Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1927-07-14 · Heft 28 (14.7.1927) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 28 (14.7.1927)
Date
1927-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450442-2450470--74177-2531632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 28 Sette 5 14. Juli 1927 _ fer Nivellierung' in ihrer wahren Bedeutung erfentvt. Es ist kein bloßer Zufall, sondern Allgenroinerschemung, daß Nennplätze und Famllienbäder sogar von gesetzestreuen Juden besucht wer- W. Sie lir'äfiüätt IW!Wk ilN vkWNlMUH B zeigt sich schon in der Tatsache, daß man in den Wiener Synagogen — höchstens mit Ausnahme der orthodoxen — Jugend überhaupt nicht findet und daß dort oft sogar die Aufgabe des „Kadisch- Sa^ens" der zarten Dugend von Zärtlichen Öntcht abgenommen wird, damit der Nen^> von morgen nur ja nicht lerne, eine religiöse Pflicht ,ieben den vielen vermeintlichen Pflichten des Großstabilebens zu erfüllen. Auch dis CiNkichiMg der Batlanim und des bezahlten Kadisch mit allen Wden, die sie dem Charakter sonst ganz ehrenmm alter mmm MM UM tim e?s^^ mmde Begleiterscheinung mehr der schon so tief eingefleischten Anschauung, daß nur ein Rabbiner oder sonstiger GeMeindeangestellter nach den Gesetzen der Religion zu leben habe (— wobei mich diese es nicht immer tun) — eine Anschauung. gegen die bezeichnenderweise nicht einmal unsere KLnsMMM WkSWftll. An den schönen Frühlingstagen sieht man allenthalben die katholischen Firmlinge in blu-. mengeschmückten Wagen zur Stefanskirche fahren, aber auch die sonst so stille Tempelgasse, in der sich die größte Wiener Synagoge befindet, Dielet am ©nnntaa mH Dem WgDknfkstß m buntes Bild. Wagen auf Wagen bringt in reichstem Blumenschmuck die jüdischen Konfirmandinnen, die hier in einer, der. christlichen getreu nachgebildeten Zeremonie in einem Glauben befestigt werden sollen, den sie nicht kennen und darum auch nicht besitzen. Man hat wohl richtig einmal erkannt, daß die althergebrachte geringere BerücksichtiZÜüg r.eL LsMHM in Der Wischen Erziehung bei dem Fehlen ihrer Voraussetzung, des gesetzestreuen Elternhauses, schädlich wäre. Aber man kam dabei nicht zu den einzig richtigen Schlüssen, die schon David Kaufmann in Umr ©AMI ..Mt BeDm mir Den religWn Sinn unserer Mädchen und Frauen?" (Trier 1893) zog, die erhöhte Unterweisung des weiblichen Geschlechtes im Hebräischen, Seminarien für jüdische Lehrerinnen und Erneuerung guter jüdischer Volksliteratur fordert. Statt auf solchem Wege das Fundament neu herzustellen, setzte man im ZOlußstßin auo Der MWe fremder Bekenntnisse vor die klaffende Lücke und — das Resultat ist bekannt . . . - Auf Kosten des Herkommens kommt man den Wünschen der Frauenwelt allzu leicht entgegen. Früher gab es Tränen und Entrüstung, wenn der jungen Frau zugemutet würde, ihr j^actr öer SErabitiorr gu Oj^ern; jei}± aber förtrtert Fräüen'Imd' Mädchen gar nicht varm genug mu, nicht etwa es züchtig zu verhüllen, sondern es der Mode zu opfern. Auch die Affäre Bloch, die in Wien noch in aller Erinnerung ist, entpuppte Nch schließlich als eine Angelegenheit, die nicht Dlvtz MuUsx unü Tochter anaina. fanlmn als einer der vielen Konflikte im Nivellierungspronß des jüdischen Alltags. Im Osten und auch im alten Palästina, ist der Jude in sich geschlossen, er trägt in seinem ganzen Leben, in Synagoge, Straße . Ich .60116 nnr ö i n MM zur Mlltft Das lü= ' lj'che. In der Slovake! und im Vurgenlälld und den sonstigen Zonen des Ueberganges trägt der Jude wenigstens in Synagoge und Haus sein idisches Antlitz und nur im Verkehr mit der Tnwelt setzt er notgedrungen die Maske des Weltbürgers auf. 'Rur in Wien will der Durchnicht' ksumal in der «Synagoge me^r Kir. IuDöütum llubers kwkummtiereu als durch ' ue etwas zwanglosere Art, sich unter seineslachen gehen zu lassen ... L. Moses. Der I s r a. e l i t' Große Rabbis aus dem IS. Jahrhundert und Die MlvMgsfrage. Von Rabbiner A. Homer in Jlerkin. IV. Ein zweiter Schüler, Rabbi Baruch aus Sc^klvrv^ Qsuflibes ins Hebräische überseht, lirn Jahre 1780 in Haag erschienen, mit Approbationen der Oberrabbiner von Haag und' Amsterdam, wie auch des Oberrabbiners in Slonim, Litauen). Diese Approbationen sin!) schon von Bedeutung für unsere Frage, weil in ihnen viel Lob gespendet wird für die Veröffentlichung von wis- MWsllWn mulm in Der ijtBmpen MM, In der Vorrede erzählt Rabbi Baruch: - Er war im Jhare 1778 beim Gaon in Wilna, da habe er eine sehr beachtenswerte Aeußerung über den Wert der Beschäftigung mit profanen Wissenschaften mit angehört. Der Gaon Habs strva folgendes gesagt: Soviel einem an 'profanen Kenntnissen se^Ie,!§- $ill ihm sicherlich hundertfach an Thorawissen; denn beides ist unauflöslich miteinander verbunden. Er bedaure es, daß die Völker Grund hätten, uns Unwissenheit in weltlichen Dingen vorzuwerfen, was zur Stärkung der Autorität dev Religion nid^t beitrage. Deshalb sollte man sich allgemein um Verbreitung profanen Wissens unter den Juden bekümmern. Ich habe einiges davon in meinem Artikel im „Israelit" Nr. 52 des vorigen Jahres.mitgeteilt, wiederhole es aber der Ausführlichkeit wegen. Die Ansichten des Wilnaer Gaon über das Bedürfnis eines umfassenden weltlichen Wissens gewinnen jür uns erst Dann me gsnos AMMM wenn wir uns klar machen, was eigentlich das bedeutendste Merkmal dieses Wundermenschen des Judentums in den letzten Jahrhunderten war, dessen Andenken bis heute unsere Herzen mit erfüllt unb bej|en Name auf die Gemüter Israels eine Zanberlrafi ansübt. Er war Mensch auf Er den, der wie ein Engeldes Himmels hier im I r d i s ch e n ununterbrochen und unfehlbar in der Erfüllung seiner Pflichten gegen den Schöpfer war. Das haben wohl seine Zeitgenossen verstanden und Baßen & MD mm rmW s?' „Rabbi Elijahus Handlungsweise war die eines Menschen, seine Eigenschaften sind zu denen eines Engels geworden, sein menschliches Tun war vom rein Himmlischen durchdrungen." So hat es fein würdigster und wichtigster Schüler, Rabbi Chaim Wolosiner, zum Ausdruck gebracht (s/^nni''in7'Lewin, S. 59 irr Dar inmormno 20.) Ein Ausbringen aller physischen und geistigen Kräfte für Gott, seine Thora, seine Gebote und Studium seiner uns offenbarten Werke — das war das Leben des Wilnaer Gaon. Eine Tra- »Ui?n fein SSßiöui vor jeinem Ableben lan'm'ei. „Wieviel Minuten habe ich in meinem Leben in Bitul Tauro verloren." Rur Minuten konnte er von der ganzen Dauer seines Lebens aufzählen, in welche ne r sich im Ver- Dai$U)ian. nnDerqcBtiotfitf)Sdhd akwesen zu sein von mir» nan Wieweit es bei ihm galt, alles für die Erfüllung einer Mizwoh einzusetzen, sehen wir aus folgender Erzählung: Es war während seiner Wanderung in Preußen, um „Golus zu verrichten". Es war am Taanll ßftttsvj sr mr v?n killkrfntfern^11,0 er Msgills höt'sn tönniß. Ihm DlteD nichts übrig, als nach einem Wagen zu suchen, um noch rechtzeitig zur Megillo zu kommen. Er fand nur einen mit Zöpfen beladenen Wagen und mietete ihn. Unterwegs fiel der Wagen um, die Töpfe zerbrachen, auch der Gaon fiel zu Boden. Der jjuf}rmcmrc umrbe bö[e unb schlug ihn fürchterlich. Der Gaon lief eiligst davon, nicht NUS Aerger über diesen Vorfall, sondern mit dem Wunsche-, so schnell wie möglich nach der Etadt-zu kommen, um noch die Megillo zu hören. Er kam aber zu spat: man halte schon die Megillo gelesen. Er bemüht sich, ein neues Minjon an<juroerben, feine Mühe blieb vergebens. So mutzte'er Leute für Gelb zur Dünung!es Rmjons sich verschaffen und gab einem jeden zwei Silbermünzen. Dabei mußte er das Geld im Voraus zahlen. Als aber der Gaon zu leienen anfing, liefen alle Leute lachend weg, es blieb nttsnB!lW «y mu6*e bie für sich leienen. So oft der Gaon dies erzählte, füllten sich seine Augen mit Tränen. Sv hat sich der Gaon geopfert für die Erfüllung auch von jeder pyn nm auch wahren!) seiner Wanderung. Es ist für ihn nichts schlimmer amchn. als behindert ZU sein in der Er- WW \WM DisnstPsliMM gWn mpn unD nichts erfreulicheres als ihre Ausübung. Desto wichtiger ist es für uns, wenn gerade ein solcher Mann, der im ganzen im Heiligen aufgegangen ist, der sich nicht verzeihen wollte, auch nur gezählte Sekunden des Lebens, für das Geben ber heiligen Thora AU verlieren, es sagt. die Kenntnisse a!ler?8!ssens4ast e n u nddesWesensderKünsteseien notwendig, um die Thora, die alles Wissen universell umfasse, wirklich Au verstehen. (Schächter, Rabbi Elijahu Gaon, Wien 1891). Eben nur weil es für das grünDOMk LrrfLänbni? ^ora konnte der Gaon uns zur Aneignung des Guten aus dem weltlichen Wissen fluffordern und sich..und den anderen es gestatten, die nötige Zeit dafür zu nehmen. Und 'fv sollen wir uns auch das Zweite merken, was 'ex getan hat: Rur das Wesentliche aus dem Weltlichen zu nehmen, aber den Schutt der welt- Wßn WissßnschllfiM mggsumerfen: GürmaBr Ist das belästigende, das erschwerende, erdrückende i n u n s e r e n Z e i t w i s s e n s ch a f t e n, in unserer Zeitweisheit — ihrgroßer S chu t t. Dann müssen wir wieder das beherzigen, was uns einst mm DLliüMn gesagt hat, daß wohl der, welcher im Kopfe die göttliche Weisheit besitzt, auch mit der menschlichen besser fertig werden wird. .(rra -pl nnr) Mit dem Wilnaer Gaon ging eine leben» digeThora in der Welt herum. Eine leben- Ttzsva. sg mu stg una ans Dar fflßfamiDeit der bis jetzt niedergelegten Thoraliieraiur hervorgeht. Eine Verkörperung des vollen Wissens und des ganzen Tuns. Roch mehr: eine Verkörperung des vollen göttlichen Wissens und des geläuterten menschlichen Wissens, so wie es nur durch heiliges Denken iann: Korrespondenzen « ßaebriebten. Vsm RsbSmor-Ssmmar. Berlin, 7. Buli. Die Entlassungsfeier am Rabbiner-Seminar zu Berlin fand auch in diesem Jahre, wie üblich, am Todestage des Begründers der Anstalt, des Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer am 4. Juli (4. Tamus) fiaii. . Sn 2Istu>efenI>eii: fccr gsgsnroärtigon Schüler und Mcr sehr gcehsg Hdhl von G-ifr-n, unUr [14, viele Berliner Rabbiner befanden, hielt der Senior der Dozenten, Dr. Joseph Wohlgemuth, eine groß angelegte Ansprache an die zu entlassenden Rabbiner, Dr. Max Ephraim und Dr. Eli Munk. Er zeichnete die Forderungen, die die Judenheit an sie stelle und gab der sicheren Erwartung Ausdruck, daß sie. die schon bisifev In tlelncm iDla^c für- Kas Öu&dHilim ZlillNki H4ll4ll. sich auch weiterhin bewähren würben. Nachdem Herr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.