Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1927)
- Date
- 1927-08-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 33 Der I s r a e l i t 18. August 1927 bringt. Die Zwangsprophetie Bileams erkennt er, nicht aber die klar geistige Gottsssingebung unserer WgMöN. Cr mißversteht daher auch die Att ihres Zürnens gegen Israel und setzt dieses fälschlich auf eine Stufe mit dem Zorn des Stif ters. Ablehneni muß man L.'s Versuch, jüdische Helligkeitsbegriffe mit Tabu gleichzusetzen. Hier sei nur — unter Hinweis auf die treffliche Arbeit A. Vlau's WM ©cßcnfianD im IöWm 1924 — soviel gesagt, daß uns das „Allmächtige garnicht Gerechte" das „Ganz andere" „prälo gische und märchenhafte, grauenvoll dunkle, un faßbare Etwas" mehr mit dem im jüdischen Sinne Unreinen als mit dem jüdisch Heiligen zu tun zu haben scheint. Wir können daher aucf* dis märütjon0lällfiig$ Mär^enbesahenbe Gefühls richtung der Leeuwschen Phänomenologie getrost entbehren, uns ist die klare Erfüllung des am Sinai Gehörten Heiligkeitsweg. Objektiv — im Gegensatz zu der subjektiv aus klingenden Verherrlichung des Neuen Testagfxsi(K ßegenüber dem allen am Schluffe von LeeUtvs Darstellung und ohne Voreingenommenheit wer tet Carl Clemen in der „Religionsge schichte Europas" (Erster Band: Bis zum Untergang der nichtchristlichen Religionen, Heidel berg (Winter 1926, Teiltest Yss „KttUlllgeWM licyen Bibliothek", horausgegeben von W. Foy) die Religionsvorstellung der Ureinwohner Euro pas. Trotz der auch von ihm angenommenen Jahrmillionen umfassenden Zeitrechnung atmet das Buch sonst den Geist ruhigster und sachlichster Forschung. Dem Kundigen ist SS sine klare und handliche ÄeberßÄ dem sonstigen Leser eine Fundgrube wissenswerten Materials. Insbesondere interessiert der aus der Kultgeschichte nachgewiesene Zusammenhang zwischen Etruskern und Semiten, den El. allerdings nur vorsichtig andöutet. Wir denken dgtztzf gst tztk jlksiM Äeferung Efau-Cdom-Rom. Nirgends. werden die kannibalischen Gebräuche nordischer Urzeitkulte verschwiegen. Mit moralischen Begriffen -verknüpft war im Norden nur „ein Heidentum ohne Götter und Gespenster, ja ohne den Schicksalsglauben"^ eine dort anscheinend zurveilen vorgefVMMöNö MiZiSs-stiorasische Auffassung erklärt El. als „vom Christentum beeinflußt", also von der Bibel, Bei den Griechen ist die ganze Entwicklung ihrer Religion. voll den Zeiten, wo Hermes „Geist des Steinhaufens" .war, bis zur Gesinnungsreligion Sokrates fortgefuhxt. — van, den Herten, wg „MHe" MMflM Bös dculung halle, bis zu denen der Orphiker , die geistiges Denken aus erhabener Quelle schöpften. Das Clemensche Werk erinnert mich all die vortreffliche apologetische These Gutberlet s: „Als die primitiven Menschen den Begriff des Göttlichen auf Ungöttlr^es begvgsst, müssen sie rhn schon vom wahrhaft Göttlichen her gekannt haben. Mag das Gemütsleben der Menschen ein a priori zu Gott hinstrebe-ndes Wollen enthalten, — mag der Psychologe die krankhaften Irrwege dieses Triebes, der Phänomenologe dessen Mannigfaltigkeit und der Historiker dessen Werdegang schildern, — offen lassen sie alle die Frage nach dem Entstehen dieser DxxMMMg. Mst won auf diese Frage erteilt nur das Wort dessen, zu welchem dieses Streben des Menschen hingewendet war zu allen Zeiten, so oft es auch abgelenkt wurde. Und wenn wir den prähistorischen Weg verlassen — und den Blick auf das lenken, mas sich vorden Augen des HWNMia der (Sß* g^nw«yt abspicU, Dann Mm wir Rsligiünen von der Höhe höchster Erkenntnis bis zu don> Tiefen des Polytheismus herabsinken, insbesondere beim Vergleich des heutigen ostasiatischen Volksglaubens mit den Urquellen seiner Lehre, des Buddhismus. Dü liegt, uns m Buch vor. dssftn Ver-fasfts ans philologische und künstlerische Ansprüche verzichtet und ausschließlich „Buddhismus geben" will. Es ist: „DerBuddhismus " von Paul D a h l k e (Leipzig 1926 R e i n i k e), einem liebevollen Erforscher, Darsteller und Anhänger des Buddhaglaubens. Unsere jüdische Erfahrung, daß?in $ % t c n n e r, nicht ein bloßer Kssiner einer Religion sie echt darstellen känn> bewährt sich auch WMausgM m buddhistischen Denkens erblickt D. darin, „den suggestiven Lockungen des - hypothetischen Verfahrens, d. h. der Wissenschaft, oder des fiktiven Verfahrens, d. h. dem Glauben ein drittes, selbständiges Denken gegenüberzustellen. Es handelt sich in der Hauptsache darum, einen Standpunkt ober^af^ döst Begrtss unb Gegenstand zu finden, wobei das „Suchen selber den eigentlichen Wert dieses Forschens" bedeutet. — Weiterhin bezeichnet D. dieses Suchen als „geistige Klärung, Aufgehen des Begriffs in seinem Gegenstände". Erfahren und Erleben unterscheiden sich nach dieser Auffajjung „nur ftn ftuuDilD uuD Sinn". D. ölllwickelt dann das streng ertenntniskritrfche System des Buddhismus in etwas populärwissenschaftlicher Weife und zeigt die Phasen des Hineinlebens in dieses System am Werdegang des Be gründers des Buddhismus selber. Der Gipfel die ser ErgixhMg UW immer miMx BMöschsn „Das Vuddhismus-Wori atmet die Monotonie der Wirklichkeit: Vergänglich, Leidvoll, Nichtselbst Diesen Dreiklang ertönen lassen in immer wie der neuen Variationen und Beleuchtungen, das ist die Aufgabe der Buddhas." — Als bezeichnend für öicfc »iMMöMng HM D. '-MMjas Schweigen aus die Frage nach der Wirklichkeit: des Selbst oder auf die nach seiner Nachfolge hervor — das metaphysische lieberspringen zum Ding an sich." Ist diese Einheit einmal getötet und in Kraft einerseits Stost andererseits gerpMA (— Ig \][ MlUIP? setze) so ist die Wiederschaffung der lebendigen Einheit aussichtslos. Aber ich, der wirkliche Denker, kenne keine Kraft, kenne keinen Stoff, kenne nur die Einheit beider, erfahrungsgemäß, und alles kommt darauf an, diese Einheit auch zu er- Kim": — ffias mir als Bis wMftWi, «lks Menschentums zu betrachten gewohnt find, nämlich die Fragen nach dem Was (Wissenschaft), dem Wie (— wie soll ich handeln, — Moral) und dem Wohin (Religion) ist, wie Dahlke in hundertfacher Abwandlung zeigt, im Buddhismus ausgeschaltet. Das erMstMk MbjM wirb sölbfl nim Problem und somit die geistige Selbstaiü- Hebung des Menschen vollzogen. Was übrigbleibt, ähnelt dem Resultat der Physik; in der Physik oft sich alles in mathematische, hier in psychoi ogistisch-logische Gleichungen auf. Was uns orthodoxen Juden hierbei als die wichtigste Fest lellung örMmM. ist bU Tntsnchr, nach Dahl es.-Darstellung der Buddhismus dem Gottesgedancken keine größere und keine geringere „Wirklichkeit" beimißt als irgend welchen sonstigen Gegenständen des menschlichen Denkens. Kehren wir nach btefen (Bangen in die üdische hu den Mischen HeimwSAberettern unseres Zeitalters zurück. Selbst aus dem Lager der Neuerer werden Stimmen lau-t, die von Liebe zu unserem Lebensgesetze erfüllt ind. Bor uns liegt: „Fest- und Sabbatpredigten" von Prof. Dr. I. G u t t m a n n , herausgegeben durch den Sohn des Verfassers (Frankfurt a. M. I. Kauffwann 1926p 88M 1<?i-«u;?geber benannten wistenschustlichen Probeme der historisch-kritischen Aufschwungzeit (1870 bis 1900) sind hier so fern allem Ephemeren abgehandelt, daß ihr dauernder Wert gesichert bleibt; mit Recht rühmt der Herausgeber den bei aller kcrntifchon Objektivität religiös hkgkistßxtkU Stand^nnft feines Balkis. Mag auch stellenweise (so zu Anfang wie auch in emer Sabbat- Nachmu-Predigt) der Eifer gegen die „nationaljüdische Romantik" weitergehen als ein prinzipiell orthodoxer Prediger ihn treiben würde, so atmet doch das Ganze traditionstreuen Geist, soweit er in einer Gemeinde tüie der Öes ififTfnlTfTfi (1001* Haupt eine Heimat finden konnte; daß G. nicht zu den völligen Leugnern der Geula und des Messiasdogmas gehört, ersehen wir aus dem Ende seiner Predigt zu 7b Unverkürzt brauchbar sind seine Worte über die Urteilsraschheit manches Aufklärers und den finsteren Aberglau- und über mangelnde Selbstachtung der. HrchAss vskstsubj dagegen ist bas, was er über das Aufkommen des Sozialismus sagt. Selten dürsten auf Guttmanns Kanzel vor und nach ihm Worte gesprochen sein wie: „Es ist ein gar zweifelhafter Ruhm, stets mit den Stichworten der neuesten Zeit zu prunken, unbekümmert darum, ob diese WMM MU Mit Den PiliWN Werzeugrm: gen der Menschenseele im Widerspruch steht. Unser Ruhm sollte es sein, darüber Wacht zu halten, daß der Brunnen Abrahams nicht der Menschheit verstopft werde" (zu o.Tnx '»'2. i*isn iL>n Gen. 26, 18). —Selbstredend können die etwas kraftlosen Schlußbstrachtungen densogar bei ben inhaltsreichsten Predigten nicht begeistern; nicht nur am Ende einer so farblosen Predigt wie der neunten (über Teschuba), sondern auch am Schlüsse der Beschallachpredigt, die ausdrücklich gegen die Verächter des Formalen in der Religion sich rvendetpfe^st fyVfö' g?ei§ «uf bas NeNgwns - Gefetz in seiner alltäglichen und allstündlichen Lebensbeherrschung. Da es aber leicht ist, auf diese (offenbar aus erklärlicher Rücksicht) ihres Giebels beraubten,, geistig aber auf traditionellem Fundamente aufgebautön Homilien das fäs Mx UvMkUMgk UllU) gleichsam auszusetzen, so ist die Guttmannsche Predigtsammlung immerhin auch füx den orthodoxen Prediger brauchbar. Ich kann diese Uebersicht über Zeugnisse heutigen Gottsuchens nicht schließen, ohne der Werke von Rabbin^ F i U 1 IN Borlm zu gebenkep. Diese sind mit emer einzigen Ausnahme für den Schulgebrauch und den Selbstunterricht in der hebräischen und in der talmudisch-aramäischen Sprache bestimmt. Sie haben zumeist in den orthodox-jüdischen Unterrichtsan- Wen DkuMlaiM noch Mm WiiÄmc unb Beine Einführung erfahren. Sie tun jedoch in thorafremden Kreisen und Gemeinden! eine sehr heilsame Wirkung. Die Finksche Methode hat den Vorteil,' aus den Fundamenten klassischer deutscher Lehrkunst erbaut zu sein und wird infolgedessen zweifellos MökWWUUg M pädagogischen Kriögsnachivöhen ihren Einzug in alle jüdischen Religions- und Vollschulen halten. Denn vor dem Kriege hatten wir überhaupt keine moderne Lehrmethode des Hebräischen, und Iwrith be Iwrith konnte den Namen einer Methode, wie Fink Mit Recht feststellt, nicht beansprucbsn. Doch UUkh Mau tu iUU* AAHöUwacp ^ffsln ein geduldiger Lehrer gute Erfolge mit den Finkschen Methoden erzielen. Man darf nur nicht gar zu kleine Kinder nehmen, und ferner nur solche, deren Eltern nicht die rasche Erlernung des Betens beanspruchen.^ Wer in der Lage ist. solche meist nicht stPvox erZaaeuou. ador van ihr-M M^n gerne Zesätderten Kinder unterrichten zu müssen, sollte die Finkschen Arbeiten freudigst begrüßen. Wie Fink selber in seinem einzigen nicht rein pädagogischen Werke (Grundlegung jüdischer Lehre, zugleich Leitfaden zum Elementarbuche) schildert, ist das Hauptübel das, daß den Thoralehrern die Unkenntnis der Masten nicht bewußt ist. Wiaermukr mm öasf&tto erganlfierten und systematischen Unterricht vervollständigt diees Unglück. Um so höher ist Finks Verdienst anzuschlagen, daß er sogar die Schüler nur auf rein grammatischem Wege in die Sprache des Talmud eingeführt sehen will. Es ist ja sichsr, baß auf folim Wügö auch MLnche L«lurud zu gewinnen wäre, welche gegenwärtig vor der Ungeregeltheit zurückschreckt, mit der die An- 'änger zuweilen in den Talmud eingeführt werden. Die Finksche Methode hält sich jedoch nicht nur von der Gedächtnisbeschwerung des alten Ehumifchunterrichts fern, fonborn ebenfo fe^r von Dqf WüfSttiäFUng be? ^eöräischentöte sie von den Zionisten leider geübt wird. Schon nach den grundlegenden grammatischen Einführungen seiner Schreiblesemethode befassen sich die Uebungen mit Materien der Religionslehre und des Chumisch. Den gleichen Geist altjüdischer Demut atmet es, wenn im zweiten Teil fsines hin nrnmmatHaTiMn flVnnAT_5!?. i_L. Ben tnemätes ei^en. WM W Ötß glUMMMschAU ©rnhibegriffe durch Stimmen tuen seine Bemerkungen Üböv Antisemitismus j unserer großen mittelalterlichen-Grammatiker,