Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1927)
- Date
- 1927-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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4. Äugust 1927 Vom Golus der Schechina. SM^amtmfä) nitnni: Sn giMst? Üßnt greift das Feuer um sich. In düs wilde Schnauben der Flammen unddas dumpfe Krachen der Balken mischt sich das grausige Angst-! geschrei verzweifelt um ihr Leben kämpfender Menschen, mischt sich das Johlen siegestrunkener ■HÖrn??! morbenb xtrtb r atibettb Me Straßen Jx?uscholajims durchzteyen ... Das Bes-Hamikdosch brennt. Ströme Blutes walzen sich durch die Gassen der besiegten Stadt, bahnen sich zwischen halbverwesten Leichen ihren Weg ... Klagend entflieht die Schechinah und durch den Weltenraum zittert der Erelim bitteres geliUB Geschichtsschreiber jener Zelt konstt^tt SM Abend des zehnten Aw in ihren Chroniken verzeichnen, daß der „Tempel zu Jerusalem" bis auf die Grundmauern niedergebrannt sei, und daß nur noch verkohlte Trümmer von der einstmaflgen AMjHkSll Zöllglltü astlWW. Gewiß, das Heiligtum war bis auf den Grund zerstört, niedergerissen die Altäre, geraubt Leuchter und Tisch, beschmutzt und besudelt die heiligen Gefäße, zerfetzt der golddurchwirkte Vorhang am Eingang zum Allerheiligsten; nicht mehr dampften morgens und abends zahlreiche Opfer auf dem Altäre des Vorhofs, verstummt war der Sang aus am LWm ver L'wüMj öic MlM vor „Söhne Aharons" erhoben sich nicht MehV an ge^ weihter Stätte, um Gottes Volk „in Liebe zu segnen", und kein Hohepriester ttat mehr am Tag der Versöhnung vor die Cherubim, um für seine Nation Verzeihung zu erwirken. Ueppig schoß Mmi ZrmWn am ftmm Door,;;Der B8rg Zion war verödet, Füchse waren in ihn emgedrungen." Und doch — Das'jüdische Volk wurde dessenungeachtet nur an seiner äußeren Peripherie schmerzlich berühr Grunds e st e n konnte Zions Fall teinrswrgs fb lllUgö 6ö Dlß „Idee" desvnpvn rva nicht preisgegeben hatte. Die „Idee desV-kj?»" ist aber Gottes "■’ruawi"" Ruf: sie sollen Mir ein Heiligtum schaffen, so werde Ich u n i ■ x ihnen wohnen. Die „Idee" des trrpa ist das auf Horebs Höhen begonnene Bundesverhältnis zwischen Gott unb (Semem crn^erruählten Volke. die durch hingebungsvolle, opferfreuhrge Trsnsinstä offenbarten Gotteswillens zu erreichende Gotr e s n ä h e; die Idee des snpa ist Iisroels Gesamtheitsaufgabe schlechthin. *) 1 M-H8 StSSk- LMch ki" n, K- 25, V. s. Der Israelit Diese 'D^aibi-Jdee blieb Jahrhunderte lang die — Seele der ^ipader unsichtbare Mörtel, der die mächtigen ' Quadern zusammenhielt, das iJlüWUIUf $33 Tem^»elb>allen erst ihre hehre Weihe und Hsrttgkeit verltey. An ihrer Entstellung war das Heiligtum zugrunde gegangen, weis es anstatt ein lebendig sprudelnder Quell unmittelbarer Gottesnähe zu sein, herabgesunken war zu einer Kultstätte unverstandener und darum inhaltsloser Formen und Bräuche, weil ihm, ungsachtkt «sier festlichen PerHt und kÜllMrisllM Schönheit, die „Seele" fehlte, die Seele, die den Organismus erst zu seiner Existenz berechtigt. 'X'Xin Dva »bwis rrbi 'Da’max nx vnaa xb 'a nx vx 'a - man nVw ’ir by 'Dnxa pxa onx aab 'N'Ni - 'bipa waw nax1? nnx »n'ix mn arm -(fr Wgqi]; fgs? Y Seelenlos geworben — stklS Hötltgtum der Vernichtung anheim gefallen, aber mit Nichten lag nun nach der Zerstörung deswipa die „Seele" unter verkohltem Gebälk und berußtem Gestern begraben. Zu früh hatten Jisroels Feinde gejuMi! aas ößinatum lllZ riDLkk" f?«" den Flammen nicht zum Opfer ger fallen. Zions Fall hatte den Verblendeten im Volke die Augen geöffnet, die Verstockten zur reuevollen Rückkehr gemahnt, die Saumseligen aufg-erüttelt; mit jugendfrischer Kraft schufen die in die Verbannung ziehenden. Glieder der jüdischen Nation öINMi MislUZ L 6 l k § l 8 H? n ,ein Volksleben, dessen Mittelpunkt die -Idee" Mb dete, um die sich Jeschuruns Stämme mit all ihrem Golusleid und ihren Golusforgen, mit ihren Goluspflichten und -Ausgaben harmonisch gruppierten. Enttäuscht waren all die Toren, die Bä rvichimn. stütz mit Zionv Fall d!8 Wstsng de- Gottesvolkes vernichtet und das Fundament feines Weiterbestehens untergraben fei, enttäuscht mußten sie es eigenen Auges mit ansehen, wie ein scheinbar dem sicheren Untergang geweihter Volksstamm — phönixgleich — wiederum in jugendlicher Schöne erstand. So lauge die „*8ee!e ta* H^ltAtllML" Mit der jüdischen Volksseele in harmonischem gottgewollten Einklang stand, so lange noch das Feuer wahrer Gottesbegeisterung auf dem Altäre des jüdischen Volksbewußtseins hell aufloderte, so langeward erBe st andderjüdischen R ct i ion nic^t gefährdet. In finsterer Golusnachr lcuchicie dis -inj?»* Idee der jüdischen Nation voran und wies ihr, gleich einer Feuersäule, ihren Schicksalsweg durch a*asrn aaaa^durch Gottes große Völkerwüste. Nicht Zerstreuung, nicht Aechtung und Knechtung, _ fcü wir weder Ghetto noch Verfolgung konnten die Gottesnähe aus Jisroels Mitte bannen — i^sx bxaw' f'2 p'vsnb n^ia' ni'X ^>na bv nx’na .ü'aDav an'axb Sie Mit Der TllWnstk Den Scheiterhaufen bestiegen, um mit dem „Echob"- Bekenntnis auf den Lippen, freudigen Herzens sich zu opfern für Gott und fein Gesetz, war nur die Ausstrahlung der durch die „wipa-Idee" geschaffenen Atmosphäre der Gottverbundenheit, Dir llneNlkMkkliHM Hf?froew8un§r ba^ ®oH in Seines Vslkss Mitte lebt, unb batz cs darum des Volkes Lebensaufgabe ist, Ihm zu sein „ein Priesterreich, eine heilige Nation." — Jahrhunderte kommen, Jahrhunderte gehen., Throne bersten, Dynastien werden gestürzt, und neue ÄerrjAer. bisher Ul beachtete Völkerscharen treten ans den Wr WeliAefchiHkö. Kör ligionen sterben, Kulturen schwinden dahin und neuer Glaube, neue Ideale brechen sich Bahn; doch das ewig-junge jüdische Volk geht unbeirrt seinen Leidensweg durch alle Zeiten, unberührt vorn fcunien Wechsel be<5 Geschehens in bedingungsloser Hingabe und trru?r ^^olgfchast zll Zsm göttlichen Gesetze, das ihm den Mut gibt zum geduldigen Ausharren, das ihm Kraft spendet und Trost, und das es in unauflösbarer Einheit verknüpft mit Gott, dem Lenker der- Geschicke . . . Und heute?? . . . Wo ist Gottesnähe, wo Gottverbundenheit? rnu sich sMMtzönstö Strom Der öeit hat die manbrrn-Flamme der Gottesbegeisteruüg verlöscht; — die vapa -Idee ist aus Jisroels Mitte geschwunden. Vor dem eisigen Hauche einer Pseudokultur hat sich die „Seele des Heiligtums" geslüchiet und der jüdische Volkskörper siecht dahm, msi («ujerid tzllltlAW 88llNstöN stöstölsti. .3CD setzend hat eine sogenannte Kultur auf die kindliche Reinheit der jüdischen Volksseele gewirkt. Söhne der Gottesnation opfern ihrer Väter teuerstes Kleinod, ihre Ueberzeugung den Gottheiten des Tages, den Idolen der Moderne, bücken sich VOV bem Mc»lc»ch her Zeit, erstreben Ideale, eifern für Ideen, die — die @ «(f 9 preörßi. Söhne der Gottesnation stehen Gottes Gesetz gleichgültig gegenüber, wähnen, der Gotteslehre entraten zu können, dünken sich um vieles klüger und fortgeschrittener als die heroischen Märtyrergestalten ihrer Ahnen. Söhne der Gottesnation leben bar der Kenntnis ggttlichör Nölhiö kin gomremö8S Leben, dem „Geldverdienen" Aufgabe, und „Genuß" erstrebenswertes Ziel bedeutet, das Gott vielleicht in einer sentimentalen Anwandlung wohl ahnt, Ihn aber nicht erlebt, ein pro* Tage vernehmen nnd beherzigen, bxn xm» dann kommt schließlich der. der Erlösung bringt Zion und allen denen, die ihr im heiligen Sehnen entgegenharren. XlsmsZ Löuillöwn. Stimmungsbild ausBad-Tlauheim. Wie alljährlich, suchte «ich auch tu. diesem Sommer wieder Erholung in dieser Perle des Taunus, welche von der Kurverwaltung in jedem Jahre neu geschmückt raiiD; — clii AiltSWW jüt srofe atu5§a6e' Aufmchau in Mefiem fiujustraö nult sich bringt, Auch die jüdischen Holel-Restauran-ts versorgen ihre Gäste so, daß auch solche Gäste, welche sonst „auf Reiien" nicht darauf reflektieren, gern dort wohnen und ipeisen. Eine ostjüdische Kolonie frequentiert die in ihrem Milieu und ihrer Geschmacksrichtung dienenden Restaurants. Man kann nicht sagen, entgegen anderen ETn^il^ten^ ba|j die N«iionaltr«rcht tn Pajss unb Kaftan ^sjonijcig tiuffnltenö wirft, 4*'c Elh L* stshi sich toi&L leicht jemand um, und die Herren Kaftanträger denken sich garnichts dabei; sie sind -es von Hanse aus gewohnt. Biel mehr auffallend sind diejenigen, die vor vielen Jahren am Schlesischen Bahnhof in Berlin umgestiegen sind, ihre Nationalfrisur abgelegt haben- und auch am Scha-bbos keinen Hut tragen, um „nicht unnötig tragen zu still" I auppeig-enb, roenn b-i-e Herrenin Den großen Lokalen sich laut bcnehmsn und mll Redensarten um sich w-erfen: „nu wenn schon" — „haste nicht gesehen" usw. Es gibt eine ganz-e Reihe Einheimische und Fremde, die gern das Borkum-Üied horM würden, -ober man bemerkt sie kaum. Dagegen hört man allabendlich von der intimen Kapelle des Tennis-Cafes „Kolnidre" und „Moauszur", begleitet, das Erstere, von getragenen Handb-ewegungen mancher Zuhörer, oder bescheidenem Taktschlagen und Mitsummen bei Moauszur. Die früheren Passanten des Schlesischen Bahnhofs sind da zum eriien Mall still WUn? und mt 3U kättNL". Großes Interesse wird dem israellllschen Kmüerhelm dargebracht, welches am vorigen Sonntag ein recht nettes Abschiedsfest für die heimreisend-en Kinder feierte. Neben der Oberschwester, Frl. Koppel und ihrem Stabe, macht m-it freudigem Stolz und strahlendem Gesicht Herr Sanitätsrat Hirsch die Honneurs. Ist er doch nicht nur der Gssundheitsbetreuer der Jugend, sondern auch der eifrige Mn-rrrzniittWe ÜH NllUWlM. . W MM M Nll° druck, als ob er feinen reichen PällSütLN U. ll. lllllh ckls Rezept verschreiben würde: „Zedoko tazzil mimowes" (Wohltun rettet vom Tode). Auch die beiden anderen israelitischen Heime für Männer und Frauen, beraten durch Herrn Dr. May, haben manchen Gönner. Sie haben es alle im Interesse ihrer Insassen sehr nötig. Das Rauhoimer K-illeleben ist unvs-äMri. M-M fäjnoDert immer mch den e?n«. gog-en-Neübüü. öi E, E, (Sie wollen die Anden gefundöeten). Aus katholischen Missionskreisen wird mitgeteilt, daß die A r c h con frate rniity of Prayer for Israel zahlreiche Messen abhalten wird. Der Papst und zaklreiche Kardinäle und Bischöfe werden daran UilttShms« 8n PlllllMNll. lUlMklli MsnllMfsti Deutscbland und ln änderest LSndem werben ZM« Iren gebildet. Die Kinder katholischen Glaubens sollen zu freundschaftlichen Gefühlen gegen die Juden rrzogen de« MsssStt Wikst fül biß Bk" kehrung der Juden gebetet werden. (Kin eigenartiger Prozeß wegen des „Schma- Keöels^H. Vor dem Kreisgericht zu Pietrikow fand ein eigenartiger Prozeß statt, den der neugewählte Rabbiner von Bialorowska, I. R- Stark, gegen den Bürger dieser Stadt, Samuel Grünwald, ällzMWSt BflL Böim Mstkt stlllik m Nsidviner DQ5 taut vöLßKsPkVkßtzN. Böt ÜM WvlikU „lemaan jirbu" rief der Angeklagte die Worte laut mit. Der Rabbi sah darin eine Beleidigung gegen die Religion und seine eigene Person. Der als Sachverständige geladene Rabbiner von Rawa-Mosaviecka, I. M. R. Rappaport, erklärte unter Eid, daß der Rabbiner allein das „Schema" laut vorsaaen pgrs- Der Angeklagte beabsitHtigte eine Ehrenkiünkung des nnd bäzistZ Bflößi 011(5 eine Religionsverletzung. Auf Grund dieser Aussage wurde Grünwald zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Wochenkaleuder. K. - 13. Aug. 1887. v. 8. - 18 Aw 8887. 6 2« 8 D’737 i M — SonMag « 7 9 a«a n»wn Montag rr N 8 10 Dienstag 9 11 Mittwoch 10 12 D^nnerstaa 11 IS Freitag 12 14 £ Samstag 13 15 Bivs nv»n