Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Heile 2 Nr. 38 Der Israelit 23 September 1927 tann jemand fffffffl M tzbH ttM UkllkrwMM fein, und es kann jemand auch im Essen und' Trinken Ueberwinder sein, je nachdem seine Seele hungert und dürstet. Mancher hungert und dürstet — nach Genuß und Vergnügen, und ein anderes Engest und düsstxx 2AsM, MttkZ SM ZU erfüllen. Den einen treibt die Leidenschaft, und dem anderen erstehen Leiden. Doch der eine liegt, und der andere siegt. Im Gebete aber wird der Ueberwinder sich seines Siegs über sich selbst und damit üd?r sein Qelb bewu&i« nb'LNl und das Gebet hebt in zweiter Reihe die Uebel auf. Niemals gleitet vom Menschen jedes körperliche Hemmnis der Seele leichter ab als im reinen, inbrünstigen Gebete. Bon einem großen Chassidimrabbi, der an einem schweren Fußübel litt, ist übermittelt, daß er sich trotzdem im Gebete stets vergaß und in der Ekstase den Körper und mit diesem den Fuß bewegte, so daß sein Arzt chm einmal scherzhaft sagte! „Rabbi, Ihnen muß man Beten verschreiben." Er aber entgegnete: „So würde es so wenig nützen wie Ihr Medikament. Beten steht über dem Ver- MMIli'lM MMWD MI M UNv Freud des Körpers, darum erhebt es sich darüber." O, wer fo beten könnte, daß die Seele sich erhöbe über alle Misere des Lebens! Jeder Jude müßte das eigentlich können. Und jeder Jude rann m tonnen, da gehört dazu nux W Reinheit der Gesinnung. Die Frage ist aber: Dürfte man, wenn man könnte, beten, wie man kann? Der moderne Mensch will — wie er sagt — auch wenn er betet, Kultur und Haltung bewahren. Keine Träne mehr Mm Mi«r, Um Stimme. Alles nur in Ruhe und in Wahrung der Form. Nur keine Besonderheiten. Man darf nicht merken, daß man betet. Nur stille, hübsch ruhig und stille bleiben! Aber über dem iftflm lles «ipin nimi steht ty. „Stimme“. Du sollst dich hören, Jude, wenn deine Seele betet, und deine Mitmenschen sollen dich hören, vor allem deine Kinder sollen merken und wahrnehmen, daß du betest. Stimme macht MiMlMW, Zn Ml Stimme deines Betens wird dir dein Innenleben gegenständlich, das Gefühl tritt in die Sinnenwelt ein. pip nx ’rspown „Laß mich vernehmen deine Stimme", spricht Gott Israel im Bilde des HirM gu TrllSIlM NN: Mn darf \inity NUN NM ßiof summe fein. Die mn innerlichung des (Bebets ist und bleibt Hauptsache. Gefühl und Stimme sollen sich zu einem vereinten Seelenaufschrei zu Gott verschmelzen. Und auch an der Träne der Rührung soll es mm feDini mmn Die Arzensregung MH Mt. Schäme dich nicht schnöde des Schönsten, das aus dir quillt, o Mensch, der Stimme und der Träne. MN Z'Mkoh, ob Mi! to H«nr to Mir ölet mit der Zuchtrute der Strafe. Sein Eingreifen ist stets Vaterliebe. Im Grunde, ist das auch der Sinn von Z'dokoh in der Armenunierstützung. Der Besitzende ist das Werkzeug Loltm gskscht» HsnS, brr Ach? im des Armen auszugleichen. Ueber dem Worte npisi steht ]iöö „Geld". Sei gerecht mit deinem Gelds, gerade weil. mit dem Gelde gerecht zu sein am schwersten ist NMlüNnllkst öu Dein Gelll. Dann öS.' Zwingst du dein Schicksal. Fehlt es dir und sorgst und bangst du danach, so blicke nicht scheel auf den, der es hat. Das macht dich ungerecht und hilft dir doch nicht. Besitzst du es und fließt es dir reichlich gu, |o jer nttffi urtgered^ es für dich zu nützen. Das macht dich am und elend mitten im Reichtum. Du wirst deines Geldes Sklave, und dein Schicksal besiegt dich, statt daß du es besiegst. Ein nimmersatter, habsüchtiger Reicher ist Mi mmmwtmjti aller Mengen, unb ein gottergebener, zufrieden gesinnter Armer ist beneidenswert zu nennen, was schon Koheleth sinnfällig beleuchtet hat. Clul-Tchofar in Jerusalem. Rur so wird aus T'filloh die dritte das Böse bezwingende Macht, npTü Gerechtigkeitssinn. INI MrechttMtssinn liegt Dag EchsimmZ der Schicksalsbezwingung, npnx ist hier nicht in erster Reihe das W.ohttun des Almosengebens, sondern das pin p'^Lv-sein, das Bekennen der Gerechtigkeit in Gottes Walten, ob es gut scheint Oller Nicht. Gottes Im ist immir der Ausfluß Solche §eßanken müßten wir von Rechts wegen täglich hegen; sie führen zur Aufhebung aller Leiden und Uebel. Am Rausch Haschonoh ist indessen unsere Seele mehr als sonst in der für sie bereiten ^oc^ftirnrnunc^. Dnrurn wir sie heute besonders tü ihrer Tiefe erfassen. Einmal geht jedem Menschen die Erleuchtung im Glauben auf. Mag uns der Rausch Haschonoh ein solcher Tag sein. Ein vielgefeierter Weiser und Dieter der vorigen DaHrHeHute xsgHM, wie er an einem Frühlingstag allein im Walde war und dem geheimnisvollem Blätterrauschen lauschte. „Ich dachte dabei", erzählt er, „an meine Unruhe während der letzten Jahre, an mein Suchen nacfj bem Etwas der Befriedigung, an mein dauerndes Schwanken zwischen Freude und Verzweiflung. Und plötzlich sah ich, daß ich nur lebte, wenn ich an Gott glaubte.' Wenn ich nur an ihn dachte, erhoben sich in rnir die frohen Wögen äeßens. A8es ringsherum belebte sich, alles bekam einen Sinn. Aber sobald ich nicht mehr an ihn glaubte, stockte plötzlich das Leben. Was suche ich also noch?, rief eine Stimrne in mir. Er ist es doch, ohne den man üW Ubfn dann. Evfl lernten unb leben ist eins. Unser neuer Roman. 3n der heutigen Nummer beginnt, etwas später als vorher geplant, der neue Roman von Schachnomitz- Es ist ein Arankfnrier Ghekkoroman insofern, als Persönlichkeiten und Geschehnisse aus der Frankfurter Gasse um 1700 im Mittelpunkte der Handlung stehen. Er gebt aber weit über die lokalgeschichktiche Bedeutung hinaus, da Frankfurt, damals schon eine Mullergemeinde in Israel; in den entscheidenden Zeiten der (Bijeifobämmetung, mit Dein. töflS ÖS eeöttl&lfl üßfc sich In schweren Kämpfen errang, hohen Dienst an der jüdischen Gesamtheit in Deutschland und in der Welk leistete. Alles, was das jüdische Leben um diese Zeit, im Zeichen der inneren Kämpfe als Nachwehen der Sabbatai Zwi-Bewegung und des äußeren Ringens um Menschenrechts, bewegte. Imlt in diefö gkgßsnMsÄs SszzßlrmZ hiLglü ünd sindöt blldhaflrn Ausbrrnk, Der Roman will nicht etwa anschaulichen Geschichtsunterricht erteilen, sondern in spannenden Bildern an Einzelgeschicken in all ihren menschlichen Verwobenheiten symbolisch den Zusammenhang des Ganzen gestalten. .7?.c?evridrn“ iff Ve\?h Tfinfiu mnrnm gkschichttichcn Gehatkc ein spannender Roman, den wir unseren Lesern. Jung und Alt, zur Lektüre empfehlen. Vertag des Israelit G. m. b. H. Den großen Tagen entgegen. Von Karl Därmsiädter in Ladenburg. Lmm mwü]ä)l$ mich noch te Mte Msndss Dis mir dse schenkte ln sonniger Freuhr. Da ich schon wieder in heimischen Gassen Gewohntes begann. Drängte es unaufhörlich mir zu, Des Geschauten unendliche Fülle: Bächlein am Weg und mächtiger Sturz der Gewässer, Blüte und Wiese und Alm und Fels und Gletscher imü MM. Mond auf ewigen Firnen und dunkles Glühn am Grat, Seen und Städte und Babelgewirr vieler Menschen — Aber seit ich am tauigen Morgen im Dorf Durch der Bäume Geäst aus dem Gotteshaus« im Mttkll Wrtö von zittmgö» Ts», dM der Greis dem Scholar entlockte, Suchen Gedanken und Sinne nach neuen Gesichten... Ein Flüstern und Raunen von kommenden Dingen Läßt langsam vergessen,, was gestern noch war; Und, als fielen die bunten Blätter Durch trübes Grau zur blutlosen Erde. 8a Mn DU förDiaen Bitte te Mm. -Dm liebliche» Gümmers, In neblige Räume... Fliehendes, Nahendes umgibt mich zugleich. Alles wird stiller. Und in der Stille, Ehe die Nacht ganz verdämmert. Schreiten.die Beter an schweigenden Häusern entlang. Erster Tag S'lichaus! Jahrhunderteschwer Steigen aus erlügen Tiefen, die alten Weisen empor, IlMsÜlleöll mi$, in den nebligen j^ertfüog I Versinkt der Sommer, die Lust vieler Wochen... Kommt, laßt uns rüsten zum heiligen Feste, Zu des Jahres Beginn! Unser Rofchhafchonoh-Gebek. Von Rabbiner Dr. Al. Lewin in Hamburg. 'nrrv nom v&sn von kV -hpk 'p'jr rna — Gepriesen sei Gott, der mein Gebet und seine Gnade mir nicht Äaß mir leiert formen^ beten dürfen, — das ist das untrügliche Zeichen von der unendlichen Vaterliebe Gottes. Wir können beten, in uns lebt das Sehnen nach Gott, — wir haben das Verlangen nach seiner Nähe. Es sehnt sich das Kind nach dem Vater, — darum suchen wir ihn und erheben wir unser Herz auf den Fittichen der Andacht zum Himmclsthrons. Wir dürfen beten — Gott verschmäht uns Eo |dc| er thront -f er {tdjlfl «»f Negungen unseres Herzens. Die Pforten seiner Gnade sind weit geöffnet, — und wir alle werden, ausgenommen, die wir ihm nahm in Reinheit des Herzens und Gradheit des Sinnes, ira bsb vn-ip bob n an? nasa inKi?'. Nahe ist der Herr allen, die ihn anrufen in Wahrheit." Von diesem Geiste getragen smo alle unsere' Gebete. In i^nen jjjiegelt jlc^ die jüdische