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Der Israelit · 1927-10-21 · Heft 42 (21.10.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 42 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 42 Der Israelit 21. Oktober 1927 göttlichen Gebote, in dem Bewußtsein, mit der EvsÜlltMZ ötttes eingesnen unseres §ckjöpfers Willen zu tun und uns Ihm zu nähern. Jede richtig erfaßte und getane Mizwo wird zum inneren Erlebnis, das uns über uns hinaus zum Ewigen erhebt. Aber als göttliches Gebot müssen wir die Vorschrift der Thora erfassen. Es genügt n!Hi, fle zu erfüllen, well fle uns aus sozialen Gründen wertvoll ist, oder weil es uns als na- M 4 4 . m 4 , , 1 . Ai, mor. Vesser? Erfüllung ohne Absicht des Gottesfncnstcs als Üedertretung des Gebotes. Aber ungesund und religiös unzureichend bleibt die nicht der inneren Ueberzeugung entspringende Tat. Und wenn sie im Einzelfalle auch nicht zurückgewiesen werden soll, so ist sie als Prinzip zu bekämpfen. Als Theorie rrrill fte das ©ejmTrungs» mäßige zum Unwesentlichen stempeln und nimmt so der religiösen Tat das innere Leben. Wcrs Merfomtw? zu erhalten. Eine religiöse Andlung ohne Glauben ist wie ein Körper ohne Seele. ©io mag äuMiiH Ms? AnfgMvunZ ZZZ lözsetzes entsprechen; es fehlt ihr aber die Hauptsache, die belebende Seele. Sie gleicht dem Salzmeere im heiligen Lande, das oft beim ersten Anblick den Eindruck eines herrlichen blauen Sess macht, dis ber Beobachter dann das furchtbar?o!e lies §ees uni) feiner Umgebung bemerkt. Das Leben auf den Wellen des Salzmeeres war nur eine Täuschung. Kein Lebewesen tummelt sich in den Wellen, kein Vogel fliegt über ihm in den Lüsten, keine Pflanze grünt an seinen Ufern. Sn der ^or m d es JÖef> ens j a n i man den XoD. — Dem gleicht bas glaubenlose Ausüben des Thoragesetzes. Die Orthopraxis ohne Orthodoxie, das Richtighandeln ohne Richtigmeinen ist Körperhülle ohne lebenerzeugende Glaubenswärme. — Und 523 [Sä 51? imm MMM NW W rückgsstoßen werden, auch wenn sein Tun nicht dem religiösen Bewußtsein entspringt, oder richtiger: nicht zu entspringen scheint. Denn oft liegt unter der Schwelle des Bewußtseins die An- Mmnm§ m EMm WW. fm\i winn i« Handelnde es nicht weiß. Das Verdienst der tatsächlichen Ausübung der Gebote erweckt oft ihre Anerkennung als Gottesgesetz. — Deshalb soll der Erfüller des Gesetzes nicht verurteilt werden, auc^ wenn jerrre ©ejmmmg nietet der Antrieb DIE WELTMARKE: LBO ELBEO - STRUMPFWAREN Damenstrümpfe, Kinder - Sportstrümpfe und Herrensocken Größte Auswahl am Platze! PFULLER Goethestraße 15 Fil. Baden-Baden hasst, hafi hiß Gesinnung hurch hie Tat wieher erweckt wird, das droht als Grundsatz, der bewußt religiösen hie Gesinnung zu rauhen.?>er nicht gläubige O r t h o p r a x e ist für den menschlichen Richter nicht dem Gesetzesübertreter gleichzustellen, die ungläubige Orthopraxis aber ist als furchtbarste Gefährdung des religiösen Füllens au^s jd^ärj^ie |ju bekürn^^en. INittelbar untergräbt sie auch das religiöse Tun. Mag dieses auch zeitweilig die verloren gegangene Ueberzeugung überdauern und auf Stützen nationaler Beharrlichkeit weiterbestehen: da wo es sich um Fragen des sozialen Seins handelt, wird die nicht sfUgik? LMikM kkiNkN MS M den gegen das Aufgeben der von den Ahnen überkommenen Gebote. Volljude kann nur der sein, dessen Pflichterfüllung der Glaubenstreue entspringt. Thoratreue bedeutet Vereinigung von Orthodoxie und -Praxis, von innerer überzeugter Hingabe' an die Thora und pflichttreuer Erfüllung ihrer Gebote. Untrennbar sind dem wahrhaft thoratreuen Juden Religiösität und Religion, hingebungsvolle «!??k!!.Ä LWMK WfiM e«r SkM ffiffl: schöpfer und das Streben, in liebevollem Gehorsam durch Erfüllung der Thoragebote seinen Willen zu tun. Beides, das sehnsuchtsvolle Fühlen der Gottesnähe und die Ausführung der von der Gotteslehre gebotenen Tat; wird zum inneren ENlIkMiIi §ich All tm£> sein Leben dem liebevollen Schöpfer und Erhalter des Weltalls, dem himmlischen Vater der Menschheit, verdankt, und jede einzelne Tat des mir von Gott verliehenen Lebens soll seinem Dienste geweiht sein. Die Aufgabe des Juden ist. nach WlWit zu strrSm! Sir Cat zu tz-ilAu rutch die Gesinnung, die Gesinnung heiligend durch die ausführende Tat: vnn v'Vinp Heilig sollt ihr werden! Wochenrundschau. Der deuGe Reichstag ist diese Woche in di« Beratung des viel umstrittenen Reichsschulgesehes MgMöM.dösstn EWssl such D BU WUc Volksschule und damit für die religiöse Erziehung der Heranwachsenden Generation von höchster Bedeutung sein wird. Daß der Entwurf in der vorliegenden Form keine Aussicht hatte, Gesetz zu werden, wußten seine Verfasser gewiß eben^o^ut wie jeher halbwegs kundige politische outsider. Er war und ist von vornherein aufs Abhandeln eingerichtet. Der Verlauf der Erörterungen in der Presse, in den Ministerien der Länder und im Reichsrat verstärkten den Eindruck, duß es nicht möglich fern wird. Me Me SSerjxtjjimg NUN einmal feflgelegte Vorzugsstellung der sogenannten Gemeinschaftsschule auf dem Wege eines einfachen Gesetzentwurfes zu beseitigen und die an sich gerechte völlige Gleichstellung der verschiedenen Schultypen durchzuführen. Die erste im WWW Ws Ml B8£ Mm MiW Klarheit über die Stellung der Deutschen V o l k s p a r t e i gebracht, die bisher in undurchsichtiges Dunkel gehüllt war. Die Partei wird in allen wesentlichen Punkten nach links mw\$ww, st M Mn Miß feine fcfiil mehr auf die. unveränderte Durchführung der Zentrums-Jdeen hinsichtlich der Bekenntnisschule besteht. Allein nicht dies ist für uns das Wichtigste. Auch das begeisterte Bekenntnis der Volks^i artet gur G ernetus«^astsschule nnterst^^El mn Nachdruck, daß diese GemeinschösisschMe eine christliche Gemeinschaftsschule sein und bleiben müsse, so daß sie von vornherein also für Angehörige eines anderen Bekenntnisses gar nicht bestimmt ist. Diese Erklärung wird, wie wir gaffen, auf ötejemgen juptjci^ert -stretje wirken, die immer noch nach der „Gemeinschaftsschule" schielen, und die bei dem Sturm der Linken gegen den Schulgesetz-Entwurf schon Morgenluft für sich witterten. Sie werden einsehen, daß sie bei einigem Gefühl für jüdische Würde nur dis Wahl hsbLA, ihsr Kmßex m di; religionslosen sozialdemokratischen Weltanschauungsschulen zu schicken oder aber sie der jüdischen Bekenntnisschule anzuvertrauen, die allerdings in religiöser Hinsicht recht verschieden aussehen kann. Schon aus diesem Grunds werden sich Uleines Feuilleton. In der Fremde. Aus Gottes Bctterycrzen, Aus Gottes Gnadenhuld Entstammen unsere Schmerzen, Zu sühnen unsere Schuld. Doch Murren ist vermessen. Die Hand des Schöpfers schickt Nur rr»us uns gu^ernessen^ Sah wir vcm Mkjl cntrütft. Für die, so uns verstoßen, Sei, Herr, mild im Gericht! Auch deren Tränen flössen. Sie hielten es für Pflicht. Mss schlicht Msnschsn szW. Ward liebevoll getan. Was unbewußt geschehen Gott, rechne es nicht an! F. M. Marburger Drucke jüdischen theologischen Inhalts. (Zum Marburger Unioersttälsjubiläum). Unter dem Titel »die ältesten Drucke aus Marburg in Nassau 1527—1566erschien 1SS2 ein Zverh, dessen Bedeutung nur ein Fachgelehrter würdigen kann. Für die neue Universität war es von großem Vorteil, daß in dem damals so kleinen Marburg unternehmende weitsichtige Buchdrucker geistige Nahrung dem hungernden Volke gaben. War es doch das Zeitalter der Reformation, die in hessischen Landen burd) Sanbgrof Philipp etngefü^ri unb befestigt Her Wann, Wr für" seine ©ittwöenstteüe „£anD, Leib und Leben" hingeben wollte, für den waren die materiellen Opfer für die Herausgabe von Schriften für die Sache der Reformation und die neue Universität nur unbedeutend. Für uns ist es von Interesse, welche Bücher jüdischen Inhalts dort erschienen, wenn auch zwei von Ueberlänsern tz«nderresl. fiji rgmglWl M M8ElK Mn BBIt gk? iDonncncn mutoriftra großes Aussehen und mast ihnen Bedeutung bei. die von uns nur kulturgeschichtlich bewertet wird, i _ Für uns hoben 12 Bücher Interesse. Das erste, eine hebräische Grammatik, von August Sebastian, ist 1532 von Franziskus Rhodus gedruckt und be° Mit W in mmn sanysmüitotm unter Phiwr 8° 334. Neben dem langen lateinischen Titel, steht der hebräische, der mangels an solchen Lettern in landläufiger Weise lautet: „Mafteach hadikduk umewau kol derech loschaun hakkaudesch . . . nidfas pau beir Marburg, tehilloh le laude haschomajim." Dies Büchlein tag Steinschneider, Fürst. L. Geiger st. 91. Dfll. — 1437 wurden ..Psalmi Davidis" gedruckt. 1538 erschien: ,Der vierde Psalm des pro > pheten Davids außgelegt, |i Item, wie man die Krane I Ken, in fachen, die Beicht, Buß,! vnd empfaung des Sacra I ments vnterrichtenn! vnd in gewissen zu > sriedstellenn I J?h i! Dsttth M, AMvnMM tzBMMMl. GMMSl zu Marburgk durch Tucha j rrum Hirtzhoru Anno 1538 l im herdstmonai jj. Das 6V Blatt starke Büchlein befindet sich in Königsberg. Anno 1642 . ist bei Christian Cgenolph gedruckt: „Der Proset > Joel, gepredigt vnd autz I gelegt, durch Iohan Rodu! phanta, Pfarrherrn zu Marpurg,!! Jererrrie , ©o öe||ert mm eir>er wesen | u. s. vor' Im gleichen"Ossizin"erschienen noch die „Psalmen" 1243. — In hiesiger Landesbibliothek wird ein Druckwerk von Dr. Johannes Dracomiies bewahrt: „Hassefer jeschautetu rabbim, wehirbe haddvass" — 1544 — der Beschreibung nach ein sehr gelehrtes Werk. — liebet die Taufe des Juden Gerson mit Weib und Kindern durch Dr. Draconikus stMchltt Md auch ein marBurair $rms. Wir können daraus vle Reden, Patyen und Feiekttchlreiten ersehen. — Der gelehrte und glaubenseifrige Prediger gewann 15 l6 durch die Bekehrung des .Juden Jsac vom Geschlecht Levi und seines Jacob" der jungen Kirche neue Mitglieder Wie vorhin ist alles genau beschrieben. Isaac alias Jtzig ist als Johannes im 2. Semester t>ort der 32Tarburger llxttoerfltät irrtma« lrleullerl worben — «nch ein dvhn. Als Drucüvrt für hebräische Werke kam Marburg sonst nicht in Frage. — Archivar Dr. Tlrieger berichtete dem Verfasser: .In den Hörerlisten von 1695 hörten bei Professor Oths 2 Juden aus Frankfurt Physik und bei Professor Dorstenius Medizin." Die Stumm Künn Brüökk, — MZ Skk kkllkn DüMk ms 18. Jahrhunderts und Waler ist dekannl, vast mehr» sach Inden den „Burschenschaften" angehörten. - L. Horwitz, Cassel.

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