Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1927)
- Date
- 1927-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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21. JUN 1827 allgemeinen Abwehrverein erforderlich. Seine Tätigkeit soll den innerjüdischen Aufgaben keine Energien entziehen, sondern setzt umgekehrt voraus, daß dsr Jude, der sich an ihr beteiligt, sich seines Judentums stets öewu^l Ifi, es lerinl un) lebt. Sie macht die innerjüdische Arbeit keines Einzigen überflüssig, sondern verlangt sie gerade, denn wozu Verteidigung nach außen, wenn nichts zu verteidigen da ist? Dazu kommt, daß der Centralverein Funktionen hat, die nur eine jüdische Organisation erfülla« kann und Dio lifier Den Nakmim einer Mt wehr gegen Äntisemttismus Im enggesaßtäN Sinne hinausgehen. Seine ausgedehnte Organisation bis ins kleinste Dorf, in dem Juden wohnen, hat ihn zu der Stelle gemacht, an die sich jeder Glaubensgenosse zu wenden weiß, der einen empörenden Fall von Antisemitismus erder ^ilse gegen Ungerechtigkeit sucht. Diese Organisation ermöglicht' auch, die Glaubensgenossen auf eigene Unachtsamkeit aufmerksam zu machen, die dem Antisemitismus Vorschub leistet. Vor allem aber, wir begegnen« ständig Maßnahmen oder Stellungnahmen von Nichtjuden, die guten Glaubens erfolgen,!n!!irer Äuswirkung aber antisemitisch sind. Wenn in Sachsen jüdische Kinder gezwungen werden sollten, am Peßach oder Schowuaus die Schule zu besuchen, wenn es einer immer stärker werdenden Propaganda zu gelingen scheint, bei einer ständig WllWksOkll bie faljc^e Meinung auskömmtzn zu lassen, das' Schnrhlen sei eine Tierquälerei, wenn ein großer, großer Teil des deutschen Volkes den irrtümlichsten Anschauungen und-Urteilen über das Judentum zum Opfer fällt, dann muß eine jüdische Stelle vorhanden sein, die die Rechte der Juden vertritt, dann ist nur ßina MW MM im QtanDe/ Die ümtffin Kreise auszuklären und wahrhaft zu unterrichten über Lehren und Einrichtungen, über Lebensverhältnisse und Moral der Juden, damit antisemitische Hetzen und Lügen als das erkannt werden, was sie sind und nicht aus Unkenntnis weiterverbreitet werden. bxeje Arbeit leider |o martere Mrxrk utth so manche Stunde positiv jüdischen Ausgaben entzieht, beklagt wohl keiner mehr, als wer sich ihr widmen muß. Sie muß aber geleistet werden, damit das innerjüdische Leben geschützt bleibt gegen die Auswirkungen einer sonst sich ausbreitenden völkischen Rechts- und Religionsauf- Mi fim Existenz einmal aufs WlM gefährden können. Dagegen stärkste moralische Kräfte emzusetzen> ist nicht nur Aufgabe der nicht jüdischen Deutschen, sondern gerade auch unsere eigene." i Der Israelit Unter der Voraussetzung, daß „der Jude, der sich an der Abwehrarbeit beteiligt, sich seines Judentums stets bewußt ist, es kennt und lebt haben wir die Wirksamkeit und die hohen Veriü»f4 Ssr OMüHlnjiBtna auf Dem QliBiiK Der Abwehr im besagten Artikel anerkannt und nch» men auch diese Ausführungen gern zur Kenntnis. Noch ein Wort zur Statistik der deutschen Juden. Mit dkü LOskll, dsx seinerzeit an dieser Stslls aus dm mröfMNiGtm Nksuilllken ver Volkszählung in Deutschland für die jüdischen Gemeinden gezogen haben, ist die „Jüdisch- Liberale Zeitung" in Berlin nicht ganz einverstanden. Insbesondere paßt es ihr' nicht, daß wir im Rückgänge der jüdischen Seelenzahl überall in Deutschland ein Menetekel auch in geistigreligiöser Innfitfri fallen ünö öÄei litt fÜ¥ die Ostjuden emlegten, die in manchen Gegenden eine gesunde Blutzufuhr dem siechen Organismus brächten. Ein kleines Mißverständnis ist dem Blatte unterlaufen. Wir haben wohl, wogegen es scheinbar nichts einzuwenden hat, rlr rinziW Wig zur Rottung: Mffffijt zu alt; jüdischer Frömmigkeit empfohlen, die das chaus und die Ehe auf Gottvertrauen gründet, in Kindern keine Belastung, sondern wachsenden Segen erblickt. Wir haben aber keineswegs, wie das Blatt behauptet, dem deutschen Judentum die Kraft abgssprochsn. sich aus eigenem auf diesen Wvg gUrÜ<EgUfM^?N» jrrr Gegenteil kalltttsu MS in den Großstädten, in den Kreisen freilich, wo man die „Jüdisch-Liberale Zeitung" nicht kennt,' Ansätze konstatieren, die vielverheißend sind; wenn sie auch leider die Massen und besonders das Land, auf das es sehr annt>^ nicket ersassen. Wir rieten auch Nicht eine Verschmelzung mit dem ofljüdischen Elemente, sondern st e l l t e n s i e f e st, da sie auf dem von Thoralehre und Thoraleben gezeichneten Wege sich ganz von selbst einstellt. Wir haben, ganz abgesehen von unseren Ansichten und Wünschen in diesem Belange, f e st g e st e l l t, daß in vielen Gemeinden Sachsens und der Rheinland e mittels öer vöm Dftltt Juden neues jüdisches Leben aus den Ruinen erblüht ist. Wie hier von der Geschichte der Judenwanderung eine Korrektur der traurigen Zahlen der jüdischen Statistik in Deutschland angedeutet wird, ergibt sich von selbst. Darüber wird uns Der LkitSkkMkk m llWdiWLiberalen Heilung" mit feiner geistMchöN Grenzscheidung zwischen den „Lusttnenschen" im Osten -und. den „praktischen Leuten" im Westen nicht hinwegtäuschen. __Nk Oü SSttS Z Praktisch ist derjenige, der für seine Zukunft gesorgt hat. Haben es die „Praktischen" in Deutschland getan? Die Zahlen der Statistik geben die Antwort. Kleines Feuilleton. Erdbeben in Palästina. Daß Palästina kein Erdbebenherd ist, ergibt sich schon daraus, daß feit 90 Jahren das Land von solchen Katastrophen verschont geblieben ist. Zuletzt wurde Nordpißlfe äM 1. Sähua* 1837 von 0*1 CMkbkü heimgesucht, de! dem in Säseb Mid TitzKkiliL W00 Menschen, zumeist Juden, ums Leben kamen. Jerusalem blieb verschont. (Siehe Leitartikel.) Immerhin gehörten im alten biblischen Palästina Erderschütterungen nicht zu den unbekannten Erscheinungen; dafür spricht die Tatsache, daß die Propheten und P s ll l M s ll N g k l MH jm Umroä^ung im MllerMM llltz m lgilltzcs Wiiiik^n voraussehen oder schildern. So Jesajas 71« naiv wm nöip»» sjini Kap. 13 und 24., Psalmen »snrrhpwni (Pf. 18) pten u. v. m. Das erste große Erdbeben in Palästina, von dem die biblische Ueberlieferung spricht, geschah unter dem judäischen König Usia. Auf dieses Ereignis, das wohl lange Jahrzehnte der Bevölkerung in Erinnerung blieb, spielt der Prophet Secharjah (14, 5) an, indem er bei Schilde- 1UKZ srMMgM? MMW MUI '-mim 'v'2 e’jnr; »jsn. anpj ~ie«2 onvfr „Und ihr werdet fliehen, wie ihr einstens geflohen seid vor dem Beben in den Tagen Usias, des- Königs von Juda". Amos (1, 1) beginnt seine prophetische Laufbahn in Israel, wie er im ersten Satze einführend selber schreibt, pjnn '22^ dw „zwei Jahre vor dem Beben", welches, er gleichim folgenden Satze mit den Werten schildert: 'rai iVip in-» isw’ ivsn V „Der Ewige MAl kkll Mkll IjfYf töf* ptm SerufaIem ertönen, es trauern 'die Anger der Wirten und Wpf?? des Karmel verdorren." Die Erhabenheit und Allgewalt eines Erdbebens mögen wohl auch dem Propheten Ha - b a k u k oorgeschwebt haben, da er in ferner Kap. 3, Satz 6, singt: ■abvr rnsnj inviy mn ixxi-m'i „Es zersplittern die uralten Berge, es wanken die ewigen Hügel". Aehnlich Joel im Kap. 4, V. 15/16: mm P88? wm wm „Es beben Himmel und §rde, aberstinM Vsllö ist toi? Ewige Zuflucht und Schutz den Söhnen Israels." I 0 f e p h u s (Altertümer, 15, 5, 2) beschreibt ein Erdbeben. in Judäa, bei dem über 30 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Ein weiteres schweres Erdbeben weiß die Chronik aus der Regierungszeit Hadrians illl ^(rlpljxrobert jJ1* rrl'e^^>env trinket bte (Stähle Safari« unö ÄM8öI rrriiichi?t «.arUn. Im Talmud (Mschna, Traktat Verachoth) ist für Erdbeben, (rosml wie für alle weitsichtbaren und allgewaltigen Naturerscheinungen, der Segensspruch vorgesehen: tfya lm-an invv- Es darf in diesem Zusammenhänge interessieren, daß ein Werk nur 'nor? -®o von Maleachi Hakohen für 22. Schewat enthält, an welchem Tage (1742) Livorno von einem schweren Erdbeben betroffen wurde. An die- \m TW Wll W m öoomoir ab, <xber mehr aus Fwude und Dank, 'daß bei Mn großen Dermchtungen die jüdische Gemeinde und ihre Mitglieder nur mit dem Schrecken davon kamen. Die nirrVo sind denn auch mehr auf den Ton eines Dankgebetes gestimmt. Physiologische Gesichtspunkte zur Schechikafrage. Es gibt wohl kaum eine Frage der Biologie, in Kklüjkk jk Guta^terr der hervorragevdsisn Dsrirslsr ver arAiichkn unv vcr Nerärgrlich?n Hochschulen Zusammengetragen wurden, wie die Frage der Schechita. Die Gutachtensammlungen von 1894, 1902, 1908, alle anschließend an die nimmermüde Arbeit von Dr. Hirsch Hildesheimer, vereinigen die besten Namen der letzten 3 Jahrzehnte. Und alle ohne Ausnahme stellen silii gur Stljecttttß gvinfttä W. Seit 4 Jahren ist der Kampf um die Schechita aufs neue entbrannt; und wiederum waren wir bestrebt, von den ersten Größen der Wissenschaft Gutachten zu erhalten, welche die Schechüa als sine humane Tötungsart hinstellen. Die Gutachten lcr leijten Sat« W NM «ß« BDT1 stilM DOr M Jahren gesammelten sehr wesentlich verschieden. Waren es damals allgemein gültige Erfahrungsprinzipien, welche die Grundlage zur Abgabe der meisten Gutachten abgegeben haben, so ist es bei den in letzter Zeit abgegebenen Gutachten eine noch Jejteve Vafis, auf der auch gesichertere Schlußfvlgörnngen uufgkbaui sind. Es üblich zum Zwecke des lieferen Eindringens in die so komplizierten Verhältnisse des Bewußtseins vor, während und nach der Schächtung Experimente, Messungen des Blutdrucks, des Volumens des Hirns und Beobachtungen sklllki uunniBiM toef4c YY wichtige Resultate auch für allgemein wissenschaftliche Zwecke zeitigten. Die Aufgaben, die das Bewußtseinsproblen. "stellt, sind sehr schwierig, und es ist mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden kaum möglich, direkt an das Ziel zu gelangen; man muß, wie auch sonst oft in der e^etrimeutlevettben Naturrvrssenschnft, versuchen. auf Umwegen dem Ziele na?ier zu kommen. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die einzelnen Versuchsmethoden auch nur oberflächlich zu besprechen; aber es dürfte doch für die jüdische Oeffentlichkeit nicht unwichtig sein, zu erfahren, daß in dieser Richtung verschiedentlich gearbeitet wvvU, im* irnrmv Mt EMg. Es sind vornehmlich 3. Resultate zu verzeichnen, welche wissenschaftlich einwandfrei fundiert sind: Glossen. *) 33onDr. Jtlü 68lMk m gEM Das letzte svnnn im Tischgebete hat betamtildj 5toei Lesarten, nviv' und Letzteres wird nur an Sabbat- und Festtagen — in Frankfurt, so weit ich mich erinnere, auch cm allen Tagen, cm denen gebetet wird — gesagt, ersteres an den gewöhnlichen Wochentagen, onn^rr pn gibt dafür einen Grund an und beruft sich -auf die zwei verschiedenen Lesarten des otwjeri Wortes -im Buche Samuel utth in den Psalmen (BSFgli 0 T-iy 91a4> 8em Ö8M 8^8 angeführten Grunde wäre nur an Sabbaten einzuschatten, wir aber schalten es auch selbst an Halbselertagen ein (vergl. u. a. aps?’ jt>3 von Rabbi Jakob Emden ^sr). Vor Jahren las ich folgende (vielleicht etwas gewagte. Red.) Vermutung: Der Ausdruck ^n;n kommt bekanntlich in den Psalmen vor (Ps. 18,51). In der im 2. 33. Samuel (Kap. 22; 1) mttrh als die rittjtiQt Besört S’ip’ an8e9<i^ert' l^len tos Tischgebets wurde ursprünglich der letzte Vers des zitierten Psalms angeführt, also ma- Dazu machte der Drucker die kurze Anmerkung Vinö d. h. im II. B. Samuel kommt die Lesart $>ru» vor. Diese Abbreviatur was so viel wie bedeuten sollte) wurde mißverstanden und aus ihr das Wort na!« gemacht, worauf dann später auch viv on folgte. Bor kurzem mies ich an einer andern Stelle nach, bafj unfern Weisen h>~l die Bedeutung und Wirkung tos B l i tz « h i? lt «rs schon keSa&U M. Sfl W TlIWll Sabbat, Abschn. 7, ist vom Blitzableiter bre Rede; dort heißt es wörtlichimv pinn ’jsn dsv „Verwendet man *) Vergl. „Israelit" Nr. 30 vom 22. Juli 1926 und Nr. 37 vom 7. September 1926. —>—■->-- tu- -rutitwiam