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Der Israelit · 1927-10-10 · Heft 41 (10.10.1927) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 41 (10.10.1927)
Date
1927-10-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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oeiif 18 m. 41 Der Israellt ^imooer iW. meinde in Zucht und Ordnung. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts fand Sabbatai Zewi, der sich als Messias ausgab, in den kabbalistischen Kreisen der Salonikier Gemeinde Tausende begeisterte Anhänger, deren Nachkommen eine ^ekle von Kryptojuden bilden, die m Saloniki leben und Dömneh (Apostaten) genannt werden. Einige unter den Führern der jungtürkischen Bewegung, wie der Großvezier Taalat Pascha und der Finanzminister Dschawid Bey, gehörten dieser Bitte an. Big zum ffietttrieg rannte Das DW Saloniki seine Sonderstellung aufrechterhalten dank seiner numerischen Ueberlegenheit (85 000 Juden unter einer Gesamtbevölkerung von 135 000). So konnte hier, mitten im tür- «Wn klNk WIW Mmoft phäre geschaffen werden, die dem gesamten Stadtleben ihr Gepräge verlieh. An . Sabbaten und Feiertagen ruhte alle Arbeit in der Stadt, „das gange Rad MtlD fstll . Auch M Häsen ijerrschie Sabbatruhe, da die vierhundert jüdischen Hafenarbeiter, „die alle schwere und grobe Arbeit besorgten", „spazieren gingen in ihren pelzverbrämten Kaftans" (Kielland)- Viel von dieser Atrnos^l^äre!st noch vorzufinden, trotz veränderter Verhältnisse. Der Zustrom der griechischen Flüchtlinge in den Nachkriegsjahren hat die Bevölkerung der Stadt bis zu einer halben Million anwachsen lasest, {8 Bil StlBen gegenwärtig 15 Prozent der Einwohnerschaft darstellen. Eine starke Bewegung zur Wanderung nach Palästina macht sich immer mehr bemerkbar. Die alte Traditionstreue konnte nicht abgeschwächt werden. Ein Freitagabend in Saloniki ist ein eigenartiges Erlebnis, das man nicht vergißt. Von allen Gassen strömen Massen festlich gekleideter Männex gtz HylWMN. DflS Licht lausender Sabbatkerzen flammt aus offenen Fenstern und Veranden. Liebliche Ruhe breitet sich über das Judenviertel. Jetzt erschallt Gesang aus den hellerleuchteten Häusern und althebräifc^e Hymnen klingen [fjjj} ^gglltkr Gequälte Alltagsmenschen erbeben ihre Herzen zu Gott. Ewigkeitsstimmung zittert in» der Luft. Es ist ein erhebender Augenblick. Alles, mm ich MN Dischsn Eälsniki zu sehen bekam, zeugte von einer Lebenskraft, die die erschwerten Verhältnisse nicht zerstören konnten und die pädaaogisch ieden Vergleich verträgt. Ick, suis nmcnmwti Irmenquarttere mit sauberen, g>.t angelegten und unglaublich billigen Wohnungen, die die jüdische Gemeinde nach der Feuersbrunst des Jahres 1917 erbaute. Dies däuwt mir Sin Mllstss ¥ätm$llilJ VAib Meckmäßiger sozialer Hilf-. Aber was in erster Linie dem jüdischen Halorüti das ungemeine Interesse verlei.st, ist die sephardische Frage, die hier ihren Brennpunkt hat. Hier ist viüMiäji ööp Wi Platz m biv Welt, wo Sephardim, diese in vieler Hinsicht iniere-iünte Gruppe der Judenheit, noch eine Zeit tfcr; ursprüngliche Reinheit aufrechterhatten. önnen. Im Saloniki von h^ts erhalt man ein zuverlässiges Bild d?r Sephardim ihre Thorarollen und Steine von den Gräbern ihrer Väter mitführend. Kleine Gruppen siedelten sich in Holland, Italien, später in England an. rvo sie sic^ rasc^ der Sfrachx gssh ihres neuen Wirlsvolkes anpatzten. Aber die Hauptmassen liehen sich in den» nord afrikanischen Staaten und vor allem in der Türkei nieder. Hier leben sie seitdem ihr Sonderleben, das gleichzeitig altjüdisch und altspanisch ist. Anthropologisch repräsentieren sie einen edlen jüdischen Ty- Pllf. SReHtträriM fc^entte bekanntlich diesem sphardischen Typus sein besonderes Interesse; er machte sich im Amsterdamschen Ghetto ansässig, um ihn besser kennenzulernen. Die Sephardim > biner richtiger Kastilianisch, untermischt mit hebräischen, türkischen und slawischen Sprachelementen (sogen, ladino). Chärakteristischerweise bezeichnen sie öiksk Sprache als alMlfch. Ladmo spricht uh& schreibt man (mit hebräischen Schriftzeichen) zu Hause, in der Schule, beim Gottesdienst; es wird rm Geschäftsleben angewendet, in der Literatur und in einer weitverzweigten Presse (allein in Saloniki erscheinen ein Dutzend spaniolischer 3e'ttunqen{ unter itpw süssf Mll der Sprache haben sie viele altspanische Kulturgüter bewahrt, wunderbare kastilianische Aussprüche (welche Hajim Vedjarano, der Oberrabwn3»wW£jjjT,5 'jJ* f Vttlk vom auf (mi MiM Str^tvirxtLl i« haben bis jetzt ihre physiognomische Eigenart bewahrt und man begegnet heutzutage oft Rembrandtschen Gestalten. Dies wurde auch vom Schweizer Forscher Karl Legt tzssöächtst, ja? össt fephardifchen Typus charakterisiert: „Im Orient und in der Umgebung des Mittelmeeres begegnen! wir diesem semitischen Stamm mit langem schwarzen Haar und Bart, großen, mandelförmim, K&marpn fflgen, mit Dem metandjotiftfp Als ©öffi iw Swlowifi w»ii feeiw Tpiwiwphk-wgew bes ©alerlws. oder Spamolen, mit Bezu-' auf ihre ursprüngliche Eigenart, ihre Gestalt und Phvstognomie, ihre Sprache, Sitten und Lebensweise. Als Ferdinand der Katholische und Jsabella im März 1492 Ms für Spanien unD iie 3uöen vsrllsngniZöslls Dekret betreffs die Vertreibung Unterzeichneten („Wir befehlen, daß unsere Königreiche alle Juden austreiben und daß sie niemals zurückkomrnen sollen"), so bedeutete die-; einen gewastsameu Mederbruch eines blühenden Kulturlebens, deren Hauptrepräsentanten Gabirol, Jbn Esra, Jehuda Halevi und Maimonides gewesen waren. 600 000 Menschen begaben sich plötzlich auf den Weg, unr neu? Heirnatsorte ^u suä^en^. Ausdruck im länglichen Gesicht; just der Typus, ctt.. wir im Kembrandtschen Porträt wiederfmden („Vorlesungen über die Menschen", n, 238). Es ist etwas Vornehmes und Würdiges in ihrer Hältllng, etwas von her «Evamjchen gemischt mit historischem Selbsttzewußtsein. Ihre kmH 0°ct nmst im Schaffen neuer Werke, son- .'f.'n im u>ei.'-mrtzn alter. Ihre Begabung ist mnsw m «ttiver Mßrinmtwimuis; sie sind lebende Träger einer asten, teilweise verschwundenn Kulturwelt. In dieser letzterwähnten Eigenschaft haben sie auch viel von der altspanischen Kultur bewahrt. Die Sefhardim fpskchkll AltsxNllWder Türkei, im Aufträge der spanischen Akademie der Wissenschaften sarnrnelte)^ ' aite Romanzen und ' Volkslieder, die ursprünglich in der berühmten Eid- Sammlung vereinigt waren, Liebesweisen und Kinderlieder; ein Teil von yMüSkMkk MivM. ein llMM gesättigt mit tiefer Lebensweisheit. Viele dieser Lieder, in Spanien längst vergessen, sind bei den Sephardim im Orient bewahrt: Beispielsweise eine kastilianische Werse, die bei Kinderspielen m Gebrauch lfi (anfKeZeichnsk in öZii bü!äär^cßen 80naustadt Rustschuk). Die Kinder stellen sich auf im Gänsemarsch und singen mit geschlossenen Augen: Vemd, Venid, Cavallero, Ammlü al trionntgro, Escuje cuala quereis, A la bellä non mi tomeis. (Es kam, es kam ein Ritter, Stieg hinauf zu den Schönen. Wählst, WSlchS Hk WöÄ, Die Schönste nehmt mir nicht.) die spanische Akademie vor etlichen Jahrzehnten eine vollständige Sammlung altspanischer Romanzen vorbereitets. da saudts sie den bekanntest Römponi^en unb Rerfafs'er be Lara zu den orientalischen Sephardim, den Nachkommen der aus Spanien Vertriebenen, um die von ihnen bewahrten Romanzen auszuzeichnen. Eine eigentümliche Ironie der Geschichte! Äi? )ie gervi^e tre^on^ere Ruancen jüdischer Kultur repräsentieren, leben in den Balkanländern, der alten Türkei, in Nordafrika, Palästina und Südamerika. Dhre An^l beträgt WgxM glOE UilB eine halbe Million. Der spanische Senator Angelo Pulido, der seit einem Jahrzehnt an der Spitze einer Bewegung steht, die die sephardischen Juden nach Spanier? Furüstbrin^en möchte^ ml deren'Anzahl aus zwei Millionen. In seinem neuerschienenen Buche: Le Peuple Judeo-Espagnol, Premiere Base Mondiale de l'Espaane, Paris 1923). Es findet sich xjxl tzkkjöneZ llnb Wmr pathisches bei diesem fernen Zweige des Judentums, das echt und eigenartig ist. Gleichzeitig mit dem ganzen Orient durchleben gegenwärtig die Sephardim eine tiefgehende geijitg? V.T# fxgjglk KklsiZ. Die vri^nlastschen streben nach westländi/iyer Kultur, iuft in dem Augenblicke, n?o das von Nntergangsbsstimnnm<ger; beizs^rfchL wird. Es liegt etmas tragisches )n bkü Möglich' ketten, daß biöfsr CuropäisterungsproZötz auch die lebenskräftige Kulturwelt der Sephardim verschwinden ließe. ^Aus demSchwedischenübertragen von Esther Mieses.) 9ss Gesicht des Rabbi Zehada. Don Gart KolkerbauM. An jenem Rosch Haschonoh-Tage des Jahres 4947 stand dichtgedrängt die Gemeinde im Betijaiis. Den Schall Des MDDecharns Zu hären. „Hajaum haras aulom, heute ist der Geburtstag der Welt, heute werden alle Geschöpfe des Hin.mels und der Erde vor Gericht gestellt!" Demütig vor diesem Gericht beugten die Beter Nkf Ms $Mtßh bereit, zu teuer StunDk hinnDer-

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