der im Mai 1926 den ukrainischen Kosakenhetmann Petljura auf einem Pariser Boulevard erschossen hat. MJHf8 885 t\v. ^«fcbreiIT m<tnn: ber die Iudenmassenmorde in der Ukraine in den zwei ersten Nachkriegsjahren in erster Reihe auf dem Gewissen hat. Wer noch daran zweifelte, der konnte sich durch die von der Verteidigung inzwischen bekannt gegebenen Akten über Verlauf, M M AWWW Dar WWW BßBßn mr: zeugen, daß damit nicht zuviel gesagt ist. Nichtsdestoweniger verharren wir auch jetzt noch bei der von uns vor anderthalb Jahren, gleichnach der Mordtat, geäußerten Meinung, daß Schwargdart sich unS uns eWsi schlechten Dienst mit der blutigen Tat geleistet hat und enthalten uns einer unangebrachten Heldenverehrung, die einen Mann, der unbeauftragt und unberechtigt, die tödliche Waffe geflßn kinen anderem und sei dikser MH Massenmörder, führt, zu einem nationalen Vlulr racher macht. Wir wollen hoffen, daß das französische Gericht nur die Tat und i h r e Motiv e, auch die Mentalität und die Psyche des Täters in Betracht zieht, ohne die Frage, ob und m die WilA baran beieiligt ober damit einverstanden sei, überhaupt zu ventilieren. Als Mensch, der Schauerliches in der Heimat erlebt hat und aus einer gewissen Psychose heraus gehandelt hat, als schwacher Mensch, den, grausige Erlebnisse den Irrsinn im und ${rn nährten, bis er sich Mit $4g llllaffL Luft machte, mag Schwarzbart m i l d e R i ch t e r finden. Eine andere Frage wird bei der Gerichtsverhandlung wohl zur Klärung kommen, die für die Oeffentlichkeit und für den späteren Historiker pan keiner geringen Bedeutung ist. Es rvird von verMeDenen Selten in Frankreich versucht, «us der Tat Schwarzbarts eine bolschewistische Affäre zu machen, ein Attentat der Kommunisten gegen das von den russischen Emigranten in Paris vertretene alte Regime. Die Verteidigung wari da- BlfirÄ) 9fÖW8F’8fnJ iTl anderthalb Jahren alles irgendwie erreichbare Material an Ort und Stelle ^sammenzutragen, dns in seiner Vollständigkeit ebensojch ein klares M über die der Ai bis dahrn noch lange n!<hf de^üNNjeN Vorgänge bietet, roie es jeden Zrvsrfsl Über ihre wahren Urheber beseitigt insofern Kursen mit größter Spannung die Aufrollung der größten jüdischen Tragödie unseres Jahrzehntes verfolgen. ZnoWeöe Bebele. Von A. Mannheimer in Dekkelbach.. (Schluß.) Das Ayll des jüdischen Hauses und Heimes rann müm WmistniMk uns ssmnmm! sr zeichnet werden als durch dieses Gebet. O, hätte der niedere und höhere Pöbel eine Ahnung davon gehabt,, welch edle Seelenregungen den Zwerchsackjuden erfüllten, dem man so gerne alle möglichen Plackereien in den ohnehin dornenvollm LidmiwiZ Muts! lind daß lsk sin »riagsi gebet, dazu ein inossizielles. Aber gar der Sabbat! Beim Lichterglanz, beim Freudenpokal und festlichen Mahl begrüßt man ihn mit einem ganz ähnlichen V>n jm-v mie man ihn verabschiedet nach dem Verlöschen der Hawdvlv!)?eize angesichts der nahen und sorgenschweren Woche. Engel werden begrüßt, Himmelstore durchschritten für alles Herrliche und Glückselige; in östlichen Landen schwelgt man im "«211^2« erdentrückt in himmlischen Whärkni alles inoffizielle welche die jüdische Seele in höchsten Schwung versetzen. *) Außer den erwähnten Gebetsteilen, die als a'Zimni D’Tiö1? 'rvmnp zu klassifizieren sind> unterscheidet man die sogenannten D'npiv von Denan MMsnnDm DllZ mm r T n?fi UNL xw&i.r bas nisn ppn unb bie nnvv» zu nennen sind. (W. Jawitz rubriziert unter Tikkunim auch die rnrr^O' die 2"sn rrrp und bies"w rmn- S. sein rvDian ). Wie der Bergsteiger kaum *} Sie £or|e üin jüLisHz GückchM Zkllt. Die Unlöslichkeit des Leidlichen vom Eeiste, die CrdgebUttdenheit auch des Juden findet ihren ergreifenden Ausdruck in dem feierlich ernsten «pn mrv'-Gebet des Versöhnungstages: °®n^> rr'2' wssa- In ähnlicher Gefühlsrichtung das pia oanrr Woi p beim Betreten eines Fried- Hofes. Aguda-Kalender. Auch zu heurigem Rosch-Hafchono legte uns die Wiener A. I. Jugendgruppe einen Kalender auf den Tisch, der stch durch hübsche Ausstattung W kwk mm bük an MtkmNMkk!«! ßöiesiffinif: Ernlzen pkssrammattschen Artikeln, Erinnerungen und Ausblicken,. schließen sich Beiträge an von Jacob Rosenheim. Dr. Nathan' Birnbaum, Aphorismen von Dr. S. Ehrmann. Aussätze von Wolf Jacobson und Gottfried Goldschmidt, eine Novelle von S. Schachnowitz (Die Revolution im Brisker Brkkirr-Lhvlirn). Thassidisches von Ehajlm Bloch. SiszsäptzlschsZ ÜKSS .LtzssSN Sofsr" von Dsalü vlern und zwei hebräische bSW. jiddische Aufsätze von Sabbati Halevi Schönseld. Titelblatt und andere allegorische Bilder sind von Arthur Weiß entworfen. Sinn für Schönheit und Mille zur Belehrung und Aufklärung über unsere Ziele sprechen aus diesen Luachblättern. die zu be- Mn flRÖ SK OKSLegkkMN, II, Obere Dvnausttaße 69. * * * Einen literarischen Kalen der in hebräischer und jiddischer Sprache, dem sich auch Aufsätze in ^futscher und holländischer Sprache anschließen, gibt M Agudsg Qtemi moBijMmmtn ‘äntvmnn 9W6üs (Schuufflraße ,). Wik ftttdLN düttü lesöNSr werte Aussätze von Dr. P. Kohn, Wien, Sabbatai Halevi. Eitz, Zürich, Slachter, Rotterdam. Dr. Zeutschländer. Wien, Aphorismen von Dr. Ehrmann, Artikel von Rabb. Tobias Horovitz u. v. a. Auch Kalender verdient beachtet und gelesen zu (^irr Lhllkuk häsHeml) Man Wielvl m% aus Berlin: In den ersten Tagen des Oktober, also in den Tagen zwischen Rosch-ha-schonoh und Iaumkippur, erschien in den Straßen Berlins eine illustrierte Schallplattenzeitschrift, die u. a. in reklamehafter Ausmachung eine Platte ankündigt, vie mit rtibre“ imb Kabdisch »Ott dein Ober» Rtuitör eines Brrljn?? Pemelüdetemst5lR tz8sll8ZM ist. Zur wirkungsvolleren Unterstreichung dieser Reklame sieht man auf einem Bilde den Herrn Oberkantor mit —dem Meisterboxer Franz Diener in bekannter Darietepose. Die Gemeinsamkeit der Berufe wird durch das nebenstehende Zitat Richard Wagners charakterisiert: ,Verachtet mir die Meister nftBtr DikZ 88MM £?? dvzer bestimmt nicht. aber m Demjenigen, Der raenfgs Lag« fw«t«r s?? Scheliach zibbur einer ganz andern Ausgabe gerecht werden mutz.... Ja so weit muß es Kommen, wenn man sich, nur der schönen Sttmme wegen, eine Persönlichkeit vom Kabarett weg in eine Synagoge holt, um dort ein heiliges Amt auszuüben. Wvcheakalendcr. o. 82. - 29. Ott. 1927. , v. 28. Tischri bis 3; Marcheschw. 5688. Samstag 22 ’-ltW! 26 X L> Sonntag 23 27 lUoraag m i SS Dienstag Ott. 25 29 Mittwoch 26 30 Donnerstag 27 1 Freitag 28 2 Samstrn 29 3 m Rausch-Chaudesch benschen Mauled Dienstag abends 10 Uhr 69 Min. 6 Sekunden «nn zrsTT rr ®*rn vnit 'i 5eiden= 11. Garn-Handelsges, mb. H. 47 Bleidensfraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in NnH* und Itickiinidun Handarbeits-Garnen jeder Art ben Morgen erwarten kann, UM »oüe Schauspiel des Sonnenaufgangs zu erleben, so liest der vUiDe fefjon In Der ÄUIgesuchte Teile der Bibel und mündlichen Lehre, bevor am nächsten Morgen feierlich in der Synagoge der Dekalog öffentlich zum Vortrag gelangt. Am Weidenfeste erfährt die Sukkosfreude killk [siffams WHnyyg bem rmaKtn <Ernft der hohen Feiertage. Ein Nachgericht findet statt. Das 5. Buch Moses, der ganze Psalter wird gelesen und innige Bitten um Gnade im höchsten Gerichte steigen zum nächtlichen Himmel empor, mjra rt’jv Freude vermählt sich mit sklrrlWcm SfnTtj t®f WW — Von ernst-düsterer Färbung ist der JVixn Jlprv jene mitternächtliche Trauerandacht, die den Juden zu Boden zieht, wo er bei Sack und Asche seinen Schmerz um das zerstörte Tempelheiligtum ausweint: ein Tischo-boav in verjüngtem WWÄ. Dis ifills M Nacht kommt dkk Sammlung solcher Gedanken besonders entgegen. Aber abgesehen davon, weiß der Talmud von den verschiedenen „Nachtwachen" zu erzählen, in denen lörvenstark die Hinrnrelsstirnrne ertönt, klagend um den untergegangenen Tempel, jammernd um die ms Exil verstoßenen Kinder. (Berachot.) Anlehnend daran wünscht schon der W"tn' daß in jenen Nachtstunden auch die dunkle Zionselegie ertöne und uns die traurigernste (MuslaQi eindringW zum LmMstm prmge. — Ideell und ideologisch EwäNtzt Mit DSM msn |ipn sind die rmöira- Zur Tempelzeit teilte man bas ganze Land in 24 Bezirke, von denen jeder eine Abteilung D’jrD nach Jerusalem entsandte als Assistenz — toj/o DCt Der 8ßskk88^kiN8M8: bes Wochenturnus versammelten sich währendefsen in ihren Provinzstädten und lasen während der sechs Wochentage im Schöpfungsberichte aus der Thora vor, entsprechend dem Worte der Weisen: Ohne heilige Opfer — keine Wellschöpsung. Nack) der Lemxelgersiörung w«r£e niiü fs. Trlmuß Traktat Taanit 26) das Lesen der obigen Opserabschnitte als schwacher Ersatz für die wirklichen Opfer empfohlen. lyriBiP o^s „Wir möchten jetzt die Farren mit unseren Lippen erjeije«". “nö aal? -»napn ms n.iinrr^ S"npn T?sd onüjr ns. rfim ’3aV jna rnjesr si»rs tnssstp •önwaiw db ein*? dni» '2ki aib'-ipn Dies ist die eigentliche Quelle für den frommen Brauch, der sich immer mehr ausbreitete. Man begnügte sich indes nicht mit dem Lesen der spszifischsn n-nopi niannp nwa?). Es traten im Laufe ber i§eit «w? Wr» ^röj-^elell 11«^ Hagiographen hinzu. So läßt sich das pp'n rvnasra in seiner heutigen Form bis in die gaonäische Zeit, ja bis zu Rabbi Jochanans Tagen in Liberias verfolgen. aru» «in pmV pai) #iai Jawitz, N1312.1 Up»' S. 91.) Es ßellüZtL Zlft nicht üis schmMAlchö Trauet um Zions Fall. Man ging einen Schritt weiier. Der Hebräer hat für Wort und Sache die gleiche Bezeichnung: nn- Das Lesen der Opferabschnitte wird quasi zur Opferhandlung selbst, bedeute eine Tat. ir>w irnviQD nnn onm jnsr tzildsk sMstküümll klllü lschlllsiwort, die Schlußbitte, oder K.vtr T’JsVo psn 'N' 'iDi ’nanjrn swn nr* So bleibt der Jude auch im Golus geistig verwachsen und verwurzelt mit seinem höchsten Heiligtum in der BkkMNgkNhkisi sklNK beseligenden ^vstnung sür die ^UkllNst. Wenn die inoffiziellen Gebete die jüdische Gefühlswelt in besonders hellen Farben zeigen, so kann man wohl nicht an der jüdischen Frau in ^ikser Pe^iehnng vorüberge^en. Wenn die

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