Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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©ette 4 Nr. 35 Mehrheit der jüdischen Bevölkerungen von jDolen, Litauen, Lzechoslovakei, Lettland jedenfalls entschieden ab. „HalacyWe Wjvimzttitru." Zu dem häuslichen Streit im Achdus-Lager, ob die ideelle Anerkennung der Grundlagen des Misrachi auch die Anerkennung der Gemeindeorthodoxie involviere oder nicht, hatten wir uns jüngst dahin geäußert, daß es rvohl nt(ä>t angehe, MW UHierictHeS grollen einer Weltorganisation und einer Gemeinde zu machen. Wer die Thora als das ausschließlich konstituierende Prinzip des jüdischen Volkes anerkennt, wird logischerweise dies auch bei den Gemeinden — den Zellen des jüdischen Volkes — tun müssen und umae= Herr Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg fühlt sich nun veranlaßt, den zukünftigen halachischen Schwierigkeiten, welche entstehen würden, wenn einmal der Misrachi oder die Gemeinde-Orthodoxie in der Majorität wären, dadurch zu begeglM. daß ök Möint. halschischz SHwtörigk?st?n seien auch heute in den Einheils- und Austrittsgemeinden vorhanden, da es keinen Rabbiner oder Laien gäbe, der wünscht, Juden, die im halachischen Sinne Apikorsim sind, auch freundschaftlich, gesellschaftlich und geschäftlich von sich fernzuhalten. Es scheint Herrn Rabbiner Dr. Kaatz n!«tzt öetannt zu sein, daß der Vater des Austrittsgedankens in Deutschland, Samson Raphael Hirsch *?"i sich wörtlich hierüber folgendermaßen äußert: ..Es handelt jic^ bei diesen allen ja sisHH {gfj, isas Gemüter verwirrend fälschlich vorspiögölt, um Ä-»ö Scheidung und Trennung von Menschen, um einen Austritt aus dem freundlichen Verkehr mit religiös anders gesinnten Brüdern, und die von mbv, in dieser Angelegenheit reden, die wollen eben keinen diVp. Der Austritt aus jedem Zusammenhänge mit rorn und monp’SK' aus jedem Zusammenhangs mit dem Bekenntnis mnimMi jiWifßr WllöHöltLll«r GUtibu&l&ify/M flöht in Frsgs, Nicht aber der Austritt aus der sozialen Verbindung mit p'» und mit den Bekennern solcher Wahrhe'rts- und Gefetzeswidrigkeit ist es, um den es sich handelt, p 2'» u n d -i'viic-'orrim Sinne unseres Codices, hinsichtlich deren sie auch den Verkehr zu meiden lehren, gibt es gottlob in unserer Zeit niiht me^r, Wie Ws gelehrt ist, vw’S T"fT r" NL^ BHS1 littÜ F« ninii» v'2'v und daher, was uns hinsichtlich des zu meidenden Verkehrs mit Heiden gelehrt ward, auf nichtpalästinensische Völker keine Anwendung findet, weil imn on'i'2 r>?i'M2ir, weil ihre religiösen Anschauungen und Lebensweise vom Elterneinflutz anerzogene Gewöhnung war: so gilt das Gleiche von ben bem m™ und in AnsSauuW imö Mmmü\* Wigen jüdischen Zeitgenossen. Sie sind auch bereits das zweite und dritte Geschlecht derer, die zuerst den Abfall erdachten und Propaganda machend vollzogen. Je mehr wir aber zu den in den Anschauungen und Lebensweisen des nu’D und monp’ss, des grundsätzlichen 33llkschllll. Heber 3nh«lt no(i| W sagen, erübrigt sich. Ausmachung und Buchschmuck sind nett und anmutig und zeigen, daß man im jüdischen Osten nicht mehr, wie in früheren Zeiten, über dem Jnnengehalt die Form übersieht. . Zwei Büchlein aus der Feder des bekannten Wiener jüdischen Gelehrten Ahron Ka min k a liegen uns vor: MKW M umr Mm Titel uw M (Mm lüg üRsnorai), Wien % Höinöstv. 16), önihallenb größere und kleinere Gedichte, Balladen und Sentenzen in Gedichtform. Alter Haskaladuft weht uns an beim Lesen dieser sauberen von warmem Impuls durchströmten Verse: es sind aber Erzeugnisse der besseren Haskakaart. Gedichte neueren Datums zeigen, daß die Muse Saminfcts noch nid^t perjtummt ijt WjlJ gj| HfFl? nsch iren alten Klang haben. Sein zweites Büchlein in deutscher Sprache (Verlag des Maimonides-Jnstitut, Wien) behandelt das Leben und das Lebenswerk von M a i m o n i d e s und zeigt, wie dieser Meister auch geistiger Führer unseres Zeitalters sein kann. „Unser Judentum" betitelt Dr. Beermann. MrfgraöDinar in Ailbkvnn. (ui« Mrßtzgu Whilo. Verlag, Berlin). Cs ist zwar nicht unser Judentum in seiner Totalität, aber edle Bestandteile aus-unserem Judentum weiß der Autor herauszugreifen, und an der Glut seiner Seele zur Wehr und Waffe für die suchende Jugend zu schmieden. Die Lehre von Gott als dem Quell des Guten, wie alle andern die Liebe im Judenrum ^eroor^ebenden MWkM M lkstM wcri. Eine Frau spricht zu Frauen, zu ihren jüdischen Schwestern im Büchlein ,ini nrr? rr nen? (Verlag Simon Sänger, Fürth i. B.) und gibt einige Hinweise aus die Mizwaus des täglichen Lebens,, speziell den Frauen und Mädchen. Unsere Frauen und Töchter sollten die Der Israelit Rosch-ha-schono-Glückwünsche können in drei Grützen oerö^sentlic^t roerden: Größe 10 Zeilött 1 spaltig zu Mk. 4— Größe H 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 6.— Größe III 10 Zeilen 2 spaltig zu Mk. 8.— Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte LMi M öis WM 11. MsiMW in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-haschvno-Nummer, später eintrefsende in der daraufsolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel abzulösen und keine Anzeige zu verössentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben Ablösun^sbetra^ eine für dir Brräfsenilichüng von Namen im S a m m e l t n s e r a t beifügen. Frankfurt a. Al. Verlag des Israelit G. m. b.H. festzusetzenhen Wart und Wohnort gur jüdische WghWli UM Sem iWWkU GesetzellufgewllchsöMn ZeiigenossM in .sriMichSm unfreundlichem Verkehr zu verharren haben; je mehr wir die Anfchaungen und Lebensweisen des echten Judentums in achtunggebietender Weise im eigenen Leben verwirklichen und in diesem Verkehr mit ihnen zu einer Geist und Herz für das echt Jüdische gewinnenden Erkenntnis zu bringen hoffen sollen; je weniger wir somit aus hem Werkehr mit Süienfdjen [d^eiben jollertj Je tiejer iütr ütergeugi fein dürfen, es WCTÖe 'Öd lllliMherziM Gott allen bereits im Gegensatz zu dem jüdischen Gesetze und der jüdischen Wahrheit ausgewachsenen Zeitgenossen seine Vergebung, sein naaipj oyn bob 'm vinbo aussprechen: um so gebieterischer tritt ja für uns die Noiroendigkeit heran, von dem r.i---» und -SrjsteM^ in ^e^rn ^rLennttriZ sic erzogen sind, uns fern )ü halten, und durch unseren Austritt von jedem Zusammenhänge mit diesem völlig zu scheiden." (S. R. Hirsch, Gesammelte Schriften IV, Seite 324/5) Herr Rabb. Dr. Kaatz ist weiter der Ansicht, daß die Bildungsfrage große halachische Schrviekkgksststt MäHt im& jm (jelligen ^anöe und in der Diaspora bedeutende halachstche Autoritäten gäbe, die den Besuch des Gymnasiums und der Universität als verpönt erachten. Auch hier glauben wir, daß aus den Ausführungen des Herrn Rabb. Dr. Kaatz es nicht ganz klar Mllgö UM, stütz keiA Msttsch im ysien eiwas dagegen einzuwenden hat, wenn die westeuropäische Orthodoxie in Bezug aus Bildungssragen die für sie charakteristische Stellung einnimmt, während selbstverständlich auch wir Westler dem -imri bip»n *?5n!M Qfi?n S^ettjnung iragen. Aerr Rabb. Dr. Kaatz glaubt als Beweis für seine Behauptung ansühren zu können, daß man in Ungarn ein Empfehlungsschreiben des verewigten Rabbiner Dr. S. Breuer h^nwelches die Unterschrift „Dr. Breuer" trug, Hinweise enigegenneymen unD beherzigen. Mädchen, die dem eigenen Herde entgegengehen, gebe man zusammen mit den anderen bekannten deutschen oder jüdisch-deutschen Büchern zur Orientierung über ihre Frauenpflichten auch diesen Leitfaden in die Hand. F r i e d h o s s g e b e t e in kleinem und handlichem Formats und in entsprechend feierlich-schrvarKem Einßßnll, tz^ßichertet »ört Prss, Sr. rabb'mcc in Kopenhagen, öseiet der Derlag, M. Lehrberger, Frankfurt a. M. mit dem ^.b rn- Die altbekannten hebräischen Gebete für alle Traueranlässe. Friedhofsbesuche usw. haben hier neben dem hebräischen Texte eine gute deutsche Uebertragung. Neu und als Zeichen der Zeit kommen hinzu Gebete am Grabs 8.NllllkN>er AülHllllnüLvsslLiLiZLv. Lill Anhang deutscher Gebete kommt dem nach unmittelbarem Ausdruck ringenden Gefühle zur Hilfe. (Eine alle Gemeinde in Holland.) Die Stadt Amersfoort in Holland hat eine der ältesten jüdischen Gemeinden überhaupt. Aus dieser Gemeinde sind viele bekannte und angesehene Juden in HoUanh oor8e8«n8?TTi BrsvnderZ ' Betaimt ist Me Familie Cohen, bei der im^Jahre 1795 der Erbstatthalter und Wilhelm I. der Niederlande bei Ausbruch der Revolution Schutz suchte und fand. Aus der gleichen Familie stammt auch der Marineminister Cohen Stuart aus dem liberalen Kabinett de Meester. Noch heute ist eine angesehene Gemeinde in Amersfoort. dis »o« UMl.M Ms MMkW ZuhjMu;. iper ^nägv^e (In Marienbad.) Die 11-jährige Klärchen Müller, die drei Wochen bei ihrer Tante zu Besuch war, schreibt in ihrem Ferienaufsatz: „In Marienbad gibt es drei Gotteshäuser, ein katholisches, ein evangelisches _ 1. September 1927 damit abgesertigt habe, daß man dieses. als „einen Zettel von einem Doktor bezeichnete, mit dern man in die Apotheke," aber nicht in die Ieschirvoh mW Iflnne. Soweit« uhi tzikäiint ifi, W tcr Frankfurter Raw überhaupt niemals Empfehlungsschreiben an andere Jeschiwaus deutsch unterschrieben. Wenn er es aber getan hätte, so ist gerade seine Persönlichkeit und die Wertung derselben im Osten Beweis dafür, wie trotz des Mtors unD trog Dar Bildung ms« ia| eine einheitliche Gesinnung Osten und Westen verknüpft. Es gibt genug Aeußerungen östlicher Gedaulim darüber, daß sie die „Rezepte" des Rabb. Dr. S. Breuer hn nicht nur für die Apotheke wirksam hielten! Ueber den geistigen Tlachlatz S. R. Hirfchs Vst« ' Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarofpalak, Ungarn. WrMNm.j Allerdings kann es für einen Fach g e l e h rt e n ein geistiger Hochgenuß sondergleichen und von großer Wissensbereicherung fein, wenn er, über genügende Zeit verfügend, dem Entwicklungsgänge der „geistigen" Erfassung und Durchdringung des Judentums, oder ngüf einem sisi- Wren Ausdrucke des Meisters: „dem Wege zum Ausbau des Judentums als Wissenschaft" von seinen ersten, mehr in „symbolisch-verhüllter Form" auftretenden Keimen in 0"& und aü die großen MlMNj ZggM Tlwn. OllM Halevi, MaiMSNtLes, Nachmanides, Albo usw. hindurch, bis zu den in vollen Strömen einherrauschenden Ausführungen« in dem Hirsch'schen Schrifttume Schritt für Schritt folgen kann. Denn wenn auch recht viele Partien in den Werken dieser Autoren eine stäslkpx ktzkp schwächere tllU lurylswNsche Einstellung von zörtlich bedingtem Werte haben, und namentlich in kleinerem oder größerem Umfange von der außerjüdischen Zeitphilosophie ihrer Umgebung beeinflußt worden sind, so gibt es andererseits dennoch Teile in deNkselbsn. in kleinerem oder grö^erem^ ja sogar in überwWFSNd'em Ausmatzö, die ülls der Liestnnersten Wesenhertsquelle des Judentums hervorgeflossen sind und zum eisernen Bestände echtjüdischer Erkenntnis von ewigkeitlichem Werte gehören. Solche Teile haben aber auch den Geist Irschs besruchtetz ggtz [00 Ült WeM 6M gösprochöttött Ideen teilweise stützende Pfeiler und Träger des vom Meister errichteten kühnen Gedankenbaues geworden. So daß wir — ohne fürchten zu müssen, daß man uns mit Recht einer Pietätlosigkeit gegen die klassischen Vorgänger unein Iseaelrllsches. In die katholische Kirche gehen die Katholiken, in die evangelische die Evangelen und in die Synagoge — die Kurgäste." (Historische jüdische Siedlungen auf dem Heöiete des heutigen ZSumänien). In der „Czernowitzer Allaemeinen Zeitung" veröffentlicht der Historiker und dttzRSkSk (Bil. dRog Siomani?in?n »«rlänfigen Sr ncht uöec Studien zur Ausiedlung der Juden aus dem Gebiet des heutigen Rumänien Römerzeit. Dr. Diamant weift aus Grund von Materialien, insbesondere einer Stelle aus Philo, nach, daß die Juden schon im ersten christlichen Jahrhundert an der Donaumünduna Kolonien hatten urd teilt mit, daß \tm UrluitMn ilDor W WW^ev üegii vttävö ln Dacren erhalten sind. Die tn der Samm« lung römischer Inschristen von Mommsen unrer Nr. 40 veröffentlichten Urkunde (Beteranen-Privileg) lautet aus den Legionär Bar-Simson aus Caesarea, der nach Dr Diamant ein Jude war. Ein zweites Deteranelkprioileg lautet ans den ebenfalls jüdischeir Namen Thaemon. Das Privileg Bor-Simeon, dos strsr um IM tt. Eljr, nrurdr, ist bei £ir gosch in Transsylvanien gesunden worden. Das Original befindet sich im Pester Museum. (Wichtige archäologische Gntdecknngen öei Tet-Äviv). Bei Ausgrabungen am Napoleonsberge in der Nähe von Tel-Aviv wurden Reste einer alten Stadtmauer und eines Tores, somie uralte Gejö^e^ die aus oer- $w«iJsn stammen» einige sogar ans der Zeit Abrahams, entdeckt. Der Navoleonsberg wurde vor kurzem von I. L. Goldberg in Tel-Avto zwecks archäologischer Forschung von der Regierung erworben. Seinen Namen hat der Berg aus dem Jahre 1799, da er den napoleonischen Truppen in Palästina als Feldlager diente.