Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1927)
- Date
- 1927-09-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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15. September 182? MPM, Mk Zk88WW8 Siedle «uf Kosten -er ArLelter. Vis zu einem gewissen Punkte gehört auch Misrachi zur Opposition, aber diese Gegnerschaft gehört schon unter eine andere Rubrik. alsslange seine Forderungen n«^ Bessergestaltung der Dinge gehört werden. „Gehört", nicht erfüllt. Das Auftreten des Misrachi auf den Kongressen ist schon geradezu gegeben, traditionell, fünszehnmalig erprobt, schemenhaft. So war es auch diesesmal. Ihr tZPShör WMMll. li tt Berlin, schlägt schon gleich zu Anfang der Generaldebatte Lärm. Man hört ihn an, stimmt zu oder protestiert. Irgend jemand — diesesmal Herr Arlosow von den „Poale Zion" —, nimmt die Gelegenheit wahr, gegen den Klerikalismus im Qiontsmue vorn Leder zu ziehen. (Das Protokoll registriert; B^ifAll.) Düllllt ist Dm unangenehme, aber unvermeidliche Zwischenfall erledigt. Man wendet sich „ernsteren" Dingen und Sorgen zu. Man wird noch gelegentlich, etroa bei der Diskussion über den Keren Hajessyd-V^icht, m Mm öarüößr reMn. Diklleicht wird der Präsident in seinem Schlußworte noch höflicherweise die Sache mit einem Satze streifen und Toleranz auch der Religion und ihren Vertretern versprechen. Vielleicht auch nicht. f^rrd der ^«rtbedrängte Weizrnann, der sich nach rechts und links mu beiden §8en° bogen zu wehren hatte, in seinem Schlußworte keine Zeit für solche Bagatellen. Und wir wollen gegen Misrachi gerecht sein. Es ist nicht seine Schuld, daß seine Worte und Wünsche in der großen Arena, wo über ganz ^here singe tzeiß ßLftGM ffliö). BßrDQlM. Msrachi ist ganz gewiß dieses Bahr mit den besten Absichten nach Basel gegangen. Das Maß war auch voll. Man hat auf Nationalfondsboden, um eines der krassesten Beispiele zu nennen, das Fest der Gesetzgebung in eine Volks- MllMMg lllil TM ^tjvmuvtt^xxbei verwandelt. Es gibt, wir zweifeln nichi daran- Männer im Misrachi, denen das Herz blutet. Vor diesem Forum erhört zu werden, diese Hoffnung müssen sie aufgeben. Es ist schon viel, wenn sie hier gehört werden. Wohin die im Misrachi organisierten, für das Judentum der Thora genug starEsn üüiüsn IlÜHMsttz fiiOBö aufbringenden Männer gehören — und nicht gehören, dieses hat der letzte Kongreß zum fünfzehnten Male eklatant gezeigt. Er war ein Jubiläums- und Krisenkongreß Zugleich, das d-eißlgjähriZz Zubiläum Dor religiösen Krise im Zionismus. Der 3 s.r a e l i t Roschha-schotto-GwSwÜnsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Alk. 4 ♦— tofee n iS Seilett 1 spaltig zu Mk. 6.— Größe ra 10 Zeilen 2 spaltig gn M 8- Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweifen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 22. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-haschono-Nummer, später eintreffende m der darauffolgenden veröffentlicht. Ws ftlM SlMlllMA zu DUMM m Mg Iisroel abzulösen und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben sestzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von zwei Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Summe linse rat beifügen. Frankfurt a. 2N. Verlag des Israelit G. m. b . Q. Wochenrundschau. Schlimme Verdächtigungru Ende Juni tagte, wie unseren Lesern bekannt, in London der Internationale Kongreß zur Bekämpfung des Mädchen-. Handels. Die jüdische Beteiligung an diesem Kvngretz knMM 88M stks^^gbnden Anteil her Jüöeü 5« Böktimpfung MM Kultur? schände überhaupt. Was die jüdischen Organisationen auf diesem Gebiete geleistet haben, wurde auf den Kongreß mit lobenden Worten anerkannt. Das Deutsche Nationalk o m t i e e — ein privates Gebilde — konnte es sich aber nlcht einen ÄMchl All Mb teilen, in dem Grenzüberschreitungen und Patzvergehen von Ostjuden in den ostdeutschen Grenzgebieten mit dem Mädchenhandel in Beziehung gebracht werden. Kein Wunder, daß man auf jüdischer Seite in diesem famosen, für die VeryllMMMN Mnz uni) M »NM!!! stück einen deutschen Versuch sah, den INtSr - nationalen Kongreß gegen die Jude n zu stimmen. Trotzdem erhoben die jüdischen Delegierten — und das ist das Schönste an Dm Sache — im Wimm keinen Protest, well sie, die dMschsn Juden, Nichts tun wollten. Nr. 37 Seile 3 was vor diesem Forum das Ansehen Deutschl8ll«» k^ätte I^erabxoiirbigen können. Erst seht, nachdem der Kongreß ausemanbergegangen üni aud) die deutsche Delegation heimgekehrt ist, unternimmt es Herr Dr. Felix G o l d m a n n in der C. V.-Zeitung, die, unfaire Handlung des Deutschen Ratisnalkotnitess ins rechte Licht zu rücken- Die Abrechnung scheint uns indes nicht vollständig und die Beweisführung bedarf einer Ergänzung. Die im Berichte des Deutschen Nationalkomitees angeführten Tatsachen. liegen ziemlich, weit zurück, datieren zum Teile aus der MieisseiL wtii Um Skflön WchMMMkn jM bilden nur eine Fortsetzung der Zustände in der zarischen Zeit. Wer sich der Verhältnisse der jüngsten Vergangenheit erinnert, weiß, daß bei aller politischen Verfolgung im Judenrayon, wo Millionen ohne Licht und Luft vegetierten, es keinen, Inden möglich rvar, ohne weiteres auf legalem Wege die Grenze gu Ms aus Not und politischem Drucke flüchteten, waren von der Regierung selbst auf Schleichwege gedrängt, die durch Nacht und Gefahr in die ungernisse Znknnft führten. In den Jahren des Krieges kamen — nichts MV Ällßgll — in Polen und Litauen hinzu, die, erklärlich genug, bei dem ungewissen Ausgang der Dinge, sich für Moskau und Petersburg nicht totschießen lassen wollten und ohne den unerschwinglichen Paß das jenseitige Ufer zu erreichen suchten. Während Dm ÜkllWkn MUMM SST* ma” öf±<m um Menschen für Deutschland, und viele gingen ungebeten und unlegitimiert hinüber. Die wenigsten blieben hier, und die da blieben, ernährten und ernähren sich von redlicher Arbeit. Das haben Minister gegenüber den Märchen und ^Z^ontosiezohlen der Völkischen vft gSNUg klavgkstelll. SZ gkhöN sch?n fxTtf bösem Willen und Pahrheitshaß dazu, diese kleinen harmlosen >«lrenzvergehen, die sich Leute in einer chaotischen Zeit in größter Lebensnot zuschulden kommen ließen und sie auch dann mit entsprechend geringen Etkllsgn klWn mutzten, in LMMSLNS mit den, gemeinsten Verbrechen gegett MSttschlrchö Ehre und Würde zu bringen. Der feine Takt der jüdischen Delegierten aus Deutschland und ihre schonende Rücksicht in Ehren! Sie hätten aber vielleicht besser daran getan, öffentlich den Konfcarüfjer anfznklören, daß dis Über die Grenze kommenden Ostjuden keine MÄcheiihändler sind — und das Deutsche National ko mite'e, Gott sei es gedankt, nicht Deutschland i st. Inflation hart mitgenommenen Generation. Bald klopfen verschämte Arme, die früher bessere Tage gesehen, an unsere Türe, bald kommen würdige, alte Thoragelehrte, die infolge Ausweisung brotlos geworden Mb. blltb Menm m NMmy Um e>«ld fordern LehrerseMtitük, Pkäpakanvenschule, Waisenhaus, Vereinigung für Interessen des orthodoxen Judentums ode Keren Hatorah ihre Jahresbeiträge. Allen diesen Bedürftigen, all diesen Institutionen muß geholfen werden. „Verzehnte, verzehnte!" befiehlt unsere Thora. Du mutzt Din mmeu 2M tzkiNkS deines Einkommens, deines Verdtenstes den Armen and Bedürftigen reservieren. Der zehnte Teil deines erworbenen Vermögens, deines alljährlichen Einkommens, gehört den Armen, jeder Eingriff in diesen Fonds ist eine Beraubung der Unbemittelten und Bedürftigen. Jeder Israelit ist verpflichtet, nach Verbältnis seines Einkämmeö- und Mi-MSZLNL Mn Armen zu MMN: nwynnw is?y- Tie Thora gibt uns diö ÄKksiHWUNÜ'. daß wir durch Absonderung des Jehnten unser Vermögen nicht vermindern, sondern stellt uns eine Vermehrung desselben in Aussicht. Der sicherste Weg zur richtigen Erfüllung dieser Mrzwoh ist die Anlage eines Maatzerbuches und dis Führung einer Maaßerkasse. MilliaNeö rnimtt MAich Mn AöMMn Du Armen entzogen durch die Vernachlässigung döx MSdßLVPslichl. Mahnend ruft der Prophet Mnleachi: „Bringet euren Zehnten . . . und prüft euch doch dadurch, spricht Gott Zebaoth, ob ich nicht öffne die Fenster des Himmels und euch Segen überschütte bis zum Ueberflusse." „Mildtätigkeit rettet vom Tode." „Behütet das ölccht und übet Mildtätigkeit, dann ist Msin-S Hilfe 'n dcr Nühc.^ Lev Mentz tilty Ml : mm dem . Armen, und er erwirbt sich ein großes Verdienst, daß er der Gottesnähe gewürdigt wird. „Ich schaue in Rechtsgedanken dein Angesicht und sättige bei einstigem Erwachen mich an deiner Gestalrung. Durch Älmosenspenden, durch Mildtätigkeit erwirbt man die große Glückseligkeit, Gottes Angesicht zu jcJ^auert." Wer möchte dieser großen Gnade nicht tsilhaflig werden? Kleines Feuilleton. Nochmals «Brot und Seele". Aerr Hermann Lohn, Hamburg schreibt uns: Nachdem ich Jahrzehnte meines Lebens der Bekämpfung des Atheismus gewidmet habe, traue ich urtr TOofjt Aü wissen, ob ein Gedanke theistisch ober üllMsttsÄi ist, Dst les llntersHiztzSL dieser beiden Richlungen. inbezug aus ,Leben" ist, daß die Lebens- und Geisteskraft sich nicht aus der Materie des Körpers entwickelt, sondern von außerhalb des Körpers kommend, sich während seines Lebens mit ihm verknüvft, während die Pantheisten glauben^ daß jedes Atonr beseelt ist' und me GMlcstzrast nicht vvn ies Mrp^ kommend, sich ihm zugesellt, sondern sich aus ihm entwickelt. Wir müssen nun annehmen, daß das Gehirn der Sitz des Geistes ist, da n ur eine Verletzung des Gehirns zum Denken unfähig macht. Da ein Beispiel fast nie etwas erklären, sondern nur denkmöglich machen kann, so scheint mir nach wie m Du Wkllimnsm sin rslgWW? dei^iel unsere theisttsche llederzeugung zu sein, denn, auch bei ihm entwickelt sich die Kraft nicht a us der Maschine (dem Akkumulator) sondern wird, von außerhalb desselben kommend, ihm erst eingefüllt, resp., wie der technische Ausdruck lautet: ,Er wird mit Elektrizität geladen". Dies' kann nur durch menschliche Intelligenz geschehen, und wir dürfen siwM. stütz lllltv stki MM mm mn unendlicher Weisheit zugetellt deüomml, und ver Geist nicht etwa ein selbstentwickeltes Produkt der .beseelten" Körpermaterie ist. Uebrigens habe zwei klassische Zeugen dafür, daß an meinem Beispiel keine Anstößigkeit inbezug aus Materialismus ist. Im Jahre 1916 hatte ich bei Sänger &j§iioDOp. Frankfurt a. M. kwk TTrm Kfsrmm 'asten, „Wiste, was du dem Gottesleugner llnlworien sollst", und hatte, Seite 38, auch die Verknüpfung unseres Geistes mit unserm Gehirn mit der Verknüpfung von Elektrizität und einem dafür geeigneten Apparat als Vergleich gebracht. Ein Rezenstonsexenrpla« «reiner Schrift ging Herrn Rabbiner ftreuer EMMvIlll Anm zu. In ven „Jüdischen Monatsheften", JährHällz 4, Heft 4. April 1917 stand: „Wisse, was du dem Gottesleugner antworten sollst", von Hermann Cohn. Bekämpfung des Materialismus". ..Wir empfehlen dieses kleine VüT llt? vortreffliches Mittel zur Erreichung ms UN TM gensuulBn — Und der „Israelit" vom 19. April 1917 schrieb: „In acht schön geschriebenen Kapiteln legt der Verfasser die Unzulänglichkeit der materialistischen Weltanschauung dar.So ist dieses Büchlein warm zu empfehlen." 1 I