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Der Israelit · 1927-08-18 · Heft 33 (18.8.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 33 (18.8.1927)
Date
1927-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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18 August 1927 ___ (Öen Gewissensfrage dort, wo es sich um das Volks g a n z e dreht, sich für die liberal-orthodoxe Einheit, d. h. für den Misrachi ent- -^e beiden fmbcreti- £>erren ftrtb hinsichtlich der oben genannten Fragen en!^eben konsequentere Vertreter der Stammeseinheit, I bringen aber der eine die Nuance des orthodoxen I Sozialismus und der, andere die des religiösen I Evolutionismus hinzu. Ueber diese beiden letzten I Punkte wollen wir uns in diesem Zusammen-! f!an? n\&tk äufeern. Was aber die Polemik? Zwischen den Herren Äarch üllstz ÜfißE DüS > Verhältnis der Gememdeorthodoxie und des Misrachi zueinander betrifft, so ist es uns bei aller gefühlsmäßigen Sympathie für die Misrachikritik M. A. Loebs doch beim besten Willen n{$ msglich, feinen ©tanönunft MW m mr flehen. Zutreffend schein^ uns vielmehr, was Herr Dr. Ernst Simon in dieser Hinsicht seinem Parteigenossen entgegenhält. Er schreibt: „Was die Anregung des Herrn Loeb betrifft, so sollte sich dieser vielleicht dis Pavallsle mit foßt eigeNKN Tuueüen irr i>sr lgevlinev lÜö^ßA?8löinöö siürwillßell, Gemeindeorthodoxie und Misrachi find beidö Modsrhecten in denjenigen nicht grundsätzlich thoratreuen Organisationen, denen sie angehören. Sie können« beide erreichen, daß für die Bedürfnisse ihrer Gruppe nach .den Maßstäb,en der Thora gesorgt wird; sie können beide nicht erreichen, daß die nichtgesetzestreue Mehrheit sich gleichfalls nach diesen Maßstäben richtet. Selbst für M IM: W ME t”?er ®emeinbe obc.r. in<Jr fr, nistischön DrgüiiifaüQit, tu« MstMJUeum bekämen, würde es wahrscheinlich «Aervisse Schwierigkeiten machen, die Minorität zu vergewaltigen und z. B. die Orgeln aus den Synagogen zu entfernen. Wir geben zu, daß in diesem Augenblick starke halachische Schwierigkeiten entstehen würden, was die Lage aber nur prr>t»l«rncrtrsch.sv machte- Cs ist nun nicht emzusehen, «-c-.c-r« iL feggl M lSSMMMlWrMgxikr Die Gemeindekonfervalloen, von dök SttdWöN Grupps, dem Misrachi, etwas verlangt und seine Nichterfüllung als Schwäche auslegt, was.für sie beide, der Struktur ihrer ganzen Stellung nach, gleich ausgeschlossen erscheint. Wenn beide ‘ Gruppen trotzdem in den größeren Gemeinschaften verharren, so deshalb, weil sie stündliche Verveise für die moralische Wirkung haben, die der siörilri^eri ÄerllhöllÄA wii Üüll ißgniiseitlil Kreisen ausstrahlt — morallsche W-rkuuZ hirr ün Gegensatz zu organisatorischer Zwangswirkung gemeint. Der Misrachi sollte sich deshalb hüten, sich von Herrn Loeb eine Taktik empfehlen zu lassen, die dieser in seinem eigenen Wirkungskreise durchzuführen oder auch nur zu versuchen viel zu klug ift" 00 ist CB ln Tat. Man kann doch unmöglich auf der einen Seite vom Misrachi verlangen, daß er den liberalen Führern des Zionismus ein Ultimatum stellt und bei Nichterfüllung seiner Forderungen unter Berufung auf sein religiöses Gewissen ausscheidet, während lngu auf der anderen Seite innerhalb der Gemeinde lediglich ach dem Rege ber p«rl«mrn-, torischen Mehrheitsbildung und der moralischen Der Israelit Beeinflussung für seine Jddale eintritt, ohne irgendwie halachische und religiöse Bedenken zu hegen und die prinzipielle Zugehörigkeit zu dem religionswidrigen Gesamtgebilde jemals in Frage gu ' Wertvoll und erfreulich ist dabei das Zugeständnis, daß auch die Gemeindeorthodoxie „h alachischeSchrvierigkeiten" für 'den Fall anerkennt, daß sie irgendwo die Mehrheit erlangen sollte. Die ganze Auseinandersetzung zeigt wieder einmal M Eoivengi Löst i\t §?gif u*b bie Geschlossenheit der halachisch fundierten Weltanschauung in der Tat ausschließlich auf Seiten der selbständigen Orthodoxie liegt. Darum gerade darf man vielleicht hoffen, da^ eines Tages doch, diese irnrnanente Logik der Tatsachen» sich durchsetzen nnö zu jener ersehnten Einheit dev Orthodoxie führen : wird, die die unerläßliche Vorbedingungen für die Rückkehr des ganzen jüdischen Volkes zu seinem Vater im Himmel ist. Eine Schmach. Das Verhalten der Palästina-Regierung und der Zentralregierung in London gegenüber den Opfern des Erdbebens in Palästina bezeichnen die hebräischen Zeitungen in mit nmn überschriebsnsn Artikeln als eine Schmach. Die Folgen deZ 8ng!Äes fin£ hekaMütch Bsst gischer, als mm zunächst in Jerusalem und Palästina selbst geahnt hat, und sie werden noch täglich durch neue Feststellungen, die Obdachlosigkeit bedingen, vermehrt und gesteigert. Die WohttLlngsnot hat erschreckende Formen angenommen» der ist gejnnlen lllld &*4 Verdienstmöglichkeiten geschwunden. Wohlhabende Familien, gesicherte Existenzen sind in den zwei Minuten des 11. Juli buchstäblich aus dem Geleise^ geworfen worden mnd sehen bis. heute keine Möglichkeit, sich irgendwie wieder m gsMnete VerhöttnM nnsuraiicren: Und was tut bie Negierung in ÜölldSll, bis dochnach ihren eigenen Finanzberichten den größten Nutzen aus dem Lande zieht? Was tut die Palästinaregierung und was tun die Ortsbehörden in den Städten und Dörfern Palästinas? Zunächst nichts. Eine solche Gleichgültigkeit und E>eegensE«ste, wie fl? in öen UMkLW isikllllsstNllsi herrscht, ist sonst in der Kulturwelt bei elementaren Katastrophen schlechthin undenkbar. Der Schutz der Armen beschränkt sich darauf, daß man sie unter Androhung der Zwangsevakuierung anhält, ihre baufällig gewordenen Behausungen zn Mlssssn. Wohin l Das ijt Den Amu- Die in guten festen Amtshäusern ihre Dekrete schreis ben, gleichgültig. Man hat auch «nichts dagegen, wenn der Apparat der privaten Wohltätigkeit in Bewegung gesetzt wird, auf den ja schließlich nur das jüdische Herz im Lande, in Europa und reagiert. Die Stegtervmg unb ihre Aemter „stellen fest", sammeln Material unb überlassen im übrigen«, da alle eingegangenen Gelder nicht im entferntesten ausreichen, die Unglücklichen ihrem Schicksale. Ja doch — die Regierung hat dem Zentralen Hilfskomitee eine Subvention von — sage und schreibe — dreist i g Pfund angsbutsn! Die Menschen wollen kein Almosen, sie schreien nach JÜreBil, nnH MZlosem Darlehen aus längere Frist, um ihre Heime wieder aufzübauen, ihre Existenz wieder aufzurichten. Die Regierungsstellen verfügen über die Mittel, diesen bescheidenen Wünschen nachzukommx( Sb5? SS Pschiehf vorerst nlü. Und noch eines, das den psychischen Schmerz gewiß nicht zu mildern vermag. Vier Tage nach dem Unglück, — die Erschlagenen waren noch nicht alle geborgen und begraben, die Verwun- Deftn slkllkMn in ihr?n frWeu Wunden in den SpitälskN — vier Togo nach m Katastrophe fand bei Ramle und Lud das große Pferderennen statt, für das man, wie alljährlich, Unsummen ausgeworfen! hat und bei dem keiner aus der Gesellschaft und höheren Beamtenschaft, der etwas, auf sich gibt, fehlen Durste. Man wumm M nW, Stimmen laut werben, baß solches llllls? Hsrdm Gamusl nicht möglich gewesen wäre. W i r gehen weiter, zu sagen, .daß auch Lord P l u m e r, wellte er um diese Zeit nicht zufällig in England auf Urlaub, den Takt gezeigt hätte, mit Rücksicht auf das Un- QiM MD DiC LMDkMMkk gf?Qf?fort~ unb SprelvMNstültung fük einige Wochen zu verschieben." Diese seelischen Momente treten aber vollkommen zurück vor den schweren materiellen Schäden, die immer weiter und tiefer um sich greifen, je länger die Regierung zögert, mit radikaler Hilfe auf dem Ptclns zu srschsinsn. UnsSk's Nrullsrpfllcht Um schwer ortrvsscnrn jüdischen Palästina gegenüber wird dadurch gesteigert. Sie würde sich auch durch eine umfassende Hilfsaktion der Regierung nicht erledigen, da in jedem allgememen Unglück das jüdische Unglück einen weiten Bezirk bildet, der einzig aus unsere DruvkrUnli angsffiigfgn W Nun, Öa von keiner anderen Seite Hilse kommt, ist es unsere doppelte Pflicht zu spenden und wieder zu spenden. Für die zweckmäßige Verwendung der Gaben bürgen die P e k i d i m undAmarkalimfürdasheiligeLanid i n A Nl fN 1 iNN , bie P-rläftiuazeutrale der 3l g u d a s I i s r o e l, die betde nach der Mitteilung, daß die Grube leer war. scheinbar ganz.überflüssigerweise hinzusügt: 12 a1»», „Wasser war nicht darin, so hat sie damit ohne Weiteres — in einer für die Brüder Josefs schoncubrn WÄö - «»JQÖQUtQt MD MDkMkN wollen, daß in der Grube Schlange» und Skorpione Joseps Leben unmittelbar bedrohten. Diese feinsinnige Wahrnehmung ist die Quelle für Rabbi Tanchums viel citiertes Wort. kleines Feuilleton. Schabbas kaudesch. Von Wariwikian Mtum/) M halb 4üy. Äal^öaflBat WM heim unb nimmt den Mätttöl gkSd. Da klopft es und die Rechtskanzlei Betritt mit Fluch und Wehgeschrei Ein Greis, vor Schmerz ganz außer sich. „Herr Doktor", schreit er, „fürchterlich, Ich bin bestohlen, bin beraubt! Wer hätte sowas je gegläubt, tzum Auchc wirb unb Iöfds iüi! Ich bin an mancherlei gewöhnt, Mich hat das Leben nie verwöhnt, Jedoch daß unser eigner Samen 1 In Frevel schändet unfern Namen, 1 SiM SUlti l?Meri Veaebenyeit (Tageblatt. Davor hat Gott uns stets bewahrt, Untreue ist nicht unsre Art! Mein Neffe, den ich wie dm Sohn Gehalten habe, ist geflohn! 2Rit meinem Gelb, mit einer Dirne?" El fallt sich wstb an s«inv Er mutz sich setzen, seine Glieder Beben vor.Gram, müd fällt er nieder. „Kops hoch, mein Herr! Nicht fassungslos! Es kostet einen Anruf bloß! Arrestbefehl, 'ne Kleinigkeit! mm mm. tc0 Mn aim so Mit.!" Der Anivätt Silt^Ssch MM TMcht, Erstattet schleunigst dort Bericht, Man avisiert die Polizei. Daß sie-bereit am Bahnhof fei. Der Haftbefehl wird ausgestellt. Ein Auto flink vors Haus bestellt, .Chauffeur, legt Sturm in Eure Speichen, Wir wollen Den Wim Sttsistn! Um sechs nur zwanzig am Der gug. Da haben wir noch Zeit genug, Nur flink die Kurbel angedreht. Es ist noch lange nicht zu spät!" Seht, wie das Rad die Meter stißi! So wahr, wie heute Freitao ist. Wir fchaffens! jauchzt der Rechtsanwalt, Geduld, wir sind am Ziele bald! ZSP-hM, Sog mts mns mi LMM.' Seht Ihr die Bahnhofsuhr schon blittke»? Die Dämmrung sinkt und dunkle Schatten Bringen die Sonne zum Ermatten. Kops hoch, mein Herr? Der Anwalt lacht; Da plötzlich, als ob er erwacht Ans schwerem Traum, das Antlitz meist. gxtfarrtrrtcü .üttfei* Die harte Hand ohn Unterlaß Pocht wild wie Hammerschlag ans Glas: Halt! schreit er. Halt! Wir bleiben stehn! Halt. Halt! Cs darf nicht weiter gehn! ..Was heißt das. Mann, seid Ihr verrückt? SLMDM llom. DaM W aeoiMfr „Und wenn wir schon am Zidle sind, Wir steigen aus: Schabbos beginnt!" Steigt ruhig aus, ich fahr allein, Ihr braucht ja nicht dabei zu fein! Heitzts in der Schrift, soll Arbeit tun! Schabbos beginnt, wir müssen ruhn! Und glücklich, daß er nicht zuletzt. Den heil'gen Schabbos hat verletzt, Steigt aus dem Wagen unser Greis, Der sich am Bettelstäbe weiß. Er henkt nicht, wies um Ihn bestellt benlli «ns »e^läi-ne Und Hab und Gut dünht ihn letzt wmig, Er ist ein Bettler und — ein König. Die Passanten des Schlesischen Bahnhofes und — kol Nidre. Voll DM MUDBiW i In der Tischo-b'aw»Nummer des Israelit, schildert ein Nauheimer Kurgast, seine Beobachtungen inbezug aus die Ostjuden, die ihre ^Nationalfrisur" — Peos — nach Umsteigen am Schlesischen Bahnhof. ablegten. Er glaubte seststellen zu können, daß tros ihres auMlligkll Bkllktzwsns m

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