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Der Israelit · 1927-07-28 · Heft 30 (28.7.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 30 (28.7.1927)
Date
1927-07-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Nr. 30 Der Israelit 28. Juli 182? vorstellen. Vas Judentum hier gleichzustellen, zu ässimilieren, war ihm eine Absurdität. Ich möchte Kill mm MIW aus WM der „Israelit" vom 19. September 1912 53 Jahrgang Nr. 38 — bringt, als die „Richtlimenverfammlung" der „Liberalen" in Posen bevorstand.!. „Wir stehen unterdem mächtigen Eindruck einet feurigen riaw Predigt unferes greifen m ( < I * e I. Rabbiners, Herrn Dr. Feilchenfeld, die bei der Aktualität des Inhalts im Hinblick auf.Lie bevorstehende Tagung der „Liberalen" in?'Posen einem weiteren Kreise bekannt gegeben zu werden verdient. Zu diesem Zwecke sei ein TA des Gedankenganges der Predigt im Folgenden .rnit- WkSkr r.py N2 jroräo „Behüte mich, wie man den Augapfel behütet," beten wir zu Gott . . . Und da wird uns die Antwort zuteil: ’TVTim 'NI 'M8V NVV „Behüte meine Gebote —und lebe—und meine Thora wie den Apfel deines Auges." äßeßn wir uns in Vereinen zufammeniun, um uns gegenseitig zu festigen im - Beobachten der nix»' um uns bessere Gelegenheit zu ihrer Ausübung zu schaffen, so ist dies wohl berechtigt, und wir wollen dies jetzt um so mehr tun, als die Verächter dieser mxa sich zu einem Bunde vereinigt haben.?Bas rann M asranfap, nmim p gräm den mb sich durch engeren Zusammenschluß zu kräftigen? Sie ziehen im Lande umher, um Gleichgesinnte zu werben. Waren sie denn bisher gehindert, die heiligen Sabbatgesetze öffentlich zu entweihen, die Ehegesetze, die Speisegesetze Wvrn ns m rKM M dern? Was ist also der Anlaß zu ihrem Zusammenschluß? Vielleicht ist es das Gefühl der Scham, die über sie kommt, weil sie das göttliche Gesetz mißachten; vielleicht wollen sie ihr eignes Gewissen nur^ beruhigen und besolden deshalb Halbwisser, bcirnrt diese ihnen berveisen. daß unsere heiligen Gebote für dis heutige Zeit sich nicht mehr schicken und deshalb keine Geltung mehr haben. Und nun planen sie, in unserer Stadt, die in Israel berühmt war, weil in ihr die Heiligtümer Gottes hochgehalten wurden, sich in nahe bevorstehender Zeit zu versammeln." In lautloser Spannung lauschte die andächtige Gemeinde den nun. folgenden S0^ia^r^ungen unseres greifen wnb bock; so jugendsrischen MeV sters: „Hgktet euch fern von allen ihren Veranstaltungen, sorget besonders dafür, daß die Jugend nicht hingeht. 'VS2 Kinn 5rr DYioa- Da wo sie Rat pflegen, WIilk MHl Mkmc Melk: '1122 TM h» Ws sie Versammlungen abhalten, werde nicht mit eingeschlossen meine Ehre." Ich wünsche, daß diese Worte unseres verewigten Meisters weiterhallen sollen in, den Herzen aller Gesetzestreuen und sie verhindern möge, den Abfall vom gesetzestreuen Judentum als „Richtung" innerhalb des Judentums anzuerken- Ilßll. Wie konsequent in der Praxis unser Raw hierin handelte, ohne Rücksicht auf die Frage der Zweckmäßigkeit, möge folgendes Geschehen zeigen: In der Gemeinde Posen war Wahlkampf. Die Liste der „Liberalen" drohte mit geringer Majorität zu stßgßll, dis Lifts chssk GUgiuv Löl- 11 g durchschallen. Der verewigte Kommerzienrat Siegmund Fraenkel in München war in dieser Zeitperiode eifrig bemüht, das Proportionalwahlrecht durch Gutachten bedeutender Staatsrechtlehrer für die jüdischen Gemeinden einzusükiren: Schfökbök dieser Zeilen, der bel dem Posener Wahlkamps einen völligen Ausfall der konservativen Liste fürchtete, trat mit Kommerzienrat Fraenkel in Korrespondenz, um auch für Posen möglichst die Vorteile der Proportionalwahl zu erreichen. iöiii; Uiiser daraus hin, dcrß ich rnU diesen Bestrebungen in ganz unjüdischer Weise handle. Er meinte, seit Beginn der Reform kämpfe diese. dafür, daß. . sie -von Aen Geseßestreuen als und dürfen ihr diese Anerkennung -nie^ gewähren, wenn wir: uns nichtsechstd^bsn. wollen. Treten wir GesetzebtreUen aber für das Pro portionalwahlrecht ein, so hat die Reform, das mühelos erreicht,- wofür.. sie. seit mehr..als .101 Stfrn m 8kMWa änftrcngungiiipp Bei dieser prinzipiellen Anschauung war es für unfern Raw V'XT ein schwerer Schickshlsschlag als bei der Verwaltung der Gemeinde Posen, deren Raw er mehr als 40 Jahre war,-ein Statut beschlossen wurde, das die „Gleichberechtigung der ..Richtungen" durch die Schaffung von Syna- ' - 0< * •* »“**»■( (’ o ) Zöge A- und Synagoge B. sanüionreren wollte Es war für ihn eine Selbstverständlichkeit, daß er in einer solchen Gemeinde nicht weiter Rabbiner bleiben konnte. Er erreichte es auch, daß dem Gemeindestatut ein Paragraph 47 angesügt wurde: „Die bevorstehenden Bestimmungen be- Km in ZWWk D mm in Mt- [oöaiD Herr Gemeinderabbiner Dr. Feilchenfeld aus seinem Amte scheidet." Es dürfte ein Unikum bei allen Statuten einer jüdischen Gemeinde sein, daß von der Amtstätigkeit einer Persönlichkeit, das Inkrafttreten des Gemeindestatuts abhangt. Er war der letzte Raw einer Posener Einheitsgerneinde. ich J. . |.... . m. >. i.) i<w IJtiiie ine ei KOIC ictj ctoct höre, haben sich jetzt die Pforten der Orgelsynagoge geschlossen. Die Orgel schweigt. Das unerforschliche Walten Gottes hat auch hier gewirkt: firm N2VN m- Wir wollen hierin einen frohen Ausblick sehen, daß die heilige Gemeinde unseres Rarvs. Dr. Feilchenfeld und eines Ütabbi äfflba 8gcr wieder ihren heiligen Charakler zurückgewinne. Wie seine Erklärung des'VNfrb' und die daraus resultierende Bekämpfung der Assimilation im Großen beim jüdischen Rationalismus sich auswirkte, sei durch einen Vorgang illustriert, der das Vild des-großen Sülanncs Vervollständigen soll. PyM fanb ein Delegierleniag der deutschen Zionisten statt. Es dürste etwa im Jahre 1911 gewesen fein. Der Raw war der Einladung zur Begrüßung der Tagung gefolgt Es war die Zeit, als der Kulturziönismus dominierte, da an der Verwirklichung der politischen Ziele zu arbeiten nur geringe Möglichkeiten Vorlagen. Es traten zuerst eine Reihe von Rednern Auf, iw die Q?{flnng?n bei? inblfvijen Volkes auf verschiedenen Gebieten menschlicher Kultur beleuchteten. Jüdische Dichter, Wissenschaftler, Sänger, Maler — ich erinnere mich besonders an den Holländer Israels —, abet auch bedeutende Boxer und Turner wurden von vielen Spezialgsnflnm wnö MühM: m wurde Dann piß Frage ventiliert: Sollen alle diese großen jüdischen Leistungen nur Kulturdünger für fremde Völker sein? Als der Raw wohl etwa 1A Stunden diese belehrenden Reden angehöxt hatten, betrat seine ehrwürdige Patriarchengestalt das Rednerpult: — Feierliche Stille, so daß man eine-Stecknadel in dem gefüllten großen Saale zur Erde hätte sAll^ hören konne^r, hxrrsAx, ktwU gendes sprach: „Ich danke Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit gaben, heute Vieles bei Ihnen zu lernen. — Ich bin 84 Jahre alt, und habe ein langes Leben mich mit dem Judentum befaßt. Heute habe ich noch Vieles gehört von Leistungen LZn ZüdöU, von denen ich n?ch nicht gewußt habe. — Wenn ich mich aber frage, weshalb Sie dieses Alles hervorheben, so glaube ich, daß Sie damit den andern Völkern imponieren wollen. Haben Sie aber nicht den Gedanken, — verzeihen Sie mir, wenn ich diesem Zweifel Aus- )xM flßfiß, — Daß Die andssn Bslksv sA§Au 'önnten: Wir haben ebenso große oder gar noch größere Dichter, Wissenschaftler, Maler, Boxer, Turner. — Wenn Sie aber denPölkern imponieren wollen, dann dürfen Sie sagen: Sie haben der Welt den einzig einen Gott geschenkt. Da kann keiner mit Ihnen in Konkurrenz treten." ging «ls NvchLMchschnitt gerade'. pnntn und er fuhr fort: Seidenn. Garn4lanilebai^li.K. '' 47 Bleidensiraße 47 '. (früherGrosse Eschenheimerstrasse 3), r; SPEZIALHAUS in Näh-und Sllck*Seiden S’ösrn DDnbsn rrm 'S. vn'Vvi vnivrn sÄH'vdn' ciV pi iiakvrtVi?n D’pn.f Vb;nK Und ihr sollt beobachten und ausführen; denn das ist Eure Weisheit und Einsicht i n . d e n a u p im f 2i B ü «, MW. wm R Win all diese -Satzungen, sprechen werden, was ist doch so weise und klug dieses große Volk." Als dann in meiner Begleitung der wunderbare Greis den Saal verließ, und mir noch mein seliger hochbegabter und frommer Freund, der NftsräiL>iführer Dr. -Kurt Derernins Tf SUflej | j <• »<,,»« o>« »««>««» I i i gngL» flüstert hatte: so haben wir uns die Begrüßungsansprache nicht gedacht, sagte mir Dr. Feilchenfeld recht traurig: „Ich bin doch schon ein alter Mann, eine Hauptsache, die ich sagen wollte, habe ich vergessen." — Und er ergänzte: ,,'^ in den. Äugest der Völker, Ist es D3MTil' V2NV2N- — Eure Weisheit' und Eure 8ernan^> — Sie Söffer jagen; S fj r habt der Welt die Thora und den einzig einen Gott geschenkt. Es ist E u e r Verdienst. — Wenn Ihr es aber sagt, dann seid Ihr vollendete Gottesleugner. Denn Ihr wißt ja, daß Gott Euch die Thora gegeben, wegen der Verdienste der Väter. AvraUw. Isaak unD Motz." Gerade in dieser Auseinandersetzung mit dem Kulturzionismus zeigt sich die Bedeutung der (Erklärung von '^r> in— Alle andern Völker werden charakterisiert durch die Kultur, die sie schaffen. Das jüdische Volk verdankt seme Entstehung und seinen ßwigßn LßstanD Dz? Thsvr. DAA jü^ischö Völk hat nicht als Objekt eine Kultur geschaffen, sondern die jüdische Kultur, seine Thora, hat sich als Objekt das Volk geschaffen. Die Thora ist ■pS' ns* ist der Fels, der Dich, das jüdische Volk gezeugt hat. Und v e r g l e i ch st Du diese jüdische Kultur, die Thora, mit den Kulturprodukten anderer Völker, dann ist die natürliche ffDlflo: -Ms m»W; Daß Du mpZitzt Uw Gott, dem Du Deine Existenz verdankst. Wenn unser großer Meister seinen Schülern und deren Nachkommen als Richtschnur für ihren jüdischen Lebensweg nur die Auffassung, vom Judentum mitgegeben hätte, wie ich sie ver- *1* skiner EMMUllll von hp N2V7I1 'Vki i« mitir&um* breiten, unb zu zeigen, wie sie i h m Richtschnur war, sein Leben wäre ein gesegnetes gewesen, weil er weiterwirken wird für kommende Ge- 'chlechter, —las ir.aa rnrran -Vman ntra Ich bin mir bewußt, daß ich nur is ix!? is i'vr uv ß'77 ip; ipV ip is1? Striche unb mentge (Etngerfjetf eri liefern' torxnie zur Segnung Des Gemäldes dieses Großen in Israel, daß es vermessen war, mit wenigen Worten dem Andenken dieses Zaddiks' gerecht werden zu wollen. Mehr als Worte sollen die Taten einer ganzen Schülergeneration sein Andenken auf Erden bervahren, seiner Seele Seli^-!?U m himmlischen Höhen mehren. Wochenkalender. r>. 30. Sllli bis 8. slllg. 13S7. / atro 5687. Samstag Süll 30 a« 1 »»Btt Sonntag 31 2 Montag s 1 3 Dienstag K 2 4 Mittwoch 3 5 Dpimnstag 4 e : FlMllg . s 1 i i ■ r ■. Samstoq 6 8 D’131 71m nacr

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