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Der Israelit · 1927-10-10 · Heft 41 (10.10.1927) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 41 (10.10.1927)
Date
1927-10-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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MH ißt 10 Oktober 1927 Der Israelit Nr. 41 Seite 19 zutreten in das andere Reich, Lohn und.Strafe zu empfangen. Wo war das Maß für die Schuld, für die StvLsL? — Nicht mit MmschMzzist MLtt u zu Vom Erdbeben in Erez Jisroel. Eingestürztes Wohnhaus in Nablus- Unter den Trümmern wurden neun Menschen begraben. Wimnm, zu sisaPn. Ewig waren allk. Nicht sündig allein nur schien die tote Welt draußen, der Fels, der wuchtig geballt war zum Gebirge, der dahingleitende Fluß. Nicht sündig auch schien der herbstliche. Wald und die öurckeigrün ges<Amü<Eie ^erghäiöe. Äellll die Frühsonne goß die tausend sprühenden Funken ihres Goldes über die Erde und hüllte sie in ein überirdisches Flimmern und Gleißen, das seinen Abglanz wie zurrendes Blenvlicht in den grauen, nüchternen Raum warf und ihn mit warmem Leuchten bis in die letzte Nische füllte. Ml Lik m»mmm Mm tilgt M funkelnde Scheinen, denn in ihren Herzen wohnte Betrübnis feit langen Jahren und pulste mit jedem Tropfen Blut durch das geängftigte Leben zu alten, kaum MhzWM WMöen hin. Nöt, Mmenschliches Grauen, unsagbare Marter, Tod in jeder Gestalt war über das Land gezogen ,als der Wahn die eisengerüsteten- Heere nach Palästina ziehen ließ — und ins MMMn. In die qualvolle, gleichsam wartende Stille des Bethauses scholl ein unvermitteltes, hartes Poltern. Ein rauher, unterdrückter Schreckens- \fym ZM; uuä lüh äb. Ein Flüstern nannte den Namen Rabbi Jehuoäs, des Achtzigjährigen. Hatte ein plötzliches Taumeln den Greis angefallen? Rabbi Jehuda saß aus dem harten Sitz seiner Dank, aus die er niedergesunren war,' Ms üewußtsein schien ihm geschwunden. Doch bleich die Nächststehenden sich um ihn bemühten, richtete sich der alte Lehrer yocy und wehrt? ab. Sein Blick wanderte an den Zetern vorüber, dur«^ sie ^indurc^ weit in die ^erne, in die Unendlichkeit; dr» schmale, zerfurch le E^?isenhand hob sich mit Umuii, vcrtru.no,Bewegungen, die Finger waren gebogen, ms griffen sie nach etwas, das in unbestimmter Wecke schwebte. „Ich W!" sagts MM -loimoa mit kaum hörbarer, verschleierter Stj-om» Roch wußte keiner oer r^rnftehenden, der Herandrängenden, was der Rabbi sab. Aber ehe noch eine Frage ausglimmen konnte, fuhr die weiche Stimme fort: (elje fte wieder. Sffie fefje ich. Voran den Mönch Raduls, der den Tod predigt. Zu Tausenden folgen ihm die Verhetzten aus Frankreichs Dörfern. Zerfetzt find ihre Schuhe und zerrissen ist ihr Wams, ihr Mantel Ist ßuripgßrt. MW W Dis EWMsr unD Messer. Aber sie tragen das Kreuzzeichen auf der Brust und die Macht der Faust ist ihnen. - Sie plündern und morden. Der Kreis um ihn erweiterte sich, die Männer wichen zurück. Rabbi Jehuda erhob sich, wie von einer WMZMM Kväst ZAüäßM, [ii«. " iöött sich und schienen die unheimliche j ammerung des Tages zu durchbringen. Beschwörend hoben sich die Arme. „Ich sehe Mauern wanken und brechen. Ich j?i,e zwei Heere qegeneinanderstürmen M chlWk "ißirrnrs )r :r. um nrnm ’-Sercev, und öle > t as a sch - U ten!.11o l und gdv. vgeil u? 1 Ich f*\-n b'' Kr'' ’ ju.- n. ci . ,.v.. .-.cs i\' •.per» d»e "-"7t Hirrt?rt l uf Schien27.."anz»r i:r .. enitMN-ck i iC« ' &'9 s L {Bant etbbc&cn in Erez Sfswel. im grrstSükn Nnvlns, Und dennoch! — Die Frommen empfänden, daß es seltsam hell und freudig für einen Herbsttag draußen— gewesen sein müsse, als es urplötzlich mit dem ersten TkM pxx LMSh SUIlM wurde. So überraschend war der unvermutete Einbruch der fahlen Dämmerung, daß sie erstaunt und erschrocken zugleich, die Augengegen den Himmel wandten, die Ursache der Verfinsterung HU erforschen. Keine Wolke breitete einen Schleier über das Tal. Die Schale der Firmaments aber war wie in durchsichtige, glasige Nebelschwaden gehüllt und doch konnten es nicht Nebel fein, denn das blasse, kränkliche Grau schwang sich UNUUtxroruchen von der Tiefe zur Höhe und wieder zur Tiefe, vom Horizont zum Horizont. Die Sonne verlor den prunkenden, prahlenden Goldglanz und zog sich zusammen zu einem feurigen, blutroten, tückisch glotzenden Ball. Die zischenden Strahlen?' e - zitterten roch in TvdetfgNZst Mtz hauchten Sie Jüift aus. Aus den Fugen des Erdreichs stieg ein grünliches, geisterhaftes Flirren, wob sich gespenstig um jeden Stein, um jeden Strauch, drang durch die Scheiben in den Vötftcl r.w) fischt mm Zünsttzästdr tUwihhmiäel um lebe Kerze. „Scheworim!" klang auf. Der rote Ball am Himmel versank in Nichts. Nur noch ein gelber, schwelender Ring hing im UlMwWn, troftros und trüb. | Alle Kreuzfahrer, die das verloren gegangene -Land wiedererobern sollen, stnö von den Judenj'-chillden befreit. Mit dem Judengeld wird die imrif oollf nrt timfilt. Mit dem IudmgM vc-aio betn Kaiser der Schutz bezahlt. Und der Kaiser möchte schützen. Aber seine Hand ist zu schwach. Raduls hetzt im Dom und die Plünderung ÜkllMNt. Die Gassen hallen wieder vom wilden Geschrei. Die Türen werden einoeschlagen, die Hauser durchstöberi, ermordet Mann und Weib. Aus den Dächern schlagen rote, züngelnde Nammsn. Aus den Landstraßen liegen die Frommen tot, im Fluß treiben die Leichen der Söhne Israels." Ergriffen lauschte die Gemeinde den langsam fließenden, tonlosen Worten. Viele noch standen da, die die 'Schrecken der Verfolgungen vor vierzig Jahren miterlebt hatten. Nun riß die seltsam aufauellende Schilderung die Wunden auf, das sie aufs neue bluteten. Eins Wslls rnas u still im Raum, ganz still. Nur das schwere, keuchende Atemholen der Männer und — von nebenan — das gedämpfte zu Frauen hauchte gegen die schmucklosen Wände. „8ch sKhäi^ sstSäch Mieter Nablli Jehuda. sitiieiJjzu-.Q pi Haube, huckt gegen Schild und Hcllsöerge. Stveitkowen toben gegeneinander und Morgensterne wüten. IMi itllNM mötta? ygM WSP hu g«üi; Fahne Jfchmaels inft. immer er '-e bunten Standarten oer Kreuze.-er, zer,u,i.'.n; zerspellt sinken die Lanzen in den Staub. Blut fließt in Bachen von den Hichen der heiligen Berge. 26er tötet, soll gelötet werden! Rabbi Iehuda schwankte, griff in bte leere Luft. Die Umstehenden fingen ihn aus und betteten ihn auf seinen Platz. mmimt Ms MMh; „TheruU' Und' gegen das trübe Grau hob sich dos Schofar und stieß schwingend den Lärmrus in me erschauernde Gemeinde. Ein heller Strahl stahl sich durch!>ie fealbe Finsternis, fue Sonne erwachte und wehrte sich gegen die Dunkelheit. Lohend flammte am Himmel ein glühender Kranz, der sich langsam, wie zögernd und do^ wie siege^sicher, süW jjjft gßfÖs nem Licht zur funkelnden Scheibe. Der grünliche, dunstige Schein, der über die Welt gelagert war, wich zurück in die Nischen und Furchen des Erdreichs. Der Tag erglänzte von neuern in überirdischer Pracht. Die Höhen wurden überrieselt von blauem Lichtregen, der Weg des Flusses erstrahlte zu spiegelndem Glanz.;;Mio!" iiitelte t)mm am Um gsbogenen Horn. Und die Frommen beugten tiefer noch das Gesicht und beteten: „Hajaum haras aulom, heute werslle MWM ües ßimmelg unb M Erde vor Gericht gestellt!" Bom fSrüßtßeii in ttm tümn. Tuitttt UR^Hik Auf döttt 8U»erg Elnget»rüikter Torbogen und vrrschobene Wendeltreppe. So ab?r h?:ßt es in dem B-rfcht des Rabbi Si'^nKn' b-en Erft srP r:-? bc<(; i,ie ihre festen 'steltungen ver- 1

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