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Der Israelit · 1927-09-08 · Heft 36 (8.9.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 36 (8.9.1927)
Date
1927-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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8. September 1927 I; s Maas I i l Nr 36 Sekte 3 Jude n 1 u m s erhoben worden war und dieses orthodoxe Judentum inseiner dogmatischen Einheit und Eindeutigkeit überall bei gutem Willen durchaus mit einer, einheitlichen körperschaftlichen B^tvättLKg auükommM kann und muß. ' Leider ist der agudistische Antrag nicht durchgedrungen, weil vor allem die zionistischen und Mlsrachistischen Gegner viel zu sehr in ihren Partei-Fanatismus verstrickt waren, als daß sie Ziö WMtiQltymte nannnslk Bedeutung der den Dualismus der völligen Zerfaserung vorziehenden agudistischen Anträge hätten würdigen mögen. So ist denn nun die Gemeindebildung volliommm sreigegkVkNi kill gust«nd^ der dem Gewissenszwang und der Erdrosselung des orthodoxen Judentums durch den Zwang zur Einheit sicherlich vorzuziehen ist, der aber doch schwere Gefahren in sich birgt. sNach den uns vorliegenden Nachrichten scheint zunächft einmal i&fHBffl BßS DBtls rabbinats zerfallen zu wollen. Die Rabbiner Bernstein und Frank von „Misrad harabbanuth" wollen mit ihren Anhängern aus der Waad leumi-Gemeinde austreten, falls nicht mindestens das Frauenw ü y l k k siN MMtzM V?}vhi f1aher nl^ mif der bestehenden orthodoxen Gemeinde vereinigen, sondern eine selbständige orthodoxe Gemeinde bilden, worin sie von einigen der „Agudas Jisroel" angehörenden Gerrer C h a s s id i m unterstützt werden. so erfreulich es ist, BSg MSlMSl wis MDi Peßach Zwi F rank und Rabbi Bernste i n, ihrer Vergangenheit getreu, ihr Amt und ihre Würde der besseren religiösen Ueberzeugung opfern und aus einer Gemeinschaft ausscheiden wollen, die Um Willi» ÜM Den Gehorsam weigert — so traurig wäre es doch, wenn kein Weg gefunden werden sollte, um die rein persönlichen Gegensätze zu überwinden, die die Gründung einer - einheitlichen. großen orthodoxen Ge- M ß lllsi k M stlOM %Wn£>Ü* "hindern. Gewiß ist es denkbar, zu dieser Einheit auch auf dem Wege über eine Sondergründung zu gelangen, aber dieser Weg ist voller Gefahr und Unsicherheit. fflßH PPP allem Pflicht her polnischen und litauischen cr^na in der Diaspora, hier m i t größter Energie einzugreifen und einem gänzlich überflüssigen nm^r? ins und Dwn bi7n vorzubeugen. Dig, störzeillgen Mstkkl dkk <§vm^ib^en (Setnembe beanspruchen kein erle i Vorrechte, sondern anerkennen vorbehaltlos das Recht der geeinten Orthodoxie, die Männer ihres Vertrauens durch freie Wahl an die Spitze lstkk? ^smeinroesens zu stellen. Künstliche Juden. Der völkische Antisemitismus ist um ein originelles. Schlagwort reicher. Kein Geringerer als Erich Luden dorff, dieser traurige Ssilllllkü sßjlM eigenen kurzen, trügerischen nationalen Ruhmeslaufbahn, HM es in [einem neuesten Pamphlet geprägt und damit das Niveau seines Denkens am besten gekennzeichnet. Unter dem Titel „Vernichtung der st k k i lü 8 si f f v e * durch Enthüllung ihrer Geheimnisse"' hm Sufienieifff nämlich eine Schrift im eigenen Verlage veröffentlicht, die in der „Welt am Montag" von dem Satyriker Dr. Frosch mit folgenden Worten besprochen wird: „Der Schwindler Leo Taxil stZW in [einen mwMunm hn SeufeI 95Utu als Schutzpatron der FreimaUkerei vor. Aber diese höllischen Enthüllungen Texils find noch gar nichts gegen die neuesten Offenbarungen Erich Ludendorffs. Bei ihrer Lektüre staunt nicht nur der Laie, sondern selbst dem Kenner sträuben sich alle Haare einzeln zu Berge. Denn er erfährt hier auHeniM, M stMMM Munde, daß die sämtlichen Logen nichts find als ein Instrument Judas zur Unterjochung der Völker und Stabilisierung der jüdischen Weltmacht. 3n tim Dom MW rix „Abri^tung" des Ariers „zum künstlichen Juden", und zwar meistens, ohne daß er es überhauptmerkt. .Tropfen für Tropfen wird ihm der „jüdische Mythos", wie er sich in Thora, XalnmD, faDMö lln küem Teftament tarstellt, eingeimpft, und dessslbigen gleichen die „jüdische Moral". Er lernt Salomo, den Gründer der Freimaurerei, Zerubbabei und Ne- Hemia sowie die jüdischen Erzväter insgesamt verehren und die sämtlichen jüdischen Heilsnmbole, oar, Winkelmaß und Zirkel bis zu Aronstab und Daviirftern, ernten. SüfOnDorfi entsetzlich ist es, daß ihm auch die „Vernunft", diese offenbar spezifisch jüdische Erfindung, als äußerst schätzbar beigebogen wird. Mit den „Meistertugenden", die dem Adepten empfohlen mvä8nr.ijt Qß QMüffMls eine WW gs^fblhafte Sache. Die „Barmherzigkeit" z. V. gilt natürlich nur für die Logenbrüder untereinander; sie helfen sich, genau wie die Juden, immer nur gegenseitig, selbst zum Schaden und auf Kosten her anderen. Der Gipfel der Unmoral aber um zu lernen, lernt, weil es Gott will, daß der jüdische Geist sich in die Gotteslehre versenken soll, damit er eins werde mit ihr. Das ist der Sinn des ttn*V7'" das unsere Weisen an das Problem des ..ungeratenen Sohnes" knüpfen, eben mil m Bloßes yioBism ifh Kleines Feuilleton. Aus dem Tagebuch eines jüdischen Änabeu. Verfasser. Verleger. Uebersetzer und Druckleiter haben sich in »Edmond Fl eg , Ein kleiner Prophet, Autorisierte Uebersesung .aus dem Französischen von Mimi Zuckerkand!, Druck- Mims mti mtiantimiDUif vsn %?v Weiß, Piper & Cs. Verlag, mtmajtu imi zur Herstellung eines feingegliederten Kunstwerkes verbunden. Es ist die mit herber Wahrhaftigkeit, schroffer Kraft und doch einschmeichelnd dustvoller Schlichtheit in Tagebuchsorm erzählte Geschichte eines in unjüdischer Umgebung ausgewachsenen Knahen- Der Dater verkündet: Es gibt keine » seine «iS?! 8g gibt nur Menschen. Die Mutter treibt ohne Spur von jüdischem Verständnis allgemeine Humanität. Eine katholische Spielgefährtin führt ihn in die Mysterien ihrer Religion ein, die auf das mimosenhaft empfindsame, zur Extase des Gefühlslebens neigende Kind einen ungeheuren Eindruck Machen. Er besinm m sls 5uöö llM mm DüfflSt zu Haffen, was ihm stammesverwandt ist. Da bricht das glückliche Verhängnis in fein Dasein herein. Tenach und Abrisse der jüdischen Geschichte kommen ihm zur Hand. Hier sängt seine Läuterung an. Er wirst mutvoll ab, was ihn an blendendem Pomp und Geheimnisvollem bisher fesselte.- was fein irremawms Mtm mm-. ungen von der Größe, EMztgarttgkeil und Universalität des Judentums. Wie sich das in diesen Tagebuchblättern sein abgestuft entwickelt, wie alle seelischen Nuancen von der verhallenden Wehmut über die stolze Erkenntnis bis zur eruvtiv ausbrechenden Abneigung einfach klar und doch köstlich ergrei- MD DaraeM mrp, bas *?. raunbfrörotIdas Buch ollen aufs rvSrmst? empsehie« llSMStt. Allen. Denn die Großen aller iüdffchen Richtungen kann es vertiefen und autrütteln. Und der unfertigen Jugend Kaan es Erleuchtung und Stütze werden. Zwei Wünsche allerdings können wir nicht unterdrücken. einen ästhetischer und einen persönliche DM NiiDsll. unti atiaüMsmn her anderen Religion svlliK bki öinöi Möiten Auflage eine edle und kundige jüdische Parallelgeftalt gegenübergestelli werden. Dieser Herr Lobmann, der auf alles ungeduldige und witzbegierige Fragen nur zu antworten weiß, datz die Porsche die Hauptsache der Barmizwo sei, ist eine Farce. Nicht das schlietzlich niffir rvenv auch gervitz schöne und feierllchb DMorulillnsstückl der §'vr!es«ng Ttzgkll ist das Wesentliche, sondern die Weckung und Bereicherung der jüdischen Selbstverantwortung, die Mündigkeitserklärung für den ganzen Komplex der jüdischen Pflichten. Und dann — dann möchten wir gerne, datz der Verfasser einmal sein Ränzlein schnürte fff die Gegenden «»änderte, irr denen nicht weltwird erreicht durch „die Verpflichtung auf blinden Gehorsam gegenüber den Weisungen der unbekannten Oberen und auf vollständige Verschwiegenheit sämtlicher Vorgänge, die nur irgendwie mit der Freimaurerei in Verbindung stshgn". Durch llikse BkkMchlMZ mirb jeder Bruder Mrnbes WertzöUg ÜSS dämonischen Mischen Machtwillens — und oft genug hat er davon nicht einmal einen Schimmer. Denn es wird keineswegs jeder in die eigentlichen Ziele des VÄndes eingeweiht, selbst nicht jeder Träger eines boh'sn Amts. Daß Männer wie Friedrich der Große, Lesstng, Äoeche, Miü$ßrr MhMU?!., Friedrich in. Freimarer waren, erklärt sich nur daraus, daß sie gänzlich ahnungslos in das Schlamassel hineintorkelteN; „arme Betrogene" nennt sie unserer erleuchteter Erich?' Die älteste, auf Friedrich den Großen zurückgehende Freimaurer-Großloge Deutschlands, die „Große Nationalmutter-Loge zu den drei Weltkugeln", die früher mit der Hohenzollernsamilie aufs engste verbunden war. veröffentlicht nun durch das WaWch- TrlMPhinSllk« eine scharfe Erklärung gegen Ludendorffs Buch, in der es heißt: „Ludendorff behauptet: „Die Freimaurerei bringe ihre Mitglieder in bewußte Abhängigkeit vom Judentum", richte sie „zu künstlichen Juden sb", „Die MgkMWll MM!! O"'"”““'" seien immer für Deutschland verloren", „die deutsche Freimaurerei sei ein Glied der Weltfreimaurerei, deren Sitz in Newyork sei, von dort g'ehe auch die Leitung des jüdischen Volkes, aus". Diese Behauptungen sind unwahr. Die ganz^Zchrisi ist M tMUkiggS Bkispikl Skk Selbstzersleischung des deutschen Volkes. Wir weisen diese Schmähschrift als deutsche Männer und deutsche Freimaurer in tiefster Entrüstung zurück. Ihre ausführliche Widerlegung ist in General Ludeni^orss veröffentlicht eine Gegenerklärung, in der er sich damit brüstet, daß das „deutsche Volk vorläufig die richtige Antwort darauf gibt und mit erhöhtem Eifer meine Schrift liest. Drei Wochen nach dem Erscheinen der LsilNft ist llll? I7l V* 50- Tausend in Bestellung gegeben." Wenn diese letztere Behauptung wahr sein sollte, weiß man wirklich nicht, wer mehr zu beklagen ist: der Sieger des Weltkrieges ob des entsetzlichen, nicht mehr zu unterschreitenden licfftanlcs feiner Mihi« NiMssUNg BÖer Das irregeleitete deutsche Volk, das jedem, auch dem irrsinnigsten Gewäsch zum Opfer fällt, sobald es nur gedruckt ist und den blinden Haßinstinkten der völkischen Masse schmeichelt. abgswaü^?, sätttzM im MöNlöilM KllllllWkM stehende Juden zu Tausenden sich redlich und unablässig mühen, wirkliche Wegbereiter des jüdischen Messias zu werden. Vielleicht möchte er uns dann in Ergänzung dieser Geschichte eines jüdischen Knaben auch die Geschichte eines sich kraftvoll durchringenden iüdischen Jünglings schenken. — Mil mntiltmi MttiMMng des Vertags geben wir einen Abschnitt aus dem Werk wieoer: 1. „Sie haben mich Cornelius Nepos, Renophon, den Rasenden Roland, Nikomedius. Kipling und Jules Verne lesen lassen und diese schönen Geschichten haben sie mir vorenthalten: Adr«. Söll. Mß MlllMki m* seine Ar^e auf den qrpßött Gsmöffern. Abraham und sew Tohn, der von einem Widder gerettet wird; der schlafende Jakob aus einem Felsen, von dem eine Leiter in den Himmel aussteigt; Rebekka mit Eleazar am Brunnen; Joses, der seinen Tränen gebietet, als er feine Brüder wiedersieht: und die zehn Plagen, und das STvte Wleer. und der Berg Sinai- Zch gehe im Killäs MD an Den B»s, den Stein suchen, der Goliath iötku Wird. Ich br» weine Jonathan-auf den Höhen von Gilboa. Wie Salomo betrete ich den Tempel mit den Balken aus Zedernholz, wo die Cherubim mit den ungeheuren Flügeln sich gegenüberstehen. Ich höre Psalmen singen und höre die Harfen der Leviten. Inmitten vor dem violetten Vorhang mit seiner klauen Tiara, seinem glöckchenverzierten Gewand und seinem Brustschild, an dem zwölf Edelsteine leuchten. Welcher Dust in dem Liebeslied der Sulamith! Welche Melancholie in den alten Tagen des Predigers!

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