Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1927)
- Date
- 1927-10-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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10 LMVer 1927 Der Israelit Nr. 41 Seite 3 Kap. 99, § 628), Und nun folgt eine Kette von Benediktionen, in denen die jüdische Seele dankend Gott preist für alle Kräfte, Gäben und Mitte(: für die Fähigkeit voll und ganz der Jisroelfllijßa&S lfben Qu können, law - 735> - ‘»‘VW '2VV 8*1?) für das neu geschenkte Augenlicht, (B'Tiy np7s) für das schamverhüllende Kleid, (B'viiV V'3°?s) für die neu geschenkte Kraft und Gesundheit, die L frei macht (v'iivrr -,'N») und die aufgerichtete Menschengestalt beblngi, (B?B^55 3si diesen Rahmen fügt sich auch die n37i ein: »pn psn ft psn- Der Schulchan Aruch, § 46, empfiehlt uns, die Benediktion zu sprechen 7’ton n'i»^3 Usn bv' wenn man feine Füße auf die Erde ai. Auch sis ist UNS NM gWenil uns VM bestimmt, treu den Menschen zu tragen. Muß das jeden Morgen so sein? Könnte es nicht auch einmal anders kommen? Das eben sind die Fragen. die der jüdische Mensch sich täglich stellt und nach beren LiiWWöN M MO BrNchü KjffiCTti trän ft psn »pn -",37 yn> Am dritten Schöpfungstage erhob sich die Landmasse über die Wasser; trän ft psn yp7> Am Meeresufer ift den Wassern die unverrückbare Grenze gesetzt, die sie W VkWkkÜkl! I""”' p«n mosV pa»* „eine Grenze setztest du, daß sie sie nicht überschreiten, daß sie nicht mehr zurückkehren, die Erde zu bedecken." (Ps. 104.) Der Psalmist sieht den trocknen, geordneten Bolllll fl{§ kill ©nabentje|dpm$ Gottes an. für das wir täglich zu danken haben. Schrecklich bcr Gedanke, es könnte das Meer, welches rund drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt, einmal seine Herrschaft über das Trockene ausdehnen. Als wollte uns die Vorsehung zuweilen sinnfällig Daran snnntni; W hoi gtssKo? im Laufe der Zeit bekannt geworden. So bei der tückischen Nordsee. Ehemals reichte die Küste viel weiter ins Meer hinaus und Dünen schützten das Land. Gewaltige Sturmfluten aber durcklbracken die Dünenrvand und verschlangen (tUt tf}* * III.J i i i r große Länderstrecken, jetzt zur Ebbezeit nur noch als Watten zu erblicken. Auch der Jadebusen, der Dollart und die Zuidersee sind vor etwa 6 Jahrhunderten durch Sturmfluten gebildet worden. Im Jahre 5170 verwandelte eine gewaliigv SiüWM 88» JjottanD m OütianD alles m eine wilde Wasserwüste und begrub 100 000 Menschen in ihren Fluten. Die Seebeben bei Japan und im Südosten Asiens haben noch größere Opfer gefordert. Die sächsische Katastrophe zeigte uns öiejert (Sommer, daß auch itef im Binnenlande mit den Elementen kein ewiger ButiS zu flechten ist, daß manchmal das Unglück schnell schreitet, daß auch das Wasser als freie Tochter der Natur auf der eigenen Spur einherzujlhreBen vermag, oft in einer Nacht. Dem 07ftV 123'3VN kann mitunter das ü”nb irp»»m grausam versagt bleiben. Ein Kommentator bemerkt. zur Vrocho '727 f i»n yp7*7 Folgendes: srrp ]fii3 ’IK Ä555 ft ft ^88 f» fmpft ft mm mm 73’^S v'vnb 0*^73’ 138 r’JH MV 17371' "J10S02 T>37X r>7VV^ DISn ft7'v» '73 TlT *73 N'VZ77 s»78.7 ft •Dnn nsft .7371 137 517.7 ä7’pn ,Jch bringe Dir, gebenedeit sei Dein Name, mächttSeil fißnl fül Dein göttliches Walten, rvodurch die Erde sich über des Abgrunds Flut erhebt, („schwimmt") infolge Deines Wortes, gelobt sei Sein Name; und dadurch können wir unfern Fuß auf die Erde setzen. Dies alles tatst Du zu dem Zwecke, daß der Mensch seine Pflichten üben kann in Erfüllung bes Gesekes. Ü, NächW Wik würdig sein, in ihm zu wirken!" Also auch der Regen des Himmels, das Wasser in des Abgrunds Tiefen kann verhängnisvoll werden. Ein anderer meint: nW3M «'8727 Ö'»rt V*7Kfl NVA 11773 B'ttn V2V 'O »nran mn V"Ä7 p«n W ^4 5lbN5,3 .T.7 N337 v'vn 33vb N77N 137 33vb .'737 17Sn7!3 ''pft N777 W"Q3 .78'73N „Er machte die Erdfläche über den Wassern, sodaß das Trockene sichtbar wurde und wir auf Dem Sofcen einhWkSÜW fBflM, (ÄU(Orl) VkNN die Natur des Wassers wäre, die Erde zu umkreisen wie die Luft bas Wasser, entsprechend dem Urzustände, von dem uns berichtet wird,, daß der Geist Gottes über dem Wasser schwebte." Aehnlich nrlchLLl Epstsitt in fatnor nftn tio: vbiv.7 nsm r>M3 ’3 'p«n ft rftn 7Qiy^3 N7pn7 NV3'N n«Sn» nn mpm ll'»,7 51N51 prr.7 .7'.7 7'N'IP '73 51777V'N ft V3VN 733 7N8 Ö7pö brr ü'v.7 .73 b735i.7b I37pv ,7'.7 sb 3"brrV N'by 3'NB7rN7 3"NN Bei diesen Kommentaren ist also auch an die Gefahren gedacht, welche aus Ä!eber^!ägen uni Quellen uns drohen. Das Judentum weiß nichts von/Fatalismus, kämpfte schon vor Tausenden von Jahren gegen das Wahngebilde schadenfroher Azabbirngestalten, die scheel auf unser irdisches IjetäEflaüen. Üg[ SBlF WWW wir jede Aeußerung himmlischer Vatergüte als ein unverdientes Geschenk hin im Sinne des v'7vnn b3» '5i37vp-Wie wir dem Allmächtigen danken für die wiedererwachte Seele, 5i7»V3 7'mvn) ffilC ffiir 88f ULsisiksiÜiA w begrüßen als einen Ausfluß göttlicher Liebe unb Milde, so kann unser Fuß nicht die Erde betreten ohne das Bewußtsein, daß der Boden, der uns trägt, die breite Grundlage bildet für die eigentliche Entfaltung unseres ganzen weiteren Lebens. Cist stns \m? nilHWiM ffrmflgunp. die man.so häufig in unserem Religionsleben wahrnehmen kann. Sie sind aber nichts anderes als Seidenn. 6arn-HandelsgesJ.ii.ii. 47 Bleädenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) 8PE2IALHAUS in Näh- und Sfick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art ein Ausfluß von Natürlichkeit, kindlich schlichter Danküarköil, m zur MWeil öingaßt «n Dienst Gottes hinführt (Ps. 100.) Cs kann bei all diesen Betrachtungen an unser feierliches Gebet am -Feste erinnert werden, an Stellen wie: am xbi nni3' osn D'jnnV 751 jn „es donnert ÖHf tobend", ir>7^ni blNv H.73 17N33 „verleihe uns die Regentropfen, doch führe sie auf sanfter Bahn." Und bei geöffneter heiliger Lade: .nppb *67 N373b - 577»°? nbl Ü"Nb-1777'? nb7 xvD'b llMgksi ökk kommen ^um Segen und nicht zum Fluche, zum Leben und Nicht zum Tode, zur Ersprießlichkeit und nicht zum Schaden." Alles Wünsche, ebenso weitschauend als weitherzig, universalistisch das Wohl und Wehe aller Mitmenschen einschließend. Wolf Pappenheim '"3 Zum Eintritt ins achtzigste Lebensjahr t5>"ay> Am Jom Kippur des Jahres 1848, als unter dM DlMllör Mi MMtze Die LriMkil Ml? dischgrätz' in das niedergeworfene revolutionäre Wien einzogen, erblickte in der Preßburger Judenstadt als Sohn einer Familie, die seit Generationen dazu -berufen war, in der Leitung dieser Muttergemeinde des thoratreuen Judentums eine jührmS- M? zu WIK. SffiOlf WMIWU1 DOS Licht der Welt. Die Stürme zurzeit seiner Geburt spiegeln sich in dem Wesen dieses hochbegabten Menschen. Aufgewachsen-u-sid erzogen in einer vornehmen Umgebung, saß er als Jüngling zu Den RW Dis I[oid Asti,- Bfp Bffiifinss Worte er mit dem glühenden Durste des lernbegierigen Schülers ausnahm, und genoß, was damals eine besondere Seltenheit war, eine gründliche und umfassende allgemeine Bildung. Sm Hause ferner Familie trat er zu den zahlreichen chersönlichkeUen, die bamals bje großen Kämpfe für die Orthodoxie führten, in engere Beziehungen. In der Jeschiwah, die damals eine Glanzperiode feierte, befreundete er sich mit vielen Bachurim, die in der Folge führende Stellungen ZU UUeiUkWkU Mmm Mttlsi (ß; 5; Sonenfeld, <&alomon Breuer, M. H. Fuchs, Jesaja Fürst u. a.). dir zur zweiten Natur. Unser großer Lehrer Maimowirst üinrnnl bi« Wge auf8), ms bester fei, ein- TOCIt etile Ctrofte Summe fiii: gut-e ^roe^-e ober ntut CtUe .. J g 0 » '« . ß>V die gleiche Summe in vielen kleinen Teilen, xjft es verdienstlicher und empfehlenswerter, einmal taufend Franken zu verschenken, oder tausendmal einen Franken? Er antwortet, das letztere sei oorzuziehen, dein war einmal sich zu einer großen Gabe aufschwingt, dessen Herz kann leicht roie&er fjart tr*erbert, fo txrß er fern Ohr ein anberes Mül &cm Nus &sr Net mal gegeben hat, der wird nicht mehr aushören zu geben, und das Wohltun wird ihm zu einer schönen Gewohnheit. Vielleicht ist dies der Sinn des Thorawortes inm ’ ■pai’ yv rri>i ii> jnn pm „Geben, geben sollst du und es verdrieße dich nicht, ihm zu geben."«) wie die Alten es erklären, hundertmal sollst du Men, KM« wirk m Dir niöjt mrßr sgMl deinem armen Bruder zu hölfkU. Das Sukkosfest ist ein Fest der Freude und die Thora mahnt uns: “uni -it-ni ^riasi -)iai nns i3.ni nnnvi ,1^7pv3 ivrr navbrrm „Du sollst dich freuen an deinem Feste, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd, der XUdü» unb ber Fremdling, die Witwe und die Waise, m «; uzm Ktm UnfQFfl WMsl UmiM über hierzu, so schön, unb sinnig, Soll spricht zu Uttsi Vu nrr nvv» ’jk ns nvvv nns dk iVet nrann nsas nsrans »Meine Vier entsprechen deinen Vier; wenn du die Meinen erfreust, erfreue ich die deinen."^) So wird durch das Gute, das wir Anderen erweisen, Sukkos, das Fest der Hütten, wahrhaft werden ist eine Zeit UNskM FwMI 8) Maimonides Hilchoth wo? ") V Mof. 15, 10. ") Räschi zu V Mos. 16, 11. ") V Mos. 16, 14. Xlsmss Der Simchas-Thora-Vall. Don %v. 3m Städtchen Lustigheim herrscht ein buntes TreibenffiiM iflEDffßn fnmmin «iillMßrm: SHnp und - festlich gekleidete Herrett Lttlstsigsn dkMwM Mb begeben sich in die Löwenwirtschaft. Auch eine größere Anzahl Autos und Motorräder sausen daher. Sie alle bringen neue Gäste herbei. Vereinzelt stellen sich auch tanzlustige Damen und Herren aus den nächstgelegenen Orten ein,' die es der kurzen Entfernung wegen und aurk^ aus Rück^c^t jüdischen Feiertag vorziehen. LU "Flitz zu' kommen. Ju' alstnetzr kommt Dug-nd des Städtchens, die dem frommen Vaterbrauch folgend, den Vormittag dem Gottesdienste beigewohnt hat. Man hat sich an dem heiligen Geschem-Gebet erbaut, und nun kann auch der Frohsinn zu seinem Rechte kommen. Man hat doch keinen rechten Jomtow, wenn nicht ein Simchas-Thora-Ball abgehalten wird. Simchas-Thora- Aallk UllMll gg List ffffff «fffff einen gieren GsgsttsD denken m vleftz zwei Wvne: SlmlyllZ-Lyoi:« und Ball? Die Annahme der Thora am Sinai machte das Volk Israel zum Priestervolke. Die Thora ist der Stolz eines frommen Jehudi. Die Liebe zur Thora bildet unfern Adel upd unfern Vorzug yor allen Völkern. Am Skmchas-Tchöra fveüen wir uns, daß mir die ”01 FfSftertj öre T^pra gu (5nbe zu lesen urtb roieber neu zu beginnen, ©att Dcösutst Nachahmung heidnischer Gebräuche. Und nun noch gar ein Tanz am Sabbath oder Jomtow! Zählt doch das Verbot des ' Tänz'ens gleich dem Fahren oder Reiten, Besteigen eines Baumes zu den n'/mv Gar mancher ist sittlich entrüstet darüber, wenn er einen Bekanttten am Sabbath oder Feiertag mit der Eisen« fiaon «M um. m mi m » a r- Tanzboden — und macht sich des gleichen Vergehens schuldig. Es treten jedoch noch andere wbipf? hinzu, die es jedem Lehrer, Rabbiner und Gemeindevorstand zur Pflicht machen, gegen diese Entweihung unserer Feierau^utreten. Wie schon «noöhnt, kommen Ml bis llNh'lllllNlMN Defulycr oön nutzvrya'ls'Ns per Auto oder Motorrad herangesahren. Da der Wirt nur gegen Barzahlung seine Speisen und Getränke verabfolgen kann, so machen sich die Herren einen nn'n, Geld anzusassen und zu verausgaben. Schließlich haben wir es auch erlebt, daß der Nachmittagsunb Abenbgotttesbisnst wegen Mangel an Mnjvö nicht l8S|g All ÜßiEtÖflg, Da die tanzsähigen Herren tanzlrch verhindert waren. Trotzdem in unserer heutigen Zeit unsere Jugend fast allwöchentlich Gelegenheit hat, dem Tanzvergnügen nachzugehen, will sie sich ihr altes Recht am Simchas- Thora-Ball nicht nehmen lassen. Gar häufig wird durch solche jüdische Bälle bei der christlichen Bevölkerung Sfergentis erregt. Der christliche Arbeiter, ber seiner schweren iüv&fli {«4^ ^188 Sil Israelit öffentlich schwelgt und sich belustigt, während er im Schweiße seines Angesichtes sein Brot verdienen muß. Die' mit großen Kosten und Aufwand verbundenen Bälle erwecken oft den Eindruck, als hätte der Jude über Reichtümer zu verfügen. Nicht selten sind schon Exzesse und Schlägereien vorgekommen, wenn man dett M kiMMdsn Mchtjlldm Den (Eintritt nttr wehrte. Es wäre wünschenswert, wenn die vollständig überflüssigen Chanukköh-, Schwuoth-, Simchas-Thora-, Schab-