Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1927)
- Date
- 1927-09-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 39 Seite 3! 2) ^bpterrrber 19S7 sich^öllkommen mit unserer Meinung und mit von uns im angezogenen Artikel vertretenen Standpunkt. Stellt man aber, wie es auch in dieser Zuschrift zu unserer Freude geschieht, den TI33 JT^ **en „Künstler" (mir verstehen Munter nicht einen künstlerisch durchgein^eien ,rn, sondern einen, der sich als Künstler gibt), sg ist nicht einzusehen, warum man sich bei Anstellungen so sehr gegen die rabbinische Begutachtung der Persönlichkeit und Gesamteignung m stvgM. Von allen und neuen Nigunim. Von Dr. med. Joseph -Levi in Mannheim. -ü'rri W BW;B*BB .hlfl In allen Ländern und zu allen Zeiten sind die seelischen Gesetze, in deren Bahnen das Leben der Menschen und Völker abläuft, im Grunde die gleichen, wie auch die Seele selbst überall dem gleichen heiligen Urquell entstammt. So mag es uns verziehen fein, wenn wir §818881^3 Mit einer Parallele beginnen zwischen Unheiligem um uns, und Heiligem i n unsrer Mitte, da uns hier, wie so oft i"nipadas Unheilige das Nähere und Verständliche ist. Eine wichtige «ll dör Vslfer, die sich nicht schämen, ihrem Gefühlsleben auch äußerlich Ausdruck zu verleihen, ist das Volkslied. Wir wären oberflächlich, wollten wir sagen, es ist der Spiegel des Gemütes eines Volkes. Es ist viel mehr. Es hält das Gemüt des Volkes fest, wie die phvivgraptzsiHc Plaste bis Strahlen des Lichtes, die sie treffen. Das Volkslied, wo und wann es hervorgeholt wird, zeigt immer wieder dem Volke sein eignes Ich wie es vor Urahnen Zeiten-war, mag auch heute noch so sehr äußerlich die Physiognomie dieses Volkes {$ yiräMkt hsbsn. Darum bögllnn auch --- und wir sehen das bei uns in Deutschland deutlich — mit der Selbstbesinnung des Volkes die Wiedergeburt des Volksliedes. Es gehört zum Wesen dieses Volksliedes, daß es in Inhalt und Melodie säst rvie von selbst, rvie etwas rein Natürliches, aus einer Stimmung unb Astuaston heraus gewachsen ist, sie restlos treu wiedergibt. So treu, daß, wo immer auch ein Mensch in jene Lage und Gemütsverfassung kommt, die es schildert. sich ihm erlösend jenes Lied in die WHMnZ dkMgt. DMN unsm MfWe bedürfen der Erlösung durch gemäße, restlose Aeußerung, das lehrt uns heute die Wissenschaft. Wir verstehen nun, es mußte naturnotwendig so kommen, daß mit der Entstehung eines mo- Dmn, MWu ülationaltsmug MH MH Bern jüdischen Volkslieds gesucht würde, nach dem (Line „rUefusa" an der „Miß Columbia".) Charles L e v i n e, der durch seinen Flug Newyork—Berlin mit Chamberlin und seinen abenteuerlichen Allein-Flug Paris- London von sil^ r«den gemacht t^at, beabsichtigt, schon irt den allernächsten Tagen mit seiner »Miß §olumö'«" von London aus einen Indienflug zu unternehmen, um die bisherigen Langstrecken- und Dauerflugrekorde zu überbieien. Frau Levine, die Gattin von Charles Levine, die vor kurzem von Europa nach Amerika zurückgekehrt ist, erklärte dem Vertreter der Jüdischen Delegraphen-Agentur, sie den vollen Glauben, bcrh ihr Gatts auch dieses Flugunternehmen glücklich gu Ende führen wirb. Sei dieser Gelegenheit erwähnte sie, daß Charles Levine jüdische Traditionen hochhält und z. B. am Eingang seines Valanca-Flugzevges „Miß Columbia" eine „Mefusa" angebracht hat. Wochenkalender. v. 1. - 8. Okt. 1937. I r. 5. - 12. Tischri 5687. SanistsA 1 57 -1^ Tuto nnw s Hlottiacj 3 79 Dienstag Okt. 4 8 Aittwoch 5 9 *1133 DT> au? Donnerstag 6 10 1132 31' Freitag 7 11 ZMslag 8 n muri ranpn Volksliede, das die Seele der Ahnen wieder entdeckte. In jenen Kreisen, es waren damals die Jiddischisten, fand man nur kärgliche Ernte. So wurde es, — wie vieles andere auch damals, wass zum Begriffe des Volkstums gehört, — eben WÄtsM MWftli. Dia Natur MM Dur® Kunst verfälscht, manchmal nicht ohne Glück, aber es war immerhin ein Gewaltstreich. Was eigentlich vorzufmden gewesen wäre, paßte nicht in den Kram des modernen jüdischen Nationalismus: Die Nigunim. Freilich, der VsM des Gefühlslebens, den sie umfassen, scheint ein beschränkter. Sie dienten im Gotteshause,-und die Träger des neuen Nationalismus hätten gefürchtet, in den schlechten Geruch guter Frömmigkeit zu kommen, hätten sie sich M llltM mrUten Gutes angenommku. Aber meltyes seiner Gefühle trug der alte Jude nicht geläutert ins Gotteshaus? Nicht nur das Mittelalter schluchzt und jubelt aus unfern Nigunim, vielen von ihnen und besonders denen der Jomim nauroim sagt man ihre Herkunft vom Emi §8i Dem, wio es wolle, DaDrjunDertt haben sie geheiligt, wie die Worte, die ihnen zu Grunde liegen. Maharil, dessen 500. Todesjahr eben abläuft, und der als „wunderbarer Chason" gerühmt wird, soll uns die meisten bekannten Wg«äim übsAisfspt hgtzsn. Dis Iugsnd von heute hat kaum noch Gelegenheit, dies geheiligte, von den Vätern überkommene Gut unverfälscht kennen und schätzen zu lernen. Wunderbar klar und rein, erschütternd in ihrer lapidaren Einfachheit und Schlichtheit drangen die Melodien der öonstm nauroim beni ijvvtv W! 0hV lMd M Öiö Seele, nicht das Lob des Sängers heischend, sondern nur ihrem Ziele dienend nniz» zu sein. Und nur sie allein vermöchten in Wirklichkeit diesen Zweck zu erfüllen. Denn: Nichts hält den Gefühlsinhalt einer Situation für uns so. fest, nichts rükM m, wem lange Won entschwunden, so lebendig wieder auf in uns, wie eine Melodie, die dieser Situation angepaßt, mit ihr einmal verankert wurde, ein Klang aus verklungenen Tagen. Wir brauchen nur irgend einmal im Jahre, mag es auch in froher Frühlingssstmmung fein, brei Takle emek §öI!chöZMSlüd!ö zu hören, dann umgeben uns schon das kühle Morgengrauen, die herbstlich drückenden Nebel der Selichostage im heitersten Sonnenschein. Lange schon, ehe die zünftige Psychologie das Wchtt Assoziation lehrte, wußten unsre Men bn schon diesen ihren Wert voll und ganz zu schätzen. Die edlen, alten Melodien, klar und einfach ln ihrer ewigen Schönheit, den Hörer nie ermüdend, wie die Bauten altgriechischer Kunst, sollen Jahr sük Jahr glßlch ntlmm. Me gkk wattige Fülle der heiligen Empfindungen aus frühester Jugend, mit jenen Melodien verankert und gewissermaßen gesammelt, erwacht wieder und hilft wie durch einen Zauber die Seele in jenen Instand der Weihe zu versetzen, der den „ehrfurchtsvollen Sagen" Ihren Namen gegeßett hat. Die Melodie erklingt, der Zauber beginnt zu wirken. Diese Unterstützung der Andacht durch eine Tonerinnerung, wie sie teilweise ähnlich auch dem Schofar zu Grunde liegt (siehe: owa arnTtax 't r:$r KHyo Iran) wird von x"»n im v"'"m rrx öMI ößforDort: ll'vi'22 irr OTm "srr vyn an:»» »nx n:^ bxi •tw trnaixtp „Man ändere nichts am Brauche der Stadt, sogar an den Nigunim und Piutim, die man dort sagt." Und wie wird. Mute mit Men so lange treu und sorglich gehüteten Nigunim, die biZhök der Minhag schützte, verfahren! Moderne Harmonien machen sich Chason und Chor heute zu eigen und verfälschen damit das alte Gut. Mögen sie LUkNWMMS kiktkU, v«? Gemüt hundert dabei. Au dis Stelle der natürlich gewachsenen, immer dem Gehör eingehenden Melodie, wird künstliches Machwerk gesetzt, das in ein paar Jahren nicht mehr anhörbar sein wird, wie jener künstlich geschaffene Jugendstil in der Architektur uns heute nur mehr jammervoll anmutet, während griechischer Rau uns Immer eW Mtt erscheint. So werden pietätlos Ewigkeit-- Seidenn. fiarn-Handelsges. m. b. H. 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) sPEZIALHAUS in Näh- und Slick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art werte gegen 6 eU KM? unb m'tvb dreifach gesündigt gsgm den Hörer, das Kayal. 1. An die Stelle, an der echtes Gefühl allein gelten sollte, wird schlechtes Theater gesetzt. Chor und Chason sind viel zu sehr in Anspruch genommen von der neuen Melodie, als daß sie der Sache selbst, llöw Inhalte, Mx letzten EMZ BlW wohl die Hauptsache sein sollte, sich innig hingeben könnten. Diese Veräußerlichung teilt sich der lauschenden Gemeinde unfehlbar mit und läßt sie nicht warm werden, nicht in die Stimmung kommen, die Voraussetzung echter Kewonoh ist. Der berüWZ Nsstök unsM jötzlgöll «MMMM tion, Chosez Ehajim, bringt in seiner mm nw» zu einer oben schon angeführten Stelle die kurze, aber bedeutsame Notiz: bnpn nm baba» ’a „denn durch ungewohnte Nigunim wird das Kahal 3. Litt Zvsßes Teil der EöMgindö wlrll durch die pietätlose Behandlung der alten Nigunim verletzt, so daß man nicht mehr von einem bnpb nm» sprechen kann. 3. Als Ausdruck des überwiegend theatralischen Momentes kommt meist auf Kosten echter Kewonoh noch ein Hinziehn Ircs Tollcs^Lnflss dllkH MlßZ stimmung jede gehobene Stimmung bei der Gemeinde im Keime erstickt. Gegen diese eigensüchtige Verlängerung des Gottesdienstes spricht sich n",Tn scharf aus: na n i'ViN fntp 'sb «in «vn nby»b v'innv nnzti nun VM11511 uim sYij? rBfn'r <«":n "v D’T’on nso) „Nun aber ist die Wiederholung (einer von der Gemeinde schon gesagten Stelle) eine Sünde, weil sie dies tun (die Chasonim) um ihre ange- Nöhms Stimme hären zu lassen, und übrigens ist es eine unncllige ^emüljüng . n"bu? spricht das harte Wort aus: mban nia'nxb viia v'nnn nia^nx^ $>e>c f'x So dachten unsre Großen von früher. ’Yij?») ('a "v w)n:»n Und was haben unsre Kleinen von houlö Mxn flitQiQüiMttUcnT „Die Zeiten schreiten fort, wir leben i n ihnen und verstehen nur ihre Sprache". In der Einleitung haben wir gesehen, daß die Sache anders liegt. Nur wenn wir innerlich unfern Vorfahren ftkMB gewlllBell MB) MB m MH ilfren Me-, lobten. Unser Stolz ist es, rein die Gedankengänge unsrer Vorderen zu übernehmen und ebenso rein ihre Gefühlskomplexe. Wir, denen der alte Geist heilig ist, wollen nicht die alten Texte mit neuem Geiste erfüllen. Wir dürfen sie daher nicht mlL mvöernyn MölöZiM «SÄSWMSN, Mü Oft überhaupt, wenn auch nicht jeden Kunstwerkes, so doch jeden jüdischen Gefühlswertes bar sind- Diese ungemäße Vereinigung wäre nicht nur ein Unrecht, sondern auch ein Schlag gegen die Gesetze der Aesthetik, eine Geschmacklosigkeit. So lächerliH geWmllKss wölk Ste m man an Stelle des alten Schofars, die mächtiger klingende Baßtrompete mit Wagnerfchen Hornsignalen setzen wollte. Allerdings, diese Geschmacksverwirrung wird nur dem klar, für den die Tefilloh der Lomiw nauroim noch lyrk llften Gesü^lsmhalte besitzt. Für dett GesühlSükmen, oder m Plöiäst losigkeit Großgezogenen, existiert sie nicht. Wir sehen, wie heute rohe Hände am Werke sind, ein unendlich wertvolles, psychologisch fein burftjbadjies Gebäude unsrer Alten zu zerstören. Mögen diese Zeilen dazu bettragendie gegahlten Träger des alten m:m zu bestärken und in der jungen Generation die Sehnsucht nach den alten Nigunim zu wecken, deren hoher Zweck es war, nichi zu blenden, sondern nawnb-niybr den Menschen aufzurütteln zur Einkehr und Umkehr.