Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1927)
- Date
- 1927-10-10
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1 arle ED-6. Aus der ArbMStvöü RellgionsphUosophen. Von Joseph Larlebach in Altona. Von Abraham, unsrem Stammvater, dem. BotksüW W Mttfmsier, örzählt vkMnMlU fis¥ Midrasch, wie er den Weg zur Uebersinnlichkeit entdeckt hat, wie er erst die Sonne, dann den Mond-für den Gott des Alls hält, und endlich, in der Verzweiflung, an irgend einer fichtbamn Macht, hinter W ErsOiNMZswelt blicken lernt und den . Himmel, offen ficht. Sa überwand er das polytheistische Heidentum sei-, ner Umwelt, so erahnte er denkend den weltschaffenden Gatt, so ward er reif für die EmpsMZM der gottNssßRöarenden Ssfjm „Kein Vater hat ihn öelchrt', kein LchAk W unterwiesen, aber seine zwei Nieren, die strömten' ihm die Weisheit zu".' , Die geistesgeschichtliche Entwicklung der mods^nett MenschMit'W wittert ähnlichen Weg gegangen,.Me tzoste ÜS?, LffMÜMM, die: Neligion -der -Dibel., glsletzte Wahrheit' verloren. - Ausf/deyr ihr.drohenden Heidentum des Materialismus'hatte dann die wiedererwachende Philosophie -unter dem Sterne Kants, durch die Menschheit emporgerettet, Äann hatte die IriüMphierWde ^NgtyrMissWschyft einen Staatsstreich vollführt und sich selbst auf den Thron der erledigten idealistischen Philosophie gesetzt als mo- WW Königin der ringenden. Menschheit: Lik Religion war zur Geistesmacht niederen Ranges degradiert. Sie bedurfte der Rechtfertigung und Anerkennung durch die jeweils herrschenden Geistesmächte und erborgte sich einige Strahlen DötiMm liftirn Der ZlllM um il! ein bescheidenes Dasein zu fristen. Aber die zwei Mieren", die der Menschheit ihre Weisheit zuströmten, erwiesen sich beidtz als Schrumpfnieren. Sie wurden der Totalität des Lebens nicht gerecht. Mss «ich Mg gönne unD nW der Ttonti ist öle Gottheit, also doch etwas Jenseitiges, also doch nicht das immanente stolze Ich der menschlichen Vernunft, nicht das Universum der Milchstraßen und elektrischen Wellen; der Himmel und die Jjihtmef der .Stimmet vermochten Ihn nicht .zu. fassen — der Weg war frei' zur Religion» zur Offenbarung. Das ist das erfreuliche Kennzeichen der Religionsphilosophie der Gegenwart, sie hat ihre Würde wiedergewonnen. Sie braucht nicht mehr entsck^uldi^e'rld^ leisetreterisch einherzugehn, um das Recht ihrer Existenz, üm ihre Anerkennung zu betteln, nicht unter Preisgabe ihres wesentlichen Gehalts die Belange des Herzens und des Gefühls apologetisch zu verteidigen unter dem denMWnSkn MHwkis tym gen Mo 9 lichkeit trotz der SZeptergewatt vsr legitimen Geistessouveräne. Sie hat keine Angst mehr vor dem Rationalismus und der alle Melaphyfir keugnentzm V«turroiffenfchaft. Sie weiß, daß sie -gilt, in'rw wm m trotz der Sonne und neben dem Monde für alle Zeiten. Sie stellt sich uns unbefangen und offen vor: nicht nur als Philosophie des Religiösen, sondern als solche der O f f e n b a r 11 n g s r e l i g l o n : sie läßt sich ihre Ärgumeniaiion nicht Whk dökschreiben. Wenn Kant mtt seiner kritischen Vernunft die Gottesbeweise in Antinomien definitiv begraben zu haben glaubte, sv erlaubt sie sich ganz energisch seiner Kritlk eine Antikritik, der Gesamtthesis feiner Phiiöföphiö WtttheM entgegen^ zusetzen, die alten Waffen vom Rost zu befreien und als blanken Stahl neu zü schwingen. Wenn bisher die autonomen WiKnschaften von der Natur und vom Geist allein der Religion ihre Stelle in dev an^üwÄsM sich berechtigt Ä dreht die Religionsphilosophie den Spieß ünWksth sagt Mit stärker Gebärde den Mächten der Rchid, wohin sie gehören,, wie weit ihre KompeMzen gehen und wo und wann ihr Äbläirft. Sie stellt ihnen das Bisam aus, statt stütz sie früher sich ihre Äufenihasiser-! laubnis von andren hat bescheinigen lassen müsien. Wenn ich von. den mir von der Redaktion, zur Besprechung vorgelegten Werke (B e it r ä g e zum Handbuch der Philosophie im BiklöZi tzSstU. Oldey tz n r8 1927) ffltl: P r z y wa r y Religion^hilosophie katholisch e r Theologie sowie B r u N si e r: Religionsphilosophie e v an ge l is ch er Theologie, aus das ihnen Gemeinsame hin betrachte, so ist es der oben gerknnskichmtt krafturib selbstbewußten Haltung. Der Theologe ist ein andrer geworden; er ist nicht mehr, um im alten Bilde zu bleiben-, wie ein geduldeter „Ausländer" auf Erden, er ist der Gesandte eines st^rferr ^eistes^olitifc^en Gebildes, der weiß, daß hinter ihm und seiner Forderung eine überlegene Wacht steht. M blinzelt nicht mit den Augen. Er risfterft pW msHr ein mitleidiges oder verächtliches Lachen aus dem Hintergrund der akadKMWkn ifrfirpg »nk ftt^arif^en ^lütterwflldes. Er spielt Nicht BersteS, Er meisten Pie Sprüche Per Erde, der philosophische^ „Diplomatie", und weiß den zünftigen Herrücken Be*, scheid-zu tun. Ich muß bekennen,Mß Mir diese Sorte yon Theologen bedeutend besser. gefällt, «K.u» M.'MMM' ü« M ^freien", die nicht sreiwaren, die immer besorgt waren anzustoßen, in verschwommener Unklarheit redeten, damit mpn aus ihren Worten alles und nichts heraüslesen konnte, hie in steter Berleugouftg der vItt ihnen vertretenen ,,fremden" Ieisibsmac^j st!s „^rtzemheimiM M ten und ihr Komez^wie ein Pasiach sprachen. Diese neuen TheoloßeN gehn zwar nicht in Ämtsrobe, lassen das falsche Pflthos und die Geschmeidigkeit des Salons gu Häuft, aber find auf Schritt und Tritt als das zu erlcnncU) was sie sinh. Mit ihnen ist jedenfalls eher weiterzukommen, in Freundschaft oder in achtungheischender Gegnerschaft. ... Denn seihsioersianöllch, wir llUlsi sin Negativen mit ihnen gehn, mit ihnen der Wissenschaft vom Ich und von der Natur ihre allumfassende Herrenstellung bestreiten, mit ihnen den Blick über den Kreis des Irdischen hinaus in die der ^inendlii^keit und Extramundanität richten, so bedauern wir., grade wegen i>et auf rechten Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit ihrer Zielbestimmung, ihrem weiteren Fluge uns nicht änvertrauen. zu können. Denn wonach sie steuern, vor ollem bei der evangelischen Gedankenreihe. ist..— das, Paradox, hie Verleugnung üpd drückung der Vernunft, hie Trennung des Logos der Vernunft, yom „Kogos/der , Osfenbarüng", die Anerkennung des Absurdüch durch ein Credo?) 'Do kann des' Juden- Seele- und Geist' nicht - «ÜL-U 1 - - aJl ii ul.n.iif.i!rrr"'LUi--iir V folgen. Wir. vermogkii! einen > kvmradtttvrifchen Gegensatz von Vernunft und Offenbarung: nicht zü süssen. Wir können uns' nicht/ vorstellen, daß Gatt uns mit Vernunft begnüdet.hat, damtt wie sie' schlechterdings zum. Schweigen bringen: Wir ver- Ttcto Haß Dss AmgMn getrübt ist, daß er die letzten Weltzüsammentzänge nicht.eindeutig, nicht pollkomrnen durchschauen kann, haß tzeshälb. Gott durch Begnädung dex geistig Hochstehenhen uns' erleuchtet . und. die Geheimniffe der Geschichte und der'Natur, der Wllung sinsi Wfgllbs hes MnM M Wmos und das Schicksal der Seele ich.Diesseits und nach dem Tode uns erMießt. Aber immer ist Offenbarung, ist 'Prophetenschau nur eine Stufe höher und klarer und stcherer und chndrinßestder ats. echte Weisheit^ sie ist nur den Irrtümern und Engigkeiten der Vernunft entgegengesetzt, sie ist erhaben über die alltägliche Vernunft, aber nicht schlechtweg dem Logos zuwiderlaufend, sie eist ihr voraus, ist zunächst ihr ünfoßhar— vielleicht gar paradox—- kann aber von ihr ereilt, durch reichere 8r?a!)rung un! gründsicheres Denken eingehölt werden. Alles zuerst .Unfaßhare der Prophetengesichte erhellt sich dem forschenden Äuge der Chochma als in sich Eftfft begründet und der reisen Vernunft ge- *) Brunner S. 4. „Christlicher Glaube ist die Erkenntnis von der Durchbrechung dieses' (des vernunftimmanenten) Zusammenhanges durch die Offenbarung." S. ß. Dieser Glaube leugnet, „daß der persönliche, lebendige Gott allgemein, von d^n in der WM und im Mnslhsllhsn Mist ööaröDintf Iiiüinörn MllgliAkilkn ix* fannr werden könne. ' G. 6. Dieses bestimmte und . dem allgemeinen Degken Aerg erliche . . . ist die Voraussetzung der Thü»logie.. ' . "' S. 12. ... „Glaube, vom natürlichen Menschen aus gesehem ist' tollkühnes Wagyis,? Sprung ins Dunkle." »WiWk8 r«t^plisch«r Religion ist nicht, in Errechnung von unten nach oben, vom Geschöpf her sichtbar, sondern allein, in ehrsürchtigem Schauen zu Gott'^ über Älter Schöpfung, von Gott her. Sie gibt sich mchi erst in einem auf errechenbarer Gotteserkenntnis aufgelagerten eigentlichen Glaubensakt ins Geheimnis."