Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1927)
- Date
- 1927-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Skr. 36 De r Israelit 8. SWtMM IM Zum sechszigsten Geburtstag von Dr. Josef Wohlgemuth. Dozent am Rabbiner-Seminar in Berlin. Dök 80. G^burlslag?»r.?ivses Wohlgemut h s, des ältesten Dozenten am Rabbinerseminar für das orthodoxe Judentum in Berlin, ist ein Festtag für die gesetzestreue, Judenheit. Zwar verlief der Tag ohne offizielle Feier inftlgk des sHwerm SMslllsWllgss, öS? dstt Jubilar erst vor kurzem durch den Heimgäyg seiner edlen Gattin getroffen hatte. Seine Seele war mit ihrer Seele verknüpft, war sie ihm doch nicht nur liebevolle Ehefrau und treusorgende Mutter der Kinder, sondern auch sich verständnis- »oü einf«y*nbf <§snsW seines wlssknschnslllchM Slrebens und treue Gehilfin seiner literarischen Tätigkeit. Aber die große jüdische Öffentlichkeit möchte dieses Ereignis doch nicht vorübergehen lassen, ohne sich dessen bewußt zu werden, was der Jubilar dem gesetzestreuen Judentum beipsHisti iinö oDnc Dtm dochosichüm ®J*hhs iU herzlichsten Glückwünsche zu seinem Ehrentage auszusprechen. In seiner 32jährigen Dozententätigkeit am Rabbinerseminar sind viele, viele ökstW UflD auSiönb||^f gts^ßlner Durctj \tm Scyulö WWgen und haben Geist von seinem Geiste in die Gemeinden ihrer Wirksamkeit hinausgetragen. Er besitzt außergewöhnliches pädagogisches Geschick und eine seltene Gabe der methodischen ü^artzistung dss Üshrstoffö-S, Cr „dotiert" nic^: vom Racheber, holt keine „Vorlesungen" im gewöhnlichen Sinne akademischer Lehrtätigkeit, indem er einfach den Wissensstoff von außen her an die „Hörer" heranbringt, sondern er rveiH die . k an bim Gegenstände des Unterrichtes zu begeistern und smm gHspiöp, dos zu Mil netibe aus ihnen herauszu^olen. Cr hat schon vor 3 Jahrzehnten die Idee der modernen „Arbeitsschule" in seiner akademischen Lehrtätigkeit verwirklicht. Ob er in lebendiger temperament- LSkstkMN,sttMVIW llllMUtzW? Eödankengänge analysiert und auf ihre Begriffe zurückführt, ob er die kodifizierte Halacha in quellenmäßiger Darbietung und geradezu plastischer Darstellungskunst, die das Wesenhafte hervorhebt und das weniger Wichtige suriidireien IW, ffimn SchülKN ügPwinzi, iiistncr!ft cr ein Meister des Lehrens. Seine religionsphilofophifchen Vorlesungen sind Kabinettstücke tiefen Eindringens in den Lehrinhalt des Judentums und seiner philosophischen Erfassung, seine homi- Welche Verzweiflung in den Schmerze» siobs. ber M zu Gott mnm in MuM mm\Uü! ÜNd die Propheten — welch übermenschliche Gestalten! Moses teilt das Meer mit einer Bewegung seiner Hand und leiht den Blitzen in den Bergen göttliche Stimmen. Elias öffnet und schließt die Schleusen des Himmels. Ezechiels Träume machen Tale mieser lmmg, Jeremias mhmuM* tzs» Braun Dtt MIM tu Tranenströms. Iesalas läßt der Wüste das Wasser der Tröstungen entquellen! Und ich kniete vor einem Anderen! Und ich bewunderte das Gesetz des Pfadfinders! Und ich las Jules Berne und Cornelius Nepos! 2. ,Dlw llnseiMW Volk! - - «! t Es gäbe ein Volk, düs über die anderen Völker erhöht wäre? Warum? «Die Sendung Israels! . . Israel hätte eine Sendung, und die anderen Völker nicht? ... Ich verstehe nicht . . . Wenn ich nur denken könnte? . . . gziama. Bit DtTinn nn® m NM ZeZtttttt Dieses Kind ist so frühreif... Ich, frühreif! . . . Pascal, wo bist du! . . . * „Die Sendung Israels! . . Ich habe in meinem Geschichtsbuch gelesen, daß in Athen die Idee des Schönen verwirklicht war. s*om bie Mv Krstt! : : , . , Wäre es Me ^euduug eines Volkes, seine Idee zu verwirklichen? Welche Idee sollst du verwirklichen, Israel? letifchen Vorlesungen bieten eine wertvolle Einführung in die Theorie der Kunst des Predigens. Aber er ist seinen Schülern mehr als Lehrer, er ist ihnen W e g w e i s e r u n d F ü»h r e r in der Auseinandersetzung z w i sch e n Thoraiimcimini unD aüpHultm Suüut. Ist doch kaum jemand so berufen, wie er, die Wege zur Synthese zwischen jüdischer Überlieferung und weltlicher Kultur zu weisen. Wir haben nicht viele überragende Persönlichkeiten, die in sich diesen VerschmslgiMMWß .sg vMlWll haben wie er. Fest iw Boden des finaitischen Judentums verwurzelt, ihm in Lehre und Leben gläubig verbunden, ist er mit gepflegtester Allgemeinbildung erfüllt und mit der Wissenschaft innig vertraut. Staunenswert ist es, wie er mit trcfgründigern. umfassenden bwftssHsg, llllMUBI» scheu, rettgivusphilosophischen Wissen eine Universalität der Bildung vereinigt, die die Geisteswissenschaften souverän beherrscht und auch die Naturwissenschaften in ihren Kreis einbezieht. Die alte Parole „Thora im Derefch Erez" wird van, im ©imi? klSssisAll MrlrMr 0103 ses Prinzips, Ö. N. Hirsch und Esrrel Hildesheimer s. A., in eigener Prägung erfolgreich verfochten. Bei aller sachlichen Wissenschaftlichkeit ist er von heißer Herzensfrömmigkeit und stark gesiihlsbmnter ReligiMüt im Sinnw „Mui. [di erfüllt, i?i älletti Crilijcfjen ffifigsn von bemütiger Ehrfurcht vor der Autorität und Weisheit der Alten (Emunath Chachomim) getragen, bei aller philosophischen Tiefe von der Begrenztheit «Wichen Erkenntnisvermögens durchdrangen. Sx ft Dtt PMNtttt, Dlö sllh SUZ der Gegensätzlichkeit des Verwurzeltseins in der jüdischen Tradition und des Hineingestelltseins in die weltliche Kultur, aus dem Antagonismus Mifchen Vernunft vmÖ flp, jj] m ill50kl(| zu bringen, und ist lein«. Cchülern Vorbild in der Vereinigung der genannten poplig. Sein segensreiches Wirken greift aber über die Stätte seiner Lehrkanzel hinaus. Er wirkt nicht nur durch seine Schüler aus die von ihnen betreuten. Gemeinden eirt und hilft sv das reti* #:v. CM Kl % 1 ** 5 I* I * giy^-slttttchc und geistige Auttitz von Generationen mitprägen, sondern er hat sich auch Me Tribüne geschaffen, von der er zu der ganzen, besonders der gesetzestreuen Judenheit spricht: Es ist der von ihm seit 14 Jahren herausgegebene „ gef^urun". Diese MMft sst Bkl IM rarische Spiegel seiner Persönlichkeit, die wissenschaftliche Synthese „Judentum und Kultur". Hier werden bibelwissenschaftliche Fragen, talmudische und geschichtliche Themen, bedeutsame Ergebnisse ernster Wissenschaft, philosophische Systeme, literarische Neuerscheinungen von? Ruf und wesentliche Zeitfragen von - der Warte der ewigen jüdischen Wahrheit gewertet, gewogen, anerkannt oder zu leicht befunden. Und alles nach streng wissenschaftlichen Grundsä^en^ jf| if^STlÖt' jsr Sprache unb gewähltester Form. Fast in jeder Nummer befindet sich ein Artikel aus der Feder des Herausgebers, der große Belesenheit im gesamten jüdischen Schrifttum mit umfassender . Allgemeinbildung und gründlicher nüssen- Hllsttichkr M0M0, MMM der Tcbankenführung mit edler Schönheit der Form in Sprache und Darstellung zu verbinden weiß, jeder ein in sich abgerundeter Essay, Miniaturbild der ganzen Persönlichkeit des Herausgebers. Es würde zu weit führen, die Fülle seiner MMMtllAtt PuBittaiiomn hiss SstMützren. Dr. Wohlgemuth hat die jüdische religionsgesetzliche Literatur durch wertvolle größere Arbeiten und kleinere Beiträge bereichert und den Ewigkeitswert der biblischen Lehren gegen den Ansturm naturwissenschaftlicher Hypothesen glücklitO Dirt&iBigit 3m gegen bcn religiösen Liberalismus ist er als mannhafter Streiter mit großem Erfolg hervorgetreten. Wenn wir jetzt dank Dem, der die Zeiten ändert, in einer RenaisfancebewegUNg - dssK MsNtstMZ UNS Befinken^ meuft WsststM BtS Liberalismus immer mehr an Boden verliert und die Idee des orthodoxen Judentums wieder auf dem Marsche ist, um zu siegen, so wissen wir, daß Dr. Wohlgemuth zu den Cendboten gehört, die dazu bsrnssn waren uuX stnL», Bm AlltzkUH Neuen Zeit ^erauszüsühren. Das Bild seiner Persönlichkeit wäre unvollständig gezeichnet, wenn wjr nicht auch der menschlichen Tugenden des Jubilars gedenken «» ü« (if 1 fernötur wohnt bie Seele eines Kindes, voll reiner, vvr-nehrn.. Ge^innnn^ W UMsjgf^st Cm liebenswürdiger, temperamentvoller Mensch, ein gütiger, sich für notleidende Mitmenschen geradezu aufopfernder Helfer, und vor allem von rührender Bescheidenheit. Möge der Allgütige ihm noch eine range{ fange AM gMWwW. gesunder Jahre schenken, damit er durch seine Lehrtätigkeit und seine wissenschaftlichen Arbeiten weiter zum Segen des orthodoxen Judentums wirke. rrvHNrtti min . Ihm selbst rufen wir zu onwi n*m iv nvx m aai n*?x Dirüffi Ttontn aüt MM? Bß? Erde. . .“ So wäre Israels Sendung nicht allein für Israel? ... Was ist deine Sendung, Israel? „Der einzige Gott .. ." Gott Wim mstii als einet sein? All diese Götter in meiner Mythologie: Jupiter, Venus, der Olymp, Isis. Osiris. Baal, Astarte . . . O wie gern möchte ich denken können! * Wie haben die Propheten der Sebröer bie Gynen oersngNkl' Der Heide fällt im Wald eltte Elche. Mit zwei Scheiten macht er Feuer. Und er brät sein Fleisch. Und lagert sich und ißt. Dann macht er sich aus dem Stamm einen Gott. Und er wirst sich vor ihm nieder und schreit: „Höre mich, mein Gott!" Du willst nicht, daß man ein Abbild von Dir mache. Gott Israels! Dn »eebammft ben SBtlbex» anBtttil Und ich, habe ich nicht dein Bild angebetel? ■* * „Höre. Israel, der Ewige ist unser Gott . . .“ Styrinowsky will an diesen ewigen Gott nicht glauben!.. Ein Gedanke lenkt die Zeiger meiner Uhr; uni» lln MltllS Tonte kein EMMö iobohäis sÄ8! _Cr Mllch's und es war geschaffen! Er hat gesprochen und so geschah es! Er ist der Ewige und kein anderer. Außer ihm ist nichts! . . ."} Mrm Gött! Mein Gon! Der du aus der Welt und außerhalb der Welt allgegenwärttg bist, du weißt, daß ich dich suche, unsichtbarer Gott: hilf mir, dich zu finden ohne Augen! Ich fühle dich, du bist da. Soweit weg im Unendlichen, und so nahe meinem Herzen! Du sprachst zu Abraham, zu Moses. KN bernen Dienten mm und.W 21s follttfi stumm sem? * „Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen..." Er hat den Menschen nach seinem Bild erschaffen: . . . Der Mensch sieht Gott gleich roie ein Kinb seinem Mtti i. , m , , Er liebt jutfi Litt Vater! . . . Er züchtigt' er verzeiht wie ein Vater! Ihn lieben, ihn lieben wie einen Vater! Ja. ich liebe dich, unsichtbarer Vater. Allmächtiger unh Allgegenwärtiger! Ich liebe dich, liebe dich wie einen Vater! . Btt i öttatis Seuvuug! . . . Jetzt verstehe ich; ich habe verstanden, als ich dieses Gebet las! (Folgt prachtvolle Uebersetzung eines Teils von „Oleinu) dann: ,Er hat ein Volk auserwählt, um seinen Ruhm zu verkünden! Ich bin ein Kind dieses auserwählten Volkes, und ich hatte es nicht gewußt! 9Han tfixtte es mir gffBfit T