Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1927)
- Date
- 1927-10-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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MNZ lö Dir Diroiui 10: M«1M . Nur die wenigsten Männer blieben nach dem Mittagessen zu Hause, die meisten füllten schon nach einer Stunde wieder Altschul, Klaus und die klkMkkN MWWki HItö PsWUWZk M8MW und trugen sich durch die halbgeöffneten Fenster von Bethaus zu Bethaus. Bald sah man auch schon die Frauen und Kinder auf dem Wege zu den Schulen, wo zum Schluffe des Minchogebeles das vielstimmige und vielmalige ..Owinu MalkLM'' sch LUZ «MZtt AMLN mmi UttB stürmisch losriß. Dann schwärmten sie in Scharen nach dem Südtore, dem in der Herbstsonne silbern leuchtenden Mainstrome zu. (Fortsetzung folgt.) Sie hatten ihn zu Gast. Ein Bild aus dem Warschauer Aalewki. M« KV MÄkWl Wl8 88FH1H 8kl Skll Mietern der vielen kleinen Wohnungen in seinem Hofe nicht sonderlich beliebt. Er wollte vielleicht nichts Unrechtes, wollte seine Miete haben, was aber die kleinen Leute, die in schwerem Kampfe um das tä^lr<^>L tnajpjpe Brot panben, pets als Zumutung, Beleidigung und Herausforderung empfanden. Es gab harte Worte auf beiden Sei ten. So kam der Hausbesitzer Schlome Gittels in den Ruf eines bösen, harten Menschen, der einen Stein an der Stelle hätte, wo andere ihr Herg |c£pagen pikiert. Für einige Tage im Jahre spielte er aber den hochherzigen Hausherrn. Er hatte eine schöne geräumige Laubhütte in seinem Hofe stehen und duldete es, jo wünschte es sogar, daß alle Bewohner der Vorder- und Hinterhäuser im Hofe in fkülks ksftllr MM sich Si? Gäste dabei nicht, gönnten ihm Sie Freude nicht, meinten, in seinem Blicke stolze Ueberlegenheit zu entdecken. Dieses Herrengefühl im Gesichte Schlome Gittels verdarb die Festfreude der kleinen, armen Leute. Aber da die Aufstellung einer ßmn ©Mo am (MDfraae mar, verbissen sie ihr Unbehagn und gingen in Schlome Gittels Sucko. Da passierte in den Tagen der größten Wohnungsnot einmal etwas, das eine ganz neue Situation herbeiführte. In mm M kleinen WHnungW Echlvme Gittels zog im Sommer eine Familie ein, die mehr Kinder als anderen Besitz hätte. Es gelang aber dem neuen Mieter, dieses dem Hausbesitzer zu verschweigen; er zahlte ein Handgeld und hielt mit KM Mb KMl seinen Einzug: Lei bem Handgeld blieb es aber. Schött nach Ablauf des ersten Monats blieb er die Miete schuldig und tat es beharrlich auch nach Ablauf des zweiten und dritten und vierten, machte gar keine Miene zu zahlen. Schlome Gittels tobte, wütete, drohte, aber all biep $ppife j>rallierx »oix beim SOlanne, tcr nichts hatte, ab, wie von einem gulgeölten Eisenpanzer. Der Mann lächelte mit dem ruhigen Lächeln eines Menschen, der seine Sache auf Nichts gestellt, zeigte auf den einzigen Besitz, auf dis vielen Kinderchen, dis irn Zinuner ihren Hunger mit lustigem Geschrei überlonlen unö zuckte mit den Achseln: „Ihr kriegt Euer Geld, wenn der liebe Gotthelfen wird." Diese Anweisung auf lange Sicht genügte Schlome Gittels nicht mehr. Er verlor die Geduld^ »rschts ssins Drehung wahr» mb hotts dis Polizei. Feste Hausmeisterhände griffen zu, der armselige Hausrat, die Betten samt Bettzeug waren bald draußen, die Kinder kamen heulend nach und die Familie war auf der Straße. Obwohl die Nachbarn alle wußten, daß die FrvdrWttZ Schlsmz Gittrls llnvrcht i¥=, hoben war, so nahm doch alles, ausnahmslos Partei für die arme Familie. AN schimpften sie im Ehore auf den hartherzigen Musbesitzer, um so mehr, als er es vorzog, außer Sicht zu bleiben. Da kam ein-Nachbar auf eine geniale Idee: Dort stand im Hose die leidlich gut gebaute Jahressucko, das Dach war heruntergelassen, die Wände dünn, aber immerhin Wände. Auf alle Fälle besser, als unter dem freien Himmel, da die Herbstwinde sich schon meldeten. In wenigen Minuten war aller Hausrat in die Sucko geschoben, die Kinder kamen nach, Mann und Frau 8öHr m likg W ksikk WkliöMk MiDM, M8N hatte auf alle Fälle ein Dach über dem Kopfe. Als Schlome Gittels nach Hause kam und die Bescherung sah, ließ er es an eindringlichen Protesten nicht fehlen, aber sie blieben nutzlos. Gegen die Beziehung einer unbewohnten Baracke'durch He Bellte litte M Me PMet Mt iiü geringste einzuwenden. Aber nun kam das Suckausfest heran. Der Mann machte gar keine Miene, mit seiner Familie die Sucko zu räumen. „Wenn der liebe Gott helfen wird," sagte er mit dem Gleichmut eines Wilo^öpHen. §Aöme Äiüels war!er Verzweiflung nahe. Die Mieter hatten ihre Freude. Aber auch sie bedurften einer Laubhütte. Da kam der langgehegte Plan zur raschen Ausführung. Jeder steuer!e ein paar Eroten bei. 8a!b waren ein paar Bretter, Stangen und Klötze da, eine Wand wurde an die andere genagelt, Laub vom Markte herbeigeschafft, und direkt neben der Baracke der armen Familie stand eine Sucko da, hergestellt Mly MN MWM m WM UHD WWnutzbar. Dann luden sie Schlome Gittels ein, in ihrer Sucko zu essen. Wie sie am ersten Festabende so beisammen saßen, hatten die Mieter zum ersten Male ihre Hkö, kHlö gumpuüg. Wk fflapffi s (z Sir Hausherren und Schlome Gittels der Gast — der Mieter, der keine Miete zahlte ... Die neue Flucht. SSort 9ta£>f>t*rer ®r. Jeßj Sanier rrt (tDlä^ren). Reu ist diese Fliichl elgeüllrch nicht. Ne lrtetet nur eine neue Erscheinung im Judentum — die Flucht aus dem Hause. In früheren Zeiten spielte sich das ganze Leben des Juden innerhalb „seiner vier Wände" ab, in einem Hause, im Kreise seiner Familie. In seinem Hause genoß er die höchsten Freuden und erduldete die bvttevjtexx Seiden j tn MW MkkNHSWrMM'Ft gfs Boren, von wurde er erzogen, von hol er „gelernt" oder gearbeitet, später sich verlobt und geheiratet. Dann hatte er sein eigenes Heim, sein eigenes Haus und lebte o, wie er es im Clternhause vor sich sah; er lebte zu Hause, in seinem Hause. Heute bringt der moderne Jude den.größten Teil des Tages und die größte Zeit seines •Geberts meist «ußerholb des Hetuses gu. Nichts toirb ■rr vmfervr st gemieden «ls das Haus; dis größten und wichtigsten Ereignisse unseres „Familienlebens" spielen sich außerhalb des Hauses ab. Geheiratet wird nicht zu Hause, sondern auswärts oder unterwegs, in einem fremden Restaurant, einem Gasthause oder in einer Bruderloge. Geboren wird man in einem SanalvmmkMM KrtMkMNllse oter in «r grauin? mmr; Die ÄinDer schickt man möglichst frühzeitig in -iS Fremde, um dort zu lernen und dort sich für das Leben vorzubereiten. Und wie man in der Fremde gelebt, so ziehen es viele vor, in der Fremde zu sterben: im Sanatorium, Krankenhause usw. Möglich, daß die Verhältnisse .sich geändert haben, daß diese Art Flucht aus dem Hause ein Postulat der neueren Zelt darstellt und in m MtlMMlMn fißflriinöüf ist. (Tinos MM Ml est: die Flucht aus dem Hause ist nicht jüdisch. Diese Flucht, die, wie jeder nüchterne Beobachter gerne betätigen wird,. seit Ausbruch des Krieges eher zunahm, als abnahm, ist geeignet, dem mit Recht vielgepriesenen jüdischen Familienleben den letzten Rest seiner Poesie, seiner Innigkeit unb Sinnigkeit 511 nehmen. Mer nicht nur unser Familienleven. sondern ein Teil unseres, religiösen und kulturellen Lebens spielt sich meist nicht in den zu diesem Zwecke bestimmten Räumen ab, sondern außerhalb derselben, m Räumen, die anderen Zwecken dienen. Es gibt Kultusgemeinden, die ihre Sitzungen im „Klub" eines Kaffeehauses abhalten, weil llüMlich Dort Oer die MHluMMM Mwnms lung zu svziMu «»ß¥&, manche Mischen N»eim haben überhaupt kein anderes Lokal, als das Kaffeehaus. Dort kommt man zusammen, dort wird debattiert, diskutiert, und beraten über Fragen von weittragender Bedeutung. Ueberhaupt scheint das Kaffeehaus nach und nach die Stellung im Leben des einzelnen Juden wie überhaupt ber Juberrheit eingun-ebmen, xoie pe pril^er — stl venia oeröo — dl« „Klaus^ und das Beth»HanN» drasch einnahm. Früher galt der erste Weg . des Juden dem Beth-Hamidrasch; hier fand er. ferne Gesinnungsgenossen, hier hatte er die „Chervrä", der er angehörte, hier hatte er seinen „Schiur"' und hier fand er nach des Tages Mühen und Sorgen seine Erholung und Zerstreuung. Jetzt hat der Jude „sein" Kaffeehaus, oder wie man zu.sagen pflegt, sein Slummkaffee. Hier hat er seine Kartenpartie, hier findet er „seine" Gesellschaft, hier sucht er feine Ruhe und Zerstreuung in allen Stunden des Tages und auch teilweise der Nacht. Und wie man sich einst im „Beth-Hamidrasch" über eine schwierige Talmudstelle stritt, für einen guten „Chason" sich begeisterte und schwärmte, über den Raw und seine Drasch« (Predigt) disputierte, so streitet man heute im Kaffee- Hause über — eine Kartenpartie, eine Kegelöder AWlMK; sv WlMl MN M Ml MM Ml Soubrette, einer Koloratursängerin und des.Theaterkomikers. Und wie es einst manche gab, die in ihrer Liebe zur Thora an bestimmten Tagen des Jahres ihre Nachtruhe opferten und im Lehrhause wachten, so soll es auch in neuester Zeit an solchen sonderbaren Schwärmern nicht fehlen, die sich keinen Schlaf gönnen und mm in Der M oDtr im Msemusk m Dam» mernden Morgen erwarten. So ist eigentlich alles beim Alten geblieben, die Szenen haben nur gewechselt und auch die Personen, ihre Ziele und Zwecke, ihre Ansichten und Anschauungen, ihr Geschmack und ihre Geistesrrchtung. Kein Volk weist so viele Gegensätze auf, wie das yjubentum — mein ein ereiftreiöier '©ön-iftfietler. Kein OlKMMlim HIIMI Mil jj* l)*i UlMj | •l«)|||l|lMIMI »»»»»» Volk hat so viele Asketen und so viele Schlemmer und Prasser, so viele Gelehrte und so viele Kartenspieler, wie das Volk Israel. Die alte Geschichte: les extremes ses touchen'. . Und wie die Männer, so die Frauen. Gleiches Recht für alle; mas bert Herren recht ift. ift ben Damen billig. Der Besuch des Kaffeehauses ist manchen Frauen in vielen Großstädten direkt zu einem Bedürfnis geworden. — Auch viele Frauen begannen bereits aus dem Hause zu flüchten. Zur Hebung und Förderung des Familienlebens trägt diese sonderbare Flucht jedenfalls nicht bei. Einst galt der Grundsatz in Israel nv'w na 1^2 01122 m DM Ml \m MM. M fflu iWrn WlllM und Walten im Heiligtume ihres Hauses wurde sie geschätzt und geachtet. Heute kann man fast von der Frau nicht verlangen, einsam und verlassen ,zu Hause zu bleiben. Der Mann meidet das Haus und sucht seine Ruhe und Zerstreuung außerhalb des Hauses; die Kinder find ebenfalls nicht zu Hause, auch sie verbringen ihre fr-eie Asrt <xiz^errha.tb bes i-etls -auf b-ert (£>j>oxrkunv Aergnügung'splätzen, teils ‘ auf Ausflügen und Vergnügungsfahrten, teils in Vereinen und Versammlungen. Was soll „die Priesterin des Hauses", wie einst die jüdische Frau genannt wurde, im verödeten Heiligtum ihres Hauses allein anfangen? Wenn Me flüchten, muß auch sie die Flucht ergreifen und das Haus bleibt dann gänzlich leer ... Ei«N8l im ZzW Nutz m ZM sM Mn mklMn und außerhalb fernes Hauses fernen Aufenthalt nehmen: am Laubhüttenfest. An diesem Feste wird ihm zur Pflicht gemacht '«is »2p ni'i» ss, Haus und Heim zu verlassen, um in einem anderen Raume vorübergehend Aufenthalt zu nehmen. Die Erfüllung dieses Gebotes betrachtete aber der Jude nicht als eine Flucht llU8 Mm MW. fonDrni als Die MMUN Mkr relir giösen Vorschrift, Sie ihn eigentlich zu dieser Flucht zwang. 1112 'vpnin ibtw 'S awn' 'in nsmn was 'rss 7112121 Und daß ich mein Haus verlasse, um Dein Gebot zu befolgen, möge mir als Verdienst angerechnet werden usw." Der Jude verließ nicht gerne fein Haus,., sein Heim, seine Familienangehörigen, und mußte es sein, um ein retigiöjes Gebot gu erjiülen^ bann gejdpn^ es in DegleUung feinet Frau unv Kinder, von denen et sich nie und. nimmer gerne trennte und losritz. Nur das jüdische Heim ist die feste Burg des Judentums; die Flucht aus ihm erschüttert seine starken Grundsäulen. — JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-ANNAHME zu Originalpreisen ♦ Frankfurt am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurtmain 142353 ♦ Efnsfg? In?trfl4n-An*»alnn^ für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« ♦ Annahme von Inseraten ffir sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochen« u. FachbläfteT ♦ ■' JULIUS SCHMIDT ANNONCEN -.ANNAHME zu Originalpreisen Betrifft’s Photosport? na a m* SchillQrplatZ 7 "■■"T (Pariser-Hof) L. A M. Neithold I rr> m er w leJ£ die bekannte Spezia Ifirma fIiranTa.iO:f:ü.in-