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Der Israelit · 1927-10-10 · Heft 41 (10.10.1927) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 41 (10.10.1927)
Date
1927-10-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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stllllltl-k- Bcilagg Der Israelit Feuerzeichen. Kin HHetto-Ztoman von S. SHachnowih. (Fortsetzung.) Elsbe ging das HekA hüch. Sie wußte gUt, von welchen Voraussetzungen ihre Verheiratung, abgesehen vom gesetzlichen Hindernis, abhing, von einem Abschlüsse seiner Studien. Und er durfte schon darüber sprechen. Cr tarn ihr zuvor- „Ich habe die M o r e n u vom Posener Rabbinat erlangt und werde das Diplom vom Frankfurter Rabbinat bestätigen lassen. Ein Amt als Rabbinatsaffeffor ist mir dort angetragen, eigentlich schon übertragen morden — fügte er töte von ungefähr hinzu — ba ici) Lief er ffiürbe auch für Meine Mission in Frankfurt und anderswo bedarf." „Vater wird Deine Fähigkeiten und Deinen Fleiß loben, die Dich das Ziel eher erreichen liefen, an erwartet", sagte fie, msikm fie mir flinken Fingern den- Tisch deckte und alles alte Porzellan und Zinn wie an Feiertagen hervorholte. „Und ich werde d i e loben", lachte er, „die W stets bei mir war, mich anregte und antrieb, daß wir bald ans Ziel kommen." So war es, sie war stets bei ihm, stieg mit ihm. Sie schlug die Augen nieder. Etwas lief ihr durch den Köpf, daß sie die Schwingen, eben noch zum kühnen Fluge hocherhoben, wieder Tinten likß. „Und das Gesetz, die Stättigkeit?" raunte sie, indem sie ihm die gefüllte Taffe reichte. „Auch der Stein wird aus dem Wege geräumt", sagte er zuversichtlich, „es kann ein Wunder geschehen. Man erlebt so mancherlei in öinioöiii: „Ein Künder", wiederholte Elsbe mit der Innigkeit eines Gebetes. Inzwischen verhandelten im wohlverschlossenen Jnnengemache des Oppenheimischen Hauses die beiden ersten SJiämrer der Gemeinde mit David Grünhut. Grünhut, verbissen, die scharfen kleinen Augen unter halbzusammengezogenen Brauen gespannt nach den Mienen der Männer gerichtet, den Spitzbart wie immer nach oben gekehrt und im Munde kauend, hörte aufmerksam zu. Sr machte fein Aeh! aus {einer Freundschaft mit Eisenmenger, und sie machten ihm keinen Vorwurf daraus. Widersprachen auch nicht, als er trocken beteuerte, er habe nur bei Mslhsrnu§gnhs km wenig mMMeni 2i? Manuskripte und Schriften gegen Die Juden aber nicht gekannt. Es sei wahr, daß Eisenmenger, wie auch Schudt, sich zuweilen von ihm Erklärungen und Uebersetzungen hebräischer Texte geben ließen. Schudt, den Juden, wohlgesinnt, sei gerade mit der Herausgabe seiner „Jüdischen MöNwürdigMton" beschäftigt. Wozu Esenmenger die Texte brauche, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht. „Zu seinen Anklagebüchern gegen uns", klärten ihn die beiden auf, bestrebt, den Mann, dessLtt Hilfe sis suchtsn, nicht unnötig HSVSULKUfordern. „Dann solltet Ihr ihn vors Besdin laden und ihm kraft Eurer Jurisdiktion nach jure divino MÄksHMbsn «krtzikkkn", Meie Mönimi Ni Anspielung aus seinen Fall. „Wenn sich Iud e n an solches Verbot nicht immer halten, wie sollten es Nichtjuden tun?", zahlte Oppenheim mit gleicher Münze zurück. aber halb scherzhaft, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. „Höret, Reb Dowid", griff Rabbi Schmuel gleich.und gradeaus ein, „wir wollen miteinander vernünftig reden, ohne Latein, wie ein Mit Win BliBtn Ml! W mm\ IM WM sein.und Israels Helfer." „Ich, der ich von Gott verlassen und von Israel verstoßen bin, exmittiert?" „Sprechet nicht so. Kein Mensch ist von Gott nerlaflen: HnD läßt er non Sott, so läßt Sott nicht von i h m. „Denn es verläßt Gott nicht sein Volk", steht deutlich geschrieben. Wer hat Euch verstoßen? Man hat Euch den Verkehr mit Eisenmenger verdacht, vielleicht, weil man Sinn und ^rveck -nic^'t verstand. Nun glauben mir zu verstehen, was der Heilige, gelobt sei Er, mit diesem sonderbaren Zusammenbringen vorhat. Ihr geht zu Eisenmenger nach Heidelberg und bewirket bei ihm, daß er die Drucklegung seiner neuen Schriften gegen uns, wie die Verbreitung der früheren unterläßt". „Wenigstens über den hreizehnten T i s ch r t hinaus, damit erst die Juden beim Könige reine Luft finden", ergänzte Grünhut pfiffig und wissend. „Ihr habt gelauscht!" konnte sich Oppenheim mißt enthalten: „Es entehrt den Mann, bem man die offenen Wege verschließt, nicht, geheime zu suchen." „Nun sollt Ihr Euer Wissen gut anwenden. Entschließt Euch", drängte Oppenheim. Grünhut nührn die Varts^i^ö aus dem Münde, erhob sich, durchmaß ein paarmal nachdenklich das Zimmer und sah mit vielsagendem Lächeln dem Hofjuden klär ins Gesicht. Oppenheim kannte dieses.Lächeln. „Die Sache wird Geld kosten. Wieviel ist sie wertr Trggtf?r- Päbbi Schmuel Schotten machte eine Bewegung, als zitterte der Stuhl unter ihm. Aber der kluge Ahron Oppenheim, der das Leben in all seinen NiederUügen kannte, gab ihm ein stummes Zeichen mit der Hand und sagte ganz ruhig: ..Damit haben mir auch gerechnet. Wir Dachten an die Summe von fünftausend Talern, an der sich noch andere Gemeinden beteiligen." „Das wird zu wenig sein." „Versteht sich, ohne die Spesen für Euch, Vergütung Eurer Mühe und Auslagen, die wir wieder ^rn sfist fiTifßfH iMfsfch Talesss anffhlugen." Grünhut Überlegte und schüttelte ablehnend den eckigen Kopf. „Mit dieser Grundfumme darf ich zu seiner Magnifizenz nicht kommen." ^,Es joll unSj gelingt es^ die Manuskripte gtt vernichten und die bereits gedruckten Schriften vom Verkaufe in den Städten zurückzuziehen, nicht darauf ankommen, bis zu zehntausend alles in allem zu gehen." Dawib ®rimfmi biß am Barts ßermn unfi machte ein nachdenkliches Gesicht. Er wußte auf einmal vollen Bescheid und hielt es für geraten, ihn zu sagen: „Eisenmenger," berichtete er, „ließ ein großes Buch drucken, benamst: „Entdecktes Judentum". allms er ..gründlichen und Wahrhaften Bericht geben will, welchergestalt die verstockten Juden — so nennt er sie — die heilige Dreieinigkeit erschrecklicherweise verlästern", alles aus ihren eigenen Büchern erwiesen, behauptet er. Darin ist in vielen Kapiteln auch der von ihm öcsiauptctk Gcörauch von Ehristcnblut am jüdischen Passahfeste behandelt. Zweitausend Exemplare sind v0n diesem Giftwerke gedruckt, aber noch nicht unter die Menschen gekommen: Pan Men ans baden die Inden kluger griffen, haben sich etwas kosten kaffen und ein kaiserliches Edikt erwirkt, wonach all diese Bücher unter Schloß und Riegel kamen. Man sagt, sie liegen in Frankfurt. Einige konnte, versteht sich, Eisenmenger retten und feinen Freunden schicken. Sie haben genugsam gewirkt. Eisenmenger setzt die ganze Welt in Bewegung. Des Preußenkönigs Friedrich Hilfe rief er sogar an, der ihm helfen will, aber nicht kann. Eisenmenger wird nicht «An, nrtz Wrn, m kl kkA in eine Freigabe der Bücher bewirkt hat. Sein ganzes Vermögen steckt darin, seine ganze Ehre steht auf dem Spiele. Ersteres geht ihm, versteht sich, viel näher . . . Und darum wäre, glaube ttß, mit TAS StW«§ W MüHen." Keiner wußte es ss gut wie Ahron Oppenheim, wie es um die Exemplare Eisenmengers stand.. Grünhut hatte ihm nichts Neues gesagt. Aber er ließ nichts merken und fragte: „Wieviel meint Ihr?" „Mit zwolftaujend wirb es, glaube ich, möglich sein." Ahron Oppenheim ging schweigend an den Schrank und entnahm einer Truhe einen kleinen Lederbeutel. „Hier", fct^i er, indem er den Ventel Grünhut überreichte, „die e r st e Rate als Vorschuß und Euer Reisegeld, macht Euch h e u t e m i t t a g n o ch mit der Taxispost auf den Weg nach Heidelberg." Damit nahm die Besprechung des Morgens, Die Frucht einer Mflusen Nacht Des MW Schmuel Schotten, ihr Ende. 3. Schon mit Morgengrauen füllten die Beter am ersten Roschhaschonotage weißgehüllt die Ältschul. Als Der lag moßr hsranwnchß. hallte bik Stimme der Posaune durch die Gasse und über sie hinaus, daß sich die Töne von Schul zu Schul, von Bethaus zu Bethaus trafen, vor denen sich auch Frauen, Mädchen und kleine Kinder sammelten. um ergriffen zu lauschen. In der Klaus tM ssit Wm Wn Wum opWWm mit hoher Stimme und hingebender Andacht das Musiafgebet vor. Als er die-Worte in altüblicher Melodie rezitierte: „Unser Gott und Gott Unserer Väter, führe den Mund der Abgesandten deines Volkes Israel, zeige ihnen, mas sie sagen. kehre sie, wie sie reden ..." Äersching sich fast seine Stimme und er weinte, von einer Andachtswelle erfaßt, die sich auf die ganze Betergemeinde übertrug. Er dachte an seine Mission. Aber die Tränen galten mehr ihm selbst: in Scham und Zerknirschung versetzte ihn der Ge- Dante, Dag Das Erscheinen var Dem Ihrane eines Menschenkönigs von Fleisch und Blut ihm mehr Sorge und Bangen machte, als das vor dem Könige aller Könige am Tage des Gerichtes. Und eine Wechselwirkung der Gefühle arbeitete in igTHj baß er zitterte gtoij<fjen Qp^rjurc^t und Vertrauen. Der „Melech Ewjon" zeigte die ganze Größe und Allgewalt des himmlischen Vaters, dem er jetzt die Gebete der Gemeinde vortrug, der Gedanke an Dan ..Malach ffiljan". Dar sich un[oror arDarmt. wie Der Vater über seine Kinder, nahm wiederum der seiner in Heidelberg harrenden Aufgabe alles Schreckende. Es war ja ein Mensch, ein „König der Dürftigen", ein Mensch, „dessen Grund von Erde kam und der am Ende der Erde zustrebte, varglichan ainam MdraOenen Scherben, dem welkenden Grase, einem fliegenden Vogel, einem huschenden Schatten, einem zerrinnenden Traume ..." Erst um die Mittagsstunde trafen sich die festlich geputzten Menschen, aus den verschiedenen Vethüusern kommend^ mitten in der Gaffe. Die Klausbeter sprachen begeistert von der heute besonders schönen und andachtsvollen Vortragsweise des Ahron Oppenheim. Eine gute Septembersonne leuchtete in DU Gasse unD verklärte die Gesichter in Zuversicht und milder Versöhnung. In den nebenanliegenden Straßen spielten Hörner und Trompeten, Pauke und Trommel die Herbstmess e ein.

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