Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1927)
- Date
- 1927-10-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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1 1 ) L Aus We f f ancf JLeten Dllustrisrfe aum Dsanefif Saloniki, das Zeakrum der Skphsrdim, Von Dr. W. Ehrenpreis.*) (Mit 2 Federzeichnungen). Saloniki — schon den Namen umgab durch Jahrhunderte innerhalb des Judentums ein Schimmer von Poesie. Das ehrwürdige Wer der jüdischen Gemeinde und ihre einzigartige Traditionstreue machte sie zu einer Art Jerusalem des Exils, dessen Glanz lange nicht verblichen ist. Berühmt rvar dis Frörnrnigksit, rvrs die Gastfreiheit dieser Gemeinde, Me v!e! juMjcije UüAIinge aus der ganzen jüdischen Dias- - pora anzog. Aber erst durch die Masseneinwanderung der se- MMschM Juden aus der ibertf<i>en £)alkin[e[ des 15. Jahrhunderts gewann diese Gemeinde ihre dominierende Stellung. Hier versammelten sich gelehrte Rabbinsn, Dichter wie Großiausieuie, hier entstanden die ältesten hebräischen Buchdruckereien und Bibliotheken und fand die spanischjüdische Kultur eine gesicherte WWWS. M ioioniiiN W meinde betrachtete sich seitdem als das Zentrum der Sephardim und der portugiesische jüdische Dichter Samuel Usgue bezeichne gg. Damals mit wm ftoim Schriftwort: „Eine Mutter in Israel." Sultan Bajesid H., der den Vertriebenen die Einwanderung gestattet hatte, mornts: ^Ferdinand der Kathollsche machle sein üan^ W mein Land, zu bereichern'." Saloniki ward das Zentrum einer wiedergeborenen jüdischen Tradition, in Treue und Reinheit Eigenleben der jüdischen Gemeinschaft. So berichtet der norwegische Dichter Alexander ß. Kielland: „Der Anblick dieser Abkömmlinge der alten Juden erklärte mir Josephus' Geschichte, die ich halb Mißtrauend im Winter gelesen halte, Sn den Juden in Saloniki erkennt man wieder die ungezähmte Kraft, von welcher Josephus erzählt, das Heldenvolk, das härteste etwa, das die Römer zu brechen hatten . . . Niemals sah ich hübschere dünner als Mefe Süösii ist TÄlökstk!, Ölß UM Sabbat-Morgen in den Gassen oder außerhalb der Mauer promenierten, und niemals einen feineren Ausdruck in den Gesichtern. Es war ein Wohlwollen, das nicht ängstlich war sich zu zeim, ünl WM WSRk. ififs ich Ms uÄ ,ortu^iesis«^en Juden, den Kephar'dim.' So entstand etwas Einzigartiges: eine ausgeprägt jüdische Stadt m der Diaspora mit jüdischer Bevölkerungsmajorität, mit einem in vollster Freiheit gepflegten Leben in jüdischer Tradition, das unberührt blieb vom Wechsel der Generationen. Rach üem grvellkn Balkankriege sprach man von einer Umwandlung Salonikis in eine internationale jüdische Freistadt unter dem Schutze der Mächte. Reisende erzählten mit Bewunderung vom *) Wir entnehmen die nachfolgenden Ausführ ungen der empfehlenswerten illustrierten Monate schrift „Menorahin Wien. Der Bau der Arche. (Nach einem Gemälde von Rafael in den Fresken des Vatikans in Rom), rvohnte im Norden Europas, würde ich jedes Jahr nach Saloniki reisen, nne!n ein Sch würde meine Stammesverwandten aussuchen, ich zöge den zobelverbrämten Kaftan an und die Hellen Unterkleider und die Freude über des ausermählten Volkes Schönheit, soweit sie bewahrt ütiUö iittS sich MWjMn fflimtß, miirDß meini Beine strecken und meinen Rücken aufrichten . ." („Mennesker and Dyr", 1891.) Als ich gegen Ende 1925 einige Tage in Saloniki weilte, erlebte ich etwas von der Stimmung mi Mann veMtM, mmus mm: Äöill man den Anblick der Stadt gSNtHöN, tut man am besten, sich außerhalb ihrer Mauern ein Plätzchen zu suchen; auf einem Fahrzeug draußen im Meerbusen erhält man einen herrlichen Rundblick über Salonikis pittoreskes, terrassenförmiges Panorama mit dem schneebedeckten Olymp im Hintergrund. Aber innerhalb der Mäü-m ficht MSN zunächst nur Die alwieiMWk Stadt aus Abdul Hamids Zeit, mit den engen krummen Gassen, mit halbverfallenen Häusern, mit kleinen türkischen Cafes, daneben moderne Warenhäuser mit dem gewohnten orientalischen Lärm unk) Wirrwarr: Snmtttsn Dirstf ^verfallenen und halbniedergebrannten Ruinenhaufen wächst mit erstaunlicher Schnelllligkeit eine neue Stadt empor, mit breiten Boulevards, mit Kanalisation, elektrischer Straßenbeleuchtung und M finrr WH m ber ten Jahre nahezu verdoppelten Einwohnerzahl. Diese unharmonische Mischung von Alt und Reu wirkt beunruhigend und errnübent». ^gfontk! dagegen schenkt dem Besucher erbauliche eindrucksvolle Stunden. Es hat zwar viel von seinem alten Glanz verloren. Wiefätjßlti KNW llsid vevnidjtenbe Feuersbrünste zehrten an seinem Lebensnerv. Doch jetzt steht es kraftvoll und lebensstark, würdig der großen Vergangenheit, auf die es zurückblickt, Man weiß wenig vom Schl^a! Me^er ^ie!- lung aus dem ersten Jahrtausend d. gew. Zeitrechnung. Im Jahre 1170 fand der jüdische Weltreisende Benjamin von Tubela in Salons! §88 §inwv^n?r, die sich mit allerlei Handwerk beschäftigten, sie hatten ihren eigenem Vorsteher, der von der Regierung entlohnt war. Im 12. «Ttb 13. Saljrl^rmbetfi gefett« ten sich zu der ursprünglichen Stammbevölkerung bedeutende Flüchtlingsgruppen aus Deutschland, Frankreich und Italien, die eigene Synagogen gründeten, genannt nach MziliZW UWiWWkts vor fflrujp. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die Juden mit der übrigen nichtmohammedanischen Bevölkerung gleichgestellt. Das 15. und 16. Jahrhundert waren das goldene Zeitalter des jüdischen Saiflnifi; Tausmöc WWkk LAiüAistkllk gencvn-nte Marranen, aus Portugal, Spanien UNd Italien, suchten Zulfucht im freien Saloniki, wo sie zu ihrem alten Glauben zurückkehrten. Sie brachten Bildung mnd Reichtum mit sich und gaben Jm^ulfe ^u eitlem intellektuellen Aufschwungs. RabbiniM Studien dlüyten in den berühmten Hochschulen Salonikis. Die Rabbiner befaßen Macht und Autorität,, sie hielten die Ge-