Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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iW-!MWMM»WWWW»WW Sette 4 Nr. 88 7■j*1':'t‘” '€“i‘-> Der Israelit 23; September 1927 üaimtnBciB: Tannenberg ist ein Wort, Las bei aller Grausigkeit auch eine weiche Saite in unserem Herzen anschlägt. Es war der Beginn des großen Weltunheils, waren die Tage der blinden Begeisterung, da Millionen, von glühender Liebe getrieben, sin- $£88!ll C$B für Bte teuere iaümelUn, eine herrliche Melodei in den Ohren: „Ich kenne keine Parteien mehr, aufgehoben sind alle konfessionellen Schranken, wenn von Bürgerfreiheit die Rede ist." §ö es vor Nach Afch fprach man anders. Der Mann, aus dessen Mund in gehobener Stunde jene schönen Worte sprudelten, schreibt in seiner Verbannung Memoiren, in denen er die Schuld an dein verlorenen Kriege ben 3uben in ble 8chlche fchiebt, ben Silben, deren prozentuale Beteiligung am Kriege und an der Verlustliste weit über alles Gerechtfertigte und Erwartete hinausgeht. Ludendorfs, der General der historischen Dokumente von „meinen lieben Juden", verfaßt in der Muße Sucher „gegen die Freimaurer und Jude n". Als hätten die Freimaurer nichts anderes und besseres zu tun, denn sich mit Juden zu befassen, und die Juden in ihrer langen Geschichte, von ihren Alten, die das Licht des alten Gesetzes durch die Welt getragen, bis zu den Neuen, Ben in Bie Nöl?er?ul!ur 8mge^ponnenen — nennen wir Rathenau und Preuß —, nie etwas anderes getan, als Freimaurerideen verbreitet. Wieviele von den 600 000 Juden in Deutschland, von den 14 Millionen in der Welt wW MiPupl, wM pimaira finD unD mag sie wollen? Dreizehn Jahre nach Ausbruch des Weltkrieges, neun Jahre nach Friedensschluß, wurde letzten Sonntag das große Nationattzenkinal bei Tannenberg, mit Hindenburg und Ludendorfs. Mt MM (Beneräien, AkNWsahlM unö nationalen Studenienkvrps in ü$td)!s eingeweiht. D i e Juden fehlten. Das zur Ueberwachung und Mehrung des demokratischen Gedankens im neuem republikanischen Reiche gegründete SReiisbannet artcfr. Es ist nicfit unseres 5 5 . . 11injt Amtes, die Gründe Und Untergründe zu untersuchen, warum der große demokratische Verband, wie überhaupt die organisierte Demokratie, bei den Einweihungsfeierlichkeiten fehlten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaisn lstznts feine Beteiligung ab, nreil man fceim - ‘ - o o Mdgottesdienste im Rahmen der Feier einen evangelischen und katholischen Geistlichen zu Worte kommen ließ, von der H e r a n z i e h u n g eines jüdischen Geistlichen aber nachträglich Ab st and nahm. Welchen .Wert *jE>fcv. Wirkung bei solchen Anlässen beimessen, kommt hier nicht in Betracht; Der Standpunkt der Festleiter verrät auf alle 'Fälle feindliche Gesinnung, ist eine Beleidigung des Judentums und der deutschen Judenheit, eine Beschimpfung der Sit ss riütn ZMiMkn auch die Gräber um Tannenberg füllen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten — schon die Tatsache seines Bestehens spricht leider genugsam für die Wandlung der Mkn — iennie ntsit anßm Jstu dein, als er gehandelt hat. Tannenberg von 1914 war ein Symbol der politischen, sozialen und bürgerlichen Einigkeit aller Deutschen. Tannenberg von 1927 ist zu AtllM ökr ^erriffknbkii, bes Ä!i^- mutes und der Lieblosigkeit geworden. Doch wollen wir hoffen, daß die sympathischen Worte des greisen Reichspräsidenten von „den Opfern des ganzen Volkes", und sein öffentliches Bekenntnis, daß „nicht Neid und Haß Deutschla^B in öen Rrieg geirieben, baA bas bieutfcfje Heer mit reinen Händen"und reinem Herzen das Schwert geführt hat", daß diese Worte ihre tiefere Bedeutung in dem Sinne haben, daß Neid und Haß und unverantwortliche Volksverhetzung im Frieden nicht fl» WMM M. IM 8U SfiW» jü vergiften, und noch mehr als die Gehetzten die Hetzer um die reine Freude am Leben und die letzten Möglichkeiten eines neuen Aufschwunges zu bringen. Menetekel. Wir nannten die vor einiger Zeit bekanntgegebenen Xeilrpate Der pifdjen Als- Zahlung ein Menetekel, weil damit unsere Kräfte ntcot am mMH fonößrn auch göwogön— und zu leicht gefunden wurden. Nun liegen die Gesamtresultate für das ganze Reich vor, und das Bild verdüstert sich noch um ein bedeutendes. Deutschland zählt 1925 (gegen 1910: 57 798 369) 62 410 619 3Jien|c^en^ barurtier 564 379 Buden. 1910 zählte man rund 535 000 Juden. Während somit die gesamte Einwohnerzahl trotz Abtrennung großer Gebiete um knapp fünf Millionen gestiegen ist, hat die jüdische Bevölkerung trotz starker Zuwanderung sich nur um 29 OOO »erwehrt. Dieser Iteherfttmfs füttt «Uf ... .jin «cec ct |<xJocjj jattr attf Preußen und Sachsen. Alle anderen deutschen Lande zeigen Stillstand oder starke Abnahme der Bevölkerungszahl. 1910. machten die Juden 0,95 der Gesamtbevölkerung aus, 1925 nur noch 0,9. Wir stellen zu Propagandazwecken, soweit der Vorrat reicht, von unserem fiSFmsn &uaefi 3686 jüdischen Schulen und Religionsschulen. zur Verteilung an alle Schüler und Schülerinnen die nötige Anzahl von Exemplaren unentgeltlich zur Verfügung; Porto zu Lasten der bestellenden Anstalt. Dieses Angebot ist gültig bis zum 1. Oktober. Frankfurt am Main, 11. Elul 5687. 1 Hßfttlöil, V erlass- Aktiengesellschaft, ÄersHM Spstt fit nötig waren, haben wir sie seinerzeit bei Besprechung der Teilresultate gegeben. Auch darf auf den Aufruf der Zentralwohlfahrtsstelle in der jüngsten Nummer unseres Blattes in diesem Zusammenhänge hingewiesen werden. Die Zahlen heuiltcfc) unb mahnen in 1 ‘ * li i ) ) .). "c diesen Tagen der Einkehr zur T e s ch u w o h auch nach dieser Richtung, nach der Richtung unserer Pflicht zur Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft als Trägerin und Künderin des Menschen und Völker umfassenden G o ttes - MUti Am Tag des Gerichtes. Von Dir. Dr. Elias in Aiirlh. Hölll ^re!6alür in bie Farben des Melkens und Vergehens. Unsere Seele öffnet sich empfänglicher denn je den Eindrücken, welche die Religion und Tradition an sie heranbringen und Gedanken auslösen an Ewigkeit und M Mh HFlB ßßlß WMll If allen, heiligen Melodien in süßer Wehmut wieder an unser Ohr. Rausch Haschono erfüllt uns mit Furcht und mit Hoffnung, und des Vorbeters Stimme greift ans Herz: -fn» •»uro v»:sV pnw dVw *>ka mwn iwna \iM M8W ©SfgFßnß; M MM W i pilger an ihm vorüber wie die Herdentiere." Was sind wir, was ist unser Leben! Ein verwehendes Blatt, ein zerbrechliches Gefäß! Wie wenig sind wir Herren unseres Geschickes! Was haben wir alles gewollt und geträumt, was haben wir alles rvMschasisgeschjchtlichen, soziologischen und politischen Geschichtsdarstellungen unserer Bergangenhert in noch nicht genügendem Matze über das innere geistige L-Sben, üb?r die BorstellungS- und Gefühlswelt und überhaupt den gesamten seelischen Habitus des mittelalterlichen Juden unterrichtet. Die Wiederkehr des 500. Todestages fDta^arilö, des grogen Melters juöi^jfjeg §*«|»5 MH® Mischen Lebens, dem wir das'bedeutsame vw» fo mit seiner reichhaltigen Schilderung jüdischer Bräuche verdanken, gibt Gelegenheit, die jüdische Geschichtsforschung erneut auf die Verwertung dieser und anderer Quellen der Halachaliteratur aufmerksam zu machen. Oft läßt sich durch geschickte Kombination auf Grund solcher Werks, dis immer das Löben ihrer Gegenmart als sMigsn AMMllrrk mrdsr-spUzel», manchschmeiverständliche historische Begebenheit der Zeit in frappierender Klarheit lösen. So findet sich z. B. in dem ersten Band der Geschichte der Juden -in Stadt und Land Salzburg von Oberrabbiner Dr. A. Altmann, Trier, S. 116 ff. eine Note, die sich mit einer Stelle im Sefer Maharil als Geschichtsquelle beschäftigt und durch Benutzung der dort gegebenen! halachitchen Mittöiluno eino helmutanha ZHWiMgkM in M jjlelitMiBti der Salzburger Judengeschichte löst. Der Gegenstand ist )o interessant, daß er hier in Kürze dargelegt werden verdient? Es ist nämlich, wie Dr. Altmann ausführt, für den Betrachter der Salzburger Jüdengefchichte schlechthin unbegreiflich, daß der judenfreundliche, milde Erzbischof Ebsrhari» int- Jahrs 1404 plötzlich beit jubertfsraillrch«» IBe 'ng-ert %etr ^oflisnsch^iidlliig Äshör schenkte und säst die ganze Gemeinde den «Scheiterhaufen besteigen ließ. .Nun berichtet Altmann: Laut einer Response des Maharil (S. 106 b, Ausgabe 1556 jSabionettas) hat der. Salzburger, Rabbiner Salmon Sctlzbürg an Maharil durch einen . Boten 'die Frage gestellt, ob es gestattet fei, einem Nichtjüden eine Mesusa zu überlassen. Salmon gibt an, zu dieser Anfrage dadurch veranlaßt worden zu sein, daß der Regent seiner Stadt — also der Erzbischof — an ihn mit der Bitte herangetreten sei, ihm eine Mesusa zu geben, die er an der Vorhalle seines Palastes an&i:ingen! motte. Der Regent, so ließ Salmon dem Maharil sagest, habe!W M m UWM Inner 8l!lk viel Tille llvst TMve in Aussicht göstsllt. Um dem Nübbi eine bessere Handhabe zu gewähren, die Anfrage in bejahendem Sinne zu entscheiden, bemerkt Salmon, er befürchte Unheil für die Gemeinde, falls er dem Regenten den Wunsch abschlagen müsse. Maharil war aber trotzdem nicht in der Lage, eine erlaubende Entscheidung zu treffen, sonbisrn gab, gestützt auf «tue Anzahl oorr SBetoeifcn, ein oerbrelenbes Gutachten ab. Älit bisssr Äntroort der Bote eiligst ab, ohne auf die fchriftliche Abfassung der Entscheidung zu . warten. Darüber kränkte sich Maharil, da es ihm wahrscheinlich nicht gleichgültig war, diese peinliche Antwort auf die heikle Frage Salmon Salzburgs ohne aufklärende Begründung abgegangen zu wissen. Dr. Altmann bringt nun bteje ‘ N«rninif^en^ in Begehung gum Gesinnungsumfchwung des Erzbischofs und begründet diese Kombination, vor allem durch die zeitliche Identität (I. 119). Auch mit dem halachischen Problem beschäftigt er sich ausführlich, verweist auf eine gegenteilige Entscheidung im < v i"'rr"»i und auf eine Stelle im k"b nss '»hvi-,' wo eine Begebengroßen '^und xarttzisHxn Pxsllgm WMkvs Arwvau brNchici wirdaus der sich MichMs em gegeils teiliger Entscheid folgern läßt. Zur Verteidigung Maharils verweist' Dr: Altmann jedoch '(in der! Rote S. 267) auf o q'r!v 's "v n~s srw und an-as pvdafelbst. A. A. (Jüdische Kunstkalender.) Wie uns mitgetel.lt wird, wird demnächst ein „Jüdischer Kunstkalender" ^erscheinen. Die Herausgeber — Lehrer S. Müller in Heidelberg und Dr. M. Eisler, Professor der Kunstgeschichte an der Universität Wien — wollen auserlesenen Kunstwerken l ü di sch eu Inhalts, ganz besonders solchen von jüdischer Künstlerhand, eine Stätte im jüdischen Haus bereiten. Das Edelste aus ollen Gebieten der Kunst und UZ ZuvMvMUkß «UZ «ttM Ms» 118k Mföm M in künstlerisch ausgezeichneten Reproduktionen (hergestellt von F. Bruckmann in München) ausgezeigt werden. Der billige Preis von ca. 1,80 M. macht es möglich, daß der Kunstkalender jedermann zugänglich wird. — Gleichzeitig mit der Ausgabe für das deutsche Sprachgebiet wird der Kunstkalender in mehreren Fremdsprachen erlernen. Den grojjj^fj jentrafen Verbünden m für bis ihnen nngcschlosienen Bcreine und llrttgruppen der unmittelbare Bezug zu wesentlich ermäßigtem Preis ermöglicht. Auf diese'Weise werden hei entsprechenden Sammelbestellungen durch die Verbände nicht unerhebliche Beträge für deren Wohlfahr t s z w e ck e gewonnen werden können. Der diesjährige Kalender des jüdischen Frauenbundes^ enthält wiederum eine wertvolle Fülle von Kunstblättern. Max L i e b e r m a n n, der Nestor der Künstler, ist mit drei Radierungen vertreten . Andere Meister des Griffels folgen. Auch' unser Hermann Struck fehlt mgß Um feiner Matr MAulilWll ßiraus oeBßrsn mag me visionäre MMerung von „Nnhels Grav' skm. L. Pi li cho w skl zeigt eine Fra uen gruppe, 8 rade aus der Synagoge kommend, unter dem Titel „Töchter Israels" und Abel Pa n n ergreifende Gestalten in einem Zyklus „der Tränenkrüg". Josef Budko weiß, wie immer, jüdische Typen mit hinreißendem Ausdruck festzuhalten>. Ein: Wilnaer Künstler^