Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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»8. Jahrgang. 23. September 1927 Frankfurt a. M., den ss. Giuiüss?^' Nr. 38 Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. y; Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Toldmark Monatlich; A u sIaud: Vierteliabrvretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Etretfband-Ver-. sandes) Deutsch-Öfterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli .!_ - ~ - - ----- " " "talienab 1.7.27.18Lire; JugoaO Lei; Polen 4 deutsche Gold- _ _ _ __-Slowakei 88 Kronen: Ungarn DkNgö 8 gtz 1»M IM j SämsJ^H ZI 5? fl»!*: 3 3:!° «tOTtj ®äTeöen 350 «ron l Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Toldys. für vte fiebengespattene '! Nonpateille-Zelle. Abonnenten» zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf.; Die 75 mm breite Reklamezeilet letzte Textseite 1.80 Mk., vorletzte Textsette 8.— Mk.; > Thifsregebühr in Hübe etntzS/vdPv^Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnseratauftrügen tarifm. PreisÄMhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den! Berlag des Israelit T. m. b. H.;MÄtlf! a. M., Tr. Eschenheimer Straße 33, Tel. Hansa »848 ' (OiD. Z>xxv£t) fömtX» 2tmu>ncen?C&q7'EÖ;‘i)e$;3n5 uni " ‘ Ä mm" . »urA fömtl, gj, _' unö Auslcrrrvs. Alleinige ^nferaienann. fxse ^cantf. 0. II. 9föl. Ml. Mrtzszl'fSs. 3B»gIBgffiHtBI1ffii Die heutige Wummer, die zugleich die Wofch Ha-fchonoh - Wumruer darsteilt, erscheint statt Donnerstag, den 22. September, Ireitag, den Ni KkMNKtt» Utk iveiteren Wummern stnd /olgende: 29. September, 7. und 10. chktober. Der Hesamtaustage der heutigen Uosch-ha «rls &raii£$af}c für ttitfexe stöomlkitten der Kermon-Lumy IM das Aayr 5688 bei. T'fchuwo. T'filloh und Z'doküh. Ein Rausch tzaschonoh-Gedankenbild. Don Dr.' Adokf Mmann, Oberrabbiner in Triers Es gibt Feierstunden der Seele, da blickt der Mmslh In sich unD taucht in Heil Wacht Der Erinnerungen unter. Dieser Augenblick des Rausch Haschonoh soll eine solche Feierstunde sein. In uns zu blicken, mahnt der Hornruf des Schaufor, und in die Tiefen der Erinnerung zu i'tsMN) fordert die ^sschtchte bif[?f Sffgffi unserem geistigen Blick taucht auf das Jahr 5002, d. i. das Jahr 1242, der Roschhaschonoh, an dem Rabbi Amnon, der große Büßer, in der Synagoge zu Mainz seine Seele aushauchte. Mort für Wort spricht vorher der zuckende Mund, was Dßi1 schwmgsiids Wist äi-sittnt. und aus ^>er Seelenemgebung des Sterbenden heraus formt sich das unsterbliche Gebet, das nun schon 685 Jahre von Millionen jüdischer Lippen in tausenden jüdischen Gotteshäusern Jahr für ^uhr mit heißer Inbrunst gesprochen wird, das r-?2N2i-Gebet. Von den Stürmen des @e= MiWs spricht es und von dem Aufschrei nach *)%, vom Richten des Menschen und vom Richten des Schöpfers, von Gottes Einblick und uusrrem Ausblick, von Bestimmung und Be- >w° ung, und. bereits : in die himmlische Ber- }aviin.% Dmeinröggnö, entringt sich als Wer amyauch M.-sik wip ,W3' Uv hsMgm Seele Zusammen dem gottgeweihten Duldermunde das Wegweisende Wort des Vermächtnisses an die in Zerknirschung auflauschende Gemeinde: ninn jnri m p’asrö npnn nbsm mnßni .. - .Aber Buße und Gebet und Wohltun wenden sb Zzz bsft MvMZms.-- * Das war die heiligste, tiefste und wirksamste Rgusch Haschonoh-Predigt, die je gehalten wurde. Sie floß wie aus einem Guß, sie. setzte sich aus Gedankenwelt und Persönlichkeit zusammen.'Mit rm MWMN m MLM Mn? leben ihres Verkünders, wie man im Nachzittern der Töne auf der Saite die Macht des Künstlers erkennt. Rabbi Amnons Worte in feiner Leidenskraft rührten an den Urgrund des Rausch Haschonoh und des Judentums überhaupt, und iü Seiü fpuZLltL sich te Erlebnis aller in irgend einer Form. Denn Jude fein heißt für jeden, der es ernst damit meint, Ueberwinder fein, Judentum heißt Martyrium. Es istmicht immer Körpermarter und Tod, aber Vereitsein darauf. Immer heißt Jude sein in 5W fein. Tim ö«nn nichi Swbe (9^9(9^ {yWUn. Ruhige, selbstzufriedene, mit dem Leben tändelnde Juden spiegeln sich nicht in Rabbi Amnons Bild. Für sie ist auch Rausch Haschonoh nur ein Kalendertitelblatt. Alle müssen wir in irgendeiner Weise Abbilder Rabbi Amnons sein, Um\?ssssn M? in M gizanliW ZchMsalöz gemälde „Israel" hinein, wie die feineingelegten Stücke in ein Mosaikbild Hineinpassen. Seinem Schicksal entgeht kein Mensch, aber wenn er es an eine große Sache knüpft, kann er es übsrwindcn. 'Kiddusch Haschrm ist SchirksalZübcr° windung. Darum kannte Rabbi Amnon im Ausklang seines Martyriums kein böses Verhängnis mehr. Für ihn hatte es aufgehört, böse zu sein. Er hatte es überwunden. Erst hatte er sich selbst überwunden, das mar die Buße: dann überrVand er die Leiden^ das roctr die IRacht des Gebets, und zuletzt überwand er das Schicksal überhaupt, das war das Wohltun, nämlich die Erkenntnis: Es ist, wie es ist, mir wohlgetan. So entstand der Ausklang der in ihm wirksamen Seelenmächte mit dem Bekenntnis: nrr pny» n’ntan jrrt „Sie t»enöert . ab das böse Verhungnis/' Heutzutage verstümmeln nicht mehr fanatische Fürsten bekenntnisstarke Juden. Aber an ihre Stelle sind grausame Lebensverhältnifse getreten. Sie locken und drängen weg von Gott und. Luüenium und gewähren nicht kinmsl Leöenkzerl, denn küsch und küLstchlslöS ist Iti käuhr Wirklichkeit. Zum Beispiel die tägliche Forderung des Lebens an den Menschen, sein Brot zu verdienen. Gebieterisch verlangt sie: Setze dich 'htstEg über Sabbat und Festtag. Entweder du tust'-es! und lebst, oder du tust es nicht und gehst mnißf; Soll man sich schrmen lauen nnD ts tun? Da muh sich die Märtyrerkraft des Juden zeigen,; da gilt es, Ueberwinder zu sein. Oder ein anderes. Eine Liebe nistet sich in ein jungjüdisches Herz ein, aber es ist eine Liebe außerhalb" der ©rennen des Subenfums. SchroachmllNge erliegen ver Uebermachi der Gefühle — das ist Schicksal, sagen sie — Starkgeistige aber handeln wie Rabbi Amnon; sie leiden lieber und überwinden sich, besiegen das Schicksal und reißen aus dem Herzen selbst den bloßen Ge- DnnkM an MnDnnnm. Die Die Deiligslen MnZ düngen lösen. "Rausch Haschonoh ist nur da, um das zu künden, und Rabbi Amnon mußte zum Märtyrer werden, nur um das zu beweisen. Jude,^ sei Ueberwinder! Ueberwinde dich selbst in Buße. sal in Wohltat! Rabbi Amnon hat diesen Dreiklang des Rausch Haschonoh personifiziert, aber sein Geist ist schweben geblieben über diesem, Tage. T'schuwoh, Buße tun und umkehren. Mo- Derne Menschen menDen sich nD non Diesem Worte. Sie lächeln. Umkehren! Was soll das heißen: Umkehren? Wer wird rückschrittlich sein und umkehren? Vorwärts muh der Schritt des Menschen gerichtet sein, nicht rückwärts. Fort!- Fortschritt entsagt, muß verkümmern. Und doch ist'nur Umkehr der wahre Weg zum Fortschritt. Wer nicht zurück kann, hat auch keine Kraft zum Weiter. .Wer nicht zurück will, muß doch einmal Halt machen und umkehren. Wer aber alle Schifft hitttst» sich utfsnml wEd M Hsimsk nicht wiedersinüen. Da rennen so viele Hals über. Kopf voran, voran, immer weiter voran und wären am Ende glücklich, wenn sie wieder zurück könnten. Das Judentum liebt den Fortschritt, aber es denkt sehr klug darüber und ruft: is^> Sommt, mir schreiten normäris, aber wir kehren dabei auch um! Der Airsch ist das schnellste Tier des Waldes, aber er kann im raschesten Rennen sofort und unverwandt inne halten und zurückblicken. So sei der Jude, er sei eilig, aber wie der Hirsch. Weilen im Eilen, SüZ m Einkehr and Nimm dk§ ÄnSrnu?h?r das Work iww des Jjppi A^-Gebelss hat die Tradition das Wörtchen cns gesetzt. Man übersetzt es mit Fasten. Aber es bedeutet hier mehr noch als bloß nicht essen und trinken. Es