Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1927)
- Date
- 1927-07-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450470--74176-2531631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mm FH: 20 2) 8 f 9 I I 8 11 i I 14. 5ul{ 1927 M <?■>] die teilweise oder gar nicht gezahlt wurde. Diese Patienten kommen aus allen Ländern der Welt, in den Nachkriegsjahren vielfach auch, aus Deutschland. Daß die schweizerischen Juden, gering an Zahl und nicht überreich an Mitteln, dieses große Werk nicht allein für die AüöenHeit!er Bell tragen fönnen, umjo weniger als sie ihren Ehrgeiz daran setzen, die Heilstätte in jeder Beziehung auf größter Höhe zu erhalten, leuchtet jedem ein. Die Hilfe muß mit von außen kommen, und, solange Deutschland keine „Etanict" cru^gun»ei^en in ertirjj)rec^endem Matze auch von D e u t s ch l a n d. Eine Unterredung mit dem verdienten Vorsitzenden des schwetzerisihm „hilssvereines" in formierte uns über dessen Pläne, denen wir hier aufs wärmste das Wort reden möchten. Es soll in Deutschland ein Qtojm Silssverein f ü f D i 8 „ 8 i a n i 8" »i( WriMK iti Mm Großstädten gegründet werden, damit die Beiträge von Deutschland nicht, wie bisher, von glück lichen Zufällen abhängen, sondern auf dem Wege fester Mitgliedsbeiträge dem Haufe zufließen. Die in Deutschland gesammelten Gelder werden aber ausschließlich für Sßaiienit aus Deutschland verwendet, für die bislang Gemeinden oder Kaffen in höchst ungenügendem Maße Zuschüsse bewilligten. Bei den bisherigen Beiträgen stand das Haus in Davos vor der Alternative, entweder den heilsuchenden Kranken die Türen zu schließen, oder aus seinen eigenen sHrvaHen Mitteln Den größten Ten Der Selbstkosten zu decken. Vereine im gedachten Sinne mit ordentlichen Mitgliedern und festen Jahresbeträgen würden eine Entlastung bedeuten für die Gemeinden und Kaffen, wie für die „Etania", und denen, die seiner harren, den Segen der Kur in ungeschmälertem Maße sichern. Mit der Gründung einer eigenen Lungenheilstätte in Deutschland hat" es leider noch lange Wege, wenn wir auch den Bestrebungen nach dieser Richtung hin besten Erfolg wünschen. Ist einmal die Anstalt da, so erledigt sich die Frage der Hilfeleistung von Deutschland aus von Mst. Bis Dahin MpMm wir den Plan des schweizerischen Hilssvereins der Beachtung aller zuständigen Stellen in Deutschland. Wir erfüllen damit eine der heiligsten jüdischen Liebespflichten im Lande und tragen einen Teil der Dankesschuld an das Haus in Davos ab. von dem aus seit nun zehn Jahren gNhslMM &irn suHpMt — rnch fm bische Deutschland. tu- Henry Fords Absage an den Antisemitismus. Zur rechten Zeit, am Sabbat, der üns mit dem Thoraabschnitte die Geschichte von dem in Fluchs Vilrnms hrs^tr, wurden wir von den Tageszeitungen mit der Nachricht überrascht, daß der amerikanische Automobilkönig und Großmeister des Weltantisemitismus, Henry Ford, öffentlich und durch Handschreiben an surrende südische ^stersönlichkeilen in aller Feierlichem erkläre hat, von nun ab seinen Feldzug gegen Juden und Judentum einzu st eilen und den Juden, deren wahren Charakter er jetzt erst richtig erkannt hätte, nur noch Liebe, Wertschätzung undAnerkennungentgeg k n ö n n ll e n z u w ll l l ö n. Diö amgrikanMs Presse bringt drese Erklärungen mit langen Kommentaren und in einer Aufmachung, die dem Ereignis des Tages im sensationslustigen Amerika gerecht wird. Es wird dem Schöpfer des amerikanischen Antisemitismus nicht möglich fein, die Bewegung, dik ihm längst MZ Der Hand und Wer Dm Kopf gswachfsn ist, so Sinfsch zu liquidieren, wie er eines seiner Geschäfte, über dessen Rentabilität er sich getäuscht hatte, liquidiert. , Das von ihm begründete Organ „Dearborn Independent" hat das Märchen von den Protokollen der „Weisen von Zion" popularisiert, hat außerdem so viel Grst ^.robu^ert und verbreitest hgß Mit klNkl Gegenerklärung die Wirkung leider nicht mehr aufzuhalten ist. Dennoch wollen wir die Einkehr und Umkehr dieses merkwürdigen Mannes mit Befriedigung und ohne Verdächtigung zur Kennt nis nehmen. Es gibt viele Leute, die sich die Sinnesänderung Fords mit einem Hinweis auf geplante neue Anlegen zu erklären suchen. Ändere wiederum erinnern an den von Sapi x.o gegen Ford angestrengten Beleidigungsprozeß, der, nach Abbruch der Gerichtsverhandlungen, auf außergerichtlichem Wege beigelegt wurde und sprechen ron eineOT SffflR N,SM ltchc Konsequenz die Erklärung anzusehen sei Wir wären nicht abgeneigt, den Schritt Fords und damit dessen Ehrlichkeit, mit dem Erlebnis zu erklären, das Ford mit dem deutschen Antisemitenhäuptling Theodor Fritsch hatte, der es für gut hielt, ein Fordsches Buch nicht nur zu iMfepn, Mein Dingo in MM WM zufälschen, die aus seinem eigenen deutschantisemitischen Dunge gewachsen sind, wofür übrigens dem ehrenwerten Hammer-Herausgeber ein Prozeß angedroht wurde. Es werden verschiedene Faktoren bei der Sache mitgewirkt ha ben. Sf&avutrt sollen tmr aber nicht glauben bür ■ i ■ i < < m* ■ - fen, daß ein kluger Mann einmal einsieht, datz er Jahre hindurch schlecht beraten, von Freunden und eigenen Instinkten auf falscher Fährte gehalten war, und es ehrt den Mann, der seine Schuld einsieht, sie bekennt und bereut und wettzumachen verspricht. Mit dieser Wiedergut- TO£ M sMliH M§ LkN SkkN «lWökU teten Gründen seine Schwierigkeit haben. N212M 711E^ TP3 f'p'SVQ pK V'IIN NX X'VNNI XVN Es berührt uns sympathisch, daß man in j ü d i s ch e n Kreisen Amerikas in die därgebotene Hand einschlägt. Einer der prominentesten Führer quittierte die Fordsche Erklärung mit dem schönen Worte, das auch wir uns zu eigen: machen wollen: „Wir wußten es, batz einmal das Recht über das Unrecht, die Wahrheit über die Lüge triumphieren wird." Wiener Spaziergangs. ii. Gestern abend sah ich mich im Menschengewühl der Straße um. Da kamen Leute in schwarzen Kleidern, jedoch in recht aufgeräumter Stimmung aus einem Gafthauss *>om Leichenschmaus b Rtubenten ln bvnten ^ritzen gingen hm° em. Ich verstand nicht die Trauer jener und noch weniger den Lerneifer dieser — und doch mußte ich wenige Minuten später beim Passieren eines weiten Platzes gestehen, daß es Menschen gibt, die in ihrem Kastengeist die Welt noch weniger verstehen, als säßen sie zeitlebens hinter Folianten. Da sangen nämlich anbere banbgeschmückte tubenten bet treu geöffneten Fenstern ihrer Bude im Chor die altbekanMe Weise des „Gott erhalte" und es wollte mir scheinen, als wären ihre Mützen — Schlafmützen, in denen sie die letzten zehn Jahre verschlafen hätten. Heil dem Lande, das so m% MnstWn Lehrer unD Lenker erließt und einen Numerus clausus der Geistigkeit und politichen Ehrlichkeit schafft. Wehe, wenn etwa ein Student über den Numerus clausus des vorgeschriebenen Prüfungsstoffes hinaus sich in fein Studium versenken wollte, wie es die weniger fang- und trinkfesten Kommilitonen aus dem Osten ruchlos?^absi^ti§^U. Däs Prinzip, das früher dsüi Schutz des privilegierten Herrenhauses vor der leberflutung durch demokratische Elemente dienen sollte, muß jetzt dazu herhalten, aus der Universitas litterarum eine parvitas litterarum zu machen! Doch, wozu immer nur den Splitter im Auge j)ßß MrMn Domorfon? NW ja auch unssüe jüdischen Intellektuellen, sofern sie nicht durch Thora vor Torheiten geschützt sind, nicht weiser und finden nicht den Anschluß an die jüdischen Massen, ohne den Erfolge bei Wahlen undenkbar sind. Sie suchen und finden weder bei den Orthodoxen noch bei den Angestellten, die zahlenmäßig die stärksten Gruppen innerhaw Der Wiener Juden- Seidenu. Garn-Handelsges. m. b.H. 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPHIALHftUi in Näh* und Stick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art schaft darstellen, Vertrauen. Beim Anschluß an Dis ANMMN pten siö MNWW Dag n zielt, was die Wiener Tschechen erreichten: einige Gemeinderatsmandate innerhalb der sozialdemolMWen Flüklimi im Gieren gaiie aber hä!- ten die zersplitterten Stimmen der gesetzestreuen Kleinbürger gesammelt ebenfalls ein für die jüdische Sachs' günstiges Rssultot ergeben müssen. er Aontsmus afietn öe^ttzt viel zu wenige Berührungspunkte mit den Fragen der inneren Politik in Oesterreich, um den Vorstellungs- und Wunschkomplex des Wählers im entscheidenden Moment erfüllen zu können, und so bleiben nur einige prinzipientreue „Alte Herren" als jüdische JVä^ler iibricj. Da sind schon die katholischen Führer bessere Kenner der Massen; sie verstanden und verstehen noch immer, in edlem Wettbewerb mit nationalen und sozialistischen Vereinsmeiern mit Sportfesten und allerlei Benefizien das Volk zu befriedigen. Jeder wirklich ernst zu neh- Versuch einer Üöjütttz der so^inlen Frage, wie ihn etwa vor einem halben Jahre Siedler in der Oberau bei Wien unternehmen wollten, scheitert an der gemeinsamen Abwehr der Führer aller Parteien, und während. eine Reform des Großgrundbesitzes angebracht und möglich wäre, tobt sich Sozialisierung am Hausbesitz aus. Vielleicht ist gerade die Staatssorm bas nebensächlichste; wenn nur im Staat und zwischen den Staaten, im Volk und zwischen den Völkern die absolute Gerechtigkeit der Thora zur Norm würde. Das absolutistische Regime der Kaiserin Maria Theresia hinderte nicht, daß Innenkolonis^tiöll zu ihrer ans einer §teinrnüste den!llühenden Ort Theresienseld bei Wr. Neustadt chuf in der demokratischen Republik dagegen mußte die Oberau schließlich geräumt werden. Der sozialdemokratische Bürgermeister von Wien versagte einer jüdischen Delegation den Empfang; sin Jahr später aber fsisrts sr bsi bsr Cnthülwrtg des ünegerdenkrna^ der geschworene Feind aller „Juden und Sozi" war, als großen Demokraten. Doch nicht mit den österreichischen Parteien will ich mich auseinandersetzen, sondern nur darauf Hinweisen, wie wirksam die Maiandachten 'ind, aus denen nun zur Abendstunde von allen Seifert die Leute Jirömert. ANit biejer £3rtj'tirMiion, die der Kaiyoiizismus wahrscheinlich dem Judenum abgeguckt hat, wird erfolgreiche innere Mision betrieben, während wir, die Lehrmeister, un, als hätten wir Sicherung unseres Besitzstandes und neue Eroberungen im Bereiche unseres Aolkks nicht mehr nötig. Nur in Den orthWoWi Vethäufern Wiens wirb an den Aöenben Sommer wie Winter das traditionelle „Lernen" zwichen dem Mincha- und dem Maarivgebet gepflegt, tnd wenn diese Vorträge auch nicht immer formell so ganz auf der Höhe stehen, bieten sie dem Gemüt unendlich viel Gewinn: sie ziehen vorn ^ürru unh §^7^ W? rein vtgstwtivsn Genüsse? der Frühlingsabende ab in höhere, reiners Sphären und bringen den Hörer mit jedem Abend um eine merkliche Stufe näher zur Vollendung des Thoraempfangens. Zur selben Zeit herrscht aber in den großen Gemeindesynagogen gähnende Leere, da die besser bezahlten und besser ausgerüTtotan ütaDBinßr m mrschmähsn. GsmsM ben an sich herangugiehen. Es wäre aber höchst notwendig, energischere Maßnahmen gegen die Nivellierung des jüdischen Lebens wenigstens zu versuchen, und kein verantwortungsbewußter Mensch dürfte mehr die Hände in den Schoß legen, wenn er nur einige wmigö wahllog hörausgögnsföns EymptsMS dies