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Der Israelit · 1927-09-15 · Heft 37 (15.9.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 37 (15.9.1927)
Date
1927-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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f >’ '■J-V,1 rMWxMWGMMWS Sette 4 Nr. 37 Der Israelit 15. September 1927 Kantor oder Künstler? m AllgkMklNö Deutschs Kantor e n v e x b a n b fjat in seiner Frankfurter Versammlung im Sommer dieses Jahres ein Statut angenommen, das die Forderung aufstellt, daß die Anstellung eines Kantors von der Beibringung eines ausreichenden Befähigungsnachweises des Kandidaten abhängig sein muß. Wir nahmen M MIM! MslWttMÜ MI, vH der Kantorenverband, in dessen Leitung Männer von durchaus ernstem jüdischem Denken und Streben sitzen, mit diesem Nachweis nicht, oder nicht allein, die künstlerische Befähigung des Kantors bescheinigt haben rvill, bajj vielmehr die veligjpsen unö sittlichen äualifiralwnen, sodann auch die genaue Vertrautheit mit dem Ritus bei der Anstellung eines „Abgesandten der Gemeinde vor Gott" entscheidend mitsprechen sollen. Ist dem so, dann wäre es an der Zeit, daß der Allgemeine Deutsche Kantorenverband in dein Iltslänök, rv!e er!m folgenden nach einigen jüdischen Blättern geschildert wird, eine Verletzung seines ersten Statutes sieht und dagegen feierlich Protest erhebt: „Wieder hat eine deutsche Großgemeinde zu ihrem ersten Kantor einen Konzertsänger, mit Uebergehung im Amte stehender Bewerber von bester beruflicher Nepu- MBH Btflcllt. Oolöjea NkgiD, «iP *«ihäSll, i°n. dern in den letzten Jahren gehäuft, gibt zwingenden Anlaß, auf seine letzten Konsequenzen geprüft zu werden. Bedenken schlimmster Art muß der Umstand erregen, daß Gemeinden und besonders Großgemeinden, die Stelle des Kantors mit beruflich nicht Vorgebildeten besetzen. Da dieser Fall in den letzten Jahren bei Großgerneinden W M lorm MMliM ijt liegt m Lrh; (ö, gsradö die wenigen großen Kantorenftellungen infolge dieser Praxis für die Bewerber, die Jahre für ein Studium geopfert haben, überhaupt nicht vorhanden sind, vielmehr geradezu reserviert für diejenigen, die weder Zeit, noch Geld, noch Mühe für ein Studium aufwendeten . . . Künstler, die an der Bühne oder auf dem Kanzertpodiunt kernen festen, Fu^ f^ssb" konnten^ gWMtt jllätzlich ihr ^krg silv drn Katarenberuf, well dieser ihnen ein sicheres AuÄbmmen verspricht. . " Die „Deutsche Israelitische Zeitung" in Hämburg-Regensburg erinnert bei dieser Gelegenheit daran, wie energisch sich der Allgemeine Kantorenverband dagegen verwahrte, als der „Verbund BgsixsWkll LZraeUWm (SemeinDoif vor einem Jahre eine Bestimmung beschloß, wonach die Anstellung eines Kantors an ein Gutachten des zuständigen Rabbiners über dessen religiöse - Eignung und Vorbildung gebunden sein soll, Irn Protests des Allgemeinen AeÄsAen Mankorenverdandes hieß es "damals: „. . . Wir erheben gegen den unseren Stand und unsere Berussehre aufs schwerste schädigenden Beschluß des Bayerischen Landesverbandes schärfsten Protest und werden, falls eine Aende- Wir stellen zu Pröpagandazwecken, soweit der Vorrat reicht, von unserem ßcrmon>Cuach 5688 jüdischen Schulen und Religionäschulen zur Verteilung an alle Schüler lind Schülerifthen Ae nötige Anzahl von Exemplaren unentgeltlich zur Verfügung; Porto zu Lasten der bestellenden Anstalt. Dieses Angebot, ist gültig bis zum 1. Oktober. Frankfurt am Main* 11. Elul 5687, Hermon, Verlags- Aktiengesellschaft. rang dieses Beschlusses nicht baldigst erfolgt, unsere Mitglieder anweisen und die sämtliche Kantorenschast Deutschlands auffordern, sich den geforderten „rabbinatlichen Gutachten über ihre Eignung" keinesfalls zu unterwerfen." Dis Herren Kantoren rverden nun lafc Las vom Bayerischen Landesverbände verlangte angeblich „ihre Berufsehre aufs schwerste schädigende" rabbinische Gutachten allein dazu angetan wäre, den Stand rein und frei zu erhalten von jenen Elementen, die den heiligen Dienst «hi giftig mit MU oDer menlgor d¥fßl§ zu einer künstlerischen Attraktion herabwüröigen und in Wahrheit die Berufsehre der tos 'rrW untergraben. Ihre Proteste gegen die „rabbinische Einmischung" waren so verfehlt, wie sie jetzt gegen die „Künstler"-Kollegen und die Gememben, die sie «nM?sH skU (Ult MW MIM. Der „Maharil". (Rabbi Jakob den Rabbi TNoses Alulrn Halevi.) Von Rabbiner Dr. in M«inz. (Schluß.) Eine Reche von Gelehrten nennt Maharil selbst in seinen Teschuboth und sein Schüler in seinen Aufzeichnungen als feine Lehrer, dar^:?y [iinsn antftcn BruDer üaiman, SM seinen Hauptlehrer, an dessen Jeschiba er lange weilte, Rabbi Schalom von Wiener Neust a d t. Die Erwähnung von Neustadt und überhaupt Oesterreichs als Sitz des Thorastudiums, erinnert an die Fügung, die uns in ljßl!l! 5- ZSllr?, PöAn, «««nt «ns eine Stelle M „Eben Esra" zu a 'n ö'nn: oy irr wn p nm' arftn rrh o" '<1 'S Kxiö; Bni'D'nn ovn rm»n o'ji'Wfra xarrrhn , ♦an"m cmb cmbvrr rrbv nym Dazu die Erklärung des Awi-Eser z. St.-n M JMpÄ-HW SSürrii V« a4ai« iik iwk nnhiv > 12h virrn ns sv3 own -nsns^'i msV man ’inn wsi 2"* nam p '"vv v"n yoo .'irris rnb'prrs A.ni iwxi in' ’anm wm nsn »nsn pn nnn imv nn -nasm nmn ’bynV »vTbl Q^lpnah jmrs ns rrini anVa jnD3izr äiisi — ~r jp"fi K Ä8 n D nn« mu . nam ^rr»n ivnam» mim Vsköh iranna 'hsrrvn nn nt b'iiVp nt (Die Zahl der Juden in der Sowjetrepublik Weißrußland.) Die zentrale statistische Kommission veröffentlicht soeben das Resultat der letzten Volkszählung in Äie ®efamWi kki ginffloöntr Mmt 4 983 löo, b|? der Müffchen EMwohmr 407 025. Danach bilden die Juden 8,17 Proz. der Gesamternwohnerschaft: in der Hauptstadt Minsk leben 53 658, in Witebsk 37 086, in Homel 37 740, in Bobruisk 21561, in Mohilew 24 265 Juden, In den Städten bilden die Juden •dt>,13 Proz. der ©ejamtbepölterungj (wie ßönig Eduard beim Zaren zugunsten der Inden intervenierte.) „Daily Telegraph" veröffentlicht abschnittweise die Erinnerungen von Sir Sidney Lee aus der Regierungszeit Eduards VII. Der letzte- Abschnitt bezieht sich auf die Zusammenkunft Eduards VII. mit dem russische» Zare» Nikolaus' II. in Reocii. {}$} I König Eduard nach Neval begab, überreichten ihm die ^drei Brüder Rothschild, Lord Rothschild, Alfred und Leopold Rothschild ein Schreiben, datiert 3. Juni, in welchem die Aufmerksamkeit des Königs auf die Tatsache gelenkt wurde, daß in Rußland wiederum eine Periode der Judenverfolgungen eingesetzt hat. Der König »uröe gebeten, bsW ZkM Win H mtlßFDQ? «ist««, daß Maßnahmen zum Schutzs der Juden, unter denen ja Anarchisten in nur ganz kleiner Zahl vorhanden sind, ergriffen werden. Nach einer Rücksprache mit Hardinge und Nicolson beschloß der König, die Frage der Juden in Rußland im Verlauf der allgemeinen Aussprache über russische internationale Angelegenheiten mit dem russisch«» MiNlsterpräsidenten ju fceriifiren. Mslkjllh such m Ur IS<wi(-er«rtg 13, Ln König sich aber Nicht auf das Schreiben der Rothschilds. Sein Hinweis wurde gut ausgenommen. (Eine Reminiszenz an Wilhelms H. Jerusalemer Besuch.) Die vor kurzem erschienenen Memoiren von Estelle Blyth, der Tochter des verstorbenen Bischofs Vlyth. der 27 Jahrs lang bis Wischo^sroürbe i» slllM BSfliibÜ Halls, enItalien ein? RkMMtsgknz UN dM Besuch des Exkaisers Wilhelm' II. in Jerusalem. Miß Blyth erzählt: Der Kaiser richtete seine großen, blauen Augen auf meinen Vater und fragte: „Glauben Sie an eine Zukunft der Juden?" Mein Water ernridert«, er glaub« Öifümrnt QR ÖUI Sulunfi tzsr Auberr. lstr Ks'rstr scharf.' „Ich stimme mtt Ihnen durchaus nicht überein. Was kann es für eine Zukunft geben für ein Volk, das unseren Heiland ans Kreuz schlug? Gar keine Zukunft kann es für ein solches Volk geben." — „In meinem Lande", fuhr der Kaiser fort, „haben die Juden das Geld, aber sie haben nicht die gleiche Position, rote sie fit M WS MSN.-- unserer Geschichte wiederholt begegnet, daß in: skhlinirnon Zeiten, da den alten Sitzen d?r lel)rfamfe!{ Vernichtung, drohte, die Heilung dem Schlage voranging, indem eine Zeit vor Eintritt der Katastrophe in anderen^ geschützteren Ländern neue Lehrhäuser entstanden. Siebzig Jahre ungefähr vor der Zeit des schwarzen Todes, der erwähnten rrp mt> kam Rabbi Jizchok den Mosche, der Verfasser des Or <Berua^ kW seines Wirkens in Würzburg der Lehrer des R. Meier von Rothenburg geworden war, nach Wien, um hier und im weiteren Oesterreich bedeutende Lehrhäuser neu erstehen zu lassen. In der Folge sehen wir Schüler aus dM WkMlllffvell Ullsi ta EogMW Um höu° tigött Bayern nach der Ostmark wandern, um dort die Wasser der Thora zu schöpfen. So zieht Maharil von seiner rheinischen Heimat bis nach Wiener Neustadt, um zu Füßen des dortigen Rabbiners R. Schalom und seiner Geffksskü gu siUll. Dl Malom MN MllstM sfl der hochverehrte Meister, dem er nachstrebt, dessen Namen er im Munde führt und an dessen Bet Din er sich, wie seine Teschuboth zeigen, noch wendet, als er selbst sich schon allgemeiner Anerkennung erfreute, um in schwierigen Fällen Auskunft zu erhalten. Rabbi Schalom wird im mm eainwn m. mm W tzäustü genmmi, an dessen Schluß sich eine besondere Sammlung von Aussprüchen dieser Autorität findet. Das fesselnd geschriebene *>"'nn» nso hat uns, wie wir es in wenig anderen Werken finden, getreulich die Erinnerung an die Qebens^ü^run^ $££ ÜJleiftera erhalten. Nichts erscheint dem Berichterstatter zu geringfügig, um darauf zu achten und es zu melden. Dieser Aufmerksamkeit für alles verdanken wir in der Literatur die kulturhistorisch interessante, vielleicht erste Erwähnung eines Taschentuches zu dern uns ge= MHMN Maharil bewahrte in einem Spalt der Mauer neben seinem Synagogenfitze ein Leinentuch, dessen er sich bediente, wenn er sich während des Gebetes die Nase zu putzen hatte. Da ein maßgebender Dezrsor den Ausfluß der Nase auch zu den Dingen rechnet, die ffffffl K8UM DCS MÜS IW ßMM iurfe, machte er die damals noch in allen Kreisen übliche primitive Gewohnheit nicht mit, und bediente sich damals schon nach der Weise späterer, feiner empfindenden Zeiten des Taschentuches. Gelegentlich rvsrden nebenbei eine SnSflFfF Singe von allgemeinem Interesse erwähnt. Wir denken an den Beitrag zu unserer Kenntnis der Topographie des mittelalterlichen Mainz. Wenn man in Mainz am Freitag abend auf einem Schiffe nach Beginn des Sabbats von außerhalb der Sabbatgrenge, glfffl' MM. ÜFlIUW (Die Wikwo des Balschem.) Der in Munkacz erscheinenden „Jüdischen Zeitung" teilt ein Karlsbader Korrespondent mit, daß in Ronsperg in Böhmen Arbeiter bei einer Brunnengrabung auf eintzn^ großen eigentümlich geformten und mit Schriftzeichen versehenen Stein stistzsn, der zuerst ^er&roc^ejj UTVÖj' zusSKMLngesügi wHvbe, Die EMziffernng der Schttstzeichen ergab eine hebräische Inschrift, die in deutscher Uebersetzung lautet: „In dieser Quelle tauchte Rabbi Jisroel Baalfchem Tow am Freitag yyz s"»'v im Jahre 5504 und sagte, daß es ein im allgemeinen und auch für Unfruchtbare heilender Quell fei. Im Jahrs 5574 rmirb-e das Sjaus 3U . einer Uiifmo mnaoMui" DM RvnfprngLi? Gemernbe, die von dem Vorhandensein dieser alten Mikwo nichts wußte, , hat den zurzeit in Karlsbad zur Kur weilenden : Munkaczer Rabbiner gebeten, nach Ronsperg zu kommen^ 'um die merkwürdige Entdeckung in Augenschein zu nehmen. Wochenkalender. v. 17. - 24. Sept. 1927. 1 v. 20. - 27. Elul 5887. Samstag 17 20 18 n Silä/1 (1I7S? Montag 19 22 Dienstag rr. 20 23 ... Mittwoch rs 21 24 Donnerstag 22 25 Freitag 23 26 S»MSt«g 26 27 BQU V

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