Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1927)
- Date
- 1927-09-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite 2 sr». 39 ZLs«8ilt iMT Eine gefährliche Mvsnhrtzs in m Mfkri. In Konstantinopel hat, wie unseren Lesern aus dem Nachrichtenteil bekannt, der Türke O s - manBeyeinjüdischesMädchen namens E l s e N i e g o ermordet. Diese Mordtat löste ungefjeure ©mpörung r§Sg*6ifliÖ)tr? weis e, würde man sagen, wenn sich die Empörung gegen den Mörder gerichtet hätte. Sie wendete sich aber vom ersten Augenblick an g e - gen die Ermordete und ihre Glaubensgenossen im ganze nLande. Die 8roßf Sffflj WkttkWl in DkWMpsnngen der jüdischer Bürger, fordert ihre Stellung unter ein Ausnahmegesetz oder ihre völlige Vertreibung. Eine reine Psychose erfaßte die türkische Oeffentlichkeit, der gegenüber die wenigsn söNsENttliHen Elemente machtlos sind. All dieses wohl der Dank dafür, daß die Juden seinerzeit freiwillig auf ihre Minoritätsrechte verzichteten, offiziell die türkische Nationalität als die ihrige und türkisch als ihre Muttersprache anerkannten. Das genügt aber öen Mtilmaltütten nicht. Die 3uöon sollen auch aus ihrer jüdischen Haut heraus. Selbst ein so gemäßigtes Blatt wie die „ Levant e " in Smyrna möchte jener Solidaritätserklärung nicht recht trauen und wirft den Juden vor, daß sie untereinander spanisch sprechen und ihre Kinderin eigene südisc^e Schulen schisfksj» cßUltt nennt dieses „Widerspenstigkeit", die die Juden doch einmal den Platz im Lande kosten könnte. Man darf sagen: Es geht hier nur m erster Reihe um die Juden, in der weiteren Folge um d i e T ü r k e i. Die neue Türkei hat sich Sympnlylkn in Der Welt ermorkM unD hat einige gute Freunde im Völkerchore. Wie diese über die unerhörten Vorgänge denken, das spiegelt ein Artikel des Londoner „Daily Expreß" wider. Die Türkei, meint das Blatt, kann in ihrem Wirtschaftsleben die Juden nidjt entbehren. Mit Auswanderung Der Juden würde die Wirtschaft aus dem Lande auswandern, wie seinerzeit Spanien mit den Juden seinen Wohlstand und alle Voraussetzungen seines weiteren Aufschwunges aus dem Lands getrieben hat. Die Juden sind Barometer für bie Wirtschaftskraft eines Landes. Wo bei ihnen die Tendenz besteht, auszuwandern, da ist es mit dem Wirtschaftsorganismus in der Regel nicht gut bestellt. Die Juden gut behandeln, heißt klug handeln. Wllftn M M DewiruBiQenDen Nachrichten aus der Türkei, die an die schlimmsten Zeiten im zaristischen Rußland erinnern. Juden werden verhaftet, schlimmsten Qualen ausgesetzt und vor Gericht gestellt für ihnen angedichtete Verbrechen. Der Prozeß gegen die Teilnehrner gn ber Bestattung bei Ermordeten Wird nicht ohne Folgen bleiben. Tatsächlich weiß der „Berner Bund" zu berichten, daß derVertreter der englischen Gläubiger in der Kou ponsrage den maßgebenden Stellen in Angora zu verstehen gegeben ljaf, hflst Mtz Einsgung in der Frage und eine Sanierung der türkischen Finanzverhältnisse bei Fortsetzung dieser Hetzpvlitik auf Schwierigkeiten stoßen w ü r d e, die bei den ersten Beratungen in Paris nicht in Rechnung gezogen wurden. Wir wollen der HrsfNUW IMüIlI QtfMt, daß Regierung und Gesellschaft in der Türkei nicht einzig aus den Druck voy außen hin in sich gehen — der moralische Erfolg bliebe dann sehr zweifelhaft, — sondern, daß das Prinzip der Gerechtigkeit gjjtz tzxx MrgerfreiWt, auf die sich die verjüngte Türkei nicht genug tun konnte, über die von früher her noch. waltenden finsteren Kräfte obsiegen wird. „Kantor oder Künstler?" Bsm bes Aügemeinen deutschen Kantorenverbandes erhalten wir folgende Zuschrift: „Unter dieser Devise beschäftigt sich der „Israelit" mit einer Frage, die zu meiner Freude seit einigen Monaten die jüdische Oeffentlichkeit stärker als vordem erregt. Ehe ich aber bas eigentliche 3:^ema berü^ve, tjabe ich 23er= MlsfflMg, als Sbrftbenbet bes Allgemeinen Deutschen Kamoren-Börbandes gegen die Ausführungen des Artikelschreibers insofern Stellung zu nehmen, als sie -die Hauptfrage mit der Erklärung des Verbandes gegen eine Bestimmung des Beamtengesetzes des „Verbandes der Bayrischen Israelitischen Gemeinden" in Verbindung bringt. Diese Verquickung der zwei Angelegeuheiteu ist Ist. ÖL ÖÖHi§ Es t[l «m «oberes, ob eine Behörde ein Statut ausstellt, das nach Ansicht der betroffenen Faktoren anfechtbar ist, oder ob in einzelnen Gemeinden einzelne Dinge geschehen, die nach Ansicht der gleichen Faktoren schädlich sind. Um deutlicher zu sein: der derzeitige Beschluß des Bayrischen Landesverbandes schädigt-- u. (E. unsere Berufsehre^ xoeil er sich Njjh! ffgjg barmt begnügte, dem zuständigen Naöbin'e'r ein Gutachten nur über die religiöse Eignung des Kantors zuzuweisen, sondern ihm auch ein maßgebendes Urteil über die Vorbildung (nicht etwa nur über die jüdisch-wissenschaftliche) vorzubehalten. Das konnte der Kantoronstand nicht zugeben, einfach darum nicht, well öor Nllbbinsx übss äii sachliche Seile b?r Eignung eines Kantors in der Regel kein gültiges Urteil haben I ilÄM kan m , forderte mau ja'auch kein rabbinisches Gutachten über die Vorbildung eines in seinem Bezirk anzustellenden Lehrers. Ln nnferm damaligen Protest war übrigens nicht von „radb'nischer Einmischung" die Rede; jch glaube nicht einmal, daß die Herren Rabbiner in bi«fer tzgU mnr.DiM Mg morm, ihM diafluj z«r tung zu bringen. Ich bestreite aber auch, daß ein solches rabbinisches Gutachten „allein dazu angetan wäre, den Kantorenstand rein und frei zu halten von jenen Elementen, die den Dienst am Omud . . . herabwürdigen," denn schließlich kann auch einmal ein ganz streng religiessr Kantor sich durch seine künstlerischer! Ambitiösen ZI! güsSirzÜcheri hrnräbcsiÄcKcsien hmrffWn («sstN, Ml M der Ausgabe des iiar nichts zu tun haben. D a s ists aber auch nicht, was die Berufsehre des Kan-, toreastcmdes unrergiäb,', ebensowenig, wie der Rabbiner st a n d als fclcher geschädigt würde, wenn ein Rabbiner größeren Wert auf rhetorische Glanzleistungen als aut wahre religiöse Erbauung und Belehrung legt. Daruist Bomi: lomme ich zum Thema — handelt es sich garmcht bei der Frage „Kantor oder Künstler"? — eine an und für sich schon unzutreffende Fragestellung, denn was der Kantorenverband erstrebt, ist die innige Verbindung dieser beiden Qualitätsbezeichnungen zu einer einzigen. Wir wünschen! die Heranbildung und danach die verbindliche Anstellung durchaus nur «künstlerM MMklkl KMlMN" lmö DOFstehen unter einem Kantor alles das, was ihn beruflich dazu eignet: musikalische, gesangliche, hebräisch-sprachliche. jüdisch-wissenschaftliche, kantorale Vorbildung unter selbstverständlicher Voraussetzung religiöser Richtung und sittlicher Integrität. Wer den von uns schon vor Jahren den Lehrerseminaren^ neuerdings dex gsMMjj LMlljW- «atz «men geraöt jetzt in 2Iröeit befindlichen Lehrbezw. Prüfungsplan für das Kantorat kennt, muß zugeben, daß darin nichts fehlt, was eine fach- und fachgemäße Vorbildung des Kantors verbürgen würde. Daß eme solche in den noch bestehenden ebensowenig wie in den ehemaligen Lehrerbildungsanstalten betrieben wurde und wird, das ist ss, was den Lehrerkantor, dök jll llllll ßöH äilllltZl für 95 Pivg, ^tememötn, schon aus rein finanziellen Gründen, in Betracht kommen kann, in der Bewertung seitens vieler Gemeindeoor' stände herabgemindert hat auch dann, wenn ein solcher Lehrerkantor sich eine vollgültige kantorale und gesangliche Ausbildung verschafft hat und stimmlich gute Qualitäten besitzt Wogegen der Artikelschreiber dos „Familienblattes" MvtZLtts sin SJlUgüeb bes Ausschusses des Kunwrenoerbandes) sich m. E. mit Recht, wendet, das ist dis Anstellung und Bevorzugung gescheiterter Opern-, Konzertsaal- und sogar Varietee-Künstler, die sich nicht einmal scheuen, sich als-solche zu bezeichnen und vielleicht gar deshalb, besonders geschätzt werden, in Großgemeinden unter Hintansetzung guter, tüchtiger VerufsklllllÜWll, ZUlllölst f-A. üsljrsrkanloren, Are Religiosität und rein religiöse Eignung solcher Kandidaten ist von dem Artikelschreiber gar nicht herangezogen, geschweige denn bezweifelt worden. Auch die fachliche Vorbildung eines Berufskantors garantiert diese Eignung nicht. Immerhin darf die Kantorenschaft der jüdischen Presse dankbar dafür sein, dieses, uns und unseren tzjs auswühtenbe Problem in letzter Jett öfter in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen zu haben. Nur so kann der so wichtige Stand der Berufskantoren die Schätzung erlangen, die er verdient und sich zu erkämpfen entschlossen ist, nicht 11132^, sondern n-nnn -mr^i aipnn ri3D^ zum Nutzen und Segen des Judentums. Levy. Die letzten Erklärungen dieser Zuschrift decken Warum man leise und am D"!’ laut sagt. Daß und warum man die Einschaltung n 3©n im Schmagebete leise sagt, ist bekannt. Manche Dezisoren begründen es damit, daß dieser. Satz nicht zum Texte des „Schma" in der Thora gehört. Midrasch erzählt: Als Moses zum Himmel hinauskam, hörte er, wie die Engel Gott mit den Worten priesen: „Gelobt der Name dSv Ehre Seiiies Reiches MvstZ 0CfiCl Mstl £ob\pcud) so sehr, daß er ihn gleich für Israels Gebethäuser mitnahm. Gott aber riet ihm, Israel zu lehren, dieses Gebet leise zu sagen, um nicht der Engel Eifersucht zu wecken auf das, was i h r Vorrang war. Einmal im Jahre, am Versöhnungstage, da JsraeI? Ifffft Blk Mgkl 0M SMlsö Md TMllk, alles Irdischen enthoben, dustehsn, Sürst» sie es mit den Himmlischen aufnehmen und gleich ihnen Gott laut preisen: „Gelobt der Name der Ehre Seines Reiches immerdar!" Danach erklärte mir einfach und geistreich Rabbi Reuden B e n g i s aus Kalvarija, Litauen, der in der rabbinischen Welt als Gaon bekannte Verfasser des p™" Eins «Mm slWierm laimuDft» Cs Pißt Da: jM ]1 IW® j'kMIS WS ‘iss KSn «qp-rr N21IM b-3 „Die Pforten des Gan Eden werden dem geöffnet, der mit ganzer Kraft ">vv rrm anstimmt." Warum sollte gerade bei dieser Benediktion auf lautes Aussprechen besonderer Wert gelegt werden? »ran '«» rrwist aramäische Uebersetzarrg des hebräischen RäH lälmubrscher Ungaöe öedi«n«n sich DU Engel nicht der aramäischen Sprache N'»'>rr pvs« l'rr- Während nun die hebräische Formel »"st» mit Rücksicht auf die Engel nicht „mit voller Kraft", sondern gesagt werden soll, kann sie in aramäischer Fassung mit 'i2i "»iw rrm laut und mit voller Kraft im bsa, gebetet werden. Die Türen zur Höhe stehen dem Gebete offen, ohne daß es von o->-»rl>raufgehalten wird. s-nr>is fir, \i ^8» ch. Kleines Feuilleton (Jüdischer Wohlfahrtsfilm „Ein Freitag-Abend".) Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden schreibt uns: Aus Anlaß der Düsseldorfer Ausstellung Gefolei hat die Zentralwohlfahrtsstelle einen Film aus der jüdischen Wohlfahrtspflege mit dem Titel: „Ein Freitag-Abend" tzemllkll lllsiM. Nöfsx FM wwU trn ÜLllfe Ses oorlgsn Jahkös itt 60 Gemeinden im Reicks und 21 mal in Berlin aufgeführt und hatte allenthalben den größten Beifall und stärksten Erfolg. In Berlin allein wurde die Ausführung von 15 383 Personen besucht. Der Film zeigt in einer gefälligen, spannenden Rahmenhandlung die Organisation des jüdischen Wohlfahrtsrvefens in Deutschland-und bringt sehr schöne und «nfß^HZsi^e Brlber «us ein?r gr«ßm Nkihk unserer Krankenanstalten,-Altersheime, Erziehungs- und Erholungsheime. Da die Herstellung des Films mit beträchtlichen, von der Zentralwohlfahrtsstelle verauslagten Unkosten verknüpft war, muß der Verleih von der Erhebung einer Verleihgebühr abhängig gemacht werden, die sich nach der ©röfje der betretendes GemejjjHß SUIl Beträge sind jedoch so niedrig ungefe'tzt, daß den Deranflaltungen neben dem ideellen Erfolg ein beträchtlicher finanzieller Nutzen verbleiben dürfte. Als Veranstalter kommen in Frage: jüdische Wohlfahrtsorganisationen, jüdische Gemeinden, Logen, Frauenoereine, Jugendvereine usw. Anfragen wegen Verleihbedingungen und Termin sind zu richten an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Verlirc E. 2^ RvskNslr, 2^ (Die Zarin-Mutter und General Ludendorff.) In der „Vofsifchen Zeitung" lenkt ein russischer Journalist die Aufmerksamkeit darauf, daß die jetzt in Kopenhagen lebende Zarin-Mutter im Mittelpunkt des Kampfes gegen die Freimaurerei gestanden hat und noch steht. Sie lebt in dss EmbMün^, Ue „Hube«>-§ssjmÄ«rsrsi" (russisch: schlwo-maffony) Wilhelm II. zum Führer, des Bernichtungskrieges gegen Rußland bestellt habe. Der Journalist schließt aus einer Ankündigung Ludendorffs, daß er auch der Zarin-Mutter seine Freimaurerbroschüre geschickt hat, ist aber überzeugt, daß sie ihm nicht antworten ba sie & ihm ösn Skslkn MMllNV M KalferZ und Der »siAdon-mafsony" fleht. General Ludendorff hat feine Broschüre auch dem Antisemiten-Häuptling Theodor Fritsch, dem Herausgeber des „Hammer", geschickt. Dieser aber hatte sich tadelnd über dieselbe geäußert. Ludendorff schrieb daraufhin an Fritsch einen Brief, in welchem er ihn einen verkappten Freimaurer nennt und bittet, den „Hammer" nicht mehr in stin fjm ö« WM: Sie --MMW KlMsi" nennt Ludendorffs Verhalten gegen Fritsch „ungerecht, ja empörend".